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Weltkriegs-Tourismus in Frankreich: Gedenkstätten für Millionen Tote
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Tourismus an der früheren Westfront: Gedenkstätten und Friedhöfe erinnern in Frankreich an die verheerenden Schlachten des Ersten Weltkriegs. Im Jubiläumsjahr 2014 werden besonders viele Besucher erwartet - auch Hunderttausende Deutsche wurden hier bestattet.

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eryx 13.03.2014, 14:56
1.

Ich kann einen Besuch dieser Stätten jedem nur ans Herz legen - 1995 hatte ich die Gelegenheit Verdun und Umgebung zu besuchen und war damals zutiefst beeindruckt, noch heute ist die Landschaft gezeichnet von dem Wahnsinn, der sich damals dort abgespielt hat. Wenn man am Rand eines eigentlich hübschen Wäldchens steht und das sattgrüne Gras betrachtet, fallen einem plötzlich die vielen kleinen Senken und Löcher auf, die eben entstanden sind, als unzählige Bomben und Granaten den Boden umgepflügt haben und unzählige Menschenleben vernichtet haben. Mit Sicherheit einer der beeindruckensten Exkursionen, die ich damals in der Oberstufe gemacht habe. Natürlich war 1995 auch ein besonderes Jahr mit 50 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs.

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thomasschöffel 13.03.2014, 16:39
2. Die meisten Soldaten waren nicht freiwillig im Krieg.

Mein Großvater ist als junger Mann im ersten Weltkrieg u.a. an der Isonzofront in Italien gewesen und hat den Gaskrieg mitmachen müssen. Noch bis zu seinem Tod inj den sechziger Jahren hat er seine Gasmaske in Ehren gehalten, da sie ihm so oft das Leben gerettet habe. Heute dient die Gasmaksenbüchse als Behälter für Schmierfett in der Garage. Naja, er merkt´s ja nicht mehr. Was mir an der ganzen Diskussion heutzutage nicht schmeckt, ist, daß große Teile der Presse und der Diskutierer jeden Soldaten für eine blutrünstige Mordmaschine halten und sich offenbar nicht vorstellen können, daß die allermeisten Menschen nicht freiwillig im Krieg waren. Das gilt auch für unsere Leute. Im Ausland redet man im übrigen auch über unsere Toten sehr ehrenvoll und nicht wie bei uns.

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pico66 13.03.2014, 18:25
3. Es fehlen die Worte

Wer die Friedhöfe und Gedenkstätten noch nicht gesehen hat, kann sich schwer ausmalen, was hier unglaubliches passierte. Es scheint, als ginge die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit. Europa bewegt sich beständig in eine ähnliche Entwicklung voller Nationalgedanken und übermütigen Machts- und Sendungsbewußtsein.

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alban 13.03.2014, 21:17
4. Unbegreiflich

Meine Eltern haben mich vor vielen Jahren nach Verdun mitgenommen, wir sind damals jedes Jahr dort vorbeigekommen um meine Grosseltern in Frankreich zu besuchen. Als 14 jähriger, stellt man sich den Krieg wie in den Hollywoodfilmen vor. Es wird geschossen aber es passiert doch nichts. Noch heute habe ich die Bilder vor mir und kann immer noch nicht begreifen was Menschen dazu veranlasst sich das anzutun. Einfach ohne erfindlichen Grund Millionen von Leben auszurotten.

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ketzer2000 14.03.2014, 08:45
5. Immer noch nicht wirklich überwunden

Zitat von sysop
Tourismus an der früheren Westfront: Gedenkstätten und Friedhöfe erinnern in Frankreich an die verheerenden Schlachten des Ersten Weltkriegs. Im Jubiläumsjahr 2014 werden besonders viele Besucher erwartet - auch Hunderttausende Deutsche wurden hier bestattet.
Nur die allerwenigsten sind freiwillig in den Krieg gezogen. und spätestens nach dem ersten Trommelfeuer dürften die meisten auch einfach keine Lust mehr gehabt haben. Die Überlebenden sind traumatisiert zurückgekehr. Freiwilligkeit ist nur ein Stück Propaganda.

Gelernt, gelernt haben wir bis heute nicht viel. Wir vermeiden tunlichst in Europa Krieg zu führen. In anderen Regionen stehen aber wieder unsere Soldaten und wir mischen uns überall ein. Aus regionalen Konflikten werden Kriege und Bürgerkriege, die durch unsere Interventionen sich als Terrorismus über die Welt ausbreiten.

Wir mischen uns überall im Namen von Demokratie und Meinungsfreiheit ein, vergessen aber, dass wir mittlerweile so weit manipuliert werden, dass wir reif gemacht werden, bei fernen Konflikten zu entscheiden, wer gut oder böse ist.

Ich würde mir wünschen, wir würden uns mehr aus den Krisen heraushalten und uns für mehr für humanitäre Hilfe einsetzen anstatt mit dem Säbel und Kampfjets in Polen zu rasseln.

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Moewi 14.03.2014, 09:06
6.

Zitat von alban
Noch heute habe ich die Bilder vor mir und kann immer noch nicht begreifen was Menschen dazu veranlasst sich das anzutun. Einfach ohne erfindlichen Grund Millionen von Leben auszurotten.
Genau HIER liegt das Problem: Gründe werden immer schnell ge- und er-funden, und auch schnell geglaubt.
Man denke nur an fahrbare Waffenlabore, Brutkastenkinder, morgendliches "Zurück"-Geschiesse, Rettung der sozialistischen Brüder, Gottes Aufträge, usw, etc...

Wer nicht zur gleichen Sippe gehört ist immer ein potentieller Feind. Seit Anbeginn der Zeit missbrauchen schlaue Menschen diese Hirnschwäche - und schaffen das nur, weil sich die anderen missbrauchen LASSEN.

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Seneca001 14.03.2014, 09:13
7. Etwas diskriminierend, aber

Zitat von sysop
Tourismus an der früheren Westfront: Gedenkstätten und Friedhöfe erinnern in Frankreich an die verheerenden Schlachten des Ersten Weltkriegs. Im Jubiläumsjahr 2014 werden besonders viele Besucher erwartet - auch Hunderttausende Deutsche wurden hier bestattet.
zumindest hat man die Friedhöfe der Deutschen angelegt und nicht eingeebnet.

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robertelee 14.03.2014, 09:31
8. Bemerkenswert...

Zitat von sysop
Tourismus an der früheren Westfront: Gedenkstätten und Friedhöfe erinnern in Frankreich an die verheerenden Schlachten des Ersten Weltkriegs. Im Jubiläumsjahr 2014 werden besonders viele Besucher erwartet - auch Hunderttausende Deutsche wurden hier bestattet.
... ist an diesem Artikel einiges.

1. Schwarze Kreuze für die Deutschen - wie geschildert, eine Bestimmung des Versailler "Vertrages", die sicht- und greifbare Manifestation der Legende von der deutschen Alleinschuld am 1. Weltkrieg. Wie wir heute wissen - dank historischer Forschung in den Ländern der ehemaligen Kriegsgegner Deutschlands - war diese Behauptung eine propagandistische Geschichtslüge, gezielt in Umlauf gesetzt als Rechtfertigung für die beispiellose Demütigung, Entrechtung und wirtschaftliche Erdrosselung eines ganzen Landes. Mäßigende Stimmen auf alliierter Seite - darunter prominent der französische Marschall Foch - die das unheilvolle Potential dieser Handlungsweise bereits 1919 hellsichtig erkannten, verhallten bekanntlich ungehört. Das, was in Versailles und danach passierte, hat der Weimarer Republik eine solche Hypothek und einen solchen Geburtsfehler aufgebürdet, daß sie über kurz oder lang scheitern mußte. Zum Schaden aller.

2. Bemerkenswert ist, daß selbst heute - in Zeiten, in denen lautstarke Bekenntnisse zur europäischen Integration zum Grundrepertoire von Politik und Medien gehören, und Kritik an der EU (dieser EU) jeden, der sie äußert, unter Verdacht stellt - unsere Partner und Freunde in Frankreich, UK oder sonstwo aus der geschichtswissenschaftlichen Wahrheit keine politischen Konsequenzen ziehen. Mit der Idee einer europäischen Familie sind alljährliche Siegesfeiern zum Armistice-Day, die die Unterscheidung in Sieger und Besiegte, in Barbaren und Kämpfer gegen Barbarei zementieren, jedenfalls schlecht zu vereinbaren.

3. Bemerkenswert ist, daß deutsche Regierungschefs und Staatsoberhäupter nichts dabei zu finden scheinen, an derartigen Siegesfeiern als "Gäste am Katzentisch" teilzunehmen. Daß sie bereit sind, die Gnade der Einladung mit Schuldbekenntnissen am 1. Weltkrieg zu erkaufen und ihr eigenes Land als den großen Friedensstörer und Verursacher der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts wieder alle historische Wahrheit zu besudeln.

4. Bemerkenswert ist, daß all dies die deutsche Öffentlichkeit seltsam unberührt läßt. Charles de Gaulles Diktum, der Charakter eines Volkes ermesse sich daran, wie es mit seinen Soldaten nach einem verlorenen Krieg umgehe, wird damit drastisch bestätigt.

Historische Aufrichtigkeit und Wahrheit sind die Grundlagen jedweder Versöhnung und die Voraussetzung dafür, aus der Geschichte zu lernen. Alles andere ist Tünche, die spätestens dann aufzubrechen droht, wenn die Schönwetterlage, an die wir alle uns gewöhnt haben, mal enden sollte.

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kraichgau12 14.03.2014, 10:31
9. Wundersam

Es fällt auf,das die Bonner/Berliner Republik es nie fertig brachte, für IHRE Landsleute ausser jammernder Selbstbeweihräucherung im in Selbstanklage suhlend einzustehen
Diese Soldaten waren DEUTSCHE Mitbürger, ehrenvoll ebenso wie die auf der Gegenseite
ebenso wenig freiwillig wie die eingezogenen Franzosen etc
vergessen wird auch immer wieder, das zuerst die Franzosen angriffen,ebenso,wie immer wieder vergessen wird, WER WEM den Krieg erklärte, als schon britische Soldaten in Belgien standen
also,wo sind die Erinnerungs-Feiern der deutschen Politiker für die deutschen Soldaten? Wird das wieder nur eine angebliche "Siegerveranstaltung"?

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