Forum: Reise
Vier Tage kanadische Wildnis: Bärenbeobachtung für Fortgeschrittene
Chris Howey/ Shutterstock

Das Toba Inlet ist eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. Wer Grizzlys in freier Natur beobachten will, kommt hier auf seine Kosten - mit etwas Glück. Doch so eine Tour ist nichts für Zimperliche.

Seite 1 von 2
j.for2015 30.07.2019, 13:27
1. Was für ein merkwürdiger Artikel...

Sieht aus wie ein Gefälligkeitsartikel für ein Reiseunternehmen und tut so, als würde über eine gemeinnützig arbeitende Stiftung berichtet. Der „Reisebericht“ scheint dem zu entsprechen, was das Unternehmen DIAMIR Erlebnisreisen unter dem Titel „Toba Inlet – Bären am DIAMIR-Wald“ anbietet. Ob das Waldstück am Toba River in B.C., das angeblich im Eigentum der Stiftung Wilderness International steht, identisch ist mit dem DIAMIR-Wald, ist nicht erkennbar. Aber zumindest ist einer der Unternehmensverantwortlichen von DIAMIR als Gründer/Zustifter von Wilderness International auf deren Homepage genannt.
Die im Artikel abgebildete Karte zeigt wohl auch nicht das Gebiet am Toba River, der weiter östlich in den Toba Inlet mündet, sondern ein Gebiet nördlich des Quaniwsom Indian Reserve. Das mag aber auch nur einer Ungenauigkeit geschuldet sein oder dem Versuch, nicht jedem interessierten Dritten eine Wegbeschreibung zu liefern.
Ich kann mir indes nicht vorstellen, dass der Autor wirklich glaubt, eines der letzten unberührten Wildnistäler Kanadas gesehen zu haben. Zum einen gibt es gerade an der kanadischen Westküste eine Unzahl vergleichbarer Biotope und zum anderen wird der East Toba River ausweislich einer kurzen Internetrecherche zur Energiegewinnung durch Flusskraftwerke genutzt. Nicht gerade ein Zeichen unberührter Wildnis.
Die Stiftung Wilderness International macht mit ihrer Homepage einen professionellen Eindruck. Aber Transparenz über die aktuelle Mittelverwendung findet man dort nicht. Eine Bilanz aus dem Jahr 2015 ist veröffentlicht. Für die Folgejahre ist nichts hinterlegt. Übrigens heißt es in der Internetdarstellung, man habe 3,16 Millionen Quadratmeter Wald in B.C. gekauft. Also 316 ha. Nicht gerade riesig, aber immerhin. Im SPON-Bericht ist von mehr als 400 Hektar Land die Rede, „das unberührt bleibt“.
Das DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen), das seit 1991 die Verwendung von Spendengeldern prüft und ggfs das bekannte Spendensiegel vergibt, nennt Wilderness International nicht einmal – warnt aber auch nicht ausdrücklich vor der Stiftung. In der Badischen Zeitung vom 13.12.2015 heißt es, das DZI habe 2014 zuletzt versucht, Informationen von Wilderness International zu erhalten; auf das Auskunftsbegehren sei eine Reaktion jedoch nicht erfolgt.
Alles in allem: Was für ein merkwürdiger Artikel.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Dicke_Berta 30.07.2019, 21:31
2. Jo, das war es

"Das Toba Inlet ist eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. " Nach diesem Artikel wohl nicht mehr lange. Bald gibt es die ersten Selfies mit Grizzlies auf Instagram und infolgedessen die ersten Toten.
Wieso berichtet man über solche Weltgegenden?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
k70-ingo 30.07.2019, 22:36
3.

Zitat von Dicke_Berta
"Das Toba Inlet ist eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. " Nach diesem Artikel wohl nicht mehr lange. Bald gibt es die ersten Selfies mit Grizzlies auf Instagram und infolgedessen die ersten Toten. Wieso berichtet man über solche Weltgegenden?
Ihre Sorge ist unbegründet.
Lesen Sie den Text mal genauer - da stehen nur Horrorbotschaften für die digitalisierten Hipster-Weicheier drin, wie "nichts für Zimperliche" und vor allem "Kein Handyempfang".
Von den Strapazen, dorthin zu kommen, wie auch den (hier nicht näher erwähnten) hohen Kosten (Kanada ist keine Billigdestination) nicht zu reden. Zudem ist SPON nicht Lonely Planet.

Nein, da passiert nichts.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Delfinder 30.07.2019, 23:06
4. Helft den Bären in Alberta

In Alberta hat es dieses Jahr einen Regierungswechsel gegeben und die sehr Konservativen sind wieder an der Macht. Der Umweltminister ist ein verurteilter Wilderer und betreibt ein Trophäenjagd Geschäft. Alberta ist nach einer Entscheidung der neuen Regierung, die einzige kanadische Provinz in der die Rehabilitation von größerem Wild (Bären, Wölfe, etc.) nicht erlaubt ist. Es gibt eine AVAAZ Petition, um das wieder zu erlauben: https://secure.avaaz.org/en/community_petitions/Premier_Jason_Kenney_&_Environment_Minister_Jason_ Nixon_Help_Albertas_Bears_1/
Bitte helft, diesen Rückschritt zu stoppen.
Danke!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tpro 31.07.2019, 09:08
5.

Klingt eher wie "wie mache ich einen geilen Outdoortrip und bringe die Geschichte an den Mann/Frau". Dann wird ein leicht grünes Mäntelchen umgehängt, denn es waren ja Umweltschützer und ein Experte/Forstwissenschaftler dabei. Etwas getrübt wird die Geschichte durch ein Motorboot, das mit röhrendem Außenborder die Gesellschaft transportiert. Das hupende Auto, mit laufender Heizung zum Schluß, hätte ich nicht erwähnt. Man könnte auch hinterfragen, ob so ein Flug nötig ist, um sein Ego zu befriedigen. Wahrscheinlich schreibt der Verfasser seinen nächsten Reisebericht aus dem Westerwald, über die Gefährlichkeit einheimischer Feldhasen und wieviel CO2 man sparen kann, wenn man zuhause einen auf Outdoor macht.

"....Doch so eine Tour ist nichts für Zimperliche....."

Klar doch. Wer ein Zelt nur nur aus Katalogen kennt und zum ersten Mal im Freien schläft, für den ist jeder Spaziergang durch einen Wald ein Abenteuer. "Lachsleichen"? Er meint wohl Kadaver.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
manuel.neumann2101 31.07.2019, 09:59
6. @j.for2015

Toll Recherchiert!
Wäre ja nur schön gewesen, hätten die vom Spiegel das auch gemacht :)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
k70-ingo 31.07.2019, 12:22
7.

Zitat von tpro
Klingt eher wie "wie mache ich einen geilen Outdoortrip und bringe die Geschichte an den Mann/Frau". Dann wird ein leicht grünes Mäntelchen umgehängt, denn es waren ja Umweltschützer und ein Experte/Forstwissenschaftler dabei. Etwas getrübt wird die Geschichte durch ein Motorboot, das mit röhrendem Außenborder die Gesellschaft transportiert. Das hupende Auto, mit laufender Heizung zum Schluß, hätte ich nicht erwähnt. Man könnte auch hinterfragen, ob so ein Flug nötig ist, um sein Ego zu befriedigen. Wahrscheinlich schreibt der Verfasser seinen nächsten Reisebericht aus dem Westerwald, über die Gefährlichkeit einheimischer Feldhasen und wieviel CO2 man sparen kann, wenn man zuhause einen auf Outdoor macht. "....Doch so eine Tour ist nichts für Zimperliche....." Klar doch. Wer ein Zelt nur nur aus Katalogen kennt und zum ersten Mal im Freien schläft, für den ist jeder Spaziergang durch einen Wald ein Abenteuer. "Lachsleichen"? Er meint wohl Kadaver.
Bevor man wieder seine Neidattacken reitet, nur mühsam mit Ökogewichtel verbrämt, hätte sich ein Blick auf die Landkarte gelohnt, in Kombination mit aufmerksamen Lesen des Textes - dann hätte man sich eine Peinlichkeit erspart.

Das ist durchaus eine warmduscherungeeignete Tour, und mit einem Paddel- oder batteriebetriebenen Bötchen kommt man da nicht hin.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tpro 31.07.2019, 12:48
8.

Zitat von k70-ingo
Bevor man wieder seine Neidattacken reitet, nur mühsam mit Ökogewichtel verbrämt, hätte sich ein Blick auf die Landkarte gelohnt, in Kombination mit aufmerksamen Lesen des Textes - dann hätte man sich eine Peinlichkeit erspart. Das ist durchaus eine warmduscherungeeignete Tour, und mit einem Paddel- oder batteriebetriebenen Bötchen kommt man da nicht hin.
1.) Kein Neid. Habe selbst genug Touren gemacht. 2.) Habe ich den Text gelesen, sonst hätte ich nicht kommentiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
doc_becker 31.07.2019, 13:32
9. Habe ich mir auch gedacht...

Zitat von j.for2015
Sieht aus wie ein Gefälligkeitsartikel für ein Reiseunternehmen und tut so, als würde über eine gemeinnützig arbeitende Stiftung berichtet. Der „Reisebericht“ scheint dem zu entsprechen, was das Unternehmen DIAMIR Erlebnisreisen unter dem Titel „Toba Inlet – Bären am DIAMIR-Wald“ anbietet. Ob das Waldstück am Toba River in B.C., das angeblich im Eigentum der Stiftung Wilderness International steht, identisch ist mit dem DIAMIR-Wald, ist nicht erkennbar. Aber zumindest ist einer der Unternehmensverantwortlichen von DIAMIR als Gründer/Zustifter von Wilderness International auf deren Homepage genannt. Die im Artikel abgebildete Karte zeigt wohl auch nicht das Gebiet am Toba River, der weiter östlich in den Toba Inlet mündet, sondern ein Gebiet nördlich des Quaniwsom Indian Reserve. Das mag aber auch nur einer Ungenauigkeit geschuldet sein oder dem Versuch, nicht jedem interessierten Dritten eine Wegbeschreibung zu liefern. Ich kann mir indes nicht vorstellen, dass der Autor wirklich glaubt, eines der letzten unberührten Wildnistäler Kanadas gesehen zu haben. Zum einen gibt es gerade an der kanadischen Westküste eine Unzahl vergleichbarer Biotope und zum anderen wird der East Toba River ausweislich einer kurzen Internetrecherche zur Energiegewinnung durch Flusskraftwerke genutzt. Nicht gerade ein Zeichen unberührter Wildnis. Die Stiftung Wilderness International macht mit ihrer Homepage einen professionellen Eindruck. Aber Transparenz über die aktuelle Mittelverwendung findet man dort nicht. Eine Bilanz aus dem Jahr 2015 ist veröffentlicht. Für die Folgejahre ist nichts hinterlegt. Übrigens heißt es in der Internetdarstellung, man habe 3,16 Millionen Quadratmeter Wald in B.C. gekauft. Also 316 ha. Nicht gerade riesig, aber immerhin. Im SPON-Bericht ist von mehr als 400 Hektar Land die Rede, „das unberührt bleibt“. Das DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen), das seit 1991 die Verwendung von Spendengeldern prüft und ggfs das bekannte Spendensiegel vergibt, nennt Wilderness International nicht einmal – warnt aber auch nicht ausdrücklich vor der Stiftung. In der Badischen Zeitung vom 13.12.2015 heißt es, das DZI habe 2014 zuletzt versucht, Informationen von Wilderness International zu erhalten; auf das Auskunftsbegehren sei eine Reaktion jedoch nicht erfolgt. Alles in allem: Was für ein merkwürdiger Artikel.
Merkwürdig, der Bericht. Für mich fing das schon mit den 400 Hektar an - klingt irgendwie viel, sind aber gerade mal 2x2 km. Bedenkt man, dass B.C. mehr als zweieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland, wird einem klar wie lächerlich klein das geschützte Gebiet ist. Eine große Investition in den Umweltschutz sieht anders aus, besonders, wenn ich dann noch Touristen mit dem Motorboot hinkarre. In vier Tagen da keinen Bären zu sehen, muss man übrigens auch erst einmal hinbekommen. P.S.: danke für die ausführliche Recherche

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2