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Asatru-Religion in Island: Weisheit der Wikinger

Respekt für die Natur! Ehre den Vorfahren! Die Mitglieder der isländischen Asatru-Gemeinde glauben nicht an einen allmächtigen Gott, dafür an die pragmatischen Lebensweisheiten der Wikinger. Ihr Anführer ist ein bekannter Filmmusiker - Henryk M. Broder hat ihn besucht.

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Hrogar 29.05.2010, 15:17
10. @ Kalumeth

Den Unterschied zwischen Asatru und Christentum (auch Ur-Christentum) sind doch wirklich gross. Christen und andere Monotheisten glauben an eine Wahrheit, und zwar an eine wahrheit die einmal Jemand aufgeschrieben hat. In Asatru gibt es keine universale Wahrheit oder heilige bücher wie die Bibel. Die Christen leben für das Jenseits, Asatruar leben für dieses Leben. Das sind nur einige Unterschieden. Und es gibt nog viel mehr.
Auch den Übersetzung zu Griechischen Götter ist nicht richtig. Die unterschieden sind zwar etwas kleiner, aber für die Übersetzung sind vor allen die Römer verantwortlich. Und die haben das gemacht, ohne viel über die germanischen Völker zu wissen. Dabei war es ihr ziel die eroberten Stämme zu romanisieren. Das haben die Römer getan um diese eroberten Stämme an Rom zu binden. Dabei ist es logisch das sie die Unterschieden einigermasse weggeputzt haben.

Grüssen,
Hrogar

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gl11 29.05.2010, 16:07
11. ...

Zitat von cherubian
Heisst dies, dass Sie wirklich an Goetter wie Oden, Thor oder Hel glauben? Dass sie wirklich und wahrhaftig existieren?
Ich? Nö. Aber ich mag Asatru und interessiere mich ein wenig dafür. Ich bin aber kein Asatruer.

Interessant ist aber auch ihre beinahe erschrocken wirkende Frage. In einem Thema zu irgendeiner monotheistischen würde wohl keiner erstaunt fragen, ob man denn tatsächlich an Gott glaube...

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cherubian 29.05.2010, 17:37
12. Richtig

Zitat von gl11
Ich? Nö. Aber ich mag Asatru und interessiere mich ein wenig dafür. Ich bin aber kein Asatruer. Interessant ist aber auch ihre beinahe erschrocken wirkende Frage. In einem Thema zu irgendeiner monotheistischen würde wohl keiner erstaunt fragen, ob man denn tatsächlich an Gott glaube...
Meine Frage ist ein wenig erschrocken. Da haben Sie Recht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand wirklich an Oden oder Thor als existierende Goetter glaubt. Auf der anderen Seite kann ich mir aber auch keinen allmaechtigen christlichen Gott vorstellen.

Die altnordischen Menschen hatten ein anderes Weltbild, als das Weltbild des christlich gepraegten modernen Europas. Es ging um Ehre und Rache. Wenn man die altislaendischen Sagas liest, wird dies nur allzu deutlich. In der Asmundar saga kappabana toetet Asmund einen anderen Helden. Auch Gisli ist ein bekannter Name. Aber ebenso waren die NMordmaenner auch Haendler und Bauern.

Das Interessanteste ist jedoch die rege Literaturproduktion auf Island. So wurde in den Jahren 970 bis 1300 auf der Insel mehr Literatur verfasst, als zur selben Zeit auf dem Kontinent. Das reicht von Gebrauchstexten wie Gesetzestexten ueber Skaldendichtung bis zu den Sagas. Die beruehmte Snorri- oder Prosa-Edda hingegen wurde erst viel spaeter in der heute ueberlieferten Form verfasst.

Wie dem auch sei. Der alte Norden ist sehr interessant. Wenn man mal eine Saga auf altislaendisch gelesen hat, dann kann man nicht anders, als mehr lesen zu wollen. Von daher verstehe ich auch das Interesse von Asatru an der Welt der Nordmaenner. Auf der anderen Seite muessten Asatruar konsequenterweise an die Asen glauben, und diese Idee finde ich ein wenig befremdend. Aber eben nur, weil ich mir KEINE Existenz IRGENDEINES Gottes vorstellen kann.

Und das Schlimmste sind diejenigen Menschen, die Wikinger so cool finden, mit einem Thorhammer um den hals herum laufen (der uebrigens ueberwiegend von Frauen getragen wurde) und sich selbst als Heiden bezeichnen.

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gl11 29.05.2010, 21:15
13. durchaus

Zitat von cherubian
Auf der anderen Seite muessten Asatruar konsequenterweise an die Asen glauben, und diese Idee finde ich ein wenig befremdend.
Das finde ich in der Tat auch etwas befremdlich. ;)
Ich denke, ein einfaches "back to the roots" ist auch weder möglich noch vernünftig. Wir haben uns immerhin weiterentwickelt und wissen, dass die Funktionsweise der Welt auf Gesetzen beruht, die keiner bewussten Kontrolle zu unterliegen scheinen. Es bedarf also wenn dann einer modernen Sichtweise, in der Odin, Thor usw. in gewisser Weise poetisch betrachtet werden müssen und man sie als Ausdruck einer allgemeinen Göttlichkeit allen Seins ansieht.
Ein tatsächlicher Bezug zu dem einstigen Glauben ist jedenfalls nicht möglich, denn das hieße, dass man das heutige Wissen wieder aufgäbe. Die Menschen von einst wussten ja nichts von einem wissenschaftlichen Weltbild. Und darauf beruhte ihr Glaube, der ihnen vor allem auch als "naturwissenschaftliches Weltbild" diente, denn er beruhte durchaus auf Beobachtungen der Natur.
Ich sehe Religionen wie den Asatru aber als Möglichkeit, dass der Mensch sich auf psychischer Ebene mit der Welt verbinden kann und dadurch ein wirkliches Bewusstsein von der Umwelt (Umweltbewusstsein) entwickeln kann. Jenseitsorientierte Religionen wie Islam oder Christentum bedingen allenfalls das Gegenteil.

Ich verstehe jedenfalls Ihre Position, denke ich. Eine tatsächliche Rehabilitation der nordischen Religiosität wird nicht möglich sein. Wenn diese Richtung sich wieder etablieren will, muss sie eine moderne Interpretation davon werden.
Allerdings denke ich, das wir diese dringend nötig haben, um unseren Platz in der Welt richtig bestimmen und ein gesundes Verhältnis zu ihr aufbauen zu können.
(Im Heidentum wird nicht angenommen, dass die Welt für den Menschen da ist. Dies nämlich ist ein gefährlicher Grundirrtum im Monotheismus).

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Manegarm 31.05.2010, 09:55
14. interpretatio Romana

Zitat von kalumeth
...und Wotan, Thor(=Jupiter), Odin lassen sich psychologisch allesamt in die mesopotamische, später griechische "Götter"welt übersetzen! (Lit. Starhawk, Der Hexenkult - die Urreligion der Großen Göttin)
Nicht wirklich. Nordische Götter haben nicht so fest umrissene "Zuständigkeitsgebiete" wie die griechisch-römischen, und zum Teil überschneiden sich diese, das ist alles andere als eindeutig Tacitus z.B. setzte Thor statt mit Jupiter mit Herkules gleich.

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Manegarm 31.05.2010, 10:07
15. Was man muß und wie schlimm man ist

Zitat von cherubian
Auf der anderen Seite muessten Asatruar konsequenterweise an die Asen glauben, und diese Idee finde ich ein wenig befremdend. Aber eben nur, weil ich mir KEINE Existenz IRGENDEINES Gottes vorstellen kann.
Man darf nicht meinen, heidnische Religionen seien strukturell mit monotheistischen identisch. Als Heide muß man überhaupt nichts glauben, es gibt weder Dogmen noch Glaubensbekenntnisse. Es gibt durchaus unterschiedliche Ansichten darüber, was ein Gott überhaupt ist, das geht von tatsächlichen, personellen Wesen über personifizierte Naturkräfte bis zu Archetypen, die "nur" im Hirn und Herz der Gläubigen existieren. Es geht da weit mehr darum, was man verehrt, und nicht, was man glaubt.
Mit dem Christentum hat sich der Religionsbegriff gewandelt, während Cicero religio noch auf religere (aufsammeln) zurückführte und damit das Befolgen der überlieferten Rituale meinte, leitete Kirchenvater Lactantius sie von religare (rückbinden) ab; dieses Verständnis von Religion als Rückbindung (zu Gott) herrscht heute vor, ist aber auf Heidentum im allgemeinen nicht anwendbar.

Zitat von
Und das Schlimmste sind diejenigen Menschen, die Wikinger so cool finden, mit einem Thorhammer um den hals herum laufen (der uebrigens ueberwiegend von Frauen getragen wurde) und sich selbst als Heiden bezeichnen.
Ach ja? Vielen Dank. Ganz, ganz schlimm sind wir. *kopfschüttel ob so viel Ignoranz*

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Manegarm 31.05.2010, 10:08
16. moderne Interpretation

Zitat von gl11
Eine tatsächliche Rehabilitation der nordischen Religiosität wird nicht möglich sein. Wenn diese Richtung sich wieder etablieren will, muss sie eine moderne Interpretation davon werden.
Das ist sie. Selbstverständlich hat sich die Welt die letzten 1000 Jahre weiter gedreht, und wir mit ihr.

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kalumeth 01.06.2010, 09:18
17. Sie haben auch Recht...

Zitat von Hrogar
Den Unterschied zwischen Asatru und Christentum (auch Ur-Christentum) sind doch wirklich gross. Christen und andere Monotheisten glauben an eine Wahrheit, und zwar an eine wahrheit die einmal Jemand aufgeschrieben hat. In Asatru gibt es keine universale Wahrheit oder heilige bücher wie die Bibel. ... Grüssen, Hrogar
Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie das heutuge Mainstream-christentum betrachten. Doch der Textkanon der bibel wurde erst ein paar generationen nach Christi Geburt auf dem (römischen!) Konzil von Nicäa festgelegt. Genauso der -jüdisch-monotheistische- "Gottesstatus" von Jesus v. N.

Hingegen öffnet das Bild "Stern von Bethlehem" und die "Weisen aus dem Morgenland" ein ganz anderes be-Schaufenster. Nämlich das zur -zivilisierten- heidnischen Astrologie. Und die ist nähmlich im orientalischen und im keltisch-germanischen Raum durchaus ähnlich gewachsen, weil sie sich auf psychologische Prinzipien der menschlichen Seele stützt. Götter sind dabei lediglich Synonyme für menschliche Seelenbereiche. Genauso, wie die 12 (christl.)Jünger mit Sicherheit a u c h für die zwölf Tierkreisprinzipien stehen!
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskuss...ung.2C_Quellen
Für mich ist christentum n a c h der konstantinischen Wende eine mehr oder weniger "schöne" Staats/T h e o r i e, während (zivisiertes) Heidentum psychisch-seelische Praxis wiederspiegelt.

Ich gebe zu: speziell über Asatru weiß ich nichts.

Doch das hier schon:
Sternenfrömmigkeit (WandelSterne = Planeten) gibt es seit Beginn der megalithischen Kreisgraben-Kulturen. Wobei die Kunde erst langsam wuchs. Zunächst beschränkte sie sich im bronzezeitlichen Europa auf Sonne und Mond. Götter- und Märchen-Analogien entstanden, die psychologische Archetypen des Tierkreises beschreiben (Lit. 'Der tiefe Brunnen - Märchen und Astrologie' von Claus Riemann, Psychologe & Familientherapeut).

Einen Entwicklungsschub erhielt Astrologie durch systematisch-vergleichende Planetenbeobachtungen im älteren mesopotam. Reich. Hier wurde zuerst die 5-Tage-Woche zu Ehren der mit bloßem Auge sichtbaren Planeten“götter“ eingeführt: (franz.) Mar-di, Mercre-di, Jeu-di, Ven-dredi, Sa-medi (engl. Satur-d.)
Im jüngeren babylonischen Reich wurden Ehrentag für Sonne und Mond hinzugefügt. Von hier aus gelangte die 7-Tage-Woche in die Bibel.

Dankeschön für Ihren Einwand

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Ilja 01.06.2010, 10:13
18. Naturreligion

Zitat von sysop
Respekt für die Natur! Ehre den Vorfahren! Die Mitglieder der isländischen Asatru-Gemeinde glauben nicht an einen allmächtigen Gott, dafür an die pragmatischen Lebensweisheiten der Wikinger. Ihr Anführer ist ein bekannter Filmmusiker - Henryk M. Broder hat ihn besucht.
Als ich in China war, fand ich sehr interessant, dass im Taoismus, einer sehr alten polytheistischen Naturreligion, Götter verehrt werden, die den alten germanischen und keltischen Göttern sehr ähnlich sind. Es gibt auch heilige Berge, Seen und Quellen, wie in den alten europäischen Religionen. In den taoistischen Tempeln kann man deshalb als Europäer manchmal das Gefühl haben, sich auf eine Zeitreise in die eigenen kulturelle Vergangenheit zu begeben.

Kann es sein, dass für diese Religionen ein gemeinsamer Ursprung existierte, der verlorenging?

Ilja

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sgt. karotte 01.06.2010, 10:28
19. Keltentum

Zitat von cherubian
Interessant finde ich, dass in Laendern wie Deutschland oder der Schweiz hauptsaechlich die Kelten die vorherrschenden Staemme waren, dass aber trotzdem ein riesen Interesse am Germanentum besteht. Bemerkenswert.
Das Interesse an den Kelten, als die ursprünglichen Bewohner des Alpenraums sowie Süddeutschlands, ist in diesen Regionen ungebrochen. Es gibt auch und gerade in den Alpenländern eine Wiederbelebung der keltischen Glaubensrichtungen, die nicht viel mit den Inselkelten zu tun haben. Da die Römer nach ihrer Invasion ziemlich gründlich waren, ist die Quellenlage sehr schlecht. Dazu trugen auch die Kelten selbst, durch ihre orale Wissensvermittlung und das Schriftverbot in spirituellen Dingen bei.

Ausserdem hat das Keltentum den Vorzug historisch nicht so belastet zu sein.

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