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Geringere Mehrwertsteuer auf Bahntickets: "Das ist ein guter Weg"
Arnulf Hettrich/ imago images

Durch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Bahntickets für den Fernverkehr könnten Reisende viel Geld sparen. Doch das wäre nicht der einzige Vorteil, wie der Lobbyverband Allianz pro Schiene sagt.

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lenslarque 17.04.2019, 12:09
1. Wenn nicht

gleichzeitig per Gesetz/Verordnung dafür gesorgt wird, daß die Mehrwertsteuersenkung auch weitergegeben wird, kann sich jeder selbst ausrechnen, was beim Fahrgast ankommen wird.

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kalsu 17.04.2019, 12:21
2.

Die Bahn braucht Investitionen ins Netz, ins Personal und ins Material. Dafür braucht es Geld - viel Geld. Der Eigner der Bahn ist zu 100% der Bund. Reduziert man die MwSt. bekommt der Bund weniger Steuereinnahmen. Wovon will der Bund dann in die Bahn investieren? Besser wäre es, die MwSt zu lassen wo sie ist, auf die jährliche Dividende von der Bahn in Höhe von 500-600 Mio € zu verzichten und die eine Milliarde in die Bahninfrastruktur zu stecken. Um so durch bessere Verbindungen und weniger Unzuverlässigkeit mehr Kunden zu gewinnen. Wie kompensiert der Bund die 400 Mio € Steuerausfall? Wer darf das zahlen oder wo wird gestrichen?

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shardan 17.04.2019, 12:35
3. Nicht der einzige Vorteil...

Der größte Vorteil einer Mehrwertsteuersenkung wird vermutlich kaum erwähnt: Man kann die Preise gleich lassen und gleich mal 12% des Preises zusätzlich kassieren. Ohnehin ist das nur eine Teillösung. Es kommen so viele Probleme auf einmal zusammen, dass eine Steuersenkung - so sie beim Kunden überhaupt ankommt - wenig Wirkung entfalten wird. Beispiel: Ich muss mehrmals im Jahr dienstlich nach München. So alle Verbindungen funktionieren, beträgt die Fahrtdauer mit der Bahn ca 6 Stunden zzgl. Fahrt zum/vom Bahnhof. Sind die Verbindungen unpünktlich - das ist der Regelfall! - werden das sehr schnell auch 8 Stunden. Da das dienstliche Reisen sind, gilt die Arbeitszeitregelung. Heißt: Für einen Tag Tagung in München mit der Bahn muss ich zwei Übernachtungen einplanen, verliere drei Arbeitstage im Büro. Das Flugticken vom nächsten Regionalflughafen nach München kostet 2/3 der Bahntickets. Eine Strecke dauert incl(!) Anreise/Abreise zum Flughafen 3,5 Stunden, ich brauche nur eine Übernachtung, um das Arbeitszeitrecht einzuhalten, ich verliere nur etwa 1,5 Tage im Büro. Für was wird sich mein Chef wohl entscheiden?

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heissSPOrN 17.04.2019, 12:42
4.

Warum nicht beides (Nah- und Fernverkehr) auf 0%, gegenfinanziert durch eine längst überfällige Steuer auf Flugbenzin?

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o.b.server 17.04.2019, 12:55
5. Flug Hamburg - Berlin?

Welche Airline bietet einen Direktflug an?

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fvaderno 17.04.2019, 12:59
6. Einsparungen ...

könnte man mindestens ebenso effizient erreichen durch andere Faktoren. Erstens wäre eine DEUTLICHE Verbesserung der Planung und Maßnahmen der Führung in der Bahn wichtig. Dazu wäre aber ein Auswechseln beinahe der ganzen Mannschaft der 'ersten Etage' des Unternehmens wichtig. Denn diese hat sich eigentlich seit der Zusammenlegung der beiden deutschen Bahnen in Ost und West durch so viele Fehlentscheidungen disqualifiziert, dass man auch von der aktuellen Besetzung nicht viel Besseres erwarten sollte. Sicherlich ist auch ihr die Arbeit durch die früheren Leute erschwert, denen man sogar ungerechtfertigte Bereicherung vorwerfen darf. Der frühere Chef Medorn ist da sicher ganz vorne zu erwähnen. Nach dieser Erneuerung der Führung könnten dann strukturelle Maßnahmen greifen. Wer liest, wie veraltet die Gleise in Deutschland sind, weiß, dass die Bahn zwar unter umweltlichen Aspekten sehr wohl eine Alternative zu Inlandsflügen ist, aber dieser Vorteil durch Zeitaufwand wieder verloren geht. Auch eine effizientere Planung des Fahrplans muss möglich werden, damit durch weniger Verspätungen wieder Kunden gewonnen werden. Nebenbei: Mich würde einmal interessieren, wie hoch der Anteil an überhöhten Bezügen früherer Führungsmannschaften an meinem Bahnticket ist! Damit meine ich nicht gerechtfertigte Altersversorgungen, sondern unmoralische Zahlungen an erfolglose Manager wie etwa an den oben erwähnten Herren.

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heissSPOrN 17.04.2019, 13:01
7.

Zitat von shardan
Das Flugticken vom nächsten Regionalflughafen nach München kostet 2/3 der Bahntickets.
Und das auch nur, weil Flugbenzin nicht besteuert und damit das Billigfliegen von allen Steuerzahlern mitfinanziert wird.
Im Sinne der Umwelt läuft das genau falsch herum!

Und warum arbeitszeitrechtlich eine 8-stündige Bahnfahrt (im Liegewagen womöglich) als vollwertige Arbeitszeit gilt, ist auch unverständlich - wenn das wirklich so ist, könnte man auch dies ändern.

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Charlie Whiting 17.04.2019, 13:21
8. Reform

Das mit den unterschiedlichen Steuerregelungen betrifft nicht nur die Bahn. Wenn ich sehe was im Lebensmittelbereich los ist wird mir schlecht. Eine Vereinheitlichung würde Millionen an überflüssiger Verwaltung sparen. Wär doch schon mal was wenn es sich auch kaum auf den Endpreis auswirken wird.

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klichti 17.04.2019, 13:28
9.

Steuersatz 7%, wie oben schon erwähnt, das macht den Fahrgast reich - bis die Bahn den zusätzlichen Spielraum bis zur Schmerzgrenze wieder einebnet. Inwieweit das die Umweltschädlichkeit mindert, wird sowieso nicht erklärt. Und daß es andere Branchen gibt, in denen die Unternehmen "mühsam die Mehrwertsteuer differenzieren [...]", spielt ja sowieso keine Rolle. Warum wohl? Weil die Statements von der Unternehmenslobby kommen. Wessen Interessen vertritt diese Lobby? Natürlich die der Fahrgäste, ist ja logisch. Wenn die Bahn ihre Jubelperser losschickt, dann müssen wir uns fragen, welchen Schaden diese Steueränderung insgesamt anrichten würde, nicht, welchen Nutzen eine Beteiligtengruppe davon hat, denn was die weniger erleiden müssen, wird jemand anderem obendraufgepackt. Das sind dann sicher nicht effektiv die gleichen Preise wie vorher, obwohl das auch schon denselben Effekt hat wie eine direkte Beteiligung der Bahn an den Umsatzsteuereinnahmen. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke: die Umstellung auf 7% würde bei der Bahn dazu führen, daß sie jeden Monat bei der USt-Voranmeldung höllenmäßige Erstattungen bekäme, es würde also auch die Liquidität des Konzerns deutlich verbessern. Aber wer verliert dabei? Da wird doch bestimmt im Bundesfinanzministerium jetzt schon über eine "Gegenfinanzierung" nachgedacht. Logische Schlußfolgerung: Nicht nur, daß wir auf die Dauer die gleichen Preise wie vor der Änderung zahlen würden - wir würden über diese Gegenfinanzierung auch noch die Mindereinnahmen des Fiskus mit berappen. Das soll gut für uns sein? Daß ich nicht lache!

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