Forum: Reise
Vier Tage kanadische Wildnis: Bärenbeobachtung für Fortgeschrittene
Chris Howey/ Shutterstock

Das Toba Inlet ist eines der letzten komplett wilden Täler British Columbias. Wer Grizzlys in freier Natur beobachten will, kommt hier auf seine Kosten - mit etwas Glück. Doch so eine Tour ist nichts für Zimperliche.

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Tanja Müller 31.07.2019, 16:34
10. Jetzt bekommt der Laden

auch noch einen Spiegel-Werbeartikel. Ich habe mal für meinen Neffen ein Stückchen Zertifikat da gekauft, glaube ich. Seitdem bekomme ich Newsletter mit dem Wildnislauf und regelmäßig brechen Gymnasiasten zu Forschungen in die super abgelegene Wildnis auf... mir stößt das auch schon länger auf, Deutsche mal wieder ganz vorne im Naturschutz oder so. Am besten da, wo es sich gut urlauben lässt.
Artikel über Forstwirtschaft und Abholzung in B.C. wären lehrreicher. Über die jährlichen Waldbrände. Es gäbe jede Menge interessante Themen, zu denen man aber recherchieren müsste.

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kai.andersch 31.07.2019, 17:15
11. Offizielle Antwort Teil 1. von Wilderness International

Sehr geehrte Verfasserin und sehr geehrter Verfasser der Kommentare 1 und 2. zum obigen Artikel:
Mein Name ist Kai Andersch, ich bin einer von 25 Gründern und aktuell Vorstandsvorsitzender der Stiftung Wilderness International.
Ich danke Ihnen für Ihr durch Ihre Kommentare verbrieftes Interesse an Westkanada und der Arbeit von Wilderness International.
Schade finde ich, dass Sie ohne bei uns vorher korrekte Informationen eingeholt zu haben, Mutmaßungen hinterlegen und damit unsere Arbeit und unsere Projekte einschätzen auf der Grundlage eines kurzen Reiseberichts von Christian Haas (siehe oben).
Gern möchte ich kurz auf Ihre Kritikpunkte eingehen, sehr gern können Sie mich persönlich bei tiefer gehenden Fragen kontaktieren: kai.andersch@wilderness-international.org, 01738901426, www.wilderness-international.org
Korrekt ist, dass dies „ein merkwürdiger Artikel“ ist. Schließlich geht es mal nicht nur um abenteuerbehaftete Reiseerlebnisse, sondern kombiniert diese mit einem substantiellen Projekt zum Schutz uralter Wälder. Christian Haas als Journalist und Verfasser dieses Beitrages hat tiefgründig recherchiert, die Schutzgebiete vor Ort inspiziert und das Thema Verantwortungsübernahme als eine Folge der Reise in seine private Sphäre übernommen indem er seine privaten Urlaubsreisen in Bezug auf den CO2-Fußabdruck analysiert und der Natur durch den Schutz von Regenwald bei Wilderness International etwas zurückgibt.
Falsch ist, dass dies ist ein Fälligkeitsartikel für ein Reiseunternehmen ist. Es wird nämlich keines genannt. Korrekt ist, dass wir unter anderem mit mehreren Reiseveranstaltern kooperieren und zwar z.B. mit Diamir Erlebnisreisen, welche einen gewissenhaften und langfristigen Prozess zur Implementierung der Nachhaltigkeit im Kerngeschäft unternommen hat und mittlerweile auch Anwender des DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) geworden sind. In Bezug auf unser Projekt engagiert sich Diamir u.a. über den Schutz von Waldlebensräumen im Toba Tal und die Firma und ihre Kundinnen und Kunden kompensieren Reisen in Bezug auf deren CO2-Fußabdruck mit unserer Stiftung. https://www.diamir.de/nachhaltigkeit
Falsch ist, dass in irgendeiner Form Partner von Wilderness International durch eine touristische Nutzung der Schutzgebiete im Toba Tal kommerziellen Tourismus anbieten. Der Besuch war bisher ausschließlich unseren Stiftungsteams aus Wissenschaftlern, Schülern, ausgewählten Naturschutz-Partnern und Fotografen/Journalisten vorbehalten und auch dies in extrem geringer Zahl und in der Form von No-Trace-Camping. Die Landstücke kaufen die kanadische NGO „Wilderness International (Canada) und die deutsche Stiftung Wilderness International per Grundbucheitrag.
Korrekt ist, dass der Diamir-Wald im Toba Tal verortet ist und dass die Klahoose First Nation gemeinsam mit kanadischen und internationalen Partnern Bärenbeobachtungstouren auf ihrem traditionellen Stammesland durchführen, um für ihre Mitglieder Arbeitsmöglichkeiten zu generieren, nahe der Mündung des Toba Flusses.
Korrekt ist, dass es sich um eines der bisher am wenigsten durch Kahlschlagsforstwirtschaft etc. beeinflussten Täler an der Westküste Kanadas handelt.

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kai.andersch 31.07.2019, 17:17
12. Offizielle Antwort Teil 2. von Wilderness International

Korrekt ist, dass am Oberlauf des Big Toba in ca. 30 Kilometer Entfernung von unseren Schutzgebieten ein kleines Wasserkraftwerk installiert wurde, welches in Partnerschaft zwischen der Klahoose First Nation und einem Energieunternehmen einen Teil von Vancouver mit Strom aus Wasserkraft versorgt. Dies hat unserer Erfahrung nach keinen Einfluss auf die Wildheit unserer Naturschutzgebiete und wir begrüßen, dass die Flüsse in den Hauptströmen nicht mit Dämmen etc. beeinträchtigt wurden.
Korrekt ist, dass es weitere ökologisch wertvolle und intakte Gebiete in Westkanada gibt, genau das ist ja unser Anliegen, diese, soweit möglich, ebenfalls mit dem Landkauf langfristig und nachhaltig unter Naturschutz zu stellen.

Korrekt ist, dass wir derzeit nur auf direkte Nachfrage in unserem Büro unseren Spenderinnen und Spendern direkten Einblick in unsere Jahresabschlüsse 2016-2017 geben, im Herbst 2019 werden wir die JA und ausführlichen Tätigkeitsberichte 2016-2018 online stellen. Wir stellen derzeit unser Berichtswesen um mit dem Ziel zukünftig detaillierter informieren und Rechenschaft ablegen zu können. Vielen Dank für Ihren Hinweis in dieser Angelegenheit, da sind wir uns völlig einig.

Korrekt ist, dass wir nicht immer gleich alle von uns gekauften Landflächen online stellen, da unser System, diese georeferenziert und luftbildbasiert unseren Spenderinnen und Spendern zur Verfügung zu stellen, sehr aufwändig ist, auch und gerade in Bezug auf ehrenamtlich erbrachte Leistungen. Aktuell verfügen wir über 464 Hektar Naturschutzflächen in Westkanada.

Korrekt ist, dass wir uns nach einer ausführlichen Beschäftigung mit der Sache nicht für das DZI Spendensiegel entschieden haben. E. Weiland hat im Rahmen einer Masterarbeit die Stakeholder von Wilderness International befragt und die diversen „Spendensiegel“ am Markt in Hinblick auf der Legitimation des DZI-Siegels untersucht. Das DZI hat nach der Auffassung der Stakeholder von Wilderness International weniger qualitativ als erhofft abgeschnitten und so haben wir uns genau wie viele hundert deutscher NGOs dagegen entschieden, die hohen Kosten für dieses „Siegel“ aus unseren Spendengeldern zu tragen. Dies habe ich ausführlich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DZI diskutiert. Wie unter dem Punkt „Transparenz“ auf unserer Webseite beschrieben https://www.wilderness-international.org/transparenz/ arbeiten wir derzeit mit Hochdruck daran, innerhalb der kommenden Monate der Non-Governmental Organizations Accountability Charter beizutreten, welche gut auf unser internationales Tätigkeitsfeld zugeschnitten ist.

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kai.andersch 31.07.2019, 17:19
13. Offizielle Antwort von Wilderness International Teil 3

Zu Kommentar 2:
Ich freue mich über Ihre emotionale Verbundenheit zu Westkanada, das Bestreben, die letzten echten Wildnisgebiete zu bewahren und nicht durch Übernutzung beschädigt zu sehen vereint uns aus meiner Sicht.
Korrekt ist, dass das Toba Inlet noch sehr ursprünglich und wunderschön ist. Extrem unwahrscheinlich ist, dass das Toba Valley sehr bald zum Massentourismus umschlägt. Die Gegend ist kompliziert und aufwändig zu bereisen, die Naturschutzgebiete von Wilderness International sind langfristig und rechtssicher vor dem Betreten durch Fremde geschützt.
Unwahrscheinlich ist, dass es dort bald die „ersten Toten“ geben wird.

Wir berichten von dieser wundervollen Region in der Hoffnung, viele von Ihnen als Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen, gemeinsam mit uns möglichst viel Wald zu schützen. Als Dank an die Natur. https://www.wilderness-international.org/werden-sie-wildnispate/

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j.for2015 01.08.2019, 09:53
14. Jetzt wird es wirklich merkwürdig Herr Andersch, Teil 1

SPON veröffentlicht einen Artikel von Christian Haas in der Rubrik „Reise“ mit dem Titel „Vier Tage kanadische Wildnis: Bärenbeobachtung für Fortgeschrittene“, wobei der Autor betont, „wer Grizzlys in freier Natur beobachten will, kommt hier auf seine Kosten“. Damit es aber nicht „touristisch“ wird, habe er, Christian Haas, sich an die „Stiftung Wilderness International“ gewendet. Er wird dabei nicht nur von fünf Freunden, sondern auch von den Herren Andersch, Hürten und MacDonald als Vertreter der Stiftung begleitet.
Nach dieser Logik werde ich mich demnächst an den WWF wenden, damit man mich in die Schutzgebiete von Amur-Tiger und Panda bringt. Selbstverständlich in Begleitung von Vorständen.
Ich finde den Text von Herrn Haas mehr als befremdlich und habe recherchiert, welche Informationen die Stiftung über sich selbst preis gibt und was ansonsten an Informationen über sie verfügbar ist. Es mag sich jeder ein eigenes Bild machen.
Gemäß § 5 der Stiftungssatzung ist Wilderness International mit einem (sehr geringen) Kapital von EUR 50.000,00 im Jahr 2008 gegründet worden. Das Grundstockvermögen ist ausweislich der Bilanz zum 31.12.2015 durch eine Zustiftung auf EUR 54.000,00 angewachsen. Neuere Bilanzen hat die Stiftung, wie Herr Andersch einräumt, nicht veröffentlicht.
Ungeachtet dieses geringen Vermögens leistet sich die Stiftung nach Maßgabe des aktuell verfügbaren Wikipedia-Eintrages zwei hauptamtliche Kräfte, den Geschäftsführer Kai Andersch und den Büroleiter Hannes Holtermann. Da aus Zinserträgen des Grundstockvermögens die Gehälter zweier Hauptamtlicher, die Büroräume, Reisekosten sowie der Verwaltungsaufwand kaum bezahlt werden können, stellt sich die Frage, wie dies finanziert wird.
Ich kann jedem Interessierten nur empfehlen, nach der „kanadischen NGO Wilderness International (Canada)“ zu suchen. Außer der Tatsache, dass sie wohl in der Provinz Alberta unter der Nummer 840904817RR0001 eingetragen ist und es einen Briefkasten in Stony Plain gibt, sind weitere Informationen nicht einmal auf der Seite von Revenue Canada verfügbar.
Herr Andersch bedauert, den Spendern und Spenderinnen die angeblich gekauften Landflächen nicht „georeferenziert und luftbildbasiert“ zur Verfügung stellen zu können, da dies „sehr aufwändig“ sei. Da kann ich abhelfen. Die Arbeit hat der kanadische Staat bereits erledigt. Jede eingetragene Parzelle trägt eine 9-stellige Identifikationsnummer und ist in einem online verfügbaren Verzeichnis für jeden kostenfrei einsehbar (https://pub.ltsa.ca).

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j.for2015 01.08.2019, 09:54
15. Jetzt wird es wirklich merkwürdig Herr Andersch, Teil 2

Im Bereich der Mündung des Toba Rivers finden sich zunächst Flächen, die als Klahoose Indianreserve ausgewiesen sind. Im weiteren Verlauf des Flusses sind folgende, unmittelbar nebeneinander liegende Parzellen eingetragen:
1.006-631-941
2.009-897-747
3.009-896-864
4.006-632-017
5.009-896-856
6.006-632-050
Ob und wenn ja, welche Parzelle(n) Wilderness International und/oder DIAMIR gehören, wird Ihnen, Herr Andersch, bekannt sein.
Sie werden verstehen, dass ich den SPON-Artikel von Herrn Haas über eine Abenteuerreise, die keine sein soll, mehr als merkwürdig finde. Ihre Erklärungsversuche, Herr Andersch, werfen neue Fragen auf, die ich jedoch nicht alle beantworten muß. Den Transparenzanspruch haben Sie gegenüber den Spenderinnen und Spendern Ihrer Stiftung zu erfüllen.

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