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Surfen in der Diktatur: "Die Schönheit Nordkoreas hat uns umgehauen"
Surf North Korea

Eine Traumküste, Top-Anfängerwellen: Ein Reisebüro bietet jetzt Surfsafaris nach Nordkorea an. Wellenreiter Nik Zanella hat es schon ausprobiert. Aber - darf man in einer Diktatur Urlaub machen?

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gustavsche 27.10.2015, 22:26
110.

Zitat von eikofresh
... Wenn dies als unmoralisch gelten würde, wären Aufenthalte in der Türkei, Ägypten, Thailand und wahrscheinlich 30 weiteren Sonnendomizilen verwerflich und sollten aus Solidarität zur verfolgten, geknechteten Bevölkerung unterlassen werden... Allerdings will man sich doch von so lapidaren Dingen nicht die schönste Zeit des Jahres vermiesen lassen ;)
Anscheinend wissen viele nicht den Unterschied zwischen einer Diktatur (Alleinherrschaft) und einer Despotie (Schreckensherrschaft). Eine Diktatur ist nicht zwangsläufig eine Despotie.

Dann muss man auch noch unterscheiden zwischen autoritären Regimen und totalitären Regimen. Ein autoritäres Regime genügt sich damit, Gegner auszuschalten. Ein totalitäres Regime verlangt von jedem absolute Folgeleistung und jeder kleine Widerspruch wird als Gegnerschaft interpretiert.

Und Nordkorea schafft es, eine totalitäre Despotie zu sein wie nur wenige andere Staaten wie z. B. Stalins UdSSR, Hitler-Deutschland, China unter Mao. Und ich bin mir sicher: Deutschland unter Hitler war ein angenehmerer Ort zu leben als in Nordkorea. Allein die Tatsache, dass Göring-Witze ungeniert weitergetratscht wurde zeugt von einem etwas freierem gesellschaftlichen Klima. Auch war der Personkult um Hitler viel geringer ausgeprägt als der Personenkult, der um die Kims betrieben wurde bzw. betrieben wird.

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k70-ingo 27.10.2015, 22:27
111.

Zitat von koelnrio
Wie naiv kann der Herr Surfer eigentlich sein? Er geht an einem Polizisten vorbei, der dann lächelt - wow. Themen werden ausgeklammert! Aber das wird er in China ja auch schon machen, wo er seit 2010 arbeitet. Da ist er sicherlich schon eingenordet. Und wie immer bei Sportereignissen heißt es: Sport hat nichts mit Politik zu tun. Pffff. Zu glauben, dass dieses Vorgehen eine Öffnung schafft, ist doch Träumerei. China ist ein gutes Beispiel. Ja, und ich finde, dass man auch andere Länder meiden sollte, die zu den eigenen Vorstellungen nicht passen. Und wenn man hinfährt, finde ich, sollte man auch mal den Mund aufmachen und nicht nur so tun, als sei alles super. Zu diesen Ländern gehören auch die USA. JA!
Sowie der deutsche Osten. Ich gebe offen zu, daß ich mich strikt weigere, dort Urlaub zu machen und es auch sonst vermeide, mich dort aufhalten zu müssen. Aus Prinzip.

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rudy532 27.10.2015, 22:29
112.

Zitat von vitma
Herr Zanella ist Italiener und trainiert das chinesische Surfteam.
Uri Tours.Amerikanischer Reiseveranstalter!

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k70-ingo 27.10.2015, 22:34
113.

Zitat von rudy532
Offensichtlich stört es Herrn Zanella nicht,dass täglich Menschen in Nordkoreas Lagern misshandelt und umgebracht werden und das Kim III seine eigene Familie dezimiert um seine Macht zu sichern.Hauptsache surfen.Widerwaertig.
Herr Zanella ist kein US-Amerikaner. Bei Reisen nach Nordkorea ist ein US-Paß ein Hindernis, da für US-Bürger -für Südkoreaner noch extremer- die Möglichkeiten eingeschränkter sind. So dürfen diese nicht die Zugverbindung Pjöngjang-Peking nutzen und können auch diverse Orte -z.B. Hamhung- nicht besuchen.

Als Deutscher hat man diese Probleme nicht, da Nordkoreaner ein Faible für Deutschland haben, nicht nur weil sie sehr an "Made in Germany"-Produkten interessiert sind. "Deutschland ist unser Lieblingsausland", hörten wir dort nicht nur einmal.

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gustavsche 27.10.2015, 22:41
114.

Zitat von bertholdrosswag
Wie kann sich ein Land öffnen, dem mit Sanktionen gleich Kette und Vorhängeschloss eine normale Entwicklung abgewürgt wird? Dann dieses hämisch idiotische mit dem Finger auf diejenigen zeigen welchen man den wirtschaftlichen Handel untersagt um sie zu zwingen sich für den Kapitalismus und Spekulanten zu öffnen? Wenn andere Länder von US Gnaden sich atomar bis an die Zähne bewaffnen und Nordkorea es sich heraus nimmt für seine Selbstverteidigung sich atomar abzusichern wird es geächtet. Wie kann so etwas weltweit akzeptiert werden? Eben,weil wir der westlichen Doktrin hörig sein müssen. Diese sogenannte Demokratie ist nichts anderes als ebenfalls eine Doktrin die der Welt nicht weniger schadet als die Doktrin nicht demokratischer Länder die sich Rationalismus auf die Fahne schreiben. In Russland und China sind die Lebensverhältnisse vom Rationalismus bestimmt und es leben die Menschen dort teils in geordneteren Verhältnissen als im Westen mit seien fragwürdigen Auswüchsen. Welches System ist keine Diktatur? Haben wir in der EU oder haben die USA eine Gesellschaft die nicht manipuliert und gegängelt wird? Und wie viele Menschen leben darin am Rand der Armutsgrenze?
1. Sie wissen schon, dass sich Nordkorea selber für die Chuch'e-Ideologie entschieden hat, was nichts anderes als Autarkie und Selbständigkeit bedeutet.

2. Nordkorea hat auf dem Weltmarkt nichts anzubieten. Selbst wenn die auf dem Weltmarkt präsent wären: Was sollen wir denn von denen kaufen? So viel ist das nicht. Das ist doch das typische Dilemma einer Kommandowirtschaft.

3. Nordkorea funktioniert übrigens noch schlechter als die anderen realsozialistischen Diktaturen, weil sich Nordkorea auch noch den Sŏn’gun-Ideologie verschrieben hat: "Militär zuerst". Der Militärdienst dauert 10 Jahre. Bei uns in Deutschland erhoffte man sich von der Streichung von 9 Monaten Wehrpflicht positive Impulse für die Wirtschaft. Männer in Waffen und Uniform schaffen keine Werte, die man auf dem Weltmarkt anbieten könnte. Die Ideologie sorgt dann auch dafür, dass das Militär die komplette Maisernte von Bauern kassiert und die sich nicht dagegen wehren können. Die nordkoreanische Stasi verlangt auch kräftig Schmiermittel, ansonsten kommt man ins KZ (So ist es Soon Ok Lee ergangen, deren Buch ich gerade ein zweites Mal lese.)

An der Misere in Nordkorea ist Führung in Pjöngang schuld, nicht der Westen. Die Konfrontation hat der Westen nie gesucht. Der Koreakrieg wurde von Kim Il Sung vom Zaune gebrochen und es waren UN-Truppen (also mit UN-Mandat), die auf der Seite Südkoreas kämpften.

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k70-ingo 27.10.2015, 22:59
115.

Zitat von rudy532
Uri Tours.Amerikanischer Reiseveranstalter!
Das heißt nichts. Die Angebote für Nordkorea-Reisen kommen vom Tourismusbüro (einer Abteilung im Außenministerium)in Pjöngjang und sind bei den verschiedenen Anbietern ähnlich bis identisch. Diese Sonderreisen (es gab und gibt auch welche für Golfer, Eisenbahn-, Flugzeug- und sogar Straßenbahnfreaks) werden häufig von einzelnen begeisterten Reisebüromitarbeitern angestoßen, ohne daß irgendein Zusammenhang mit den pöhsen USA, bzw. mit dem Sitz der Reiseagentur besteht.
Bei Koryo Tours, ansässig in Peking, ist ein Engländer mit der engagierste Mitarbeiter, der neue Ideen einfließen läßt (und manchmal sogar von Pjöngjang genehmigt bekommt).

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Larnaveux 28.10.2015, 10:42
116.

Zitat von gustavsche
Und ich bin mir sicher: Deutschland unter Hitler war ein angenehmerer Ort zu leben als in Nordkorea. Allein die Tatsache, dass Göring-Witze ungeniert weitergetratscht wurde zeugt von einem etwas freierem gesellschaftlichen Klima. Auch war der Personkult um Hitler viel geringer ausgeprägt als der Personenkult, der um die Kims betrieben wurde bzw. betrieben wird.
Nun, derartige Vergleiche (ja, auch ich mache sie, ich gebe es zu) sind nicht ganz unproblematisch, da es einfach die Frage ist, wie denn so etwas verglichen werden soll.

Aus Sicht der Deutschen und der Nordkoreaner? Nun, die Nazis haben es in den 12 Jahren ihrer Schreckensherrschaft nicht vermocht, in alle Belange der Gesellschaft einzudringen, anders als das vermutlich die Führer in Nordkorea über die vielen Jahrzehnte konnten. Andererseits haben die Nazis einen Krieg entfesselt, der - im negativen Sinne - seinesgleichen sucht.

Vergleiche sind auch deshalb schwierig, da den Nazis auch eine Rassenideologie zugrunde lag. Nordkorea arbeitet zwar auch mit quasi-göttlichen Erhöhungen, aber ein Jude im Machtbereich der Nazis konnte sich so angepasst wie nur irgend möglich verhalten: Am Ende musste er um sein Leben fürchten. Er hatte einfach keine Chance. Soviel zum Thema der Lebensbewahrung durch Anpassung. Unter vielen Gewaltregimen ist das möglich (über die moralischen Punkte wollen wir hier nicht sprechen), aber bei den Nazis kam hinzu, dass es eben Bevölkerungsgruppen gab, die quasi zum Tode verurteilt wurden, egal was sie taten! In Nordkorea kommt vermutlich die Sippenhaft und -bestrafung von angeblichen oder wahren "Abweichlern" und deren (meist vollkommen unschuldigen) Verwandten hinzu, ein Verfahren, das allerdings den Nazis insbesondere zum Ende des Krieges auch nicht vollkommen fremd war.

Insofern: Aus meiner Sicht und dem geringen Wissen über die nordkoreanische Gesellschaft scheint es so zu sein, dass das gesellschaftliche Klima in Deutschland in der Nazizeit etwas "freier" (welch Hohn ist dieses Wort, wenn ich es genau überlege) war. Nur wehe, man entsprach eben nicht den arischen Grundwerten! Man könnte noch so viel vergleichen und eigentlich feststellen, dass es sich beinahe verbietet, bei derartigen Systemen eine Rangfolge der Schlechtheit zu erstellen. Am Ende ist es auch egal, wer einen umbringt. Man hat nur ein Leben...

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vitma 28.10.2015, 17:41
117.

Zitat von rudy532
Uri Tours.Amerikanischer Reiseveranstalter!
Sie sprachen aber in ihrem Beitrag ueber Herrn Zanella und Ihr Titel war "typisch Ami".

Neben Uri Tours gibt es noch viele andere Firmen ausserhalb der USA die solche Reisen anbieten. Beitraege in diesem Forum zeigen auch, dass einige Deutsche dort waren. Daher kann man nicht von "typisch Ami(s)" reden.

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sportgk12 19.11.2015, 15:06
118. Gute Surfbedingungen...

... in Nordkorea können ernsthaft bezweifelt werden. Nordkorea's Swellfenster ist komplett durch die japanischen Inseln geblockt und die gelegentlichen Taifunswells mit kleiner Periode locken ganz sicher keinen Surfmassentourismus an.

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