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Kampf gegen Kreuzfahrtschiffe: Zoff um Venedigs Lagune
Stefano Rellandini/ REUTERS

Wieder einmal kündigt Italiens Regierung harte Maßnahmen gegen die gigantischen Kreuzfahrtschiffe an, die Venedig überfrachten. Doch die Tourismussparte wächst - und damit auch ihr Einfluss auf die Politik.

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BSC 10.08.2019, 18:39
1. Kreuzfahrt

Kein Schiff darf nach Venedig ohne die Erlaubnis der Hafen Behörde. Nicht nur in Venedig, gilt in jedem Hafen der Welt. Wenn Venedig weniger Schiffe haben möchte ist das also sehr einfach. Die Kreuzfahrer selbst wären auch lieber exklusiv in den Häfen und nicht mit 3-4 anderen Schiffen. Die Demonstrationen sollten also nicht vor den Schiffen sein, sondern vor den Ämtern und den Politikern.

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octagon87 10.08.2019, 18:57
2.

Wieder mal ein gutes Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Interessen den Umweltschutz und den Bürgerschutz ad absurdum führen.
Gewinnmaximierung und Spaß dürfen nicht länger über Umweltschutz stehen.

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chense90 10.08.2019, 19:33
3. Was soll das bringen?

Unabhängig davon dass Venedig sowieso unansehnlich ist ... bringen wir die Leute jetzt woanders unter ubd karren sie dann ans Ziel? macht das irgendwas besser? Das einzig hilfreiche wäre die Stadt für Touris zuzumachen (mit den Inseln) ...

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andregera 10.08.2019, 20:03
4. Venedig‘s Hafen ist privatisiert.

Die Kommune oder der Staat hat da wenig oder gar keinen Einfluss mehr.
Jeder der in Venedig war und miterleben musste, wie sich solch ein Riesenkreuzfahrtschiff in die Lagune zwängt und bedrohlich über den Häusern zu sehen ist, den widert sowas nur an.
Hier muss der Hafen wieder verstaatlicht und diese Einfahrten für Megakreuzfahrtschiffe verboten werden.

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seangerd 10.08.2019, 20:12
5. abzocke

In Venedig werden Touristen seit Jahrzehnten total abgezogen. Das Geld nehmen sie gerne in Venedig und anderen Tourismusgegenen, wenn nur die Menschen nicht wären. Viele Venezianer sehr unglaubwürdig. Die Kohle einfach abzocke und dafür keine Nachteile in Kauf nehmen, so einfach geht es eben nicht. Auch in Venedig nicht.

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Gluehweintrinker 10.08.2019, 20:13
6. Ist die Kreuzfahrt nun das erklärte Sommer-Feindbild?

Das der gegenwärtige Übertourismus in Venedig, aber in so gut wie allen beliebten Metropolen von Tallinn, Barcelona, Dubrovnik, Amsterdam, Dublin, Paris, Berlin ein Problem ist und keinesfalls weiter so wachsen darf, ist sicher nicht strittig. Es ist jedoch nicht die Kreuzfahrt, die das Fass zum Überlaufen brachte - es sind die absurd billigen Tickets von Ryanair & Co. - wer für 20 EUR oder noch weniger kreuz und quer durch Europa fliegen kann, der tut es schlichtweg weil es möglich ist.

Venedigs Besucher bestehen z.B. nur zu ca. 8% aus Kreuzfahrtpassagieren. Da in Venedig auch viele Abfahrten Statt finden, also die Ein- und Ausschiffung, bedeuten Kreuzfahrtpassagiere sehr wohl einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor, denn einige Übernachtungen vor und / oder nach der Kreuzfahrt sind üblich.

Letztendlich muss sich jede Stadt die grundsätzliche Frage stellen, wie viele Touristen sie denn überhaupt verträgt. So hat Amsterdam als erste Metropole das City Marketing, also die Werbung für sich selbst, eingestellt. Man ist froh über jeden, der nicht mehr kommt, plant sogar mit "HollandWorld" eine Art Themenpark vor den Toren der Stadt, um Touristenströme umzuleiten.

Einer Kreuzfahrtflotte von gegenwärtig ungefähr 400 hochseetauglichen Schiffen stehen mehr als 90.000 Frachter (Container, Schüttgut, Tabkschiffe etc.) gegenüber. Sich um die Umweltgefahren durch Kreuzfahrtschiffe selektiv zu sorgen wäre so unsinnig wie Maßnahmen bei Benzinrasenmähern zu ergreifen, KFZ aber unangetastet zu lassen.

Jenseits aller ideologischen Überfrachtung und Schlagwörtern wie "Massentierhaltung" oder "Schwimmende Müllvebrennungsanlage" sollte endlich begriffen werden, dass es nicht allein die Verantwortung des Verbrauchers sein kann, die gefälligst zur Weltrettung führen soll, sondern politischer Mut und Handlungsbereitschaft.

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charlybird 10.08.2019, 20:19
7. Ich vermute mal,

dass erst ein zweiter Capitano Schettino die Uferpromenade am Piazza San Marco. inklusive ''Harrys Bar'', mit irgendeinem Pott gründlich abrasieren muss, weil er seiner Verlobten vielleicht den Canale Grande zeigen wollte, damit die Stadtherren von Venedig ein Einsehen haben die übergut bezahlte Verpestung zu stoppen.

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at.engel 10.08.2019, 20:21
8.

"Die Anwohner... die Anwohner..." Das ist ja alles sehr nett, aber ein Stück weiter heißt es dann "Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro hält von den Plänen wenig. Der Geschäftsmann und konservativ-populistische Politiker..." Wer wählt den denn, wenn nicht 'die Anwohner'...?!?
Wie sich die Kreuzschiffahrt global entwickelt ist hier ja eigentlich auch egal. Es ist ja nicht so, als ob Vendedig nicht genug Tourismus hätte. Und Venedig hat auch durchaus - im Gegensatz zu anderen Orten - das Portenzial, im Luxussegment Geld zu machen.
Oder anders gesagt, es geht hier gar nicht mehr um die wirtschftlichen Interessen Venedigs, sondern der der Kreuzfahrtunternehmen. Und das ist ein entscheidender Unterschied.
Was in Venedig fehlt ist irgendwie ein Plan. Wahrscheinlich war das bisher viel zu einfach: Venedig hat ja den Tourismus quasi miterfunden: Das lief einfach, selbst wenn man gar nichts machte. Aber ich bin bereit zu wetten, dass es langfristig wesentlich rentabler ist, die Lagune für die riesen Pötte zu sperren und nur noch kleine mit max. 100 Kabinen in die Lagune zu lassen, als das, was Venedig heute macht.
Da gäbe es noch ganz andere Dinge hinzuzufügen, aber gerade in wirtschaftlicher Hinsicht hat die heutige Politik überhaupt keinen Sinn. Und ich rede hier ganz speziell von Venedig!

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Hamberliner 10.08.2019, 20:50
9. Voraussetzung ist DP2

Nicht dass ich den Status quo unterstützen wollte, aber die Unfälle oder Beinahe-Unfälle hätten nicht sein müssen. Stand der Technik ist eigentlich: wenn ein schwimmendes System auf einer Position und in einer Orientierung gehalten werden soll, dann handelt es sich um Dynamic Positioning auch dann, wenn die Soll-Position nicht steht, sondern einer definierten Bahn folgt, und man erwartet normalerweise, dass diese Fähigkeit auch dann erhalten bleibt, wenn eine Komponente ausfällt. Nennt sich DP2. Kreuzfahrtschiffe ohne Pod-Antriebe brauchen unbedingt ein Heckstrahlruder (zwei oder mehr Bugstrahlruder haben sie ja i.a. sowieso), sonst sind sie nicht DP2-fähig, da bei Seitenwind nicht mehr zu halten sobald einer der beiden Hauptantriebe kaputt geht. Wenn ein Kreuzfahrtschiff sogar Schlepperhilfe nötig hat, stimmt etwas nicht - entweder mit dem Schiff, mit dem DP-Controller oder mit dem Hirn des Kapitäns.

Im Artikel steht, harmlosere Liegeplätze seien Fusina oder Lombardia. Fusina kenn ich, da bin ich schon mal mit ANEK nach Griechenland gefahren, und das halte ich zur Schonung der Inselstadt für eine gute Idee, aber wo bitte ist in/bei Venedig Lombardia?

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