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Regulärer Betrieb gestartet: Auch Sie können jetzt durch den Gotthard-Tunnel fahren
DPA

Der erste planmäßige Zug ist durch den Gotthard-Tunnel gerollt. Der Weg nach Italien verkürzt sich um eine halbe Stunde.

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ganzeinfach 11.12.2016, 12:42
40. Die DB schläft weiter

Die meisten deutschen Foristen-Beiträge hier unterstreichen das Credo der DB: weiterpennen!
Verspätungen? Lächerlich! Planungen? Kein Geld!
Aus Schweizer Sicht betreffend Ausbau der Bahn als zentraler Teil der wichtigen Nord-Südachse von Sizilien bis Schweden für Passagier- und Gütertransport leistet Deutschland einen wesentlichen Negativ-Beitrag: es verschwindet mehr, als neu dazukommt. Beispiel: Seit 2006 verkehrt die honorige Wiesentalbahn Basel nach Zell (seit 2006 die S6 aus der Schweiz) über den Badischen Bahnhof Basel (deutsche Seite). Seit 10 Jahren erfreuen sich die Bahnbenützer über einen 40cm hohen Sprung aus dem Zug auf den deutschen Bahnsteig. Grund dafür ist: DB hat den Dienst der SBB überlassen - und dabei die Niederflur-Züge nicht berücksichtigt. Fazit - es gibt noch immer keinen einzigen höhenangepassten Bahnsteig am Badischen Bahnhof.
Ebenfalls gerade das Aus genommen hat das ganze Schlafwagen-Angebot der deutschen Bahn: "das geht uns nichts mehr an". Nun hat ein österreichisches Unternehmen den Betrieb nahtlos übernommen.
Für den Güterverkehr gibt es im benachbarten Weil (D) einen beachtlichen Bahnhof, wo LKW Auflieger auf die Bahn verladen Richtung Süden fahren oder von dort ankommend wieder abgeladen werden. Die Firma Hupac (CH) betreibt diesen Service seit Jahren sehr erfolgreich und kann damit zur Umsetzung des Alpenschutz-Artikels in der Schweiz wesentlich beitragen.
Also DB: aufwachen! Da sowieso schon viele bahnmüde Benutzer auf das Auto umgestiegen sind, sollte man die restlichen zahlenden Kunden nicht weiter vergraulen. Da nützen auch die verflixten Busse nicht, welche Passagiere auf den ursprünglichen "Bahnlinien" fast umsonst von A nach B bringen. Dass diese auch noch die bekannten Autobahn-Nadelöhre überbelasten, scheint nur ein "lächerliches" Nebenproblem. Vernachlässigbar!

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heineken1 11.12.2016, 12:44
41.

Zitat von j.e.r.
ist der Güterverkehr. Mit den zwei neuen Basistunnels (Lötschberg und Gotthard) sollen Güterzüge direkt und schnell, vor allem ohne den Aufwand für spezielle Loks um die für normale Züge steilen Strecken der alten Tunnels bewältigen zu können. Der Ausbau in der Schweiz ist noch nicht fertig (Ceneri-Tunnel) - der geplante (vertraglich zugesicherte) Ausbau der Verbindungen in Süddeutschland und Norditalien ein anderes Thema. Basis ist ein vom Volk gegen den Willen der Regierung akzeptierter Verfassungsartikel, der den Ausbau von alpüberquerenden Strassenverbindungen untersagt, die Verlagerung des Transitverkehrs von der Strasse auf die Schiene verlangt.
Tja, und wenn man sich dann mal anschaut, was alles gehen sollte - und was jetzt, im gemischten Betrieb von Personen- und Güterzügen passiert:

So schön die Idee einer Flachbahn durch die Alpen auch ist - einer Idee übrigens, die eigentlich (!) überwiegend dem Güterverkehr dienen soll(te). So etwas enttäuschend ist dann jetzt das konkrete Ergebnis: V.a. aus Gründen der Aerodynamik in den Röhren, bei gegebenem Betriebsregime (soundsoviel Züge mit V x und y in bestimmter Zeit) funktioniert eben genau das nicht mehr: Die schöne Flachbahn durch die Alpen! Auch wenn die Zulaufstrecken im Schweizer Vorland (der 4m-Korridor) und auf der Südseite (Ceneri-Basistunnel etc.) fertig sind und auch wenn Deutsche und Italiener eines (fernen ;-( ) Tages mal ihren Teil geleistet haben, wird es unter den gegebenen Umständen eben NICHT möglich sein, Züge jenseits der 1.000t mit nur einer Lokomotive zu traktionieren. Man wird also doch wieder auf vglw. teure Doppeltraktion wie im Bergstreckenverkehr zurückgreifen müssen. Natürlich bleibt unter dem Strich die Energieeinsparung durch Entfall der »Hubarbeit« (erst auf >1.000m ü.N.N. auf der einen Seite herauf und dann auf der anderen wieder herab) - dessen Energieaufwand sich durch elektrisch bremsen könnende und somit Energie ins Netz zurückspeisende Lokomotiven auch nicht das große Thema ist; zumal die SBB ihre Traktionsenergie weitgehend aus regenerativer Quelle (Wasserkraft) gewinnen.
Bleiben wird eben allerdings auch der erhöhte Kapital-, Material- und Personalaufwand der Traktionäre (vulgo der Eisenbahnunternehmen). Einzig freuen wird sich die Schienenfahrzeugindustrie darob - bleibt das spezifische Verhältnis von Leistung zu Masse doch noch zu großem Teil erhalten.

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heineken1 11.12.2016, 12:46
42.

Zitat von erst nachdenken
Es geht nicht bloß um 30 Minuten Fahrzeit im Personenverkehr, sondern auch darum, dass Güterzüge starke Steigungen sparen und damit nur noch eine statt zwei Lokomotiven benötigt wird.
... und genau das trifft für die allermeisten Güterzüge eben NICHT zu.

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cobaea 11.12.2016, 12:51
43.

Zitat von zensurgegner2016
Na ja, das ist auch nur ein kleiner Teil der Wahrheit: 1: Der Anwohnerprotest IN DEN ALPEN ist von Natur aus geringer als ein Anwohnerprotest von 3 Millionen Bürgern in Deutschland 2: Auch die Schweiz hat die Anschlussstrecken erst 2023 fertig 3: Steueroase Schweiz kann sich Infratsrukturausgaben leisten, die andere Staaten sich nicht leisten können. Grund: Steuerdiebstahl (nicht Schwarzeld)
1. Die Anwohnerzahl in den Alpen mag niedriger sein, aber der Gotthard-Basistunnel samt Zufahrtsstrecken wurde nur wegen der "Anwohner" überhaupt gebaut. Die Mehrheit der SchweizerInnen hat nämlich vor Jahrzehnten der "Alpeninitiative" zugestimmt, die einen Ausbau der Strasseninfrastuktur über die Alpen sehr erschwert (aus Umweltschutzgründen). Die Alternative für eine Entlastung vom Güter-Transitverkehr, wurde dadurch fast nur via Bahn möglich. 2. Würde die DB ihre Bahntrassen gleich sorgfältig und in Zusammenarbeit mit den Betroffenen planen, wie das die Schweizer Bahnen tun, hätte sie sich die meisten Einsprachen von Bürgerinitiativen sparen können. 2. Der Ceneri-Tunnel als letztes Anschlussbauwerk ist aber wenigstens schon im Bau, während vom Ausbau der DB im Rheintal erst ein Tunnel bei Efringen-Kirchen steht. 3. Vom Geld deutscher Steuerhinterzieher wird da nichts gebaut. Das liegt bisher noch auf den CH-Banken (wenn ab 2018 der automatische Datenaustausch läuft, wird sich das stark reduzieren) und deren Steuerzahlungen halten sich in Grenzen.

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gustavsche 11.12.2016, 12:52
44.

Zitat von dbrown
Eine halbe Stunde??? Und dafür so ein Aufwand? Das schöne Geld, verpulvert für 30 Minuten...
Nein. Für täglich ca. 20 mal eine halbe Stunde nur für den Personenverkehr. Und das 365 mal im Jahr und das für mindestens 80 Jahre. Und den Güterverkehr gibt es ja auch noch.

Sie machen den typischen Fehler: Sie verwechseln einmalige Kosten mit laufenden Kosten. Unser Hausmeister ist der Firma macht den Fehler auch. Bei den Verbrauchsartikeln wie Duftkartuschen, greift er zu teuren Marken. Er würde ja nur einen Euro sparen. Bei der Klobrille, die mal ausgetauscht werden musste, griff er zur billigsten, denn er konnte 20 € sparen. Dass aber die Kosten für die Klobrille einmalig anfallen, für die Kartuschen aber fortlaufend, hat er übersehen. Folge ist: Wir sitzen heute auf einer wackligen Klobrille, weil der Hausmeister Geld sparen wollte.

Das ist ja auch der Fehler, den die Kritiker von S21 machen: "Wegen der paar Minuten." - Für Pendler, die täglich wenige Minuten sparen können, ist das aber sehr viel wert. Daher waren Pendler häufig S21-Befürworter, die Gegner dagegen arrivierte Benz-Fahrer, Gelegenheitsfahrer (z. B. Sittler) und von Linken rangekarrte Krawallmacher.

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bartsuisse 11.12.2016, 12:57
45. zensurgegner - Infrastrukturen

schon 2007 gab es nur minime Unterschiede. In den letzten 10 Jahren allerdings geriet DE deutlich in Rückstand.
https://www.google.ch/url?q=http://www.ifmo.de/tl_files/publications_content/2007/ifmo_2007_Verkehrsinfrastruktur_Benchmarking_Europ a_de.pdf&sa=U&ved=0ahUKEwjrlrb925XOAhUEBsAKHVQvAeA QFggnMAM&usg=AFQjCNHXrwTgW3lcR5Ldm4G-LxT5-4N-ZQ

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gustavsche 11.12.2016, 12:58
46.

Zitat von guenther2009
machen uns vor wie es sein soll. Alle güter auf die Schiene und das rollende Lager abschaffen. Die Firmen müssen endlichumdenken.
Deutschland muss umdenken. Der Verkehr, die Bahn und die Beamten gehen nur den Weg des geringsten Widerstandes. Das heißt: Ein zusätzlicher Lkw auf der Autobahn ist kein Klagegrund. Die sieht keiner, den hört auch keiner aus der Menge des Bestandsverkehr heraus. Wann immer man aber neue Straßen und Schienen verlegen will, sind die Proteste da. Gegen die Y-Trasse wurde erfolgreich opponiert, mit der Folge, dass die Bestandsstrecken noch stärker ausgelastet werden, damit die gutsituierten Pferdeliebhaber (wählen wahrscheinlich überwiegend grün) in Walsrode und Umgebung keinen Schienenlärm ertragen müssen. Ich bin der Auffassung, dass man die Klage- und Widerspruchsgründe erheblich einschränken muss. Mehr Utilitarismus bitte. Dieser ganze Bestandsschutz geht mir sowas gegen den Zeiger und ist die Schaufel, mit der wir unser Grab graben.

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cobaea 11.12.2016, 13:01
47.

Zitat von zensurgegner2016
....Und vor allem: Unsere unsägliche Kleinstaterei mit Bundesländern, Kompetenzgerangel und machtgeilen Landesfürsten ist ein Hemmschuh, da jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht.
Wenn das, was Sie hier anführen, irgendeine Relevanz für Verkehrsplanungen hätte, dürfte es den Gotthard-Basistunnel (samt Anschlussbauwerken) gar nicht geben. Gegen die schweizerische "Kleinstaaterei" steckt doch die deutsche in den Kinderschuhen: 26 Kantone bei 8,3 Mio. Einwohnern versus 16 Bundesländer bei 80 Mio. Einwohnern. Und die 26 Kantone erheben alle (ausser dem, was die deutschen Bundesländer machen) auch noch ihre Steuern selber (in unterschiedlichster Höhe!). Hingegen müsste es ja in Frankreich bestens klappen - bei deren Zentralismus...

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nadja_romanowa 11.12.2016, 13:13
48.

Zitat von bartsuisse
wurden Infrastrukturen im Bereich Flug Bahn und Strasse verglichen zwischen Frankreich Deutschland und Italien. Italien und Deutschland schnitten gleich ab. Das wissen sie. In der Zwischenzeit sind allerdings die Investitionen überall wesentlich höher als in Deutschland. Wir hatten diese Diskussion schon xmal. Italien hat derzeit folgende Bauten: Brennerbasistunnel, Dritte Apenninquerung Genua, Alpenbasistunnel Turin Lyon, HG Neubau Brescia Triest. HG Neubau Neapel Bari. Ausbau Gesamtnetz Sizilien. Sie wissen genau dass Italien bei 22 mio weniger Einwohner pro Kopf mehr als das Doppelte investiert und selbst bei 60% Finanzierung der wirklichen HG immer noch mehr pro km restliche Schiene investiert wird. Resultat die FS fährt Gewinne ein. Hören sie endlich mit ihrem unqualifizierten Tiraden auf. Ihnen geht es nicht um Substanz. Dass sie null Ahnung zu Italien haben wurde nun wirklich schon zur Genüge von ihnen bewiesen. Es gibt NICHT EIN vergleichbares Projekt in Deutschland. Und was man in Deutschland HG nennt ist ein billiger Abklatsch vom Niveau Frankreichs oder Italiens. Die statistische Höchst Geschwindigkeit von 250kmh der neuen deutschen ICE dient gerade noch dazu als HG zu gelten. HG sieht anders aus. Abgesehn davon.....der Regionalverkehr in Deutschland ist so peinlich wie pendeln in Neapel.
He Sportsfreund, jetzt mal halb so laut. Ihr, die immer tönt, dass die Deutschen Lautsprecher sind, verliert wohl auch gerne mal die Contenance.
Aber um Sie mal richtig aus der Reserve zu locken: In Deutschland gibt es schon das beste Hochgeschwindigkeitsbahnnetz, in dem nicht nur einzelne Lokführer sondern jeder dem Temporausch verfallen kann. Das beste an diesem HG-Netz ist, dass es noch nicht mal schienengebunden ist. Es handelt sich um das AutoBAHNNETZ. :-)
OK, das war jetzt Ironie. Der GBT ist aber schon eine großartige Leistung. Daumen hoch, auch für die SBB.

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JaguarCat 11.12.2016, 13:24
49. Ein Bruchteil der Fahrzeit

Warum die Meckerei "nur eine halbe Stunde gespart"? Immerhin betrug die Fahrzeit vor dem neuen Tunnel über eine Stunde, jetzt liegt sie bei unter einer halben Stunde. Die genannten 50 Personenzügen am Tag entsprechen bei 200 Fahrgästen pro Zug dann 10.000 Personen am Tag oder 3,5 Millionen Fahrgästen im Jahr, die von der Geschwindigkeitssteigerung profitieren. Und das ist der Stand heute, erfahrungsgemäß erhöhen sich die Fahrgastzahlen auf den Strecken, sobald es schnell geht, ganz erheblich.

Über 260 Güterzüge, die im Gegenzug der ansässigen Bevölkerung so um die 10.000 Lkw ersparen, reden wir besser gar nicht erst.

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