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Modellprojekt: DAV will Wanderer-Streit mit Mountainbikern beenden
imago/ blickwinkel

Wer hat in den Bergen die Hoheit? Darüber streiten sich Wanderer und Mountainbiker schon seit Jahren - und greifen teilweise nicht nur verbal an. Der Alpenverein will den Konflikt jetzt schlichten.

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Oli-offen,liberal,inform. 19.09.2018, 12:10
10. Ehrlicherweise

muß man sagen (und ich bin selbst ehemaliger Triathlet und Radverfechter bis heute), daß -echtes- Mountainbiken im Unterschied zum Radwandern auch erhebliches Adrenalin freisetzt. Der Rat, sich gegenseitig einfach mal mit Rücksicht Platz zu machen, ist natürlich völlig richtig, ist aber abseits des Sofas in der Realität oft nicht darstellbar. Jeder (deutsche) Autofahrer kennt das, gelegentlich reflektiert man zuhause, daß man das eine oder andere etwas näher am Rande eines schweren Unfalls getan hat, als man das in der Rückschau positiv bewerten konnte, Handy telefonieren oder auf dem Navi tippen inklusive.
So ist es auch bei Radfahrern und ggf. (hoffentlich) Fußgängern: Es ist leicht, rücksichtslosen Parkern und Tür-Aufschwingern in die Tür zu treten, ebenso auf gedankenlose Weg- (und Radweg-) Blockierer zuzuhalten.
Der Selbsterziehungs-Prozess muß im Kopf, und damit zuhause, stattfinden, so wie man auch kritische Autoverkehrs-Situationen auf dem heimischen Sofa reflektiert, ohne Besitz- und Kampf- bzw Verteidigungsdenken. Denn zumindest die Natur ist gleichermaßen für alle da, die sich verantwortungsbewußt in ihr bewegen wollen.

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Tetanic 19.09.2018, 12:26
11. Paragraphen 1 und 2 Stvo

Bin Wanderer, Trekker, Kletterer und Mtb-Fahrer und hatte diesbezüglich noch nie einen ernsthaften Konflikt mit (m)einem Gegenüber. Es gibt z. Bsp. Wanderer, die mich als Mtbler misstrauisch beäugen, das löse ich aber mit einem Gruß, einem Lächeln und defensiver Fahrweise während der Begegnung - wichtig ist, dass man Wanderer nicht erschreckt und ihnen nicht das Gefühl gibt, bedrängt zu werden.
Allerdings sehe ich zukünftig Probleme mit e-Bikern - unter ihnen sind eine Menge unerfahrener Touristen, die ansonsten nie im Hochgebirge zu finden wären. So böse es klingen mag, ich wäre für ein Verbot von Maschinen mit Hilsmotoren im Hochgebirge, diese werden die Atmosphäre, das Miteinander, den Umweltschutz und die Unfallzahlen im Hochbegirge nachhaltig negativ beeinflussen. Es sollten vielleicht alternative Wege nur für (e-)Bikes angeboten werden, da es vor allem für Ältere und Unfitte eine Alternative zum Auto oder zum Sofa darstellt.
Möglicherweise kennt der eine oder andere das Gefühl, wenn man sich nach einer Gipfelbesteigung einer Seilbahnsation nähert - der Müll und die Lautstärke nehmen plötzlich zu, ein Großteil der Seilbahnbezwinger genießt nur das Event "Gipfelblick mit Selfie" hat aber sonst keinen Bezug zum Berg, zur Natur. Dieses Gefühl kam mir in diesem Sommer einige Male, als e-Bike-Gruppen in 2000m laut plaudernd den Weg blockierten, mich nicht mal wahrnahmen und nach der Abfahrt ein paar Snickers-Verpackungen hinterließen.

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MatthiasPetersbach 19.09.2018, 12:32
12.

Zitat von lock_vogell
und genau das ist doch das prolem... für wanderrouten wird gesorgt, aber ordentliche offizielle mtb strecken gibt es eben in ganz deutschland vielleicht eine handvoll. und ich persönlich bin nicht bereit mein hobby nur alle paar monate mal auszuüben, weil ich dafür "eigentlich" 3-4 std. anfahrt in kauf nehmen müsste, um es wirklich ......
hmmm....ob die Radler dann wirklich auf den Trails fahren - ich weiß nicht. Zumindest für "Wanderrradler" ist das ja nicht wirklich ne Option.
Ihr Hobby in Ehren - aber es ist eben ein Hobby mit speziellen Anforderungen. So wie Skifahren. Und das geht eben nicht überall - und nicht immer. Und vor allem nicht überall, wo andere Leute sind. Aber bei uns in RP kann man überall Fahrrad fahren und Touren gibts wie Sand am Meer. Halt wahrscheinlich keine "Trails" - aber DER Anspruch ist wohl auch ein wenig verfehlt. Es gibt doch nen Unterschied zwischen "ich kann hier Fahrradfahren" und "stellt mir mal ne Sportanlage hin" :)

"Wander"routen sind zwar schön, aber der Wanderer braucht sowas ja nicht. Bei uns in den Mittelgebirgen ist alle 300 Meter ein Weg so gut wie überall hin und es genügt ne Karte und heutzutage ein GPS. Da muß nicht soviel "eingerichtet" werden - und das Sorgen dafür ist ja wg. fehlender Beanspruchung des Bodens eher weniger das Problem.

Das Problem ist einfach, daß sich die Nutzung m.E. gegenseitig stört. Der eine sucht Ruhe, der andere bringt Unruhe. Das ist wie Langstreckenschwimmen im Planschbecken.

Nicht auf großen Wegen, da stören gröhlende Wandergruppen durchaus auch. Aber oft kommen einem eben "Spezialisten" auf Wegen entgegen, die nicht weder fürs Rad noch für die Begegnung mit Radlern geeignet sind.

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quark2@mailinator.com 19.09.2018, 12:32
13.

Sollte doch recht klar sein - Radler sind für Fußgänger eine Bedrohung, aber nicht umgekehrt. D.h. wenn Radler nicht in der Lage sind, sich rücksichtsvoll und sicher zu verhalten, kann man sie nicht auf Wege lassen, wo sie Fußgänger gefährden. Es sei denn, man wäre in der Lage, die Taten gerichtssicher zu dokumentieren und zu bestrafen, was aber dem annonymen Wandern widerspricht, denn wenn man in der freien Natur etwas nicht braucht, dann auch da noch Überwachungskameras. Es tut mir leid für all die guten Radfahrer, aber wenn jemand über mir nen Stein den Hang hinabstößt, nur weil er durch die Kurve sliden muß ...

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Duffy73 19.09.2018, 12:36
14.

Das Problem ist ganz einfach zu lösen: gegenseitige Rücksichtnahme. Der Wanderer geht bissl zur Seite, der Radfahrer bremst bissl ab - keiner wird wirklich gestört und alle könnten (theoretisch) zufrieden sein. Denn eines haben Mountainbiker und Bergwanderer gemeinsam: sie lieben die Berge.

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pratter 19.09.2018, 12:39
15. Es ist doch ganz einfach!

Die Mountainbiker-Gemeinde gründet regionale oder überregionale Vereine. So wie es die Wanderfreunde vor teilweise mehr als 100 Jahren getan haben. Dann bauen die Mountainbikervereine in Abstimmung mit den zuständigen Behörden mit ihren Mitgliedern eigene Strecken,
Die Kamikaze-Radler haben auf Wanderwegen nichts zu suchen.
Sollen sie sich wie andere auch ihr Refugium mit eigener Hände Arbeit schaffen.
Mal sehen, wer da von den Jung- und Möchtegernjungdynamikern noch aufs Mountainbike steigt. Für Handarbeit gibt's leider noch keine App.

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Bluebear411 19.09.2018, 12:40
16. Mehr möglichkeiten schaffen für MTB

@MatthiasPetersbach das finde ich etwas verallgemeinert. Dann könnten wir ja auch gleich alle Skipisten wieder schließen. Diese stören / zerstören wohl genau so viel oder wenig der wundervollen Natur wie die Mountainbiker.

Finde den Artikel sehr Interessant da ich selbst in der nähe von Oberstdorf Wohne. Ich sehe es gerade eher als Gefahr für die Touristenregion Oberstdorf / Allgäu einfach so weiterzumachen. Auch wenn ich nie Probleme hatte als Mountainbiker da wir auf gegenseitigen respektvollen Umgang achten. Warum also mögliche Probleme ? ganz einfach: rein wirtschaftlich sehe ich in vielen Ländern z.b Österreich voran, das bestreben durch ausgeschilderte MTB routen oder gar Bike Parks einen wachsender Zulauf (hauptsächlich junge Leute) der im Allgäu gänzlich fehlt. Es gäbe einige Bergbahnen die für einen Bike (park) sommerbetrieb mehr als geeignet wären z.b das Söllereck.
Oft frage ich mich ob speziell in Oberstdorf die Zeit (gewollt) stehengeblieben ist.. hier wird einfach nur auf zahlungskräftige Rentner gesetzt und keine wirklich neuen anreize geschaffen für ein junges Publikum. Persönlich merke ich das auch schon im Winter mit der Saisonkarte. Diese wird immer teurer und andere Skigebiete ,auch im Sommer bieten für den gleichen Preis immer mehr.
ganz nach dem Moto "Never Change a running System" die frage ist nur wie lange geht das noch gut.

Ich hoffe wirklich es tut sich was in Deutschland zum Thema Bike, das auch dank E-Bike immer mehr Zulauf erhält und nicht ignoriert werden sollte.

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mafreschi 19.09.2018, 12:40
17. Zeitversetzt und rücksichtsvoll

Ich wandere genau so gerne wie ich in den Bergen das Mountainbike nutze, kenne also beide Seiten. Bei uns hat sich sehr bewährt, einfach später loszufahren: Lange schlafen, langes Frühstück, kleine Pause, dann 2 - 3 h bergauf (da kommen einem die ersten Wanderer schon auf dem Rückweg entgegen), spätes Mittagessen in einer Hütte, Sonne, Aussicht, Natur genießen und erst abfahren, wenn die Wanderer selbst längst fast im Tal sind. Und - natürlich - vorsichtig abfahren, bei unübersichtlichen Stellen auch mal im Schritttempo.

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cochon 19.09.2018, 12:44
18.

Zitat von Pragmatik
Im schweizer Kanzon Graubünden ist MTB auf sämtlichen Wanderwegen gestattet, gegenseitige Rücksichtnahme vorausgesetzt. Es wurden auch alte vergessene Pfade wiederhergestellt und für MTB geöffnet, und wo möglich auch separate Wege gemacht. Zudem nehmen Postauto, Eisenbahn und Seilbahnen Räder mit. Die Tourismuswirtschaft freut sich dass die Mountainbiker auch zum Skifahren im Winter kommen, und die Skifahrer zum Biken. Schon die falsche Frage nach «*wer hat die Oberhand*» zeigt doch dass es vorallem eine Frage des gegenseitigen Respektes und der Toleranz ist.
.....außer im Nationalpark. Dort sind Fahrräder aller Art grundsätzlich verboten, also auch Mountainbikes. Das würde ich eher als "Vorbild Graubünden" bezeichnen.

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MatthiasPetersbach 19.09.2018, 12:45
19.

Zitat von Oli-offen,liberal,inform.
muß man sagen (und ich bin selbst ehemaliger Triathlet und Radverfechter bis heute), daß -echtes- Mountainbiken im Unterschied zum Radwandern auch erhebliches Adrenalin freisetzt. Der Rat, sich gegenseitig einfach mal mit Rücksicht Platz zu machen, ist natürlich völlig richtig, ist aber abseits des Sofas in der Realität oft nicht darstellbar. ......
Nun ja, als -langsamer- Fahrradfahrer habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, daß andere Fahrradfahrer sich dadurch belästigt fühlen bzw. damit völlig überfordert sind, wenn man 10 km/h langsamer als sie auf dem Radweg fährt. Da gibts wohl einen Bezug zur -fürs Wiederantreten nötigen - körperlichen Anstrengung. Das "macht einfach etwas mit einem".

Mit dem Auto muß ich auch manchmal 60 fahren, obwohl ich 100 könnte - allerdings ist das natürlich dann auch nur ein Tritt aufs Pedal.
Aber übertragen in den Wald will ich nicht wissen, wie Radfahrer reagieren würden, wenn man die "Gleichberechtigung" wie in einer Spielstraße oder in ner gemischt genutzten Verkehrsfläche (was der Waldweg ja auch ist) anwenden würde. Dann würde der Radfahrer auf den Wanderer "auflaufen", seine Geschwindigkeit anpassen und erst bei Gelegenheit überholen können.

ich glaube nicht, daß DAS das ist, was die Radfahrer wünschen. Mit Radfahren ist eben immer automatisch gemeint "in Radfahrergeschwindigkeit". Nach Radfahrerbedürfnissen.
Also gibts eine Aufmerksamkeitsanforderung, die ich mir als Wanderer nicht geben will (aber geben muss). Weil sie genauso meinen Anforderungen widerspricht wie die Fußgängergeschwindigkeit für nen Fahrradfahrer.

Das ist ein Systemproblem.

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