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Tourismustrend Waldbaden: Mein Therapeut, der Baum
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Ob Mikroabenteuer, Übernachten in Baumhäusern oder Waldbaden - die Natur scheint für viele Großstädter wie ein fremder Planet zu sein. Der Waldbaden-Experte Martin Kiem erklärt den neuen Draußen-Trend.

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Reg Schuh 21.03.2019, 09:19
1.

Immer wieder lustig, wie man über komplett selbstverständliche Dinge Bücher verkaufen kann.
Der kontakt zum Selbstverständlichen scheint zu vielen Menschen tatsächlich verloren zugehen, wenn man sich vielleicht zu viel den Smartphones, den "sozialen Medien", den Einkaufszentren und ... tja... dem Kapitalismus ergeben muß.

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Mertrager 21.03.2019, 09:52
2. Vielleicht

sollte von vorneherein mehr Wert auf eine Umkehrung der Perspektive gelegt werden. - Wir brauchen den Wald. Aber der braucht uns nur bedingt. Schon jetzt, wo angeblich die Leute angeblich 90 % ihrer Zeit in Gebäuden verbringen, ist es mancherorts im Wald alles andere als einsam. Die Wälder um die Ballungsgebiete sind oftmals überlaufen. Teilweise im warsten Sinne des Wortes. Wenn mann dann schaut, wie andere TRENDS die Landschaft verändert haben, verheisst das für den Wald selbst nicht unbedingt etwas gutes.

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Spiegelleser2018 21.03.2019, 14:25
3.

Ich möchte dem Therapeuten nicht zu Nahe treten und jeder kann sein Geld natürlich ausgeben wofür er will, aber aus meiner Sicht wird das so nichts. Mit Kurs und Anleitung und anderem Kokolores werde ich eines im Wald sicher nicht finden : Ruhe und Entspannung. Mein Tipp : Schuhe anziehen, ab in den Wald und fertig. Mehr brauchts garantiert nicht! (Achja, eines noch: Smartphone daheim lassen)

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docker 21.03.2019, 19:18
4. Kein Wunder.

Stadtmenschen sind Bäume fremd geworden.
Kein Wunder : In Hamburg z.B. wurden im letzten halben Jahr 1000 Bäume gefällt. In den letzten 10 Jahren an die 10000. In manchen Vierteln muß man weit gehen , um einen einigermaßen erwachsenen Baum umarmen zu können.

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ka.lauer 21.03.2019, 21:33
5. Echt jetzt ....

Waldbaden-Experte, Draußen-Trend, Waldtherapie-Führer, Zertifikatslehrgang Waldbaden ...
Die Welt wird immer verrückter. Jeden Tag steht halt irgendwo ein Depp auf. Man muss ihn nur finden.
Einzig positiv: Der Mann vermeidet Anglizismen. Bravo.

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Orlander 22.03.2019, 05:55
6. Es ist schon was dran

Ich mache selbst seit einigen Jahren 3 wöchige Wandertouren durch Lapplands 'Wildnis'. Kein Handynetz, keine Läden, was man nicht mitnimmt kann man in der Zeit auch nicht nachkaufen. Und was man einpackt muss man tragen. Ein guter Lernprozess um festzustellen, wie wenig man wirklich braucht. Andere Menschen sieht man selten. Es ist wirklich so, ab dem 2.ten Tag fängt die Entspannung an, und dass, obwohl ich mit rasenden 2km/h unterwegs bin. Man lernt von selbst auf Kleinigkeiten zu achten, nicht einfach nur Ruhe, sondern Stille ist es, die einen umgibt. Und diese Teifenentspannung ist sehr nachhaltig. Aber auch Mitteleuropa hat ausreichend grosse Naturflächen. Nutzt sie, und lasst euch nicht von Jägern anschiessen ;-)

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lalito 22.03.2019, 08:20
7. jepp

Zitat von docker
Stadtmenschen sind Bäume fremd geworden. Kein Wunder : In Hamburg z.B. wurden im letzten halben Jahr 1000 Bäume gefällt. In den letzten 10 Jahren an die 10000. In manchen Vierteln muß man weit gehen , um einen einigermaßen erwachsenen Baum umarmen zu können.
Wohl der Nachverdichtung und Infrastrukturoptimierung geschuldet, schließlich kann so ein Ding ja in die Oberleitung fallen oder so.

Hier in Freiburg sind einige Sprüche vor der letzten OB-Wahl beim Wähler weniger gut angekommen. Der eine besagte, man soll doch in den Wald gehen wenn man Bäume sehen will (während man ehemals beschattete Plätze jetzt als sonnenüberflutete Exerzierpfannen bewundern darf) und der andere im Zusammenhang mit einigen Großbaustellen zynisch: "Das sind Baumstilllegungen".

Die nur dem "Return on Investment"-Abhängigen sei nahegebracht, dass die Schüler vielfach zu Studenten werden und wenn sofern die dann weiterhin so gelinkt werden, könnten sie dann Euch linken.

Bin gespannt auf die Ausdauer der über die Zukunft Nachdenkenden. Profit, der es sich ja oftmals leisten kann, sitzt Konflikte ja meist einfach nur aus und ist gern im hier und jetzt unterwegs.

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ontwoone 22.03.2019, 18:47
8. Bitte bleibt weg!

Wir sind so gerne - ganz normal - nur so, im Wald unterwegs. Oft lange Strecken sehr allein. Schade, denken wir dann, denn wieviel Gutes könnten die Menschen sich gönnen, wären sie doch hier, statt in den Einkaufszentren. Aber wenn dann die ersten auftauchen, will man schnell wieder alleine sein. Stöcke, Fahrräder, Musikboxen, lautes Geschnatter, Hunde kacken, bellen, sind nicht angeleint. Blagen schreien, zerren Büsche, klettern unvorsichtig in Nistplätze, wollen dies und wollen das, Tretroller und Fußball sind (im Wald!) auch gerne dabei. Huhuuuu, schluchzen wir dann, ach wären wir doch nur allein hier. Und dann tun uns wieder all jene leid, die nicht mit uns den Wald und die Natur erleben. Aber eben erleben, nicht heimsuchen!

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Hamberliner 24.03.2019, 12:10
9. jenseits vom Tellerrand

Hier wird so getan, als sei nur die humide Vegetation wie in Mittel- und Nordeuropa als Wald definiert, und erfolglos versucht, zwischen Ayurveda und Traditioneller Chinesischer Medizin eine fernöstliche Quacksalberei zu finden, die zu diesem leicht kitschigen Wald passt. Es gibt in den semiariden Gebieten rund ums Mittelmeer auch ganz anderen Wald mit völlig anderen Reizen. Aleppo-Kiefern, darunter Macchia aus Stachelginster, Baumheide, Dornengestrüpp, das ganze im Hochsommer bei Gluthitze, kaum Schatten, kaum Fauna, nur die Zikaden die an der Baumrinde kleben und monoton kreischen. Alles auf kargem felsigem Grund und gebirgigem Gelände. Das lädt nicht zu Besinnlichkeit oder Yoga-Übungen ein, sondern zu Kampfgeist: Man richtet seinen Blick nach oben auf einen Bergrücken und nimmt sich vor: da will ich 'rauf, egal wieviel ich schwitze. Die Gluthitze besiegt mich nicht. Die Besinnlichkeit kommt erst nachts, wenn die Zikaden schweigen und die Grillen singen, wenn die Eule schreit (man kann sie nachahmen, und sie antwortet) und wenn der Mochuelo (Sperlingskauz) seinen geheimnisvollen Doppelton in den Wald ruft.

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