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Entschädigung nach Insolvenz: Thomas-Cook-Kunden bekommen wohl nicht volle Anzahlung
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110 Millionen Euro stehen nach der Pleite von Thomas Cook zur Verfügung, um die betroffenen Kunden zu entschädigen. Doch das Geld wird nicht reichen, sagt nun der Insolvenzversicherer.

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jupp78 01.10.2019, 16:00
30.

Zitat von peter.stein
Im übrigen darf man durchaus mal fragen, warum der Urlauber eigentlich bzgl. einer Absicherung gegenüber jedem anderen Verbraucher so privilegiert ist.
Die Pflicht eine bestimmte Leistung versichern zu müssen, würde ich jetzt nicht als Privileg einstufen. Denn bezahlen muss der Urlauber seine Versicherungsleistung ja definitiv.
Und dass bei einer höheren Deckungssumme kein Versicherer mehr versichern will, halte ich für Unsinn. Aber natürlich wird es teurer.

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Proggy 01.10.2019, 16:13
31. Netter Versuch - von wem?

Zitat von tipsylaird
Netter Versuch Der gesetzlich vorgeschriebene Reisepreissicherungsschein verpflichtet den Versicherer, alle vom Endkunden eine Pauschalreise geleisteten Vorauszahlungen in voller Höhe zu erstatten. Der Versicherer, hier offenbar Zurich, kann sich darauf berufen, zu wenig Masse von Thomas Cook zur Verfügung zu haben. Wenn er zuwenig Masse hat, muss er aus eigenen Rücklagen nachlegen, notfalls bis zur eigenen Insolvenz. So ist meines Erachtens die Rechtslage und es ist unredlich, anderes zu behaupten. Ganz abgesehen davon sind die Kundengelder vorrangig.
"Die Versicherung Zurich Deutschland hatte die Reisen mit der deutschen Thomas Cook bis zu 110 Millionen Euro versichert."

Auf Grund welcher Rechtslage sollte eine Versicherung verpflichtet sein, über die beurkundete Versicheriungssumme hinaus, zu zahlen?

Diese Rechtsgrundlage, würde mich interessieren - dann brauchten die Veranstalter ihre Kunden (rein theoretisch) nur für 1 Mio Schadenssumme versichern, wenn die Versicherung sowieso alle weitergehende Ansprüche zahlen müsste?!

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Sokrates1939 01.10.2019, 16:13
32. so oder so

Im Gegensatz zu manch anderen Schadensfällen sind die Schäden bei nicht durchgeführten Reisen nicht existenzbedrohend und mehr immateriell, da das Geld auch bei durchgeführter Reise weg gewesen wäre. Die Kosten der Rückführung von unterwegs befindlichen Reisenden sind anscheinend gedeckt.

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flytogether 01.10.2019, 16:14
33. Dank an die Bundesregierung

die mal wieder nicht die Interessen des Bürgers im Auge hatte sondern die Interessen der Lobby. Es ist für jeden Grundschüler plausibel: Anzahl der Kunden, multipliziert mit den Durchschnittskosten einer Reise = Gesamtrisiko. Dass das Gesamtrisiko ungleich höher ist als 110 Millionen Euro wäre sogar einem Schüler aufgefallen der bereits mehrfach eine Jahrgangsstufe wiederholt hat.

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SchafNase 01.10.2019, 16:24
34. Ein Fall von Staatshaftung?

Die EU-Richtlinie 2015/2302 ist meines Erachtens eindeutig:
"Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass Unternehmer, die verbundene Reiseleistungen vermitteln, Sicherheit für die Erstattung ALLER Zahlungen bieten, die sie von Reisenden erhalten, soweit eine Reiseleistung, die Teil von verbundenen Reiseleistungen ist, infolge ihrer Insolvenz nicht erbracht wird."

Die Beschränkung auf 110 Mio € die der deutsche Gesetzgeber eingeführt hat, steht im Widerspruch zu der EU-Richtlinie. Ich bin mir sicher dass sich findige Juristen finden die diese Frage für die geprellten Kunden bis zum EuGH durchfechten werden. Die Zürich Insurance plc nahm im Geschäftsjahr 2018 ca 7,7 Milliarden an Beiträgen ein. Das Höchstrisiko aus den Reisesicherungsscheinen betrug damit ca 1,4% des Beitragsvolumens. Ein überschaubares Risiko...

Wenn es hier überhaupt einer Deckelung bedurfte (was ich bezweifle), dann hätte man dem einzelnen Versicherer untersagen müssen, Risiken abzusichern die ihn mehr als 110 Mio € kosten können.

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Hans58 01.10.2019, 16:28
35.

Zitat von darthkai
Können Geschädigte egtl. die Bundesregierung in die Pflicht nehmen, die die entsprechenden EU Regeln, im Sinne der Reisekonzerne, vorsätzlich unzureichend umgesetzt hat? Trotz etlicher Warnungen, dass die maximale Versicherungssumme im Zweifelsfall niemals reichen wird.
Antwort: Nein.
Die Richtlinie (EU) 2015/2302 vom 25. November 2015 über „Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen“ ist vollinhaltlich in deutsches Recht übertragen worden.

Die EU Richtline ist auch nicht im Sinne der Reiseveranstalter verabschiedet worden, sondern zum Schutz von Pauschalreisenden.

Wenn jemand eine Warnung ausspricht, dass man auf Autobahnen maximal 130 km/h fahren sollte, kann man die Regierung auch nicht in die Pflicht nehmen, wenn bei 180 km/h ein Unfall passiert....

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Hans58 01.10.2019, 16:32
36.

Zitat von Hans-Dampf
Das ist doch nicht verwirrend. Thomas Cook Group plc (Sitz in London) ist unterteilt in u. a. die deutsche Thomas Cook (Sitz in Oberursel) - und diese hat die Versicherung mit Zurich abgeschlossen. Wenn jemand also mit der deutschen Thomas Cook eine Pauschalreise gebucht hatte, bekam er auch den Versicherungsschein.
Was war also an meinem Beitrag falsch?
Sie selbst unterteilen doch die Thomas Cook in britische und deutsche Unternehmen.

Wie ich schrieb: "Für alle Kunden, die bei der 'deutschen' Thomas Cook eine Pauschalreise gebucht haben...…"

Ich schrieb auch nicht verwirrend, sondern "ein wenig irreführend!"

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Hans58 01.10.2019, 16:36
37.

Zitat von Hans-Dampf
So sieht es bei Kfz-Versicherungen aus: Die gesetzliche Mindestdeckungssumme in der Kfz-Haftpflicht beträgt für Personenschäden 7,5 Millionen Euro, für Sachschäden 1,12 Millionen Euro und für Vermögensschäden 50.000 Euro. Nun stellen Sie sich mal einen riesigen Unfall mit vielen Verletzten und kaputten Fahrzeugen vor, wo obendrein noch ein LKW flüssiges Gefahrgut verliert, das ins Grundwasser eindringt. Die Höhe dieses Schadens ginge weit über die Versicherungssumme hinaus. Der Unfallverursacher müsste dann schon Multimillionär sein, um den Rest zu begleichen - oder eben nicht und die meisten bleiben auf ihrem Schaden sitzen. Auch hier wäre man unterversichert - auch ein Fall für die FDP/SPD/CDU ?
OT:
Man ist nur dann unterversichert, wenn man eine Versicherung auf der Basis der Mindestversicherungssumme abschließt.

Versicherer bieten aber weit höhere Deckungssummen an, die auch einen Millionenschaden abdecken.

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Hans58 01.10.2019, 16:47
38.

Zitat von SchafNase
Die EU-Richtlinie 2015/2302 ist meines Erachtens eindeutig: "Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass Unternehmer, die verbundene Reiseleistungen vermitteln, Sicherheit für die Erstattung ALLER Zahlungen bieten, die sie von Reisenden erhalten, soweit eine Reiseleistung, die Teil von verbundenen Reiseleistungen ist, infolge ihrer Insolvenz nicht erbracht wird." Die Beschränkung auf 110 Mio € die der deutsche Gesetzgeber eingeführt hat, steht im Widerspruch zu der EU-Richtlinie. Ich bin mir sicher dass sich findige Juristen finden die diese Frage für die geprellten Kunden bis zum EuGH durchfechten werden. Die Zürich Insurance plc nahm im Geschäftsjahr 2018 ca 7,7 Milliarden an Beiträgen ein. Das Höchstrisiko aus den Reisesicherungsscheinen betrug damit ca 1,4% des Beitragsvolumens. Ein überschaubares Risiko... Wenn es hier überhaupt einer Deckelung bedurfte (was ich bezweifle), dann hätte man dem einzelnen Versicherer untersagen müssen, Risiken abzusichern die ihn mehr als 110 Mio € kosten können.
Kein Jurist geht an diese Sache ran, denn die Regelung ist üblich bei Insolvenz.
Man muss die Richtlinie auch im Zusammenhang mit der Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2006/2004 und der Richtlinie 2011/83/EU sehen.

Wie hoch sol sich denn ein Reiseveranstalter versichern????

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Kritik 01.10.2019, 16:51
39.

Zitat von peter.stein
Im übrigen darf man durchaus mal fragen, warum der Urlauber eigentlich bzgl. einer Absicherung gegenüber jedem anderen Verbraucher so privilegiert ist. Wenn ich mir eine Küche, ein Auto oder sonst etwas Großes kaufe, das anzahle und der Verkäufer geht pleite, gibt's auch nur noch die Insolvenzquote.
Die Politik interessiert sich nicht für solche Einzelfälle. Man möchte allerdings "unschöne" Bilder von massenhaft "gestrandeten" deutschen Touristen vermeiden...

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