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Tourismus im Erdbebenland: Nepal lässt wieder Bergsteiger auf den Mount Everest
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Das Erdbeben riss Tausende Menschen in den Tod, der Mount Everest war monatelang gesperrt. Nun gibt Nepal den höchsten Gipfel der Welt wieder für Bergsteiger frei - und hofft auf Besuchermassen im ganzen Land.

Wiedereinaussteiger 23.08.2015, 18:04
1.

Wen interessiert es schon... Die großen Profi-Unternehmen konzentrieren sich auf die Saison im Mai.-Juni, weil dann die Erfolgs-Chancen maximiert sind. An der jetzigen Eröffnung hat nur die überaus korrupte nepalesische Staatsführung ein Interesse.

Witzig finde ich im Zusammenhang mit dem Everest oft, dass man - wie hier auch wieder - die gewaltige Nordwand des Mt E zeigt - die aber liegt nach Tibet/China hin gewendet und ist von Nepal aus fast nicht sichtbar, nur in einer flach seitlichen Ansicht vom Kala Phattar aus.

Es ändert nichts an den widerwärtigen wirtschafts-soziologischen Verhältnissen: winzige Einkommen der Sherpas für eine der gefährlichsten Arbeitsstellen auf der Erde..., die aber ein Mehrfaches des landesüblichen Verdienstes einbringt. Das dicke Geld stauben dort die Beamten der Bergsteigerverwaltung ab, und die internationalen Bergsteigerfirmen, die einen für 40.000 bis 85.000 USD auf den Gipfel zu hieven versprechen. "Max Ox"-Programme (du kriegst soviel Flaschensauerstoff, wie du willst..) können auch mal 120.000 USD kosten. Ein Nicht-Sport für reiche Nichtswisser, die es aus Ego unbedingt danach dürstet, einmal oben zu sein - Chancen 1:6 (einer von sechsen schafft es) und nochmal 1:6 (einer von sechsen, die oben waren, stirbt beim Abstieg dann noch..)

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ge1234 23.08.2015, 18:48
2. Wie jetzt?

Zitat von Wiedereinaussteiger
...Es ändert nichts an den widerwärtigen wirtschafts-soziologischen Verhältnissen: winzige Einkommen der Sherpas für eine der gefährlichsten Arbeitsstellen auf der Erde..., die aber ein Mehrfaches des landesüblichen Verdienstes einbringt. Das dicke Geld stauben dort die Beamten der Bergsteigerverwaltung ab, und die internationalen Bergsteigerfirmen, die einen für 40.000 bis 85.000 USD auf den Gipfel zu hieven versprechen. "Max Ox"-Programme (du kriegst soviel Flaschensauerstoff, wie du willst..) können auch mal 120.000 USD kosten. Ein Nicht-Sport für reiche Nichtswisser, die es aus Ego unbedingt danach dürstet, einmal oben zu sein - Chancen 1:6 (einer von sechsen schafft es) und nochmal 1:6 (einer von sechsen, die oben waren, stirbt beim Abstieg dann noch..)
Ist es jetzt ein "Nicht-Sport für reiche Nichtswisser" oder doch ein so extrem schwieriger Sport, so dass es nur einer von sechs (= 17%) auf den Gipfel schafft? Und Sie selbst? Wenn Sie selbst schon oben waren, dann bestimmt nur "by fairest means", d.h. zu Fuss von der eigene Haustür und nur von dem ernährt, was Wald und Flur bzw. Everest Nordwand so hergeben. Nein? Noch nicht oben gewesen? Dann am besten einfach mal nur die Klappe halten!

Übrigens, die Everest-Sherpas würden sich schön bedanken, wenn nun niemand mehr den Everest besteigen will, da man ja damit nur die korrupten Beamten finanziert.

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kasam 24.08.2015, 00:50
3. Leider, aber die

Menschen und vor allem die Sherpas sind auf dieses Geld angewiesen. Es wäre auch nicht gerade falsch, Artikel die wichtig für diese Sherpas sind und von denen nicht bezahl werden können, da zu lassen und diese Menschen auch anderweitig zu unterstützen. Leider sind die heutigen :Bergsteiger :: nicht so wie Hillery damals. Der hat tatsächlich die Bevölkerung unterstützt und geholfen. Das kennen die Karriere- und Leistungsjunkies auch nicht.

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KuGen 24.08.2015, 06:49
4. 1:6 Ratio - falsch

Die Mortalitätsrate bei Everestbesteigungen hinter dem Base Camp liegt bei 1,3%. Und ganz bestimmt sterben die Bergsteiger nicht nur beim Abstieg, so dass diese doppelte 1:6- Bauernregel schlichtweg falsch ist.

http://www.bmj.com/content/337/bmj.a2654

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obiwantobi 24.08.2015, 09:24
5. Sherpas

Ich habe zu diesem Thema neulich eine sehr interessante und gut gemachte Doku auf Arte gesehen ("Sherpas-die wahren Helden am Everest"), kann man sich noch auf der Homepage von Arte oder Youtube ansehen. Ob dieser organisierte Everest-Tourismus als Sport bezeichnet werden kann, ist wohl eine Frage des Betrachtungswinkels. Fakt ist, dass bei diesen von Bergsteigerfirmen organisierten Expeditionen die Sherpas nahezu alles an Gepäck tragen, teilweise bis zu 40kg/Sherpa. Darüber hinaus werden die Sauerstoffflaschen für die Touristen getragen, Leitern und Seile vorinstalliert, die Zeltlager transportiert und aufgebaut, gekocht, etc. Nicht zu vergessen das Aufpassen auf die Teilnehmer. Das Ganze ist ist also eine Höchstleistung bei sehr hohem Risiko. Ein Sherpa verdient pro Saison, wenn ich mich richtig erinnere, 4000-5000€, das entspricht in etwa einem Jahresgehalt eines Lehrers in Nepal. Also im regionalen Verhältnis viel Geld, nur ob hierzulande irgendjemand für das Jahresgehalt eines Lehrers sein Leben riskieren würde sei mal dahingestellt. Nun gut, gezwungen wird keiner, aber dass die Gewinner dabei andere sind sollte klar sein. Klar sind die Sherpas auch auf das Geld angewiesen, dieser Zustand wird aber zum Wohle der Touristen ausgenutzt. Ob das Geld dabei gerecht verteilt ist, ist die nächste Frage.

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trident 24.08.2015, 10:35
6.

Zitat von obiwantobi
Ich habe zu diesem Thema neulich eine sehr interessante und gut gemachte Doku auf Arte gesehen ("Sherpas-die wahren Helden am Everest"), kann man sich noch auf der Homepage von Arte oder Youtube ansehen.
Das ist eine dreiteilige Serie vom Schweizer Fernsehen:
https://www.youtube.com/watch?v=Y3UQmGws5HY

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obiwantobi 24.08.2015, 11:47
7. #6

Genau, die meinte ich. Dann hat Arte die wohl dort eingekauft.

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dequincey 24.08.2015, 12:22
8. @1

Es ist leicht vom Schreibtisch aus zu urteilen, besonders wenn man niemals in vergleichbarer Situation war. Ich habe nie einen Achttausender versucht, weil ich davon ausgehe, dass ich ihn fair, wenn überhaupt, nur mit sehr großem Aufwand und unkalkulierbarem Risiko besteigen könnte. Dennoch würde ich die Leistung der organisierten Bergsportler nicht als Nichtsport verurteilen. Wenn Sie z. B. einen Marathon in über dreieinhalb Stunden laufen, ist das auch eine sportliche Leistung, auch wenn diese Leistung nicht mit einer Zeit unter 2:20 vergleichbar ist. Und bevor Sie verdammen, erinnern Sie sich: der beklagte Stil entspricht den Anfängen des Alpinismus.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen, ich halte prinzipiell jede Besteigung eines Berges mit Hilfsmitteln, die zum Weiterkommen benutzt werden, für fragwürdig und für eine Entwertung der Tour. Aber das geschah und geschieht früher wie heute täglich und kein Hahn kräht danach. Ein Achttausender mit Sauerstoff wird niedriger, aber nicht kleiner oder kürzer oder weniger gefährlich. Jeder der früher die angegammelten Seile im Hinterstoißer Quergang verwendet hatte, sparte dadurch den Pendelquergang, aber die Route wurde dadurch nicht wirklich leichter. Heute gibt es da wohl sogar Fixseile und die Tour bleibt weiter eine Herausforderung. Gleiches gilt für viele Touren in den Alpen, wo andere Maßstäbe als im Klettergarten gelten.

Was Ihren Sinn für soziale Gerechtigkeit weltweit betrifft. Nicht nur weit entfernt, auch in unserer Gesellschaft gibt es gravierende Einkommensunterschiede und steile, fast senkrechte soziale Gefälle, z. B. das Jahreseinkommen einer Putzfrau in unserer Klinik gegen das von Frau Susanne Klatten, letztes Jahr alleine 600 Millionen Euro Dividende aus ihren BMW Anteilen. Sicher lebt die Putzfrau oder andere Niedriglöhner hier im Vergleich zu den Sherpas besser, wahrscheinlich aber nicht zufriedener. Wenn Sie sich also über die Ungerechtigkeit in der Welt aufregen, was durchaus ehrenwert ist und vielleicht zu etwas mehr Gerechtigkeit beitragen wollen: Sie haben auch in Deutschland viele Möglichkeiten helfend aktiv zu werden. Zumal mit steigenden Flüchtlingszahlen die Gelegenheiten täglich zunehmen. Aber ich schätze, darum ging es Ihnen nicht.

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