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Everest-Besteiger Peter Habeler: Auf allen Vieren zum Gipfel
Archiv P. Habeler / Tyrolia-Verlag

Mit Reinhold Messner bestieg Peter Habeler vor 40 Jahren erstmals den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät. Hier erzählt er, wie sich das Bergsteigen seitdem verändert hat - nicht zum Guten.

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kopfrechner 08.05.2018, 11:45
30. Statistik

Zitat von Wiedereinaussteiger
... um einmal im Leben auf dem Everest zu stehen, mit einer Chance 1:6, dass sie es schaffen, egal ob..., aber die Kohle ist weg.., und mit einer Chance 1:12, dass sie es nicht überleben, die sind einfach nur irre.
Sehen Sie mal in der Wikipedia nach. 248 Tote bis 2013 bedeuten eine deutlich geringere Quote. Kommt auch darauf an, ob man auch die missglückten Besteigungsversuche rechnet (>30000). Dann kommt man auf eine Quote von < 1%, d.h. von Hundert Aspiranten stirbt einer. Das ist immer noch viel, aber eben nicht einer von 12 (oder 8% wie geschrieben). Dann hätte es bei den 648 Gipfelerfolgen (+ weiteren Versuchen entsprechend mehr) 2017 etwa 54 Tote geben müssen.

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GustavN 08.05.2018, 12:06
31. @agricolus

Einen Berg mit technischer und personeller Hilfe zu besteigen hat nichts mit Betrug zu tun. Gerade der technische Fortschritt hat die Erfolge Hillarys oder Messners erst möglich gemacht. Aber anscheinend stört es die alte Garde mittlerweile massiv, dass diese Hilfsmittel nicht mehr nur ihnen vorbehalten sind, sondern - die passende Portokasse vorausgesetzt - zahlreichen Menschen zur Verfügung stehen.

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antelatis 08.05.2018, 12:21
32. Messner

Gerade Messer hat doch keine Gelegenheit ausgelassen, diesen Berg zu verkaufen, indem er in jeder Talkshow und mit unzähligen Büchern über seine Krackselein geredet hat. Was da heute passiert, ist doch sein Erbe.

Ich habe den Eindruck, dass diese ersten Bergsteiger einfach nicht ganz damit klar kommen, dass inzwischen fast jeder hinbekommt, was damals eine Heldentat war.

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uzsjgb 08.05.2018, 12:21
33.

Ich finde es immer lächerlich, wie auf Bergsteiger am Mount Everest herumgehackt wird, in der Regel von Personen, die von der Materie wenig bis keine Ahnung haben. Warum ist das so? Ich vermute weil dieser Berg weit, weit weg ist und man sich durch die Kritik anderen Völkern und Ländern überlegen fühlt. Man kann sehr gut von oben herab darüber bestimmen, wie es dort zuzugehen hat.

Vermutlich ist es für dieselben Leute völlig normal, wenn auf der Zugspitze sogar Kabinettssitzungen abgehalten werden. Wenn man Kritik an der Ausbeutung der Natur üben will, dann sollte man zuhause beginnen, weil dann die Chance besteht, dass die Kritik etwas bewirkt.

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jessepinkman42 08.05.2018, 14:56
34.

Zitat von antelatis
Ich habe den Eindruck, dass diese ersten Bergsteiger einfach nicht ganz damit klar kommen, dass inzwischen fast jeder hinbekommt, was damals eine Heldentat war.
Es bekommt eben nicht fast jeder hin. Das ist ja genau der Punkt, der kritisiert wird.
Habeler und Messner waren alleine am Berg, haben ihre komplette Ausrüstung selbst nach oben getragen, Seile selbst verlegt usw.
90% der Gipfelstürmer, die mit den professionellen Unternehmen unterwegs sind, hätten ohne die vielen Einheimischen Helfer keinerlei Chance an diesem Berg. Die würden nicht mal durch den Khumbu Gletscher kommen.

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worlorn 08.05.2018, 16:25
35.

Zitat von agricolus
Nein, ermöglicht haben die Bergpioniere es nicht. Das sind im Falle Everest das Tourismusministerium in Nepal und die Anbieter kommerzieller, geführter Touren. Vor allem aber sind es die Konsumenten, die unter Einsatz von sehr viel Geld bereit sind, sich selbst zu betrügen. Denn Everest mit Trägern, Fixseilen und Flaschensauerstoff ist Betrug.
Völlig richtig! Ich wette, keiner der Messner-Verurteiler hat sich je mit ihm beschäftigt. Die sollten mal Bücher von ihm lesen, dass sie was dazulernen. Messner hat immer eine Ethik vertreten, die von der Achtung und Erhaltung der Bergwelt geprägt ist. Sie ist individualistisch und gegen den Massenbetrieb an den hohen Bergen. Er hat auch schnell mit den Großexpeditionen aufgehört und ist nur noch als Zweierseilschaft oder alleine gegangen. Das auch mit den geringstmöglichen Mitteln, ohne Helfer, ohne künstlichen Sauerstoff, ohne vorbereitete Lager- und Fixseilkette. Das ist genau das Gegenteil der kommerziellen Expeditionen. Kein einziger Teilnehmer käme ohne das alles auf den Everest.

Es ist ausschließlich den Veranstaltern, Nepal und natürlich den prestigesüchtigen selbstverliebten Möchtegern-Everest-Bezwingern mit viel Geld zu schulden. Messner verurteilt das alles als Perversion. Sie sagen zurecht, wie es auch Messner sieht (und allg. die Höhenbergsteiger), dass eine echte Besteigung des Everest nur ohne künstlichen Sauerstoff ist. Den Everest zeichnet ja seine Höhe aus, nicht seine bergsteigerischen Schwierigkeiten auf der Normalroute. In der Hinsicht ist er sogar einer der leichteren Achttausender (auch deswegen so attraktiv für den Kommerz; am K2, Nanga Parbat, Kangchendzönga oder Annapurna wäre das ziemlich undenkbar). Mit künstlichem Sauerstoff reduziert man ihn etwa auf einen 6500er und dazu einen relativ leichten. In diesem Sinne war die erste wirkliche Everest-Besteigung die von Messner und Habeler.

Messner als Wegbereiter dieses Kommerzes zu betrachten, ist so wie die Flugzeugpioniere (Lilienthal, Wright) für die Luftwaffen oder Einstein für die Atombombe. Das Groteske daran ist offensichtlich.

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freeride4ever 08.05.2018, 16:29
36. wo fängt die Unterstützung an wo hört sie auf?

Zitat von jessepinkman42
Es bekommt eben nicht fast jeder hin. Das ist ja genau der Punkt, der kritisiert wird. Habeler und Messner waren alleine am Berg, haben ihre komplette Ausrüstung selbst nach oben getragen, Seile selbst verlegt usw. 90% der Gipfelstürmer, die mit den professionellen Unternehmen unterwegs sind, hätten ohne die vielen Einheimischen Helfer keinerlei Chance an diesem Berg. Die würden nicht mal durch den Khumbu Gletscher kommen.
Das mag ja alles richtig sein, aber wir Europäer sollten uns lieber an die eigene Nase fassen. Die meisten berge haben angelegt Wanderwege, Ketten für schwierige Stellen. Kaum ein 4000er in den Alpen der nicht an den für den Durschnittsalpinisten schweren Stellen mit Bohrhaken, Ketten, Seile tlw. sogar Leitern versehen ist. Von den unsäglichen Klettersteigen und Seilbahnen will ich gar nicht erst sprechen. Schon mal zur Hauptsaison am Matterhorn oder Mont Blanc unterwegs gewesen? Dagegen sind die Schlangen am Everest ein Witz! Auf leichten 4000ern (Bishorn, Breithorn, etc.) können sie eine Nummer für's Gipfelfoto ziehen.

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uzsjgb 08.05.2018, 17:02
37.

Zitat von jessepinkman42
Habeler und Messner waren alleine am Berg, haben ihre komplette Ausrüstung selbst nach oben getragen, Seile selbst verlegt usw.
Nein, das stimmt nicht. Habeler und Messner haben sich einer Expedition angeschlossen, wie sie damals üblich war. Eine enorme Logistik, eine riesige Anzahl von Trägern, so etwas findet heute in dem Ausmass nicht mehr statt. Es haben auch andere Teilnehmer der Expedition den Gipfel erreicht, allerdings mit Sauerstoff.

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Jan Dvorak 08.05.2018, 21:02
38. Peter Habelers "Einsamer Sieg"

Zitat von gronek
...wenn er als frischgebackener Vater 3 Monate auf einem Berg herumklettert und sein Leben riskiert, ist wohl offensichtlich. Was mir aber überhaupt nicht klar ist: woher nimmt man die Kohle, um das zu finanzieren und gleichzeitig Frau und Kind zu versorgen (für den Rest des Lebens, falls man stirbt oder bleibende Schäden davonträgt und gepflegt werden muss)? Das geht doch wohl nur, wenn man von Hause aus wohlhabend ist, oder? Und dann frag ich mich, ist man ein Held oder ein vom Ehrgeiz zerfressener Narzisst? Trotzdem Hut ab vor der Leistung!
Ich habe seinerzeit (im Jahre 1980) Habelers Buch "Der einsame Sieg" gelesen und den Stoff für einen Vortrag in der Schule verarbeitet (da waren u. a. die medizinischen Aspekte, in Habelers Buch von Expeditionsarzt Dr. Oswald Ölz sehr anschaulich beschrieben; die Dualität "Geschichte der Besteigung"/"Medizinische Grundlagen" war faszinierend und ist mir bis heute - wie man sieht - sehr in Erinnerung geblieben). Habeler hatte einen sehr bescheidenen Background (wenn ich mich richtig erinnere hat er als "Standbein" Anstreicher gelernt, obwohl ihn "nur" das Bergsteigen - und abgeleitet das Skifahren - interessierte und er dann später seine "Berufung" zum Beruf gemacht hat), hat sich das Geld für die Everest-Expedition 1978 (und auch die davor unternommenen - u.a 1975 die Besteigung des Hidden Peak, ebenfalls mit Messner, was - sofern ich mich richtig erinnere - der erste Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff war, sozusagen die Generalprobe für den Everest) über Sponsoren (und Erspartes) zusammengekratzt und hat dann am Everest ziemliche Gewissenskämpfe mit sich ausgefochten... (die Entscheidung für die Everest-Expedition 1978 fiel VOR dem Wissen, dass er bald Vater werden würde). Dabei half ihm (laut seinem Buch) viel in der Geschichte der Everest-Besteigungen herumzustöbern, wie es die Engländer in den 1920er-Jahren am Everest versuchten, und welche Lehren sie (und nachfolgende Expeditionen) daraus gezogen hatten.
Alles in allem kam mir Habeler beim Lesen seines Buches als sehr geerdeter und besonnener Mann mit einer grossen Leidenschaft (dem Bergsteigen) daher, der zusammen mit Reinhold Messner eine alpinistische Höchstleistung vollbracht hatte.

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worlorn 08.05.2018, 23:16
39. @Jan Dvorak #38

Alles in allem kam mir Habeler beim Lesen seines Buches als sehr geerdeter und besonnener Mann mit einer grossen Leidenschaft (dem Bergsteigen) daher, der zusammen mit Reinhold Messner eine alpinistische Höchstleistung vollbracht hatte.

So ist es. Beide haben genau gewusst was sie machen, wie sie es machen, was sie können, was möglich ist und haben das Risiko in einem für sie vertretbaren Maß gehalten und sind auch umgekehrt, wenn es zu groß wurde, wie in der Dhaulagiri-Südwand. Am Everest war sich Messner sicher, dass es ohne künstlichen Sauerstoff geht. Er hatte zuvor in einem Überflug einen Test durch Abnehmen der Sauerstoffmaske gemacht. Auch Bulle Ölz, der als Höhenbergsteiger und Mediziner es damals wohl am besten einschätzen konnte, hatte Messner darin bestärkt. Nur Habeler hatte gewisse Zweifel.

1975 die Besteigung des Hidden Peak, ebenfalls mit Messner, was - sofern ich mich richtig erinnere - der erste Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff war.

Es war die erste Besteigung im reinen Alpenstil, natürlich ohne künstlichen Sauerstoff, aber nicht die erste dieser Art. Schon der erste Achttausender, die Annapurna, war ohne, auch Nanga Parbat, Broad Peak oder Dhaulagiri. Absolute Ausnahmebergsteiger wie Messner, Buhl, Diemberger, Habeler wären nie mit Maske hochgestiegen, wären dann unten geblieben, denn damit ist es nicht echt, der Berg de facto niedriger gemacht.

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