Forum: Reise
Urlaub in Diktaturen: "Es gibt kein richtig oder falsch"

Politische Unruhen, Diktaturen, Menschenrechtsverletzungen: Viele nicht demokratische Länder sind zugleich faszinierende Reiseziele. Ob man jedoch*in Burma, Irak oder Libyen Urlaub verbringen sollte, ist eine ganz persönliche Gewissensfrage.

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Peter Ellerich 16.02.2008, 01:45
10. Reiseveranstalter

Die Verantwortung liegt einzig und allein beim Reisenden. Für die Veranstalter zählt nur ob es sich rechnet oder nicht. Alles andere ist "Window Dressing" wie man aus den Zitaten in dem Artikel ersehen kann. Wenn jemand sagt das in Myanmar die Leute nach Informationen lechzen dann frage ich mich wofür die tausende von Satellitenschüsseln gut sind. Bei unseren Freunden in Myanmar, die wir regelmäßig besuchen, kann ich nur bescheidene 226 verschiedene Fernsehsender empfangen. Mir ist natürlich klar das dies keinem Vergleich mit der Informationsfreiheit in Deutschland standhält.
Die ganzen Boykotte treffen letztendlich und es ist egal in welchem Lande nur die "kleinen" Leute, die Ihr Brot in der Tourismusindustrie verdienen.
Es wird ja auch sehr viel über diese Länder in unseren Medien berichtet und ich halte es auch für gut das man sich, wenn man die Gelegenheit dazu hat, mal ein eigenes Bild macht, es erweitert enorm das Urteilsvermögen.

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K&K 16.02.2008, 07:52
11. Usa

Zitat von Claudia_D
Was haben jetzt eigentlich die USA - und DDR - mit dem Thema zu tun? Aber OK, der Sysop sprach u.a. von Menschenrechtsverletzungen, dann passt es wieder.
Richtig erkannt!

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K&K 16.02.2008, 09:55
12. Verantwortung

Zitat von Peter Ellerich
Die Verantwortung liegt einzig und allein beim Reisenden. Für die Veranstalter zählt nur ob es sich rechnet oder nicht. Alles andere ist "Window Dressing" wie man aus den Zitaten in dem Artikel ersehen kann. Wenn jemand sagt das in Myanmar die Leute nach Informationen lechzen dann frage ich mich wofür die tausende von Satellitenschüsseln gut sind. Bei unseren Freunden in Myanmar, die wir regelmäßig besuchen, kann ich nur bescheidene 226 verschiedene Fernsehsender empfangen. Mir ist natürlich klar das dies keinem Vergleich mit der Informationsfreiheit in Deutschland standhält. Die ganzen Boykotte treffen letztendlich und es ist egal in welchem Lande nur die "kleinen" Leute, die Ihr Brot in der Tourismusindustrie verdienen. Es wird ja auch sehr viel über diese Länder in unseren Medien berichtet und ich halte es auch für gut das man sich, wenn man die Gelegenheit dazu hat, mal ein eigenes Bild macht, es erweitert enorm das Urteilsvermögen.
So sehe ich das auch. Generell ist Reisen oder Tourismus ein Thema, das sich endlos ausbreiten lässt. Man kann da in ganz andere Fettnäpfchen treten. Vor Jahren war ich am Toba-See in Sumatra und im kleinen Hotel gab's eine kleine Bar, wo ich mir jeden Abend einen Drink bestellte. Der Preis für den Wodka (ca. 4 Euro) war für den Barkeeper ein unvorstellbare Summe. Eines Tages sagte er mir, dass er auch so wahnsinnig reich werden will wie ich. Und nachdem ich ja aus dem Ausland (= grosse Stadt) komme, gibt es dort wohl genügend davon. Er wird hier demnächst seine Zelte abbrechen und nach Medan gehen und in der grossen Stadt zu Reichtum zu gelangen. Es ist mir nicht gelungen, ihm zu vermitteln, dass es ihm hier besser geht als im Slum von Medan. Ich habe daraufhin auf den Wodka verzichtet und hoffe, dass der junge Batak immer noch in seinem Dorf ob in den Bergen ist.

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Werner G 16.02.2008, 13:30
13. Wem ist damit geholfen?

Zitat von K&K
Auch wenn die Regimes oft mitverdienen (da staatliche Agenturen, Steuern etc.), der kleine Obolus an den Bellboy ist nicht zu unterschaetzen. Und das Gespräch, wie schon mein Vorredner bemerkte, mit viel Fingerspitzengefühl und mitunter Vorsicht.
In so einem Gespräch reicht es schon, nicht als Lehrmeister oder Missionar aufzutreten. Und, wie auch im folgenden Zitat, Beleidigungen bitte tunlichst vermeiden.

Zitat von
Einem Amerikaner sage ich gerne, dass sein Präsident ein A.... ist!
Wem ist damit geholfen? Außerdem wird das "der" Amerikaner nicht hinnehmen, wenn dies ein Ausländer zu ihm sagt, egal ob er diesen Präsidenten gewählt hat oder nicht.

Zitat von Peter Ellerich
Die ganzen Boykotte treffen letztendlich, und es ist egal in welchem Lande, nur die "kleinen" Leute, die ihr Brot in der Tourismusindustrie verdienen.
Das ist zwar richtig, für mich aber kein Grund, ein Land zu besuchen oder nicht. Das überlasse ich Entwicklungshelfern.

Zitat von HALHAL
Ganz sicher möchte jeder einmal die Chinesische Mauer sehen - aber wenn man nicht gerade Sinologe ist, muß man sich den Vorwurf, ohne Not ein verbrecherisches Regime zu unterstützen, gefallen lassen!
Wieso wird dem Touristen vorgeworfen, ein verbrecherisches Regime zu unterstützen, wenn dieses gleichzeitig Gastgeber für die Olympischen Spiele ist, in einem Land, in dem demokratische Staaten zig Milliarden investiert haben und es weiterhin tun? Ich empfehle jedermann, eine Reise nach China zu unternehmen. Nicht nur der Mauer wegen - die hatten wir ja schließlich selbst einmal...

Zitat von sysop
...Ob man jedoch in Burma, Irak oder Libyen Urlaub verbringen sollte, ist eine ganz persönliche Gewissensfrage...
Urlaub sicher nicht, aber eine Reise dort hin? Warum nicht? Wie andere Foristen bemerken, ist es nicht eine Gewissensfrage. Es geht darum, zu welchem Risiko man bereit ist. Und in Sachen Risiko sprechen die Statistiken für sich. In Thailand beispielsweise wurden 2007 mehr Touristen Opfer von Gewaltverbrechen bzw. ermordet als im gesamten Nahen und Mittleren Osten.

Zitat von tabasoman
... Der Besucherstrom in die USA hat sich erfreulicherweise von fast 2 Millionen pro Jahr auf etwas über 1 Million zurückentwickelt.
Sorry, was ist daran so erfreulich??? Außerdem haben sie bei den Zahlen unwahre Angaben gemacht. Bis einschließlich September 2007 kamen 1,136 Millionen Deutsche in die USA. Das Ergebnis fürs ganze Jahr wird man auch der ITB in Berlin (Anfang März) erfahren. Im Jahr 2006 zählte die USA nach Angaben der Travel Industry Association (TIA) knapp 1,4 Millionen Reisende aus Deutschland. Das sind ein knappes Drittel weniger als 1999. Damals waren es noch zwei Millionen Touristen. Grund für den Rückgang sind ausschließlich die verschärften Sicherheitsbestimmungen, klagen die Reisebüros in Deutschland.

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laufer 16.02.2008, 19:32
14. Thema China,

gerade dort wäre es wichtig gewesen nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen, sondern ein Zeichen zu setzen und die olympischen Spiele nicht dorthin zu vergeben.

Jetzt über ein "Reisegewissen" bei Reisen nach China zu sprechen ist nicht sinnvoll.

Jeder Reisende muss sich vorher im Klaren sein, was auf ihn zukommt, ob Diktatur, oder nicht. Man muss eben vorher wissen, was im Reiseland (über-)lebenswichtig ist.

Zum Thema Kontrollen. In Vietnam wird bei der Einreise über eine Infrarotkamera nur die Körpertemperatur gemessen. Koffer sind weder bei der Ein- noch bei der Ausreise geöffnet worden. Im Land selbst hatte ich keinerlei Probleme, obwohl ich "Individualreisender" war.

Gruß
Matthias

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K&K 17.02.2008, 08:59
15. Olympiade

Zitat von laufer
gerade dort wäre es wichtig gewesen nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen, sondern ein Zeichen zu setzen und die olympischen Spiele nicht dorthin zu vergeben. Matthias
Ich finde das gar nicht schlecht, dass China den Zuschlag erhielt. Jetzt sind alle Augen der Welt auf das Land gerichtet, das sich keinen Gesichtsverlust leisten will. Alleine, dass man sich nur Gedanken über die Umweltprobleme macht, ist schon ein Tropfen auf den heissen Stein. Kenne Peking seit über 20 Jahren und kann mich nicht an einen blauben Himmel erinnern.

Und wenn schon über (Olympia- bzw. Reise-) Boykott geredet wird, wo anfangen? Japan (Wale), Norwegen (Wale), USA (da reicht der Platz nicht), Schweiz (Steuerparadies), Italien (Mafia) - ich hör mal auf, sonst müsste man das ganze umgekehrt aufzäumen, und da fällt mir nicht mal der Vatikan ein.....

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Martin Stummer 17.02.2008, 10:22
16. Umwelt vor Politik

Touristen scheren sich kaum um Politik, denn dafuer haben wir ja Politiker. Warum sollen Touristen das Versagen der Politiker ausbuegeln. Umwelt ist wichtiger. Ich rufe hiermit auf weder Italien noch Malta zu bereisen, denn in beiden Laendern werden Zugvoegel abgeschossen: Millionen, ja hunderte von Millionen..das ist eine Sauerei...oder wie waere es mit einem Boykott aller japanischer Produkte und Streichung von Japan als Reiseziel. Denn die zivilisierte Welt darf nicht zulassen wie Japaner Walmuetter plus Baby schlachen und in Restauraants zum Frass anbieten.

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K&K 17.02.2008, 10:45
17. Prioriäten

Zitat von Martin Stummer
Touristen scheren sich kaum um Politik, denn dafuer haben wir ja Politiker. Warum sollen Touristen das Versagen der Politiker ausbuegeln. Umwelt ist wichtiger. Ich rufe hiermit auf weder Italien noch Malta zu bereisen, denn in beiden Laendern werden Zugvoegel abgeschossen: Millionen, ja hunderte von Millionen..das ist eine Sauerei...oder wie waere es mit einem Boykott aller japanischer Produkte und Streichung von Japan als Reiseziel. Denn die zivilisierte Welt darf nicht zulassen wie Japaner Walmuetter plus Baby schlachen und in Restauraants zum Frass anbieten.
Das mit den Walen ist sicher eine Sauerei. Mit den Zugvögeln, naja, dann müssten wir auch Deutschland aus diesen Beweggründen verlassen, denn auch hier streiten sich die Geister, ob die Schlachttiere auch würdig zum Schafott geleitet werden, und die armen Wanderkröten, die der Autobahn weichen müssen. Und noch ein Massenziel des Tourismus: Spanien, Stichwort Stierkampf.

Alles keine Diktaturen, um beim Thema zu bleiben. Ich halte aus allen bisher aufgeführten Argumenten nix von Boykott.

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August59 17.02.2008, 13:50
18. Man kann sich vieles "schön reden"

Zitat von K&K
Als ich dorthin reiste, wurde ich mit all den Belehrungen konfrontiert. So ein Land muss dann doch boykottieren. Mit meinen Ausgaben vor Ort habe ich Leute aus der Bevölkerung (wenn auch bescheiden) unterstützt: Taxifahrer, Zimmermädchen, Kofferträger - und auch den einen oder anderen Mönch. Wenn das mehrere/viele Touristen so handhaben, hat der Taxifahrer etc etc die Möglichkeit, seinen Kindern eine Bildung zu finanzieren. Auch so kann man ein Regime bekämpfen!
Das soll ein Kampf sein?
Um die Energien in diesem Kampf effektiver einzusetzen empfehle ich folgendes:
=> Urlaub in der Nähe des Heimatortes
=> hat dann auch noch den angenehmen Nebeneffekt, dass
möglichst wenig fossile Energien verbraucht werden
=> Die eingesparte Summe für die An-/Abfahrtskosten dem
Kampf gegen die Diktatur zur Verfügung stellen. Eine
wesentlich höhere Summe als die Almosen aus den Trink-
geldern wird somit zur Verfügung gestellt.
Was sind das für Zeiten, in denen jeder auf noch so abstruse Art und Weise sein Gewissen beruhigen möchte?
Haben die Besucher von Olympia 1936 ähnlich gedacht?

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K&K 17.02.2008, 16:18
19.

Zitat von August59
Das soll ein Kampf sein? Um die Energien in diesem Kampf effektiver einzusetzen empfehle ich folgendes: => Urlaub in der Nähe des Heimatortes => hat dann auch noch den angenehmen Nebeneffekt, dass möglichst wenig fossile Energien verbraucht werden => Die eingesparte Summe für die An-/Abfahrtskosten dem Kampf gegen die Diktatur zur Verfügung stellen. Eine wesentlich höhere Summe als die Almosen aus den Trink- geldern wird somit zur Verfügung gestellt. Was sind das für Zeiten, in denen jeder auf noch so abstruse Art und Weise sein Gewissen beruhigen möchte? Haben die Besucher von Olympia 1936 ähnlich gedacht?
Klar, Urlaub auf dem Bauernhof, von MacPom bis ins Allgäu! So ein Schmarrn! Wer brav ist, darf ins Berchtesgadener Land, die anderen nach Gelsenkirchen! Sie sollten mehr verreisen, Reisen bildet!

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