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Protest gegen Bahnreform: Streik legt Zugverkehr in Frankreich lahm
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Der Streik könnte sich monatelang hinziehen: In Frankreich wollen 77 Prozent der Lokführer aus Wut über die Bahnreform ihre Arbeit niederlegen. Die Verkehrsministerin hat dafür kein Verständnis.

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Sibylle1969 01.04.2018, 20:51
1.

Ich liebe Urlaub in Frankreich über alles, aber einer unserer letzten Urlaube wurde durch Streiks beeinträchtigt: einmal fuhr im Mai 2016 kein Zug, und dann waren Ölraffinerien im Land blockiert, so dass der Sprit in Frankreich knapp wurde. Der Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland ist, dass in Frankreich Streiks zur Durchsetzung politischer Forderungen legitim und üblich sind. In Deutschland ist beides nicht der Fall.
Es ist legitim, für die Durchsetzung seiner politischen Ziele zu kämpfen. Aber ich finde es nicht legitim, dass darunter Millionen Menschen leiden müssen. Das kann man auch anders lösen.

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LorenzSTR 01.04.2018, 20:59
2. Gut so!

In Frankreich wird die neoliberale Umverteilung nach oben eben nicht so einfach hingenommen wie hierzulande. Seltsam, aber schon in den vergangenen Wochen wurde in FR kräftig gegen die Sparpläne im öffentlichen Dienst protestiert – und man hat davon hierzulande kaum etwas mitbekommen. Bestimmt wieder nur Zufall... Lustig auch, wie neoliberale "Denker" stets versuchen, die Bevölkerung zu vereinnahmen und so tun, als ob solche Streiks ihr schaden würden. Das Gegenteil ist der Fall, denn diese Leute streiken für die Löhne und Arbeitsbedingungen für große Teile der Bevölkerung.

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cypeak 01.04.2018, 21:51
3.

Zitat von Sibylle1969
Ich liebe Urlaub in Frankreich über alles, aber einer unserer letzten Urlaube wurde durch Streiks beeinträchtigt: einmal fuhr im Mai 2016 kein Zug, und dann waren Ölraffinerien im Land blockiert, so dass der Sprit in Frankreich knapp wurde. Der Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland ist, dass in Frankreich Streiks zur Durchsetzung politischer Forderungen legitim und üblich sind. In Deutschland ist beides nicht der Fall. Es ist legitim, für die Durchsetzung seiner politischen Ziele zu kämpfen. Aber ich finde es nicht legitim, dass darunter Millionen Menschen leiden müssen. Das kann man auch anders lösen.
und das bedeutet nun was? streiken ist legitim, aber nur wen es niemanden beeinträchtigt?
ich wünschte wir hätten hierzulande die streikkultur wie in frankreich - da kann man damit tatsächlich etwas durchsetzen; hierzulande "verbieten" gerichte arbeitsstreiks - lächerlich!

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drmedwurst 01.04.2018, 22:04
4. Respekt

an die Kollegen in Frankreich. Hierzulande traut sich das keiner, weil sich bis auf Herrn Weselsky alle kaufen lassen. Viel Erfolg, liebe Nachbarn.

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53er 01.04.2018, 22:30
5. Gut aufgepasst

haben die französichen Minister unter Macron und kopieren die deutschen mittlerweile 1:1. Streiks im Bahnverkehr? Einfach das "fahrende Volk" gegen die Streikenden einsetzen und aufwiegeln. Wäre auch nochmal schöner, wenn sich die Mehrheit der Bürger von ein paar Bahnmitarbeitern, die nicht genug kriegen können, auf der Nase herumtanzen zu lassen. Nur ob das in Frankreich gut ausgeht, daran kann man zweifeln.

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breizh44 01.04.2018, 22:32
6. Sie kennen die Hintergründe?

Zitat von LorenzSTR
In Frankreich wird die neoliberale Umverteilung nach oben eben nicht so einfach hingenommen wie hierzulande. Seltsam, aber schon in den vergangenen Wochen wurde in FR kräftig gegen die Sparpläne im öffentlichen Dienst protestiert – und man hat davon hierzulande kaum etwas mitbekommen. Bestimmt wieder nur Zufall... Lustig auch, wie neoliberale "Denker" stets versuchen, die Bevölkerung zu vereinnahmen und so tun, als ob solche Streiks ihr schaden würden. Das Gegenteil ist der Fall, denn diese Leute streiken für die Löhne und Arbeitsbedingungen für große Teile der Bevölkerung.
Die geplante Bahn-Reform hat mit "neoliberaler Umverteilung" nichts zu tun, aber das ist halt im Moment bei Populisten ein beliebtes Schlagwort, klingt ja auch toll. Es geht darum, die SNCF zukunftsfähig zu machen, was dieses Defizitunternehmen im Moment absolut nicht ist. Auch die Sparpläne im öffentlichen Dienst sind für Frankreich wahrhaftig kein überflüssiges Unterfangen. Das Land hat den aufgeblähtesten Beamtenapparat aller EU-Länder, was erheblich zu seinem Schuldenproblem beiträgt.
Hätten die französischen Gewerkschaften nur einen Funken Verstand, würden sie sich mit der Direktion der SNCF und der Regierung an einen Tisch setzen und die unausweichlichen Reformen mitgestalten. Stattdessen fahren sie ihren ideologisch verblendeten Film aus einer anderen Epoche ab.

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MiBod 01.04.2018, 23:13
7.

Zitat von LorenzSTR
In Frankreich wird die neoliberale Umverteilung nach oben eben nicht so einfach hingenommen wie hierzulande. Seltsam, aber schon in den vergangenen Wochen wurde in FR kräftig gegen die Sparpläne im öffentlichen Dienst protestiert – und man hat davon hierzulande kaum etwas mitbekommen. Bestimmt wieder nur Zufall... Lustig auch, wie neoliberale "Denker" stets versuchen, die Bevölkerung zu vereinnahmen und so tun, als ob solche Streiks ihr schaden würden. Das Gegenteil ist der Fall, denn diese Leute streiken für die Löhne und Arbeitsbedingungen für große Teile der Bevölkerung.
Dumme Sprüche. Haben Sie sich mal mit der Realität befasst? D.h. was die da "bewahren" wollen? Vergleichen Sie einfach einmal die Einkommens-, Urlaubs-, Pensionsposition der bei der französischen Bahn Beschäftigten mit denen "normaler" Arbeitnehmer in Frankreich (geschweige denn, in Deutschland) - da liegen Lichtjahre dazwischen... Ich denke aber der normale französische Bahnnutzer hat es satt, das der Staat bereits seit Jahrzehnten (so alt ist das Problem bereits) z.B. durch die Lokführer ständig erpresst wird.., und er am Ende zahlt.
Andere Bereiche des öffentlichen Dienstes in Frankreich haben leider einen ähnlich schlimmen Zustand.. - und: der Staat steht in massiver Verschuldung.
Ich wünsche Macron viel Erfolg.., da er auf keine verkrustete Parteistruktur (wie z.B. die SPD hier) Rücksicht nehmen muss, hat er vermutlich eine Chance.., eventuell muss er soweit gehen, wie damals Thatcher in UK in den 80ern... - danach gibt es dann keine linken/ kommunistischen Gewerkschaften mehr in F.
Sollten wir aber in Deutschland nicht mit Fingern darauf zeigen, auch die Bundesländer haben massive Probleme die ansteigenden Pensionslasten der langlebigen Beamten, und deren Witwen zu tragen..

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_gimli_ 01.04.2018, 23:23
8.

Zitat von LorenzSTR
In Frankreich wird die neoliberale Umverteilung nach oben eben nicht so einfach hingenommen wie hierzulande. Seltsam, aber schon in den vergangenen Wochen wurde in FR kräftig gegen die Sparpläne im öffentlichen Dienst protestiert – und man hat davon hierzulande kaum etwas mitbekommen. Bestimmt wieder nur Zufall... Lustig auch, wie neoliberale "Denker" stets versuchen, die Bevölkerung zu vereinnahmen und so tun, als ob solche Streiks ihr schaden würden. Das Gegenteil ist der Fall, denn diese Leute streiken für die Löhne und Arbeitsbedingungen für große Teile der Bevölkerung.
Die Gleichung ist doch ganz simpel: Der Staat muss am Ende des Jahres mehr oder gleich viel eingenommen haben, wie er ausgibt. Sonst droht über kurz oder lang die gleiche Situation wie in Griechenland oder absehbar in Italien. Und ich erkenne in Frankreich aus naheliegenden Gründen nicht, dass die Großkonzerne dort Schlange stehen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Erklären Sie also einfach mal, wie der französische Staat das aktuelle Defizit in den Griff bekommen soll, ohne Sparpläne durchzuziehen.

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_gimli_ 01.04.2018, 23:28
9.

Zitat von drmedwurst
an die Kollegen in Frankreich. Hierzulande traut sich das keiner, weil sich bis auf Herrn Weselsky alle kaufen lassen. Viel Erfolg, liebe Nachbarn.
Ich habe französische Verwandschaft. Ein Sohn in Kanada, zwei in den USA, einer in Deutschland. Die Zukunft Frankreichs sehen diese jungen Leute ganz düster, weil dort jeder Reformwille fehlt. Hinzu kommen die Probleme mit der muslimischen Bevölkerung. So sieht die Realität aus. Frankreich hat sehr große Aufgaben zu lösen, will das Land nicht den Bach runtergehen.

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