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Asatru-Religion in Island: Weisheit der Wikinger

Respekt für die Natur! Ehre den Vorfahren! Die Mitglieder der isländischen Asatru-Gemeinde glauben nicht an einen allmächtigen Gott, dafür an die pragmatischen Lebensweisheiten der Wikinger. Ihr Anführer ist ein bekannter Filmmusiker - Henryk M. Broder hat ihn besucht.

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tetaro 01.06.2010, 10:59
20. Polytheismus

Zitat von Ilja
Als ich in China war, fand ich sehr interessant, dass im Taoismus, einer sehr alten polytheistischen Naturreligion, Götter verehrt werden, die den alten germanischen und keltischen Göttern sehr ähnlich sind. .. Kann es sein, dass für diese Religionen ein gemeinsamer Ursprung existierte, der verlorenging? Ilja
Ich denke einfach, wir finden im Polytheismus psychologische Archetypen, denen Namen gegeben werden. Diese Archetypen des menschlichen Empfindens können sich dadurch in der Alltagserfahrung manifestieren und zu ener Strukturierung der Wahrnehmung führen. Wer sich z.B. Artemis als Göttin der Weisheit vorstellt, bringt die Weisheit in eine Form, die er physisch fassen und verehren kann.

Dass diese Strukturierung der Welt durch den Monotheismus verloren gegangen ist, finde ich bedauerlich. Das religiösen Leben der alten Römer beispielsweise halte ich für lebendiger, toleranter und lebensnäher als das spätere Christentum, wenn man den Anspruch aufgibt, dass die "Wahrheit" für den Menschen klar erkennbar ist. Diesen Anspruch, den das Christentum verstärkt in die Welt gebracht hat, hatten die Polytheisten nicht; in dieser Art waren sie demütiger, und daher konnten sie sich auch die größere Toleranz erlauben.

Win weiteres Problem ist beim Christentum das Verbot der Bilddarstellung, was die Funktion der psychologischen Archetypen direkt torpediert und daher zumindest im Katholizismus ständig unterlaufen wird. Die Zweige des Christentums, die am stärksten daran festhalten, sind meines Erachtens auch die strengsten und am wenigsten lebensfrohen.

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kalumeth 02.06.2010, 08:49
21. Das Abendmahl: eine Brücke zwischen Christen und zivilisierten Heiden

Zitat von tetaro
wir finden im Polytheismus psychologische Archetypen, denen Namen gegeben werden. Diese Archetypen des menschlichen Empfindens können sich dadurch in der Alltagserfahrung manifestieren und zu ener Strukturierung der Wahrnehmung führen. Dass diese Strukturierung der Welt durch den Monotheismus verloren gegangen ist, finde ich bedauerlich. Win weiteres Problem ist beim Christentum das Verbot der Bilddarstellung, was die Funktion der psychologischen Archetypen direkt torpediert und daher zumindest im Katholizismus ständig unterlaufen wird. .
Bin ja ganz Ihrer Meinung!

Doch neben dem Mitreformator Melanchton, Prof. für Astrologie, hat auch Leonardo da Vinci die ("polytheistischen") psychologischen Archetypen im Abendmahl der Zwölf Jünger prächtig ausgestaltet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskuss...ung.2C_Quellen

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cherubian 02.06.2010, 10:44
22. Wikinger

Zitat von Manegarm
Man darf nicht meinen, heidnische Religionen seien strukturell mit monotheistischen identisch. Als Heide muß man überhaupt nichts glauben, es gibt weder Dogmen noch Glaubensbekenntnisse. Es gibt durchaus unterschiedliche Ansichten darüber, was ein Gott überhaupt ist, das geht von tatsächlichen, personellen Wesen über personifizierte Naturkräfte bis zu Archetypen, die "nur" im Hirn und Herz der Gläubigen existieren. Es geht da weit mehr darum, was man verehrt, und nicht, was man glaubt. Mit dem Christentum hat sich der Religionsbegriff gewandelt, während Cicero religio noch auf religere (aufsammeln) zurückführte und damit das Befolgen der überlieferten Rituale meinte, leitete Kirchenvater Lactantius sie von religare (rückbinden) ab; dieses Verständnis von Religion als Rückbindung (zu Gott) herrscht heute vor, ist aber auf Heidentum im allgemeinen nicht anwendbar. Ach ja? Vielen Dank. Ganz, ganz schlimm sind wir. *kopfschüttel ob so viel Ignoranz*
Wogegen ich mich wende, ist die Uberromantisierung von Wikingern und u.a. auch dem Mittelalter. Wenn Sie ein Heide mit Thorshammer sind, sollten Sie auch wissen, dass der Hammer ein Glueckssymbol fuer Frauen war. Und Sie haben mich offenbar nicht verstanden, oder meine Posts nicht gelesen. Ich bin Altskandinavist (Ich habe Skandinavistik studiert) und habe grosses Interesse an Island und der altnordischen Kultur. Ich habe die Eddas in Originalsprache gelesen, ebenso einige Sagas. Meine Magisterarbeit hat die Besiedlung Islands mit dem Exodus der Bibel verglichen. Von Ignoranz kann hier wohl keine Rede sein.

Und nochmal: was ich schlimm finde sind die Leute, die sagen: Woah, Wikinger waren sooo cool, die hatten Hoernerhelme (was nicht stimmt). Und die waren so coole Heiden., mit thor und Oden (was auch nicht stimmt). Jetzt will ich auch Heide sein. Und um besonders cool zu sein, binde ich mir nen Thorshammer um den Hals. Eben das heide-sein als Modetrend.

Wie ich bereits gesagt habe, war auf Island ab dem Jahre 1000 das Christentum Staatsreligion. Und das Christentum hat grosse Veraenderungen in der Bevoelkerung Islands hervor gerufen. Und genau so gab es auch unter den coolen Wikingern viele, die eben nicht Heiden, sondern Christen waren. Man sollte die Wikinger halt nicht immer nur auf die Zeit der Raubzuege limitieren.

Manchmal koennte das Lesen von vorherigen Artikeln doch von Vorteil sein Pkopfschuettel ob so viel ignoranzP

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Manegarm 02.06.2010, 14:35
23. Entschuldigung

Zitat von cherubian
Wogegen ich mich wende, ist die Uberromantisierung von Wikingern und u.a. auch dem Mittelalter. Wenn Sie ein Heide mit Thorshammer sind, sollten Sie auch wissen, dass der Hammer ein Glueckssymbol fuer Frauen war. Und Sie haben mich offenbar nicht verstanden,
Offenbar ist das so, dafür möchte ich mich entschuldigen.
Daß Wikinger- und Mittelalter-Reenactment bloß LARP und keine experimentelle Archäologie ist, sind wir uns einig. Daß für viele der Hammer lediglich Mode-Accessoir ist, auch. (Was daran so schlimm sein soll, erschließt sich mir allerdings nicht.)
Es stößt eben sauer auf, wenn man permanet lesen und hören muß, daß die eigene Religion ein Modespaß oder jugendliche Rebellion bzw. man selbst nur ein Rollenspieler oder schlimmer gar gleich ein Nazi sei. Da bekommt man schnell etwas in den falschen Hals.
Übrigens, daß der Hammer früher vorwiegend oder sogar nur von Frauen getragen wurde, ist mir durchaus bewußt. Heute ist das eben anders - wir leben heute, nicht vor 1000 Jahren.

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spiegel-hai 16.03.2011, 17:00
24. .

Zitat von cherubian
... Interessant finde ich, dass in Laendern wie Deutschland oder der Schweiz hauptsaechlich die Kelten die vorherrschenden Staemme waren, dass aber trotzdem ein riesen Interesse am Germanentum besteht. Bemerkenswert.
Da haben Sie Recht, wenn man die Grundaussage bezüglich der Zugehörigkeit so nicht ganz stehen lassen kann. Die Kelten überwogen vermutlich ab der Spätantike im mittel- und süddeutschen Raum, im norddeutschen Raum die Germanen, wohingegen, grob gesagt östlich der Elbe slawische Völker lebten.
Einschränken muß man im übrigen solche Zuordnungen, weil von vielen Volkstämmen im Grunde nicht bekannt ist, ob sie Kelten oder Germanen waren, wie auch immer man die Unterschiede definieren mag. Darüberhinaus haben die Römer in ihrem Einflußbereich die verschiedenen Stammesbevökerungen je nach Bedürfnis munter umgesiedelt, und die Völkerwanderungen trugen auch ihren Anteil dazu bei.

Die Germanenbegeisterung erklärt sich vermutlich zwanglos sowohl aus dem Umstand, daß sich beispielsweise in der Edda spätheidnische Vorstellungen überliefert haben, wohingegen es zu den Kelten (und den Slaven) nichts vergleichbares gibt. Dazu kommt vermutlich die romantische Verklärung eines gewissen Arminius, der bekanntermaßen die "romanischen" Römer aus Germanien vertrieb, was im aufkommenden Nationalismus im 19. Jhd., als Folge der napoleanischen Kriege und der "Erbfeindschaft" zu Frankreich als ehemaligen Eroberungen und Besatzern, "modernen Römern" und Kelten in einer Person, seine Wurzeln haben dürfte. Das alles in einem deftigen Eintopf zusammen mit Mittelalterromantik - voila.

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www.asatruArt.de 15.04.2014, 16:28
25. Asatru in Deutschland

Der Artikel kenn-zeichnet nur einen winzigen Ausschnitt einer mittlerweile international verwurzelten Religion. Wenigsten einen Verweis darauf hätte ich mir gewünscht. Asenheil & Vanensegen, www.asatruART.de

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björn_ironside 11.06.2017, 21:33
26. Grüße aus Sachsen

Allgemein glauben viele Leute im Asatru an ein weiter leben nach dem Tod. Bekannt ist wohl Walhalla oder Folkwang und Hélheim. Ich denke das der Grundgedanke der ist das man mit der Natur im Einklang lebt. Ich glaube an die Götter und trage auch mein Thorshammer oder mein Yggdrasilanhänger. Ich beschäftige mich auch mit Runen und habe auch schon unser Haus mit einem Schutzauber versehen ( Rune dafür ALGIZ ). Ich mache auch häufig Blòt und huldigen dabei Odin oder Thor oder einem anderen der Götter. Eine schöne Erinnerung war als ich mein eigenes Blut gab um den Göttern meine Treue zu beweisen (ist nicht zwingend notwendig) das habe ich einfach mit einer Nadel gemacht in den Finger gestochen und an eine Kerze habe ich dann mein Finger gedrückt. Danach habe ich kurze Zeit kein Schmerz mehr gefühlt denn als ich dann Maultaschen angebraten habe und dann Öl auf meineb Arm spritzte habe ich nichts gespürt

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