Forum: Reise
Stalin-Museum in Georgien: Ein Tempel für den Massenmörder
Joel Saget/ AFP

Wer die georgische Stadt Gori besucht, staunt nicht schlecht: Das Stalin-Museum verherrlicht den Diktator, den weltberühmten Sohn der Stadt. Und hat damit kommerziellen Erfolg.

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labellen 15.07.2019, 06:28
1. Die bis heute andauernde Glorifizierung Stalins

ist in Russland bis heute ein andauerndes Problem und nur erklärbar mit einem in bezug auf historische Inhalte der Landesgeschichte desolaten Bildungssystem. Nach neueren Untersuchungen haben nur 17 % der Bevölkerung ein negatives Bild von Stalin.

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radbodserbe 15.07.2019, 07:43
2. Geschichte wird nicht besser, wenn man sie leugnet oder verdreht

Geschichte wird nicht besser, wenn man sie leugnet oder verdreht, das sollte man auch in Georgien kapieren.
Menschen vergessen manches schnell und auch Massenmörder werden so wieder salonfähig oder sogar darüber hinaus.
Täter machen sich zu Opfern und die wirklichen Opfer zu vermeintlichen Täter.
Menschen suchen einfache Antworten ohne eigentlich wirklich Fragen stellen zu wollen und man träumt von großen starken vaterländischen Führern.
Wahrheit wird zu Fake News und Meinungsfreiheit gilt nur für die eigene Meinung.
Herr Höcke müsste begeistert sein, wurde doch mit dem Verzicht eines Stalinismus Museums in Georgien ein nach seiner Definition "Denkmal der Schande" in Georgien verhindert und mit dem Stalin Museum die "Erinnerungskultur um 180 Grad gewendet".

Aber vielleicht unterscheidet er ja auch in "gute" und "schlechte" Massenmörder.

Ob sich Georgien, ein Land welches schon länger auch sehr vom Tourismus lebt, sich viele Freunde mit dem Museum schaffen wird in der Welt ist unzuzweifeln und bestimmt auch nicht wünschenswert, auch wenn einige Touristen recht schmerzfrei in der Wahl ihrer Urlaubsparadise sind.

Dieser Artikel lässt einen mal wieder fassungslos zurück, was 2019 alles noch auf der Erde möglich ist.
Das Museum ist ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer totalitärer Gewalt und aller Menschen, die von diesem Irrsinn die Schnauze voll haben.

Homo sapiens werde deinem Namen endlich gerecht und sei dabei nicht nur vernunftbegabt, sondern nutze sie auch.

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kajoter 15.07.2019, 09:03
3.

Stalin hatte in zwei Punkten sehr viel Glück, denn er lief in beiden dem anderen Massenmörder knapp hinterher. Erster Punkt beinhaltet die Anzahl und den Aufmerksamkeitsfaktor seiner vielen Opfer und der zweite die Frage des Verursachers des 2. Weltkriegs. Wenn Hitler noch gerissener als Stalin gewesen wäre, hätte er seinen Angriffsbefehl gegen Polen verschoben und ihn erst nach dem russischen Angriff gegeben.

Stalins heutiges Image ist aber ebenso geprägt durch Putin. Dieser würde sich als überzeugter Autokrat einen Bärendienst erweisen, wenn er den Diktator Stalin so verurteilen würde, wie es z.B. Chrustchew und Gorbatschow taten - beide aus unterschiedlichen Gründen. Wenn Russland ehrlicher und offener mit seiner eigenen Geschichte gerade um Stalin herum umgehen würde, wäre diese Stalin-Verherrlichung nicht möglich. Aber wie gesagt, das hätte negative Folgen für Putin.

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mantrid 15.07.2019, 09:24
4. Widerwärter Lobpreisung eines menschlichen Monsters

Naja, Geschichte geschrieben und ein einzigartiger Mensch war Hitler auch. Das mit den Arbeitslosen hat er angeblich auch hinbekommen und selbstverständlich auch nur ihm nicht genehme Menschen in Massen umgebracht. So gesehen hat er nur den Fehler gemacht, einen Krieg zu verlieren. Menschen wie Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot usw. sollte man klar als das benennen, was sie waren: Menschliche Monster. Ein Museum haben sie alle nicht verdient und rückwirkende Geschichtsklitterung schon gar nicht,

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rivka 15.07.2019, 09:58
5.

Was für eine Ironie, dass mit dem Museum der Opfer gedacht werden sollte.

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vitalik 15.07.2019, 10:00
6.

Zitat von labellen
ist in Russland bis heute ein andauerndes Problem und nur erklärbar mit einem in bezug auf historische Inhalte der Landesgeschichte desolaten Bildungssystem. Nach neueren Untersuchungen haben nur 17 % der Bevölkerung ein negatives Bild von Stalin.
Wie viele Berührungspunkte haben Sie mit dem russischen Bildungssystem, dass Sie es als desolat beurteilen können? Oder leiten Sie es aus einem Fakt (hier Stalin) ab?
In der PISA Studie liegt Russland auf dem OECD Durchschnitt, auf dem gleichen Niveau wie Spanien und Österreich.
Eventuell gibt es tatsächlich Propaganda-ähnliche Einflüsse in den Geschichtsbüchern oder es handelt sich um die mediale Propaganda, die dieses krude Bild von Stalin in Russland auslöst. Das weiß ich nicht, Sie aber wohl auch nicht.

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onkel_helmut 15.07.2019, 10:05
7. Morbides Interesse

Als ich Gori und die "heilige Stätte" im Oktober 1994 besuchte, standen da zwar der Eisenbahnwaggon und der lächerliche Geburts-Kabuff mit dem riesigen Säulen-Überdach auf einem großen leeren Platz, aber das "Museum" war halbwegs geschlossen, und wir kamen nur durch gutes Zureden unseres georgischen Reiseführers hinein. Innen waren alle Vorhänge zugezogen, der flugs hinzugeeilte Museumsführer geleitete uns durch die muffig riechenden halbdunklen Räume und sprach euphorisch über Stalin (so dass unser Reiseführer meist nur mit den Augen rollte, verschiedenes nur sehr kurz übersetzte und sagte, dass das meiste Propaganda-Quatsch sei). Eintritt bezahlten wir damals nicht; der Museumsführer bekam ein paar Rubel Trinkgeld.
Ganz offensichtlich hat sich touristisch einiges getan seither, was sicherlich auch mit dem morbiden "Charme" der Stätte im Stil eines Wallfahrtsortes zu tun hat. Anders als an den Orten der von brutalen Diktatoren befohlenen Verbrechen werden diese "Monumente" wohl sehr gut angenommen, und Touristen lassen sich gerne vor der Stalin-Statue ablichten, um damit zu prahlen - Instagram und Facebook sei Dank, und wahrscheinlich auch ein starkes morbides Interesse, Unkenntnis oder absichtliche (oder unabsichtliche) Verharmlosung der Geschichte.

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manuel.neumann2101 15.07.2019, 12:07
8.

Ist halt wirklich fraglich warum dann da überhaupt so viel Andrang besteht, wenn das nur Propaganda ist... Ich meine ein Museum soll ja eigentlich dokumentieren und keine Partei ergreifen, da geht sowas ja gar nicht.

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In Kognito 15.07.2019, 16:37
9. Aufgefallen? Es geht um Georgien!

Zitat von labellen
ist in Russland bis heute ein andauerndes Problem und nur erklärbar mit einem in bezug auf historische Inhalte der Landesgeschichte desolaten Bildungssystem. Nach neueren Untersuchungen haben nur 17 % der Bevölkerung ein negatives Bild von Stalin.
und dort sehen 90% Stalin, Beria und Co. als größte Söhne des Landes an, die ja scheinbar EU-"Werte" leben?
Auch die Rolle Gamzakhurdias, mit seiner Unterdrückung von Minderheiten in Georgien, einer der Ursachen für die beiden Bürgerkriege, wird unter den Tisch gekehrt, alles "Kämpfer für die Unabhängigkeit".
Ich bin seit Jahrzehnten in Russland tätig und kenne, außer ein paar Altkommunisten, niemanden, der positiv zu den "Besatzern" Stalin, Beria, Dzerzhinsky und Co. steht, alles Ausländer, die Mio. Russen ermordern ließen. Dazu dann noch Chrustschow und Helfer.
Und was das Bildungswesen in Russland angeht - da wage ich zu beweifeln, dass wir da mithalten können.

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