Forum: Reise
Als Frau allein unterwegs: "Iran ist das gastfreundlichste Land, das ich kenne"
Helena Henneken

Zwei Monate lang reiste Helena Henneken allein durch Iran. 80 Einladungen, 390 Gläser Tee und 28 Gastgeschenke später ist sie fasziniert von dem Land. Im Interview erzählt sie von strikten Regeln und Nächten im Frauenmatratzenlager.

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dadanchali 21.06.2014, 15:40
1. nee

Zitat von sysop
Zwei Monate lang reiste Helena Henneken allein durch Iran. 80 Einladungen, 390 Gläser Tee und 28 Gastgeschenke später ist sie fasziniert von dem Land. Im Interview erzählt sie von strikten Regeln und Nächten im Frauenmatratzenlager.
Gastfreundschaft mag die schöne eine Seite der Medaille sein. Religiöser Irrsinn und seine abstrusen Auswüchse die Andere.

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guy.brush 21.06.2014, 15:53
2. Schön!

Die gleichen Erfahrungen habe ich auch 2012 in diesem Land gemacht und bis heute bin ich verliebt in den Iran! Toll, dass hier auch mal solche Beiträge liest und nicht nur die typische Medienhetze, welche zu so vielen Vorurteilen in meinem Bekanntenkreis und auch bei mir geführt hatten.

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soldev 21.06.2014, 16:06
3.

Zitat von sysop
Zwei Monate lang reiste Helena Henneken allein durch Iran. 80 Einladungen, 390 Gläser Tee und 28 Gastgeschenke später ist sie fasziniert von dem Land. Im Interview erzählt sie von strikten Regeln und Nächten im Frauenmatratzenlager.
Respekt! Als Frau hätte ich wohl einige Bedenken gehabt und wäre nicht hin gefahren. Meine Erfahrungen im Iran decken sich aber wirklich mit dem Geschrieben. "Sprich ja keine Kinder oder Frauen an!" wurde mir eingebleut - meist haben mich Frauen und Kinder von sich aus angesprochen, während der Mann/Vater am Anfang noch etwas abseits stand. Das mit Einladungen ist wirklich erstaunlich, wenn es auch irgendwann anfängt zu nerven. Man hat kaum mal einen Moment für sich alleine, ist immer umringt von freundlichen Menschen und bekommt an allen Ecken und Enden was geschenkt. Der Getränkelieferwagen hält an und man darf sich was aussuchen, der Angler am See packt einem Fische ein, Gemüse von Bauern, gefrorenes Obst gegen die Hitze usw. usw.
Ich werde dort definitiv noch einmal hin fahren, denn der letzte Besuch war nur Transit nach Turkmenistan...

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federzinkenkultivator 21.06.2014, 16:12
4. Iran-die uralte Kulturnation

Verwechsle niemand das Mullahregime und seine Funktionäre mit der großteils sehr gebildeten und, wie beschrieben, seiner überaus gastfreundlichen Bevölkerung.
Jeder Besucher aus einer freien Welt wird herzlich willkommen geheißen und dann stundenlang ausgefragt.

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AuchNurEinNick 21.06.2014, 16:20
5.

Zitat von dadanchali
Gastfreundschaft mag die schöne eine Seite der Medaille sein. Religiöser Irrsinn und seine abstrusen Auswüchse die Andere.
Ja, das bezweifelt ja auch niemand, dass der Iran eine Menge aufzuholen/zu ändern hat.

Die Frage ist doch aber erstmal, wie steht der Iran eigentlich im Vergleich zu seinen Nachbarn dar? Und ehrlich, da steht der Iran im Vergleich ziemlich gut dar. Vielleicht sollten wir uns mal überlegen, ob es wirklich mit unseren Werten zu vereinbaren ist, Saudi-Arabien zum Freund zu erklären und gleichzeitig den Iran zur Achse des Bösen zu rechnen. Im Vergleich zu Saudi-Arabien herrschen im Iran geradezu paradiesische Zustände und nein, dass heisst nicht, dass ich alles gut finde was da so läuft. Bestimmt tue ich das nicht.

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el-gato-lopez 21.06.2014, 16:30
6. Realitätskontrolle...

Zitat von sysop
Zwei Monate lang reiste Helena Henneken allein durch Iran. 80 Einladungen, 390 Gläser Tee und 28 Gastgeschenke später ist sie fasziniert von dem Land. Im Interview erzählt sie von strikten Regeln und Nächten im Frauenmatratzenlager.
Ach wie putzig. So jetzt nehmen wir mal die Weltschmerz-Romantikbrille ab und widmen und der Realität. Ja, ich will die tatsächlich existierende persische Gastfreundschaft gar nicht in Abrede stellen, mir gehts aber eher um die Zweit-Motivation und das Big Picture hier. Der Iran ist ein Polizeistaat in dem sich Fremde, insb. Westler, sicher nichtt ohne "Schatten", sprich Geheimpolizei usw. bewegen können. Auch wenn die Reisenden das selbst nicht mitkriegen (wollen). Diese Aufpasser sorgen dafür, dass erstens dem Gast garantiert nichts negatives passiert und zweitens, dass alle Personen mit denen der Gast in Kontakt tritt, sich entsprechend von der besten Seite zeigen. In so einer Situation den Gast besonder nett zu behandeln ist natürlich in vollem Interesse der Locals: Zum einem zeigt man damit seinen Linientreue, zum anderen dürfte es im Viertel / Dorf auch dem Sozialprestige dienen, einen solchen ausländischen Gast zu bewirten.

Das Spielchen kenne ich von Kubareisen, da sind die linksbewegten Gringos auch immer total glücklich über die Klischeebefriedigung (alle Einheimischen satt, nett und glüclich und sagen nur gutes übers Regime). Ja, eben, wenn natürlich überall Aufpasser "aufpassen"...

Abgesehen davon, dass eher "spröde" Deutsche jedwede Form von Galanterie und Höfflichkeit gegenüber Gästen gleich für das Nonplusultra in Sachen Gastfreundschaft halten, ist mir als Latino auch nicht fremd. Deutsche sind ja schon total aus dem Häuschen, wenn man sie als Besucher fragt, ob sie zum Essen bleiben wollen.

Nee, nee, von einer Frau, die sich dermassen "weltgewandt" gibt, hätte ich schon etwas mehr kritische Reflexion erwartet...

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crazy.diamond 21.06.2014, 16:42
7.

Zitat von dadanchali
Gastfreundschaft mag die schöne eine Seite der Medaille sein. Religiöser Irrsinn und seine abstrusen Auswüchse die Andere.
Nach dieser Logik dürfte man fast überhaupt nirgendwo mehr hin reisen! Stellen Sie sich vor, der Rest der Welt würde die Deutschen ausschließlich nach ihrer Elend hervorbringenden Europapolitik, dem unmenschlichen Umgang mit Asylbewerbern oder unserer die Märkte in den Entwicklungsländern zerstörenden Subventionierungspolitik beurteilen. Raubtierkapitalismus ist nicht in jedermanns Augen die besserer Alternative zu anderen Politikmodellen. Auch ich habe den Iran auf meinen vielen Reisen als das mit Abstand gastfreundlichste Land überhaupt erlebt!

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der_fremde 21.06.2014, 16:49
8. Mein Bruder und die Iraner.

Zitat von sysop
Zwei Monate lang reiste Helena Henneken allein durch Iran. 80 Einladungen, 390 Gläser Tee und 28 Gastgeschenke später ist sie fasziniert von dem Land. Im Interview erzählt sie von strikten Regeln und Nächten im Frauenmatratzenlager.
Desgleiche war Mal mit meinem Bruder. Vor ca. 25 Jahren zur Zeit des Iran-Iraks Kriegs war er in Iran mit einer Gruppe der Techniker aus Russland. Er beteuerte ebenfalls die äußerste Gastfreundschaft der Iraner. Als die Iraner erfahren haben, dass er deutschstämmig ist, begannen für ihn die echt brüderliche Beziehungen mit seiner Arbeitgeber.
Die Folgen aber waren für den Bruder nicht unbedingt angenehm - am Ende der zweijähriger Dienstreise wollten die Iraner ihn nicht nach Hause fahren lassen, da er, aus ihrer Sicht, zu gut war, um auf ihn zu verzichten. So verblieb mein Bruder in Iran ca. 6 Monate länger, als es geplant wurde. Er hat aber nichts besonderes dagegen gehabt, da die Entlohnung für seine "Leiden" sehr gut entfallen wurde.

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der_fremde 21.06.2014, 17:06
9. Religiöser Irrsinn? Nein - Segen.

Zitat von dadanchali
Gastfreundschaft mag die schöne eine Seite der Medaille sein. Religiöser Irrsinn und seine abstrusen Auswüchse die Andere.
Genau umgekehrt. Wenn man sich bisschen von atheistischer Dogmen abweicht, dann könnte man, wenn man will, merken, dass die religiöse Normen nichts anderes als die optimierten menschlichen Beziehungen sind, die sehr genau mit gegenwärtigen Schlußvolgerungen der sozialer Psychologie korrelieren. Ja, verlangen diese Normen einige Beschränkungen im Verhalten der Menschen, aber als Ergebnis bringen sie die Verhältnisse, die im SPON-Artikel und der Kommentaren der Foristen wiederspiegelt sind. Also bitte vorsichtiger mit der Religion!

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