Forum: Reise
Club Mediterranée: Proletarier aller Länder, erholt euch

Ferien für alle! Ob arm, ob reich, ob dick, ob dünn - im Club Mediterranée war jeder willkommen. Hauptsache, er hatte Spaß an Sport, gutem Essen und*netter Gesellschaft. Doch was*1950 auf Mallorca als kommunistische Utopie begann, ist längst eine perfekte Studie darüber, wie Kapitalismus läuft.

BkyThatcher 20.12.2011, 09:31
1. 48 Prozent

Habe diese Frohe Botschaft zu Weihnachten an Herrn Obama geschickt. Der sucht gerade für 48 Prozent seiner Bevölkerung Erhohlung. Denn laut Census Bureau haben 48 Prozent der Amerikaner Einkommen unterhalb der offiziellen US-Armutsgrenze. Das sind ca. 150 Millionen Menschen. Wie viele davon verkraftet die Insel? Haben sie vielleicht noch Vorschläge für die anderen erholungssuchenden Amerikaner?

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Ylex 20.12.2011, 11:41
2. Poona am Mittelmeer

Zitat von sysop
Doch was*1950 auf Mallorca als kommunistische Utopie begann, ist längst eine perfekte Studie darüber, wie Kapitalismus läuft.
Vielleicht eher typisch als perfekt. Eine interessante Story, unterhaltsam aufgeschrieben. Der Auszug Triganos aus dem Garten Eden begann also mit dem Einzug von Baron de Rothschild in das Unternehmen Club Med – aber dass sich damit auch der Kommunismus davonschlich, erscheint übertrieben, es war wohl mehr die Leichtigkeit einer Hippie-Mentalität, die 1969 mit Woodstock ihren Zenit erreichte und dann langsam in der Bürgerlichkeit versandete. Dementsprechend wurde auch der Club Med allmählich zu einem Kommerz-Unternehmen, das die fröhlich anarchischen Elemente des Urlaub-Konzeptes in ein mehr elitäres ummünzte und dieses besondere Image erfolgreich vermarktete.

Mir sind Leute bekannt, die auf den Club Med standen, es ging ihnen darum, sich von den gesichtslosen Touristen-Ghettos abzusetzen, aber regelmäßig noch mehr darum, Anschluss zu finden und mit dem Gefühl in die Ferien zu fahren, unter lockeren Menschen aufgehoben zu sein. Der Club Med hatte ein zwiespältiges Image, auch das eines Eheanbahnungsinstitutes unter der mittelmeerischen Sonne, der Club Med war der Gegenentwurf zum Rucksack-Tourismus, er polarisierte auf gewisse Art, er rief bei den Spontis jener Zeit sogar Verachtung hervor – insofern war ich von Alice Schwarzer als Gast dort überrascht, aber ihr Besuch hatte ja berufliche Gründe. Und was die sexuelle Freizügigkeit in der Anfangszeit des Club Med anbelangt: Sie erinnert mich sehr an Bhagwan, später auch Osho genannt, und an Poona, dem indischen Wallfahrtsort der freien Liebe in den sechziger Jahren, wohin die selbsternannten Sannyasins aus Altona und Sossenheim massenhaft strömten. Club-Chef Gilbert Trigano war sein eigener „Bhagwan“, allerdings mehr ein weltlich orientierter, wie auch sein erlebnishungriges Publikum.

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wakaba 20.12.2011, 13:55
3. Probiert da einer virales M.?

Zitat von Ylex
Vielleicht eher typisch als perfekt. Eine interessante Story, unterhaltsam aufgeschrieben. Der Auszug Triganos aus dem Garten Eden begann also mit dem Einzug von Baron de Rothschild in das Unternehmen Club Med – aber dass sich damit auch der Kommunismus davonschlich, erscheint übertrieben, es war wohl mehr die Leichtigkeit einer Hippie-Mentalität, die 1969 mit Woodstock ihren Zenit erreichte und dann langsam.....
War im Sommer in Marokko am trampen mit meiner kleinen Tochter.

Bei 47 Grad in Marakech wollten wir uns etwas Erholung gönnen am Pool. Tageskarte gekauft und in den Club.

Das war ziemlich befremdlich:
Europäische Angstbürger in einer Kulturburg mit Torwache, grauslige Aperitivs aus dem Pappbecher, dinieren Gummiente und schlürfen billigen sauren Wein.

Das Dessert hatte Dosenreste aus Plastik drin, die GO allesamt unmotiviert.
Der GM wagte sich am Abend nicht auf die Strasse und ins Gewühl - das Treiben wurde nur von der Dachbar aus beobachtet.
Mir und meiner Tochter war diese Zombieszenerie unheimlich und befremdlich.
Flüchteten aus dem CM in den Ramadantrubel und danach in unserem einfachen und grandiosen Riad für 20 Euro.

Nö Club war mal, heute ists nur noch "allinclusive" der grausligen Sorte.

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Ylex 20.12.2011, 15:12
4. Virales Marketing?

Zitat: „Probiert da einer ein virales M.?“

Ich? Nöö, sofern ich diese eine Ihrer Abkürzungen richtig als „virales Marketing“ deute. Ausgerechnet in Marrakesch wählen Sie den Club Med aus – dabei gibt es dort kleine landestypische Hotels mit einer fazinierenden arabischen Atmosphäre, wo man Ihnen zur Begrüßung einen Pfefferminztee serviert, wie Sie ihn so köstlich noch nie getrunken haben, es gibt in Marrakesch weiterhin die Möglichkeit, den berühmten, aber touristisch verkitschten Yamaa el Fna Platz zu meiden, den Souk im Schnelldurchlauf zu machen und sich stattdessen in Ruhe dem Treiben der Stadt zu überlassen, besonders dem geheimnisvollen Flair der Altstadt, man kann sich auch billig ein Auto mieten, um das herrliche Atlas-Gebirge zu erkunden, mit einer zusätzlichen Übernachtung kommt man sogar richtig in die Sahara.

Dass der Club Med zu einer touristischen 0815-Institution verkommen ist, davon habe ich schon gehört – wir leben in Zeiten des Massentourismus, Exklusivität muss teuer erkauft werden und hält gerade deshalb oft nicht das, was sie verspricht. Dass Baron de Rothschild und Konsorten beim Club Med auf Dauer ihre Interessen durchsetzen würden, war zu erwarten, das Ergebnis auch.

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