Forum: Reise
Abgebrochene Langzeitreisen: Wenn der Traum zerplatzt
Konrad Amandi / Weltreise.de

Was, wenn der große Traum gar nicht traumhaft ist? Wenn die Weltreise zur Qual wird? Drei Langzeitreisende erzählen, warum sie früher als geplant wieder zu Hause eintrudelten.

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upalatus 25.05.2016, 15:39
50.

Zitat von widower+2
Die Beziehung des Fahrradfahrers wird nicht mehr lange halten. Ist er doch quasi gezwungen worden (oder hat sich erpressen lassen), seinen großen Traum aufzugeben. Das wird er seiner Freundin immer und immer stärker bewusst oder unbewusst zum Vorwurf machen. Das hält keine Beziehung auf Dauer aus.
Wenn er weiter seine Glocken beim Extremdistanzenradeln durchgeknödelt hätte, wär die Beziehung durchaus auch aus einem ganz anderen Grunde gescheitert....

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vegas333 25.05.2016, 15:42
51. meinen Respekt ...

an alle die überhaupt egal aus welchen Gründen auch immer so eine Reise antreten!
So eine Reise abzubrechen ist eine persönliche Entscheidung u hat Gründe. Ein scheitern ist es niemals!

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Knossos 25.05.2016, 15:46
52. Heute ist Entdeckungsreise eher Nachfassen

Persönlich habe ich keine Reiseträume. Nur bisweilen Reiseziele.
Bereits in jener Zeit unterwegs gewesen, als Fernreisen noch Wenigen vorbehalten war, und oft aus dem sozialen Umfeld gerissen, habe ich zwischen dem hier und dort weniger Illusionen.

Unzweifelhaft gut tuend der Abstand von deutscher Tretmühle, wo der Mensch unablässig unter Zwang und Regulierung steht. Umgekehrt ist die Administration in Entwicklungsländern oft enervierend, wo zum einen organisatorische Unzulänglichkeit, zum anderen zynische Selbstbefriedigung simpler Gemüter von Amtsschimmeln in unnötige Umstände ausarten (so, wie es auch in Deutschland bis vor ~ 30 Jahren war. - Apropos, bei der Gelegenheit mein Kompliment an den heutigen Beamten in Deutschland, der oft einfühlend und so unbürokratisch ist, wie er kann / seine Amtsgewalt nicht zur Schikane mißbraucht).

Mir scheint, daß der heutige Globetrotter einer vergangenen Zeit nachjagt. Jener Zeit, als es noch keinen eingefahrenen Tourismus und keine Allerweltsbegegnung gab. Als Ankunft für beide Seiten aufregende Bekanntschaft bedeutete, und zugleich eine gewisse sittliche Übereinkunft herrschte, welche den Wohlbehalt Reisender auf weiter Strecke sicherte.

Die unbedarften Zeiten sind vorüber und Reisende inzwischen bis in den letzten Zipfel des Globus vertrautes Phänomen / mit ihrer Alltäglichkeit in die Kategorie "Verdienstquelle" eingegangen.

Vom Hotelmanager bis zum Strauchdieb ist das brennende Interesse südlicher Hemisphäre daran zurückgegangen, den Ankömmling zu befragen und zu hören, wie Landschaft und Sitten wohl sind, wo schweizer Schokolade oder Mercedes-Vehikel herkommen, während der materiell abschöpfende Aspekt im Blick auf Reisende immer weiter in den Vordergrund tritt. Was bringst du mir?

Kara Ben Nemsi ist tot.
Und wer Erkenntnis sucht, findet sie, wo auch immer befindlich.

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hehnsascha 25.05.2016, 15:58
53. ich habe..

..auf meine afrikareisen mit dem wohmobil etliche verrückte kennengelernt, radfahrer, die auf ihrem weg die 2000 km durch die sahara radelten. einer, ein tscheche, lieber kerl, hatte schon die ganze welt bereist, war in russland bis auf die unterhose ausgeraubt worden, er hat immer ein jahr gearbeitet, dann ein jahr getourt, er konnte nicht ohne....
statt einer mitreisenden freundin hatte er sich einen hund angeschafft, angeblich aus sicherheitsgründen. die schleppte er hinter sich in einem hänger her.

auch hier in südostasien trifft man die radler, in laos in den bergen, an der grenze zu burma. gerade jetzt in der regenzeit ein nicht immer angenehmes reisen.
ich habe mit einem besseren moped ganz südostasien exploriert, fast jede nacht in einem anderen guesthouse geschlafen, viele abenteuer erlebt, freundschaften geschlossen. wenn ich an die letzten 12 jahre zurückdenke , kommt es mir vor, als seien es mindestens 20 gewesen, weil in dieser zeit soviel passiert ist. seit 4 jahren habe ich allerdings mein festes quartier, meine habseligkeiten, die davor noch in ein bagpack passten, füllen mittlerweile einen möbelwagen. deutschland, meine kalte heimat, vermisse ich nicht.

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syracusa 25.05.2016, 16:26
54. Ever tried, ever failed. No Matter! Try again, fail again. Fail better.

Zitat von MatthiasPetersbach
Nöh. Ich seh in den geschilderten Fällen auch kein Scheitern - im Gegenteil.
Naja, nach Ihrer Definition des Begriffs kann es demnach kein Scheitern geben. Ich glaube nicht, dass sich diese Definition mit dem Alltagsgebrauch der Sprache deckt.

Um Beckett zu zitieren, der das besser auf den Punkt gebracht hat, als irgend jemand zuvor und danach:

Ever tried, ever failed.
No matter!
Try again, fail again.
Fail better.

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ansv 25.05.2016, 16:54
55.

Zitat von eunegin
Als Semesterferien-Backpacker starte ich nach dem Studium halbwegs erfahren zur großen Reise. Alles gut, aber was war anders? Nach ein paar Monaten reihte man die Orte auf wie Perlen auf einer Kette. Die Aufgabe fehlte, der Sinn. Unterwegs arbeiten? Geht nicht in jedem Land. Die x-te Präsentation für die heimische VHS vorbereiten? Nein danke. Abbruch nach 6 statt ......
Seit ich den Beitrag gelesen habe frage ich mich - und deshalb frage ich jetzt Sie: Warum sind Sie nicht an Orte gereist, die Sie interessiert haben? Also wo Sie Zeit verbringen wollten, um Menschen un Kultur kennenzulernen?

Das ist etwas, was mich an einigen Beiträgen hier irritiert. Ich reise doch aus Neugierde und nicht, weil ich eine Checkliste habe. Selbst wenn ich, weil die Zeit immer sehr begrenzt ist, "nur" ein Land im Urlaub bereise, habe ich doch nur einen ganz rudimentären Plan, denn ich sehe ja erst vor Ort, was mich wirklich reizt und fesselt.

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sykion 25.05.2016, 17:01
56.

Ich glaube Konrad und Natalia haben es als einzige richtig gemacht. Jeder ist seinen persönlichen Lebensweg gegangen, weil nur dieser kann zweisames Glück bedeuten. Durch die Selbstfindung wurde was gemeinsames. Dominik hat seine Zeichen umgedeutet und umdeuten lassen, für sein Ziel.

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Oskar ist der Beste 25.05.2016, 17:13
57. denn Reise Burnout...

...habe ich 2008/2009 auf einer insgesamt sechsmonatigen Weltreise erlebt; Nachdem ich Australien mit dem Fahrrad durchquert hatte, verbrachte ich dann noch 4 Monate in Sued Ost Asien und bin von Tourispot zu Tourispot gereist, was dann dazu fuehrte, dass die ich froh war, dass ich endlich wieder nach Hause durfte und in einem normalen Bueroumfeld arbeiten "durfte". Wichtig auf Reisen in einem laengeren Zeitraum ist, immer wieder "Pausen" einzulegen fuer mindestens 5-7 Tage, die Kamera etc. zur Seite zu legen und dann die Erlebnisse/ Erfahrungen verarbeiten.

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MatthiasPetersbach 25.05.2016, 17:18
58.

Zitat von syracusa
Naja, nach Ihrer Definition des Begriffs kann es demnach kein Scheitern geben. Ich glaube nicht, dass sich diese Definition mit dem Alltagsgebrauch der Sprache deckt.
Natürlich kann es Scheitern geben.

Allerdings glaube ich, daß eher IHRE Interpretation des Wortes nicht dem Sprachgebrauch entspricht.

Aus freien Stücken mit irgendwem Plan aufzuhören, weil es einem doch nicht gefällt oder man sich das anders vorgestellt hat, das ist doch kein Scheitern?

Wenn ich selbstständig bin und höre auf, weil ich genügend verdient habe oder mir was anderes besser gefällt, ist das ja auch kein Scheitern. Im Gegensatz zum gezwungenen Aufhören, weil die Geschäftsidee nicht trägt oder man keine Aufträge hat - oder die nicht hinkriegt.

Letztes Jahr sind wir von der Atlantikküste 3 Tage früher aufgebrochen und nach Südfrankreich gefahren - wegen schlechtem Wetter. Ist das Gescheitert?

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MatthiasPetersbach 25.05.2016, 17:26
59.

Zitat von ansv
Seit ich den Beitrag gelesen habe frage ich mich - und deshalb frage ich jetzt Sie: Warum sind Sie nicht an Orte gereist, die Sie interessiert haben? Also wo Sie Zeit verbringen wollten, um Menschen un Kultur kennenzulernen? Das ist etwas, was mich an einigen Beiträgen hier irritiert. Ich reise doch aus Neugierde und nicht, weil ich eine Checkliste habe…..
Ich fürchte:

Irgendwann ist -bei manchen incl. mir- die Neugier rum. Nach 8 Wochen, nach 3 Monaten, nach nem halben Jahr. Bzw. richtiger: Dann bin ich einfach nicht mehr aufnahmefähig.

Und dann fängt das an, was der Forist wohl mit "einer Perle nach der anderen aufreihen" meint.

Wenn ich 2 Wochen im "stinknormalem" Urlaub in Frankreich war, kann ich 3 Jahre davon erzählen. Wer viel beobachtet, mitkriegt und erfährt, ist damit bei längeren Reisen schnell an der Grenze.

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