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ICE versus TGV: Deutsche Bummel-Bahn
Julian Stratenschulte/ DPA

Theoretisch könnte der ICE der der Deutschen Bahn mit bis zu 300 km/h durchs Land rasen. Tatsächlich schleicht er die meiste Zeit über die Gleise. Der Vergleich mit dem französischen TGV zeigt die Gründe.

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jpphdec 15.04.2019, 09:47
30. Liegt an der Exklusivität

Zitat von JohnC.
Mit dem Unterschied, daß es dort daran liegt, daß in Deutschland, zumindest auf dem Papier, schneller gefahren werden darf, als in Frankreich. Trotzdem kommt man in Frankreich schneller, gleichmäßiger und vor Allem entspannter voran als in Deutschland. Schlussfolgerung: Die deutsche Verkehrspolitik versagt seit Jahrzehnten! Warum? Weil die Politik in Deutschland das Auto, durch Lobbyisten gesteuert, als Verkehrsmittel bevorzugt. Die Art und Weise wie dies geschieht, führt aber dazu, das sowohl der Auto- als auch der Bahnverkehr viel schlechter funktionieren, als daß eigentlich möglich wäre.
In Frankreich sind Autobahnen über Land kostenpflichtig. Wo sie es nicht sind (nahe an bzw. durch Städte), steht man genauso im Stau wie in D. Man kommt also "schneller, gleichmäßiger und entspannter" voran, weil der gemeine Pöbel aus Kostengründen auf die RN ausweicht, während wer es sich leisten kann/will, eine wesentlich bessere Infrastruktur mit wesentlich weniger Konkurrenz um den vorhandenen, Platz nutzen kann. Ausnahme sind die Sommerferien, insbesondere auf der Nord/Süd Achse (Route du soleil), da zahlen dann einfach mehr, als die Straße verträgt.
Ansonsten mögen die TGV Verbindungen zwischen den Metropolen gut funktionieren, davon ab ist die Abdeckung genauso schlecht, wenn nicht schlechter, wie in Deutschland. Was hilft es mir, daß ich die 700+ km von Paris nach Marseilles in Rekordzeit bewältigen kann, wenn ich danach erstmal über 3 Stunden auf einen Bus warten muß, der mich (wenn überhaupt) zu meinem eigentlichen Ziel bringt.

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arago 15.04.2019, 09:49
31. Der Unterschied besteht aber auch darin, dass

man in D. tatsächlich von A nach B fahren kann. In F. konzentriert man sich mehr darauf, von Paris nach den "B's" zu kommen. So eine Denke haben wir zum Glück hier nicht. Gleichwohl bin ich sehr dafür, das bestehende netz in der Fläche zu verbessern und das Geld nicht in semi-sinnvollen Einzelprojekte (Stuttgart21 und ähnliche) zu verpulvern. Gerade das Hochgeschwindigkeitsnetz um die Metropolen herumzuführen macht absolut Sinn, denn sehr viele Fahrgäste wollen nicht direkt in das Metropolgewühle, sondern ins Umland. Die Hauptbahnhöfe gehören besser an die Flughäfen, als veraltet in die Innenstädte.

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Doppeler 15.04.2019, 09:50
32. Baut Schienen statt Straßen!

Der Spiegel irrt, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit zwischen Hamburg und München mit 250 km/h angegeben wird. Tatsächlich beträgt diese nur 230 km/h. Auch irrt der Spiegel, wenn die ICE-Strecke Berlin-München als zu langsam angegeben wird, um dem Flugzeug Konkurrenz zu machen. Tatsächlich sind seit Eröffnung der Strecke die Fluggastzahlen eingebrochen und die der Bahnreisenden hat sich mehr als verdoppelt, so daß auf diese Relation heute mehr Passagiere auf der Schiene unterwegs sind als in die Luft gehen. Ein schöner Erfolg für die Umwelt, der zeigt, wozu die Bahn bei entsprechendem Ausbau in der Lage ist!

Und es könnten noch viel mehr Reisende sein, die im Interesse der Umwelt vom „Flieger“ und PKW auf die Bahn umsteigen, wenn das Netz entsprechend ausgebaut wäre! Tatsächlich hat Deutschland das langsamste Hochgeschwindigkeitsnetz weltweit, höchst blamabel für unsere angeblich hochentwickelte Industrienation und die Politiker, die dafür verantwortlich sind!

Daß Deutschland kein zusammenhängendes HGV-Netz hat, liegt nämlich weder an Topographie noch Verteilung der Bevölkerung. In Japan etwa fährt man auch mit 320 km/h durch das Gebirge, baut dort Tunnels, und auch dieses Land ist dicht besiedelt und nicht so zentralistisch wie etwa Frankreich aufgebaut.

Das Fehlen eines echten Hochgeschwindigkeitsnetzes in Deutschland ist allein der Untätigkeit der Politik zu „verdanken“. Noch immer werden Jahr für Jahr Milliarden € in Straßen versenkt, anstatt dafür die umweltfreundliche Bahn auszubauen. Vielleicht ist dies ja aber auch gar nicht gewollt, könnte es doch die Auto- und Luftfahrtindustrie um Umsätze bringen. Dabei sollte ein wirklich funktionierendes Bahnnetz, das die Straßen entlastet, durchaus auch im Interesse der Autoindustrie liegen.

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rainer_daeschler 15.04.2019, 09:51
33. Herausforderung

Deutschland weiß durchaus auf Herausforderungen wie den TGV zu reagieren. Es gräbt die Bahnhöfe unter die Erde.

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Muhaike 15.04.2019, 09:53
34. alles relativ

Die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auch in Frankreich rapide wenn man nicht gerade nach Paris möchte: Marseille-Bordeaux auf der Straße 645 km, Zugverbindung ab 6 Stunden. Lyon-Bordeaux, Strasse 552 km, Züge ab 5 Stunden, also nicht viel schneller als 100 km/h

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mg0031 15.04.2019, 09:53
35.

Zitat von haimerl1
Und mal ehrlich: München - Berlin in 4 Stunden. Mit dem Auto nicht machbar. Und der Flieger? 1 Stunde zum Flughafen, 1 Stunde vorher durch die Sicherheitsschleuse, 1 Stunde Flugzeit... soooo schlecht ist die Bahn da nicht.
Stimmt. Könnte aber noch besser sein wenn man in Deutschland dem Transrapid eine Chance gegeben hätte.

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kangootom 15.04.2019, 09:53
36. Problem Streckennetz in beiden Ländern

Die Netzkarte in Frankreich zeigt deren Dilemma: Alles geht zentral von Paris aus. Wer eine Verbindung davon abweichend sucht, oder zwischendrin aussteigen will der ist auch nur mit Bummelzügen unterwegs. Da steht Deutschland wesentlich besser da.
In Deutschland wurde das Hochgeschwindigkeitsnetz übrigens geplant, als Berlin noch außerhalb der Republik war. Die dichte Bevölkerung macht eine Streckenplanung ebenfalls schwieriger. Wenn wenigstens die komplett überlasteten Strecken Frankfurt-Fulda und Frankfurt Mannheim ordentlich ausgebaut würden, durch den fast alle ICE Strecken laufen, wär bei den Fahrzeiten schon viel gewonnen.

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claudio_im_osten 15.04.2019, 09:53
37. Diese Betrachtung greift zu kurz.

Die Bahn hat ja bei uns Milliarden in Hochgeschwindigkeitsstrecken investiert (mag noch immer zu wenig sein, nun ja). Völlig abgehängt sind allerdings die Nebenzentren. Ein Beispiel: Per ICE ist man heute in derselben Zeit von Hannover in Berlin-Spandau als per IC von Hannover in Magdeburg - in fast genau der Hälfte an Entfernung. Dass hier die A2 dann ständig völlig überfüllt ist, zeigt das Ergebnis. Es lohnt sich nicht, auf die Bahn umzusteigen, und zwar nicht nur aus wirtschaftlichen (die Bahn-Preise im Fernverkehr sind inzwischen wirklich horrend) als aus Zeitgründen.
Dieses Problem wird die Bahn nur lösen, wenn ein Vielfaches in den Streckenausbau geht und damit der deutschen Besonderheit Rechnung getragen wird, dass bei uns eben anders als im zentralistischen Frankreich nicht alle Wege nach Berlin führen.
Das ganze Geld in wenige Vorzeigestrecken zu scheffeln, führt für die Bahn nur weiter in die Krise - der Entwicklung des Individualverkehrs läuft sie weiter ständig hinterher.

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J.Corey 15.04.2019, 09:53
38.

Es sind Puffer eingeplant, aus gutem Grund - ich verstehe noch was der Autor mit dem Hinweis auf diese Puffer verdeutlichen will und gehe davon aus, dass auch die Franzosen Puffer einplanen. Diese natürlich kleiner als bei uns, was dem separaten Streckennetz und weniger Haltepunkten geschuldet sein dürfte. Aber am Ende ist die Situation Frankreichs (Zentralistisch, weniger dicht besiedelt) mit der in Deutschland nicht vergleichbar und wenn man sich ansieht wie lange Strecken von der Planung bis zur Realisierung brauchen und dann noch jeder Bürgermeister bei dem eine Schwelle liegt einen ICE-Haltepunkt erpresst ...

Mit dem Transrapid wären schnelle Metrpol-Verbindungen vielleicht machbar gewesen, doch die hohen Anfangsinvestitionen, insbesondere in die Trassen, und Planungsunsicherheit haben diesem innovativen Projekt keine Chance gelassen.

Letztlich müsste man nur Flugbenzin endlich so besteuern wie es sinnvoll wäre, dann wäre Bahnfahren auch aus wirtschaftlicher Sicht wieder eindeutig vorne und die Umwelt würde auch gewinnen. Betrachtet man beim Fliegen die gesamte Zeit (Transport zum Flughafen, Formalitäten wie Sicherheitskontrolle und Checkin etc.) ist es oftmals hat nicht schneller als die Bahn. Da ist auch viel Statusdenken enthalten, wenn die Krawattis lieber im Flieger sitzen als in der Bahn, in der man schon arbeiten kann und manchmal sogar erste Meetings abfackeln.

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Sibylle1969 15.04.2019, 09:53
39.

Ich bin schon einige Male mit dem ICE bzw. TGV von Frankfurt nach Paris gefahren. Knapp vier Stunden Fahrzeit, davon zuckelt der Zug 2 Stunden die Strecke Frankfurt - Straßburg entlang. Kaum verlässt der Zug Straßburg, geht es ab, und ruck zuck ist man in Paris. Beeindruckend. Fliegen muss man da nicht mehr. Deutschland ist hier wirklich Entwicklungsland. Wenn man zwischen den wichtigsten Großstädten ohne Zwischenhalt maximal drei Stunden mit dem Zug bräuchte, dann bräuchte es keine Inlandsflüge mehr. Stattdessen verhindern Investitionsstau, Nimby-Mentalität und Föderalismus den Aufbau eines dringend benötigten Hochgeschwindigkeitsnetzes.

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