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Urlaub in Diktaturen: "Es gibt kein richtig oder falsch"

Politische Unruhen, Diktaturen, Menschenrechtsverletzungen: Viele nicht demokratische Länder sind zugleich faszinierende Reiseziele. Ob man jedoch*in Burma, Irak oder Libyen Urlaub verbringen sollte, ist eine ganz persönliche Gewissensfrage.

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tabascoman 15.02.2008, 16:46
1. und die USA

Der Besucherstrom in die USA hat sich erfreulicherweise von fast 2 Millionen pro Jahr auf etwas über 1 Million zurückentwickelt.
Wenn man in die exDDR einreiste oder Transit fuhr, konnte auch das Gepäck kontrolliert werden. Allerdings im Beisein der Reisenden.

Bei der Einreise in die USA wurde mein Gepäck bisher zweimal aufgebrochen obwohl es unverschlossen war. Und weitere zweimal wurde ich beklaut. Kommentar: wir geben ihrer Beschwerde nicht statt, sie können ja klagen. Natürlich in den USA.
Leider muß ich dort öfters hin und damit auch die diskriminierenden Einreiseprozeduren erdulden.
Es ist garnicht so leicht, "gute" Reiseländer zu finden.

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K&K 15.02.2008, 16:52
2. Myanmar

Als ich dorthin reiste, wurde ich mit all den Belehrungen konfrontiert. So ein Land muss dann doch boykottieren. Mit meinen Ausgaben vor Ort habe ich Leute aus der Bevölkerung (wenn auch bescheiden) unterstützt: Taxifahrer, Zimmermädchen, Kofferträger - und auch den einen oder anderen Mönch. Wenn das mehrere/viele Touristen so handhaben, hat der Taxifahrer etc etc die Möglichkeit, seinen Kindern eine Bildung zu finanzieren. Auch so kann man ein Regime bekämpfen!
Übrigens: bei einer Japan-Reise wurden mir die Wale um die Ohren gehauen, bei Brasilien war's der kaputte Regenwald und auch meine Mexiko-Tour wurde seinerzeit heftig kritisiert (es ging um die unterdrückten Chiapas-Indianer).

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gab 15.02.2008, 17:16
3. weltoffen

Zitat von K&K
Als ich dorthin reiste, wurde ich mit all den Belehrungen konfrontiert. So ein Land muss dann doch boykottieren. Mit meinen Ausgaben vor Ort habe ich Leute aus der Bevölkerung (wenn auch bescheiden) unterstützt:.....
ich war auch schon in china, in burma, in vietnam und in etlichen ländern, deren regierungen zumindest bedenkliche ausrichtungen haben, und ich habe mir vor jeder reise gedanken gemacht, ok? oder nicht ok? letztendlich kommt es, glaub ich, darauf an mit offenen augen zu reisen. um sich "nur" an den pool zu legen, kann man auch "unproblematische" ziele wählen. nach burma zu fliegen um das gleiche zu tun, käme mr doch sehr ignorant vor.
man sollte sich über den status eines reisezieles im klaren sein, wer bekommt mein geld, wie trete ich mit der bevölkerung in kontakt? in burma z.b. sollte man, im interesse des gesprächspartners, nicht über politik reden, weil man sein gegenüber in gefahr bringt. aber durch individuelles reisen, was natürlich beschwerlicher ist, kann man besser steuern, wer vom tourismus profitiert. ausserdem steigt bei mir das interesse an einem land und seiner politischen situation enorm an, wenn ich vor ort mit ganz normalen menschen auf der strasse kontakt hatte. im sinne der alten regel "reisen bildet", und man kann dann zuhause berichten und mehr menschen für das jeweilige land interessieren. inwieweit das dann den menschen konkret nutzt, kann ich schlecht beurteilen, aber sein wir mal ehrlich, man reist ja auch im eigenen interesse, es ist schon viel gewonnen, wenn man niemandem schadet!

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-akw- 15.02.2008, 17:24
4. Nur Gewissensfrage?

Zitat von sysop
Politische Unruhen, Diktaturen, Menschenrechtsverletzungen: Viele nicht demokratische Länder sind zugleich faszinierende Reiseziele. Ob man jedoch*in Burma, Irak oder Libyen Urlaub verbringen sollte, ist eine ganz persönliche Gewissensfrage.
Nicht ganz: wer in den Irak fährt und nicht aufpasst darf sich hinterher auch nicht beschweren, wenn er entführt wird, wer in der Türkei Steine mitgehen lässt, darf sich nicht über Knast wundern und wer in arabische Länder reist und meint auf seinen Joint nicht verzichten zu wollen, muss halt auch mit Knast oder schlimmerem rechnen...
Aber auch das sollte jeder mit selbst ausmachen. Nur halt nicht jammern, wenns schiefgeht.

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chefchen 15.02.2008, 17:31
5. reisen ist toll

Zitat von sysop
Politische Unruhen, Diktaturen, Menschenrechtsverletzungen: Viele nicht demokratische Länder sind zugleich faszinierende Reiseziele. Ob man jedoch*in Burma, Irak oder Libyen Urlaub verbringen sollte, ist eine ganz persönliche Gewissensfrage.
Also Irak ist ja nun wirklich hart...

Ansonsten gilt der alte Spruch: Reisen bildet!
Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, bekommt mehr Eindrücke als durch einen vorgesetzten Medienbrei.

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K&K 15.02.2008, 18:39
6. Irak + USA

Zitat von -akw-
Nicht ganz: wer in den Irak fährt und nicht aufpasst darf sich hinterher auch nicht beschweren, wenn er entführt wird, wer in der Türkei Steine mitgehen lässt, darf sich nicht über Knast wundern und wer in arabische Länder reist und meint auf seinen Joint nicht verzichten zu wollen, muss halt auch mit Knast oder schlimmerem rechnen... Aber auch das sollte jeder mit selbst ausmachen. Nur halt nicht jammern, wenns schiefgeht.
Darum geht's glaube ich gar nicht. Klar, da gibt es auch noch Leute, die mit diesen Kicks kockettieren. Man soll auch nicht verächtlich auf den Pauschalreisenden in der Gruppe herabschauen. Auch wenn die Regimes oft mitverdienen (da staatliche Agenturen, Steuern etc.), der kleine Obolus an den Bellboy ist nicht zu unterschaetzen. Und das Gespräch, wie schon mein Vorredner bemerkte, mit viel Fingerspitzengefühl und mitunter Vorsicht.
Einen Amerikaner sage ich gerne, dass sein Präsident ein A.... ist!

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HALHAL 15.02.2008, 19:00
7. Es GIBT ein Richtig und Falsch!

Natürlich gibt es ein Richtig und Falsch. Wer nur touristische Gründe und kein z. B. akademisches Interesse, verwandtschaftliche oder geschäftliche Beziehungen (bei denen er nur als Angestellter auftritt, denn ansonsten ist die Unterstützung tyrannischer Regime durch wirtschaftliche Zusammenarbeit um so verwerflicher!) als Motivation für seine Reise angeben kann, handelt m. E. hochgradig unmoralisch. Ganz sicher möchte jeder einmal die Chinesische Mauer sehen - aber wenn man nicht gerade Sinologe ist, muß man sich den Vorwurf, ohne Not ein verbrecherisches Regime zu unterstützen, gefallen lassen!

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Michael KaiRo 15.02.2008, 19:17
8. Reisen auf eigene Verantwortung.

Burma/Myanmar
Zitat von K&K
Als ich dorthin reiste, wurde ich mit all den Belehrungen konfrontiert. So ein Land muss dann doch boykottieren. Mit meinen Ausgaben vor Ort habe ich Leute aus der Bevölkerung (wenn auch bescheiden) unterstützt....bei einer Japan-Reise wurden mir die Wale um die Ohren gehauen .... bei Brasilien war's der kaputte Regenwald und auch meine Mexiko-Tour wurde seinerzeit heftig kritisiert (es ging um die unterdrückten Chiapas-Indianer).
Als erstens würde ich meinen Bekannten- und Freundeskreis wechseln, wenn ich solche bekloppten Aussagen zu hören bekäme.

Unter dieser Prämisse gibt es gar kein Land, wo man nicht ein Haar in der Suppe finden täte.

Ich bin der Ansicht, dass jeder dorthin reisen darf, wo er will. Allerdings muss ein jeder auch für die Folgen selber gerade stehen.

Reisen in den Irak? Kein Problem, aber Lösegeld zahlt Deutschland nicht.

Reisen nach Dubai? Viel Spaß, wenn sie gerne in den Knast gehen wollen, aber rausholen tun wir keinen.

Reisen in Mauretanien? Kein Problem, ziehen sie sich lieber mal ne kugelsichere Weste an.

Reisen in die USA? Viel Spaß beim Angeschnauzt werden, beim Bespitzelt werden und beim Kofferdurchsuchen.

etc. pp. ff.

Jeder der ins Ausland reist, sollte bitteschön die Verantwortung auch selber tragen inkl. Wetterrisiken etc.

Und ansonsten bin ich für umfassendere und weitergehende Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Vor allem der folgende Hinweis in dicker Schrift:

Alle Angaben ohne Gewähr und Reisen auf eigene Gefahr.

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Claudia_D 15.02.2008, 23:13
9. Reisen...

Zitat von tabascoman
Der Besucherstrom in die USA hat sich erfreulicherweise von fast 2 Millionen pro Jahr auf etwas über 1 Million zurückentwickelt. Wenn man in die exDDR einreiste oder Transit fuhr, konnte auch das Gepäck kontrolliert werden. Allerdings im Beisein der Reisenden. Bei der Einreise in die USA wurde mein Gepäck bisher zweimal aufgebrochen obwohl es unverschlossen war. Und weitere zweimal wurde ich beklaut. Kommentar: wir geben ihrer Beschwerde nicht statt, sie können ja klagen. Natürlich in den USA. Leider muß ich dort öfters hin und damit auch die diskriminierenden Einreiseprozeduren erdulden. Es ist garnicht so leicht, "gute" Reiseländer zu finden.
Was haben jetzt eigentlich die USA - und DDR - mit dem Thema zu tun?

Aber OK, der Sysop sprach u.a. von Menschenrechtsverletzungen, dann passt es wieder.

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