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Genervter Wirt: New Yorker Bar verbietet das Wort "literally"
DPA

Weil ihn der häufige und oft falsche Gebrauch des Wortes stört, hat ein amerikanischer Bar-Besitzer seinen Gästen das Wort "literally" verboten. Wer es dennoch verwendet, riskiert den Rauswurf.

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manuel.u 17.02.2018, 18:03
1. Sprachen ändern sich

Auch wenn ich persönlich die Reaktion des Wirtes absolut nachvollziehen kann, muss man eben (leider) anerkennen, dass Sprachen keineswegs unveränderlich sind. Neue Wörter oder Änderung in der Grammatik werden ins Regelwerk als "korrekt" aufgenommen, wenn sie genügend verbreitet sind. Ein bekanntes Beispiel im Deutschen ist der Dativ, der zunehmend den Genitiv verdrängt. Ob das aus Unwissenheit, Grammatikfaulheit oder vom Gequake der Kardashians kommt, spielt erstmal keine Rolle. Das führt eben auch zu Absurditäten wie der Gleichsetzung von genau gegensätzlichen Wörtern ("literally" ist auf einmal "figuratively").
Ein interessantes Beispiel in diesem Sinne aus dem Spanischen ist "aceite", was hier "Öl" bedeutet, in Italien aber "Essig" (wobei Essig wohl die ursprüngliche Bedeutung ist, siehe auch engl. acid = Säure).

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#9vegalta 17.02.2018, 18:17
2. Figuratively

Virtually? Geht wohl, aber „figuratively“ (bildlich gesprochen, im übertragenen Sinne) ist der bessere Ersatz für „literally“.

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Yoroshii 17.02.2018, 18:28
3. Der Continental-Wirt - Ein Lobeslied!

Eine Bar der billigen Getränke! Nicht unbedingt der Ort der gepflegten Correctness. Aber offenbar ein Ort der sprachlichen Wahrhaftigkeit, die vom Owner 27 Jahre lang gehegt und gepflegt wurde. Der Kardaschianismus ging ihm auf die Nerven. Bier einschenken und jenen servieren, die sich gedankenlos einer Sprache bedienen mi der auch ein Shakespeare groß geworden ist (falls er je gewest hatte). Ein Mann den die Kultur der Fake News in die Ausweglosigkeit getrieben hat. Der aber Haltung und Fairness bis zum bitteren Ende zeigt:
Erst nach 5 Minuten sei der Lokalverweis literally gültig! Der Sünder darf austrinken.
Liebe Bürger und Bürger, Leser und Leser, Trinker und Trinker, Plapperer und Plapperer - Ein Wirt for president!

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querollo 17.02.2018, 19:21
4. Worum geht's?

Eine Bar, in die vermutlich keiner von uns jemals gehen wird, weil sie zum einen auf einem anderen Kontinent ist und zum anderen demnächst geschlossen wird, verbietet den Gebrauch eines Wortes in einer Sprache, die keiner von uns im Tagesgebrauch spricht, weil in einer Fernsehsendung, die keiner von uns empfangen kann, eine Familie, die keinen von uns interessiert, dieses Wort falsch gebraucht, was so wenigen von uns aufgefallen wäre, dass es hier wortreich erklärt werden musste.

Es erschließt sich mir - litterally - absolut nicht, warum dieser Artikel geschrieben wurde.

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jörg69 17.02.2018, 19:28
5. Ich kann den Wirt

sehr gut verstehen. Es gibt auch im Deutschen Sprachentwicklungen, die mir auf die Nerven gehen. Mein Lieblingsbeispiel ist "realisieren". Ursprünglich hieß es mal "wahr machen". Vermehrt wird es aber, abgeleitet aus dem Englischen, als "wahrnehmen" verwendet. Grässlich! Ach, hätte ich doch eine Kneipe.

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romeov 17.02.2018, 19:52
6. "Spannend"

...steht bei mir auf der Schwarzen Liste. Der inflationäre Gebrauch dieses Wortes bei Politikern, Nerds und Sozialpädagogen, die damit die langweiligste Themen der Welt ausschmücken, geht mir wahnsinnig auf die Nerven.

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MartinS. 17.02.2018, 19:57
7. ...

Zitat von querollo
Eine Bar, in die vermutlich keiner von uns jemals gehen wird, weil sie zum einen auf einem anderen Kontinent ist und zum anderen demnächst geschlossen wird, verbietet den Gebrauch eines Wortes in einer Sprache, die keiner von uns im Tagesgebrauch spricht, weil in einer Fernsehsendung, die keiner von uns empfangen kann, eine Familie, die keinen von uns interessiert, dieses Wort falsch gebraucht, was so wenigen von uns aufgefallen wäre, dass es hier wortreich erklärt werden musste. Es erschließt sich mir - litterally - absolut nicht, warum dieser Artikel geschrieben wurde.
Diese Frage lässt sich _zum Glück_ recht einfach beantworten. Geschrieben wurde er als eine Meldung zu einer kleinen Kuriosität... eine dieser Randnotizen und Anekdoten, die vielleicht nicht wirklich bedeutsam sein mögen, aber alleine aufgrund ihres Unterhaltungswertes gelesen werden.

Man könnte vermuten, dass sie selbst aus genau diesem Grund den Artikel angewählt haben. Was sich aber nicht erschließt ist wiederum die Frage, was sie zu ihrem Kommentar bewegt hat?

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klarafall 17.02.2018, 20:03
8. @querollo (#4)

Lieber querollo, vielleicht sollten Sie in Betracht ziehen, daß es eine ganze Menge Menschen gibt, die einen weiteren Horizont haben als Sie selbst. Auch wenn es Ihnen vollkommen klar ist daß Englisch "keiner von uns im Tagesgebrauch sprich", ist das natürlich Blödsinn. Ich spreche definitiv am Tag mindestens doppelt so viel Englisch wie Deutsch, dazwischen Griechisch und Spanisch. Und ja, mich interessiert was jenseits der toitschen Grenze passiert. Und ja, ich kenne die Familie Kardashian, und sie geht mir genauso auf den Senkel wie dem Wirt. Zusammengefasst fühle ich mich mit dem Wirt deutlich näher und verbundener als Ihnen - obwohl wir offensichtlich die gleiche Muttersprache sprechen; damit scheinen die Gemeinsamkeiten aber auch schon erschöpft zu sein!). Offenbar muß ich damit leben, daß es Leute gibt die denken wie Sie - "que pena" statt "que rollo".

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klarafall 17.02.2018, 20:07
9. @jörg69

"realisieren" hat im Deutschen immer schon die Bedeutung von "wahrnehmen", das kommt nicht aus dem Englischen. Der Duden gibt dann auch als Synonyme an: "begreifen, durchschauen, einsehen, erfassen, erkennen, verstehen; (gehoben) gewahren, gewahr werden, innewerden; (umgangssprachlich) blicken, durchblicken, durchgucken, kapieren; (salopp) checken, durchsteigen, packen, raffen, schnallen, ticken", gleichrangig zu "ausführen, durchführen, [in die Tat] umsetzen, verwirklichen, wahr machen, zustande/zuwege bringen"

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