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Boeing-Abstürze: Wie die 737-Max in die Todeszone geriet
Stephen Brashear/AFP

Zu viel Geschwindigkeit in zu geringer Höhe: Luftfahrtexperten vermuten, den wohl entscheidenden Grund gefunden zu haben, der die beiden Flugzeuge vom Typ 737 Max verunglücken ließ.

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rex_danny 25.03.2019, 08:48
20.

Im November 2018 informierte Boeing alle Airlines über den Vorfall: Siehe 2018-23-51 (bitte googeln).

Weiter ist anzumerken, dass Fliegen schon immer eine hoch komplexe Sache war und schon immer - im Gegensatz zum Fahren mit einem Auto, das hier offenbar etliche Foristen als Vergleich nehmen - Fehleranfällig war. Sprich: Es ist ganz normal, dass dieses oder jenes System (vermeintliche) Fehler meldet oder ausfällt, dass falsche Daten gemessen werden. Daher werden Piloten sorgsam auf ihre Fähigkeiten hin ausgesucht, ausgebildet und ständig trainiert.

Man darf also schon bestimmte Fertigkeiten der Piloten erwarten: Fehler erkennen,´analysieren und beseitigen - ja und nebenher noch: FLIEGEN!

Logischerweise muss ein Hersteller penibel darauf achten, dass er keinen Unsinn zusammenbaut und dass sein Produkt entsprechend dokumentiert ist - und dass (zusammen mit den Betreibern) die Piloten entsprechend geschult werden. Hier muss geklärt werden, ob Boeing dies ausreichend getan hat.

Nur blinde Schuldzuweisungen grundsätzlicher Ablehnung gegenüber der USA bringen gar nichts, ebenso wenig wilde Spekulationen von Leuten, die gerade mal wissen, dass ein Flugzeug links und rechts einen Flügel hat.

Es muss auch die Frage gestellt werden, ob die Auswahl und Ausbildung von Piloten noch in Ordnung ist. Im konkreten Fall ist einfach festzuhalten, dass die Piloten - egal ob sie von MCAS wussten oder nicht - erkennen sollten, dass die Trimmung weg läuft. Der Grund ist eigentlich egal - sobald die Trimmung verrückt spielt, gibt es eine kurze Checklist, mit der diese ausgeschaltet werden kann. Damit auch MCAS. Zur Verdeutlichung: Die Trimmung ist ein grundsätzliches Steuersystem eines Fliegers und jeder Pilot muss es im Blut haben, wenn die Maschine vertrimmt ist - das weiß jeder Sportpilot.

Blowback ist ein Phänomen, das jedem Luftfahrzeug widerfahren kann, nicht nur der 737. Man könnte es vergleichen mit Aquaplaning, ein physikalisches Problem: Wenn man zu schnell ist, passiert es. Darüber wissen Piloten seit Beginn der Fliegerei Bescheid und wir landen wieder bei den Piloten:

Wenn die Trimmung Richtung Nose down davonläuft, muss das Gas herausgenommen werden, wenn ich mich nicht täusche, steht genau das auf der Checklist.

Bei beiden Unfällen war bestes Flugwetter und die Frage ist somit nicht nur, warum die Piloten nicht erkannt haben, dass sie gegen die elektrische Trimmung ankämpften, warum sie somit nicht die entsprechende Checkliste abgearbeitet haben und warum sie nicht bemerkten, dass sie viel zu schnell wurden.

Und nochmal: Boeing hat im Nov/2018 über die Probleme informiert und es ist daher auch wichtig festzuhalten, warum ausgerechnet (oder typischerweise?) eine Dritte-Welt-Airline dies offenbar nicht weitergeleitet hat?

Falls dies alles also so ähnlich gewesen sein sollte, so ist das alles in weiten Teilen auf diverse Ursachen zurück zu führen, das alleinige Einschlagen auf Boeing allein ist jedoch nicht ganz gerechtfertigt.

Bei Airbus gab es übrigens ähnliche Probleme und Vorfälle, da wurde weit sachlicher agiert. Siehe Flug Warschau 1993, Flug: LH 2904.

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berlinger22 25.03.2019, 08:49
21. Falsche Begrifflichkeiten, die entscheidene Frage ist nicht gestellt

Die (Höhen-)flosse lenkt gar nichts, die ist nämlich starr. Das bewegliche Teil nennt man Ruder, und das lenkt. Hier allerdings nicht direkt, denn Sicherungssysteme wie MCAS greifen nur auf die Trimmung zu, genauer auf deren Stellmotor. Die Trimmung beeinflusst per Hebelkraft den Steuerdruck auf das HöhenRUDER. Solche Begrifflichkeiten sollten eigentlich schon stimmen, sonst kann man den Text nicht verstehen –was eh’ nicht möglich ist, denn die Blowback-Theorie ist ziemlich abenteuerlich. Fakt ist: Dem Stellmotor für die Trimmung kann schon immer den Strom kappen, wenn er Unsinn anrichtet. Zur Höhentrimmung (und auch zu einer der beiden Querrudertrimmungen) bestehen Seilverbindungen, die Höhentrimmungliese sich also auch per Hand (das sind die beiden großen Räder an der Mittelkonsole) einstellen. Warum die Piloten das nicht getan haben, das ist die entscheidende Frage.

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Spiegelleserin57 25.03.2019, 08:49
22. endlich!! ein sehr guter Artikel hier in Spiegel online!

nun kann sich der Laie ansatzweise vorstellen was bei dem Absturz geschah. Boeing trifft, sollte dies so zutreffen, eine erhebliche Schuld. Auch kann man wieder erkennen dass man gespart hat und auch dies als Verkaufsargument verwendet hat.
Wenn keine guten und ausreichenden Schulungen durchgeführt werden wird es auch immer wieder zu Abstürzen kommen, kein Wunder also!
Natürlich stehen die Airlines auch unter dem Preisdruck denn die Kunden wollen ja billigst fliegen und nun sieht man welche Folgen die Billigfliegerei auf die Menschen hat. Sie riskieren ihr Leben!
Die Airlines unterbieten sich gegenseitig mit Dumpingpreisen und sparen wo immer es geht, auch bei den Schulungen, sicherlich auch bei den Wartungsintervallen...die Bordbücher müssten öfters Prüfungen unterliegen die diese Prüfungen genau nachweisen und auch seitens der Behörden regelmäßig geprüft werden.
Nicht ohne Grund sind Flüge teuer und auch die Gehälter hoch da die Piloten eben eine sehr große Verantwortung tragen . Oft wird in den Foren das Gehalt der Piloten sehr ungerecht kritisiert, nur wenn ein Absturz geschehen ist,kommt das große Schweigen.
Kaum ein Beruf trägt trägt so viel Verantwortung für so eine große Anzahl an Menschenleben auf ein Mal wieder Pilotenjob.
Man kann eben nicht, wenn man sicher fliegen will , erwarten dass die Tickets billig sein sollen. Das kann kein Unternehmen leisten denn auch die Wartungen und Schulungen haben ihren Preis und die Einsparungen
möchte ich nicht mit meinem Leben bezahlen, lieber verzichte ich auf die Flüge gern!

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spon-facebook-10000015195 25.03.2019, 08:50
23. Ein Flugzeug im zu schnellen Sinkflug...

Man könnte jetzt natürlich auch sagen, dass die Servomotoren für die Höhenruder zu schwach dimensioniert sind. Das würde ja bedeuten, dass eine 737 Max nicht wieder abzufangen wäre, sobald diese im Sinkflug zu schnell wird. Das halte ich ebenso für höchst bedenklich. Ich denke Boeing hat hier eine komplette Fehlkonstruktion hingestellt.

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kenterziege 25.03.2019, 08:50
24. Zunächst einmal Dank an SPON, daß über die beiden Abstürze ....

....hier so ausführlich berichtet wird. Möglicher Fehler der Piloten hin oder her: Hier wird sich Boeing nicht herauswinden können. Natürlich wird Boeing schon aus Haftungsrechtlichen Gründen die Schuld oder Teilschuld bei den Piloten abzuladen. Das wird aber nichts nutzen. Der Ruf dieser Maschine ist versaut. Letztlich bezahlen Kunden.
Die sollen die alte 737 weiter produzieren und parallel ein neues Flugzeug konstruieren, bei denen keine Klimmzüge wegen mangelnder Avionik nötig sind. Die paar Gramm Kerosin sind nicht entscheidend.

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wrzlbrnft 25.03.2019, 08:56
25.

Zitat von Faa SE
Das ist katastrophal. Gerade in einem Flieger gilt, alle Systeme redundant auszulegen. Ein Rest eines abgestürzten Computers lässt sich anders schwer auffangen. Das Gleiche glitt für ein durchgescheuertes Kabel. Redundanz ist überlebensnotwendig in der Fliegerei und bisher war das auch der anerkannte Stand der Technik. Was hat die Boeing Ingenieure dazu gebracht, diesen Weg zu verlassen? Sparen?
Wahrscheinlich waren es die Controller: Sparen, koste es was es wolle und für fundamentale Sicherheitsanzeigen teueres add‑on Geld verlangen.
Überall gibt es da Kostenreduzierungsprogramme bei denen oft grundlegende Sicherheitsforderungen vergessen, übersehen oder bewusst ausser Acht gelassen werden ‑ auch wenn es nur um Peanuts geht.

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okrogl 25.03.2019, 08:56
26. Billig, billig und Featuritis im Flugzeugbau angekommen?

Assistenzsysteme, die falsch funktionieren (siehe auch beinahe Crash wg. Bodenmodus), Sicherheitssysteme nur gegen Aufpreis und Anlenkungen so schwach, dass sie nicht unter allen Bedingungen arbeiten. Im Flugzeugbau hatte ich bislang mehr Professionalität vermutet.

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claudio_im_osten 25.03.2019, 08:59
27. Diskrepanz von 22 Grad.

Man glaubt es nicht. Auch ist kaum zu glauben, dass für eine Redundanz solcher Systeme nur zwei Sensoren überhaupt infrage kommen. Als man vor über 40 Jahren (!) in Deutschland bei Zügen mit automatisierten Steuerungen experimentiert hat, wurde eine Dreifach-Redundanz eingesetzt - damit beim Ausfall eines Sensors (oder Systems) sich die Steuerung an den beiden funktionierenden orientieren kann, denn ansonsten weiß die Steuerung nicht, welcher von zwei Sensoren die Fehlinformation liefert. Sehr schwierig zu verstehen ist, dass offenbar nur zwei Sensoren überhaupt vorhanden sind. Und Boeing soll dann wirklich einen zweiten Sensor, der offenbar im Flugzeug vorhanden ist, bei einem solchen Eingriff des Systems schlicht gar nicht ausgewertet haben? Grob fahrlässig ist schon stark übertrieben, bei den Ärzten heißt so etwas Kunstfehler.
Bei VW sind für ganz andere Versäumnisse die Köpfe gerollt und Manager im amerikanischen Strafvollzug gelandet. Ich bin mal gespannt, was jetzt passiert.

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modman 25.03.2019, 09:00
28. Boeing hat nicht geschult

Was heißt hier „ein Verkaufsargument von Boeing den Airlines gegenüber“? Boeing hat den Airlines explizit mitgeteilt, dass kein Schulungsbedarf bestehe. In den USA (und nur dort) steht ein einziger Flugsimulator für den Flugzeugtyp bereit! Andere Piloten haben am Ipad nachgelernt! Muilenberg gehört ins Gefängnis!

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knososholi 25.03.2019, 09:00
29. Was sind Stundenkilometer?

Was soll der geneigte Leser von einem Artikel erwarten, bei dem der Author von "Stundenkilometer" spricht. Stundenkilometer bedeutet km*h genau wie kWh beim Stromzähler Watt*Stunde bedeutet. HOlfreich ist oft ein Blick auf den Tacho beim eigenen Auto: findet sich dort Stundenkilometer km*h oder vielleicht km/h - Kilometer pro Stunde. ich sage dazu nur Setzen, fünf!

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