Forum: Reise
Asatru-Religion in Island: Weisheit der Wikinger

Respekt für die Natur! Ehre den Vorfahren! Die Mitglieder der isländischen Asatru-Gemeinde glauben nicht an einen allmächtigen Gott, dafür an die pragmatischen Lebensweisheiten der Wikinger. Ihr Anführer ist ein bekannter Filmmusiker - Henryk M. Broder hat ihn besucht.

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Born to Boogie 28.05.2010, 11:13
1. Auh ja, das will ich auch

Das gefällt mir.
Wo kann man denn da beitreten ?

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hannah16 28.05.2010, 11:28
2. Asatru Religion

Was noch interessant zu wissen wäre, ist ob zu dieser Religion auch der Glaube an Elfen gehört. Der Sex mit diesen soll laut dieser Dame hier übrigens überirdisch sein: http://www.vbs.tv/de/guidetosex/icelandic-elf-sex

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doc-e 28.05.2010, 12:40
3. Ásatrú in Deutschland / Österreich / Schweiz

Ásatrú gibt es auch in Deutschland, unter dem Namen "Germanisches Heidentum", was zumindest in in unserem Verein nichts mit "Germanentümelei", "Ewiggestrigkeit", "Nationalromantik" zu tun hat.

Unser Verein, einer der größten Ásatrú-Vereine für D/A/CH/NL ist der Eldaring e.V.:
www.eldaring.de
Hier finden sich auch Informationen und ein Diskussionsforum.

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Manegarm 28.05.2010, 12:56
4. Asatru in Deutschland

Zitat von Born to Boogie
Das gefällt mir. Wo kann man denn da beitreten ?
In Deutschland praktizieren mehrere hundert Menschen Asatru, genau kann man das nicht sagen, wei lder Organisationsgrad nicht besonders hoch ist. Es gibt mehrere eingetragene Vereine und so einige lose Gemeinschaften. Näheres unter http://de.wikipedia.org/wiki/Asatru#Deutschland

Zu der Religion bzw. dem Glauben kann man nicht im klassischen Sinne konvertieren oder beitreten, man macht es oder man macht es nicht. Beitreten kann man oben erwähnten Vereinen.

Mehr Informationen gerne bei Interesse und/oder PN

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Zero Thrust 28.05.2010, 15:26
5. Ey, fett alta - isch hab krass Respekt für dir!

Zitat von sysop
Respekt für die Natur!
Müsste es nicht heißen: Respekt vor der Natur?
Wirkte zumindest auf mich auch schlüssiger, denn, was wir für die Natur übrig haben, das ist der großen Mutter so was von schnuppe. Uns selbst sollte es das nicht sein.

Zitat von
Die Mitglieder der isländischen Asatru-Gemeinde glauben nicht an einen allmächtigen Gott
Sofern sie ihrem Namen jedoch auch nur in Grundzügen gerecht werden, sollte man - mindestens der Vollständigkeit halber - doch bitte hinzufügen, dass sie zwar nicht an einen, dafür wohl aber an mehrere Götter glauben dürften. Diese Position jedenfalls entspräche dem, was man eigentlich und gemeinhin unter Ásatrú versteht - dabei nämlich handelt es sich unmissverständlich um eine Religion polytheistischer Prägung. Und da kommt man auch schlecht dran vorbei, da mir nicht ganz einleuchten will, wie oder weshalb man sich mit solch einem tollen, verschrobenen, abgehobenen Begriff schmücken können sollte - oder dies auch nur wollte - wenn man sich gleichwohl aber dem im Grunde Entscheidenden dabei, d.h. dem Glauben an die jeweiligen Götter, entledigt. Zumal das Wort Ásatrú ins Deutsche übersetzt nichts anderes heißt, als so viel wie "Götterglaube" oder "Gottestreue". *g*

Na fein, Hauptsache man fühlt sich gut damit. :)

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gl11 29.05.2010, 03:20
6. es ging ums Almmächtigsein

Zitat von Zero Thrust
Sofern sie ihrem Namen jedoch auch nur in Grundzügen gerecht werden, sollte man - mindestens der Vollständigkeit halber - doch bitte hinzufügen, dass sie zwar nicht an , dafür wohl aber an Götter glauben dürften.
Die Betonung lag auch nicht auf "einen", sondern auf "allmächtigen". Es gibt keinen allmächtigen Diktator im Heidentum.

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cherubian 29.05.2010, 06:06
7. Vorsicht

sei geboten bei der Verwendung des Begriffes Wikinger. Es waren keine Wikinger,die Island besiedelt haben, sondern Norweger. Diese Norweger haben aus vielerlei Gruenden ihre Heimat verlassen. Zum einen waren Gruende wie Ueberbevoelkerung, Nahrungsnot und zu wenig Platz die Gruende fuer das Auswandern, auf der anderen Seite gab es neue Schiffstechniken und eine unbaendige Abenteuerlust unter den Menschen. Auf jeden Fall verliessen die Norweger Norwegen und stiessen zufaellig auf Island. Sie selber nannten sich aber Nordmenn und nicht Wikinger. Das erste Mal erwaehnt wird der Begriff Wikinger in einer altenglisc hen Chronik, die einen Angriff der Nordmaenner beschreibt.

Interessant ist, dass auf Island im Jahre 1000 auf dem Althing beschlossen wurde, das Christentum als Staatsreligion einzufuehren. Es gab keine lange christliche Bekehrung, sondern einfach nur den Beschluss. Doch war dies nur eine Geste nach Aussen hin. Was die Einwohner zuhause so trieben, war egal.

Wenn man von Asatru spricht kann nicht von einem Glauben an die weisen Worte der Wikinger gesprochen werden, sondern vom Glauben an die Asen, die neueren Goetter der nordischen Mythologie. Die Quelle fuer unser heutiges Wissen ueber diese Mythologie ist uebrigens die Snorri-Edda (Codex Regius).Die Snorri-Edda ist ein Lherwerk ueber die islaendische Dichtkunst, und um diese Kunst erlernen zu koennen, muss man einiges Wissen ueber die altnordischen Goetter haben. Aus diesem Grunde hat Snorri eine Einfuehrung in die Mythologie an den Anfang seines Werkes gestellt. Nicht, weil er daran geglaubt hat- er war vielmehr glaeubiger Christ.

Was ich sagen will; man muss vorsichtig sein mit den inflationaer verwendeten nordischen Begrifflichkeiten. Kein Nordmann hat sich selber Wikinger genannt, die Islaender waren ab dem Jahr 1000 Christen und ihre Welt war durchmischt von kontinental-christlichen Vorstellungen. Ebenfalls kann der Glaube an die Asen nicht ohne den Glauben an die verschiedenen Goetter existieren.

Interessant finde ich, dass in Laendern wie Deutschland oder der Schweiz hauptsaechlich die Kelten die vorherrschenden Staemme waren, dass aber trotzdem ein riesen Interesse am Germanentum besteht. Bemerkenswert.


Quellen: Vries, Jan de. Altnordische Literaturgeschichte.
Beck, Heinrich. Germanische Religionsgeschichte.
Uecker, Heiko. Studein zum Altgermanischen.
Rosenblad, Esbjoern. Iceland from past to present

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cherubian 29.05.2010, 10:46
8. Wodan

Zitat von gl11
Die Betonung lag auch nicht auf "einen", sondern auf "allmächtigen". Es gibt keinen allmächtigen Diktator im Heidentum.
Heisst dies, dass Sie wirklich an Goetter wie Oden, Thor oder Hel glauben? Dass sie wirklich und wahrhaftig existieren?

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kalumeth 29.05.2010, 12:16
9. "Götter"-Glaube beschreibt doch lediglich natur-psychologische Aspekte

Zitat von Zero Thrust
...wohl aber an Götter glauben dürften. Diese Position jedenfalls entspräche dem, was man und gemeinhin unter Ásatrú versteht - dabei nämlich handelt es sich unmissverständlich um eine Religion polytheistischer Prägung. ... Zumal das Wort ins Deutsche übersetzt nichts anderes heißt, als so viel wie "Götterglaube" oder "Gottestreue". *g*
befasst man sich damit mal etwas genauer, verschwimmen die Unterschiede zum (Ur-)Christentum und sind viel geringfügiger, als römische und orthodoxe Christen oder aber Aheisten das gemeinhin glauben möchten:

Anfangs in Mesopotamien weiterentwickelter p s y c h o l o g i s c h e r Planeten-"götter"-glaube, reloaded in der ur/christlichen Abendmahlsdarstellung von Leonardo da Vinci. Johannes *lächelt* dort genau wie Mona Lisa...
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskuss...ung.2C_Quellen

...und Wotan, Thor(=Jupiter), Odin lassen sich psychologisch allesamt in die mesopotamische, später griechische "Götter"welt übersetzen! (Lit. Starhawk, Der Hexenkult - die Urreligion der Großen Göttin)

Sternenfrömmigkeit (WandelSterne = Planeten) gibt es seit Beginn der megalithischen Kreisgraben-Kulturen. Wobei die Kunde erst langsam wuchs. Zunächst beschränkte sie sich im bronzezeitlichen Europa auf Sonne und Mond. Götter- und Märchen-Analogien entstanden, die psychologische Archetypen des Tierkreises beschreiben (Lit. 'Der tiefe Brunnen - Märchen und Astrologie' von Claus Riemann, Psychologe & Familientherapeut).

Einen Entwicklungsschub erhielt Astrologie durch systematisch-vergleichende Planetenbeobachtungen im älteren mesopotam. Reich. Hier wurde zuerst die 5-Tage-Woche zu Ehren der mit bloßem Auge sichtbaren Planeten“götter“ eingeführt: (franz.) Mar-di, Mercre-di, Jeu-di, Ven-dredi, Sa-medi (engl. Satur-d.
Im jüngeren babylonischen Reich wurden Ehrentag für Sonne und Mond hinzugefügt. Von hier aus gelangte die 7-Tage-Woche in die Bibel.

Nach psychologischen Planetengötter-Legenden der Babylonier, Ägypter und Griechen, befasste sich auch Hildegard v. Bingen im 13. Jhdt. mit Astrologie.

Zitat: O Mensch, schau dir doch den Menschen richtig an: Der Mensch hat ja Himmel und Erde und die ganze übrige Kreatur schon in sich selber und ist doch eine ganze Gestalt. (Hildegard von Bingen)


Der theologische Weggefährte Luthers, Melanchton, gründete im 16. Jhdt. einen Lehrstuhl für Astrologie. Luther selbst distanzierte sich später jedoch mehr und mehr davon, denn die kath. Kirche versuchte, ihn mittels (insofern mißbrauchter!) Deutung seines Horoskops kaltzustellen.

Erst 100 Jahre später gelang es dem Theologen und Astronomen Joh. Kepler, Planetenbahnen math. eindeutig zu beschreiben. Er brachte Astrologie damit große Schritte voran. Warnte jedoch gleichzeitig vor allzu leichtfertigem, abergläubigem Gebrauch:
"Die Sterne zwingen nicht, sie machen nur geneigt", gab er Wallenstein zu bedenken, dem er zwei Horoskope erstellte.

Keplers Mutter landete bald wg. Hexereiverdachts im Kerker. Nur durch Beziehungen konnte Kepler sie wieder herausholen. Dennoch starb sie an den Folgen der Folter. (wikipedia.de)

Nach dem 30-jähr. Krieg wurde Astrologie zeitweise bedeutungsloser.

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