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Urlaub in Island: "Die Toleranz gegenüber Touristen nimmt ab"
ASSOCIATED PRESS

Sie bringen Geld ein - können aber auch nerven: Island wird von sehr vielen Touristen besucht. Die Chefin eines Tourismusverbands warnt nun vor wachsender Abneigung im Volk, doch die Werbemaschine läuft munter weiter.

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willi2011 04.11.2017, 18:21
1. Am schlimmsten sind die Kreuzfahrtschiffe

Man kann an allen Naturschönheiten des Landes förmlich spüren u sehen, wann Kreuzfahrtschiffe Island angelaufen haben. Dann tauchen urplötzlich Dutzende von Reisebussen auf und spucken für kurze Zeit Touristen aus. Diese Art des Fast-Food-Tourismus schadet dem Land auf Dauer, auch weil Kreuzfahrer fast kein Geld im Land lassen. Geschlafen und gegessen wird auf dem Schiff. Nur die giftigen Abgase bringen sie mit.

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joG 04.11.2017, 19:02
2. Das ist auch....

....auf Mallorca so. Wenn man Mallorcin versteht, erschrickt man, was die Einheimischen über auch wohlhabende sagen, während sie sie bedienen. Man versucht daher auch den Tourismus einzuschränken. Das ist immer so, wenn die Bevölkerung der Region selbst wohlhabender wird. Dann sind Massen an lauten und oft arroganten Touristen nurmehr ärgerlich.

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butzibart13 04.11.2017, 19:46
3. Die Schattenseiten des Massentourismus

Ich habe Island mehrmals besucht. Am Anfang zu Beginn der 80-Jahre mit einer Reisegruppe war es Abenteuer pur, unbefestigte Straßen, auf denen man schier endlos lange unterwegs war, keine Einzäunung bei den Geysiren und ein oft mühseliger Weg zu Wasserfällen. Mein letzter Besuch in Island 2010, eine vermüllte nicht mehr zugängliche Grotte Grotagja, Eingrenzungen bei den Schwefelfeldern von Namaskard, eine Schnellfahrt zur Askja, am Myvatn eine warme Lagune und natürlich die bekannte blaue Lagune. Alles ist kommerzialisiert und für viele Attraktionen muss man Eintritt bezahlen. Man kann dieses Verhalten der Isländer nachvollziehen und es geht ihnen nicht alleine darum, Kasse zu machen, wobei Island schon angesichts der kurzen Urlaubssaison teuer sein muss. Aber ähnliche Verhältnisse findet man wie oft berichtet auf Mallorca, Urlaubszielen in Italien, Griechenland, Neuseeland (ich glaube hier sind besonders viele Europäer, insbesondere Deutsche, z. Z .auch unser Bundespräsident unterwegs) und irgendwann liegen bei den Einwohnern die Nerven blank, weil das Maß des Erträglichen überschritten wird.

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edefridolin 04.11.2017, 20:27
4. Leider tritt auch bei diesem wunderschönen Land irgendwann...

...das Unausweichliche ein. Mein erster Besuch liegt jetzt knapp zwanzig Jahre zurück und war ein nachhaltig prägendes Erlebnis. Von Finanzkriese noch keine Spur, herrschte quasi Vollbeschäftigung, ein extremes Preisniveau und die touristischen Stätten waren noch unreglementiert und weitgehend naturbelassen. Es war ein echtes und manchmal beschwerliches Erlebnis das (Hoch-)Land innerhalb von vier Wochen per Bus, Rucksack und als Tramp zu erkunden. Ist man einmal mit den Einheimischen in Kontakt gekommen, waren dies stets liebenswürdige, hilfsbereite und überaus entspannte Menschen, mit großen Interesse am Leben des Gegenüber.

Seit der Finanzkriese wird das Land jedoch auf Teufel komm raus vermarktet. Wachstum um jeden Preis, allen voran Islandair mit seinem Stopover-Programm, was inbesondere den Golden Circle rund um Reykjavik extrem geschadet hat. Die nah am Flughafen gelegene Blaue Lagune, damals noch überschaubar und mit einer einfachen Holzhütte als Umkleide versehen, ist heute ein durchkommerzialisierter Wellness-Tempel, der eine wochenlange Vorbestellung erfordert und durch den von früh bis spät massenweise Stopover-Passagiere durchgeschleust werden.

Am Strokkur gabs seinerzeit nur ne kleine Tankstelle und rundrum Natur. Heute ist das Gelände eingezäunt, Hotel und Souveniershop davor gebaut und mit Parkflächen zubetoniert. Die einst schmalen Pfade zu den großen Wasserfällen sind jetzt breit angelegt und führen von großflächig asphaltierten Busparkplätzen direkt zur Felskante. Das Þingvellir, einst eine Art Geheimtip, ist in der Saison heute vollkommen überlaufen und die dortige Silfra-Spalte wird mit Tauchtouristen nur so abgefüllt. Bodenständige Rucksackreisende, die wenigstens ein paar Tage irgendwo verweilen, sind immer weniger zu sehen. Statt dessen herrscht Massenabfertigung um in 30 Minuten zum nächsten Highlight weiterfahren zu können. Man muss schließlich in drei bis sieben Tagen das ganze Land "schaffen". Nicht zuletzt sind es Trends wie Heli-Skiing und Snowmobil-Touren, die in der zunehmenden Masse auch noch die einzigartigen Gletscherwelten zerstören. Das Einzige was das empfindliche Hochland noch ein wenig schützt sind die exorbitanten Preise für ernsthaft geländegängige Mietfahrzeuge.

Im Laufe der Jahre konnte bzw. musste man den zunehmenden Massentourismus und den damit einhergehenden Verfall der guten Sitten hautnah miterleben. Müll wird in die Landschaft entsorgt, die empfindlichen Moosflächen werden zertrampelt und die Zeltplätze / Hütten vom Vandalismus heimgesucht und mit Fahrzeugen schwer zugängige Ecken für PKW befahrbar gemacht. Das dies den eher ruhigen Isländern irgendwann mal zu viel wird ist ja völlig klar.

Nur die Schlussfolgerung der Verbandscheffin kann ich nicht nachvollziehen. Nein, das Land ist nun mal extrem und muss nicht auch noch im dunklen Winter für jeden Flachlandindianer durchgehend befahrbar sein.

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achterhoeker 04.11.2017, 21:19
5. Verständlich!

Aus meiner Verwandtschaft waren welche per Megaliner dorthin verfrachtet woren. Schlimme Fotos an der Bad, Badende im Wasser und Busweise wurden die Touris uber die Badeanlage getrieben.
In Norwegen am Nordkap ähnliche Zustände, 3000 Touristen wurden vom Schiff zum Nordkap und retour gekarrt. Und an dieser falschen nördlichsten Stelle Europas schubsten sich die Leute weg um ihren Ehegatten allein aufs Bild zu bekommen. Norwegen scheint dies noch nicht zu jucken. Warum aber Island?Die haben doch ein grösseres Problem. Ihre Regierung.

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Miere 05.11.2017, 23:53
6. Das Erstaunlichere daran ist eigentlich,

dass die Isländer es schaffen, ihre durch jahrhundertelange Abholzung und Überweidung geschaffene Wüste als wundervolle Naturlandschaft zu vermarkten.

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fatal.justice 05.11.2017, 00:09
7. Habe mich...

Zitat von achterhoeker
Aus meiner Verwandtschaft waren welche per Megaliner dorthin verfrachtet woren. Schlimme Fotos an der Bad, Badende im Wasser und Busweise wurden die Touris uber die Badeanlage getrieben. In Norwegen am Nordkap ähnliche Zustände, 3000 Touristen wurden vom Schiff zum Nordkap und retour gekarrt. Und an dieser falschen nördlichsten Stelle Europas schubsten sich die Leute weg um ihren Ehegatten allein aufs Bild zu bekommen. Norwegen scheint dies noch nicht zu jucken. Warum aber Island?Die haben doch ein grösseres Problem. Ihre Regierung.
... dies zuletzt in Georgien und davor auf Island auch gefragt. Bin zu der Einsicht gelangt, dass Tourismus wohl dort am störendsten empfunden wird, wo das Habitat der Einheimischen noch am natürlichsten ist. Obwohl ich wirklich niemals zuvor solch eine Gastfreundschaft wie in Swanetien, GE kennengelernt habe. Aber wir waren auch nur als Einzelreisende incl. Kinder unterwegs - ohne Reisegruppe. Die Gastfreundschaft dürfte abnehmen, wenn jeden Tag unzählige Reisegruppen durch Nordgeorgien stapfen. Man sollte zumindest NIE fragen, in welcher Himmelsrichtung Zchinwali liegt und wie es dazu kam, dass der damalige (anno 2008) georgische Präsident Saakaschwili später der Gouverneur des ukrainischen Oblasts Odessa wurde... Gerade bei dieser Frage schaut man selten in freundliche Gesichter.

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gandhiforever 05.11.2017, 03:22
8. Insel

Die Island eine Insel ist, sollte es gar nicht so schwer sein, der Touristenhorden Herr zu werden.

Allerdings muessen die Islaender am gleichen Strang ziehen.

Es ist wenig hilfreich, wenn die Fluggesellschaft seit diesem Jahr neue Staedte in den USA anfliegt (zur Reisezeit).

Geworben wird damit, dass die nach Europa fliegenden Touristen ihre Resie fuer ein paar Tage in Island unterbrechen koennen.

Was denkt man sich dabei? Dass diese Touris zwar Geld liegen lassen, aber ansonsten die Infrastruktur nicht in Anspruch nehmen?

Ich bin kein Freund des Massentourismus, aber auch nicht von jammernden Islaendern. Die sollten ihre Regierung zu einer "Politik bewegen, die die Zahl der Touristen beschraenkt, die sich gleichzeitig im Land aufhalten duerfen.Dazu gehoert auch eine Beschraenkung der Fluege.

Und, wenn die Islaender dann mit den Ergebnissen nicht zufrieden sind, koennen sie ja wieder jammern.

Wie der Schweizer sagt, kann man nicht den Fuenfer und das Weggli haben.

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desertking 05.11.2017, 04:07
9. Gutes & Schlechtes

Ich war 2013 im Frühjahr in Island und einmal im Spätsommer 2015. In den beiden Jahren hat sich Reykjavik extrem gewandelt. Insbesondere die Baustellen waren nicht schön und verschandelten die Umgebung. Irgendwann fragt man sich dann auch, ob in der kleinen Innenstadt das 50. Hotel noch sein muss, denn der Besucher kommt ja nicht, um andere Touristen zu sehen. Es bleibt ja trotz allem Charme eine Kleinstadt, die im Sommer zur Großstadt aufgepumpt wird und zwar künstlich. Wenn man da sieht, wie die dicken Busse durch die schmalen Gassen wanken... Nicht schön.
Andererseits kann man teilweise außerhalb der Hauptstadt noch sehen, wie Island noch vor wenigen Jahrzehnten aussah. Ob das so der reine Blütenhonig gewesen ist für alle Beteiligten, sei mal dahingestellt. Davon abgesehen kam der Tourismus wie gerufen für Island und half die Finanzkrise zu bewältigen und das schneller und einfacher, als es Griechenland geschafft hat. Ich denke man ist im ganzen Land recht froh, dass es nicht mehr so ist wie noch in den 90er Jahren, als kaum jemand die grauen Hotels bezahlen konnte, es kaum Restaurants gab und man mehr unter sich blieb. Gerade Reykjavik mit seiner unfassbar großen Kunstszene lebt ja davon, dass auch Fremde vorbeischauen und die Kunst sehen oder auch hören.
Hoffentlich bekommen die Isländer das in den Griff. Es wäre sehr schade um ihr schönes, einmaliges Land und besonders seine Natur.

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