Forum: Reise
Streit um Kletterverbot: Ansturm auf den Uluru
Getty Images

Der Uluru, der heilige Berg der Aborigines, darf ab November nicht mehr erklettert werden. In Australien jedoch wird weiter darum gestritten, die Zahl der Besteiger nimmt plötzlich zu.

Seite 1 von 3
dasfred 26.03.2019, 05:51
1. Kommerz vor Kultur

Dieser Berg ist den Ureinwohnern heilig. Ausschließlich ihnen steht es zu, zu entscheiden wie mit ihrem Heiligtum verfahren werden soll. Die Einwanderer haben schon so viel zerstört, einschließlich des Auseinanderreißens der Familien früher, dass sich jeder weitere Eingriff von selbst verbietet. Für jedes Gotteshaus und jeden Tempel gelten strenge Regeln, die auf ein Naturheiligtum übertragbar sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Theya 26.03.2019, 06:18
2. Beeindruckender Berg

Ich hatte selbst vor ein paar Jahren das Glück, Uluru aus der Nähe betrachten zu dürfen. Damals gab es bereits Hinweisschilder, die darum baten, dieses Heiligtum der indigenen Bevölkerung zu respektieren und nicht hinaufzusteigen. Dem sind wir gerne nachgekommen, da dieser Brocken auch vom Boden aus schon beeindruckend genug ist. Gleichzeitig sind jedoch Busladungen(!) voll Asiaten dort angekarrt worden, die - zum Teil in Sandalen - den steilen Weg wie die Ameisen hinauf und hinunter gekraxelt sind. Selbst die Oma, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß war, musste da mit vereinten Kräften noch irgendwie hochbuchsiert werden. Wir konnten darüber nur noch den Kopf schütteln.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ltte 26.03.2019, 06:41
3. Gegen den Aufstieg...

des Uluru habe ich mich bei einem Australienurlaub entschieden, da ich die religiöse Bedeutung respektieren möchte. Das hatte einen nicht zu überbietenden Nebeneffekt: ich bin am Fuß des Berges in völliger Einsamkeit gewandert und habe so einen besseren Eindruck bekommen. Der Uluru hinterlässt andere Eindrücke, wenn er nicht durch den Anblick eines Rückens und der Geräusche der anderen Touristen beeinträchtigt wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frenchie3 26.03.2019, 06:44
4. Ich hatte Anfang der 80er

das Glück da mal raufkraxeln zu können. Am Ende der Kette dachte ich "na, halb so wild", aber das war nur ein Winzteil des Weges. Der Pfad war gut sichtbar mit Farbe markiert, wer nicht gerade Höhenangst, Badeschlappen oder Gipsbein hat sollte locker durchkommen, auch wenn der Pfad teilweise sehr eng war (kein Gegenverkehr möglich). Es war schlicht überwältigend, was von unten wie Löchlein im Fels aussah waren riesige Löcher. Und in Pfützen auf dem Weg gab es Krebstiere die wie Trilobiten aussahen. Übernachtet davor im Camper, der Einzige rundum. Auf dem "Rundweg" unten herum standen schon ein paar Schilder mit der Bitte dies und jenes nicht zu beklettern. Wir haben das respektiert, ich würde auch als Antikirchler nicht auf einem Altar rumturnen. Wenn ich mir vorstelle daß da jetzt ein Verkehr wie auf der Zeil zum Sommerschlußverkauf herrscht unterschreibe ich jedes Kletterverbot.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
chilibär 26.03.2019, 07:10
5. Warum...

...man auf etwas klettern muss, was anderen Menschen heilig ist, verstehe ich nicht. Es hat für mich mit Achtung und Respekt zu tun.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
w.heinlein 26.03.2019, 07:53
6. Heilige Plätze und Gebäude

Der Uluru / Ayers Rock ist der zentrale heilige Platz der Ureinwohner Australiens. Die Aboriginies wurden genug schickaniert und drangsaliert von den weissen Einwanderern. Heilige Stätten, Plätze und Gebäude sind als solche zu respektieren! Das gilt weltweit!
Wie würden es z.B. die Christen finden, wenn die Aboriginies auf die Idee kämen, dass der Petersdom in Rom nicht zu respektieren wäre? "Wir wollen jetzt mal auf den Petersdom klettern. Freeclimbing macht Spass und von oben von der Kuppel kann man die Aussicht geniessen!" Auch die Klagemauer in Jerusalem wäre gut geeignet als Übungskletterwand für Anfänger!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rgw_ch 26.03.2019, 08:06
7. 1987

Ich war 1987 auf dem Ayer's Rock, wie man ihn damals meist noch nannte. Der Aufstieg war dank der Kette nicht besonders schwierig; die Zahl der Unfälle und Rettungseinsätze dürfte bei ähnlichem Ansturm auf jedem Alpenberg grösser sein. Aber es war ein grandioses Erlebnis über steile Grate und durch die tiefen Furchen zu gehen und am Ende oben zu stehen (wo man sich damals sogar noch in ein Gipfelbuch eintragen konnte), und über die endlose, sich nach allen Seiten erstreckende Ebene zu blicken, unterbrochen nur von den in einigen Kilometern aufragenden Katatjuta/Mt. Olga.

Ist es schlimm, das nicht mehr zu dürfen? Naja, vielleicht ebenso schlimm oder nicht-schlimm wie es wäre, nicht mehr auf die Zugspitze oder aufs Matterhorn zu dürfen. Natürlich kein Riesendrama, aber halt schade.
Respekt vor ritueller Heiligkeit ist zweifellos edel, vor allem in unserer Kultur, die ja den eigenen religiösen Symbolen und kulturellen Traditionen gegenüber jeden Respekt vermissen lässt.

Leidet die Heiligkeit des Uluru unter der Besteigung? Die Besitzer meinen es, und da sie nun mal die Besitzer sind, ist das zu respektieren. Zu verstehen braucht man es dazu ja nicht. Zu fragen wäre höchstens, ob die Heiligkeit nicht auch unter dem Anstarren und Umrunden durch zigtausende von Besuchern leidet. Kommt vielleicht noch.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
raoul2 26.03.2019, 08:13
8. Da drücken wir doch mal die Daumen,

daß solche "crowdfunding"-Aktionen im Wüstensand versickern. Solche grundsätzlichen Verbote sollte man auch in vielen anderen Gegenden der Welt erlassen - von Angkor über Gizeh bis hin zum Tafelberg.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whitewisent 26.03.2019, 09:01
9.

Es ist eine Gratwanderung. Nun bin ich in keiner Kirche, finde es aber trotzdem erschreckend, was ich auf meinen Reisen durch Europa erlebt habe. Egal ob Frankreich, Ungarn oder Russland, es werden Heerscharen von Touristen durch Kirchen und sakrale Gebäude geführt, als ob dies Museen wären. Und die Gemeindemitglieder, welche dort zum Beten hinkommen, werden als Fotomotive betrachtet (trotz Fotografier- und vor allem Blitzlichtverbot). Gleichzeitig wird mit dem Weihwasser rumgespielt, in den Sitzreihen geflätzt, geliebt, gepöbelt, und die Lautstärke ist jenseits allen Anstands.

Wer also den Aborigines diesen Respekt für das gesamte Areal zugesteht, könnte sich bald auf der anderen Seite der Kirchentüren wiederfinden. Die Proteste von wegen Freiheitsbeschränkung kann man sich schon jetzt ausmalen, wenn man nicht mehr in den Berliner oder Kölner Dom kann. Und was ist mit den Berliner Friedhöfen, welche Touristen als Parkanlagen und Spielplätze für ihre Kinder betrachten? Sperren wir die endlich als unerwünschte Personen raus, denn es fühlen sich ggf,. einige Wenige in ihren Gefühlen verletzt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3