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Debatte nach Stefan Henzes Tod: Woran das brasilianische Gesundheitssystem krankt
DPA

Der Tod des deutschen Kanutrainers Stefan Henze hat in Brasilien eine Debatte über die staatliche medizinische Versorgung entfacht. Ein Arzt erhebt nun schwere Vorwürfe.

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doctoronsen 16.08.2016, 18:00
1. Der Zynismus des IOC

Dass das IOC beim Thema Gesundheit nicht konsequent auf die selbst gesetzten Standards geachtet hat, zeigt einmal mehr, wie zynisch diese Organisation inzwischen mit den Menschen umgeht, von deren Fleiß, Mut, Talent und Geld sie lebt. Es wird Zeit, dass die Sportler weltweit die Kraft finden, dieses Trauerspiel zu beenden. Olympia ist ein Zombie.

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WutRutwiess 16.08.2016, 18:07
2.

Die Missstaende im brasilianischen Krankenhaeusern sind leider bekannt ... Im vergangenen Jahr verunglueckte die Koelnerin Sandra Eichenhofer in einem Galopprennen in Sao Paolo. Obwohl sie nach so einem schweren Unfall mindestens 24h unter Beobachtung im Krankenhaus haette bleiben muessen, wurde sie nach Kurzaufenthalt aus dem Krankenhaus entlassen, und verstarb noch in der Nacht im Hotel (Obduktion in D ergab schwere innere Verletzungen). http://www.express.de/sport/reiterin-starb-mit-23-tod-von-jockey-talent-sandra-eichenhofer-wirft-fragen-auf-23057714

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vhn 16.08.2016, 18:13
3. Unfallursachen

Lt. englischsprachigen Seiten war Henze nicht angeschnallt und der andere Deutsche hat direkt vor dem Unfall plötzlich ins Lenkrad gegriffen. Das nur als Info...

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realist4 16.08.2016, 18:14
4. So ist das leider

Ich habe lange in Brasilien gearbeitet und kann den Bericht nur bestätigen, es ist so oder noch schlimmer. Rio ist seit vielen Jahren besonders schlecht verwaltet. Es gibt sehr gute Privatkliniken, wenn man Geld oder eine entsprechende Versicherung hat, aber im Falle eines Unfalls wird man üblicherweise ins staatliche Gesundheitswesen verfrachtet weil Privatkliniken Patienten nur mit Nachweis der Zahlungsfähigkeit aufnehmen. Dafür müsste man aber sich auskennen, die Sprache beherrschen und ansprechbar sein.

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Aha!11!eins 16.08.2016, 18:17
5.

Ob Henze in einem gut ausgerüsteten Krankenhaus überlebt hätte, bleibt Spekulation. Interessant zu erfahren wären aber mal die näheren Umstände des Unfalls. Wie konnte es dazu kommen?

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gumbofroehn 16.08.2016, 18:23
6. Was erwarten wir? Brasilien ist ein Schwellenland!

Meine Anteilnahme zunächst den Angehörigen. Leider kauft man typische Probleme eines Schwellenlandes, wie ein nicht nach den Maßstäben eines entwickelten Landes funktionierendes Gesundheitswesen, mit ein, wenn man ein sportliches Großereignis dorthin vergibt. Leider ist weder bei IOC noch FIFA die Frage der technischen Qualität einer Bewerbung von besonderer Bedeutung bei der Vergabeentscheidung. Sonst würde es weder olympische Spiele in Brasilien noch Fußball-Weltmeisterschaften in Katar geben.

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Newspeak 16.08.2016, 18:29
7. ...

Weil ein deutscher Trainer gestorben ist, wird sowas jetzt thematisiert, ansonsten hätte es keinen interessiert. Die Leute wollen es doch so, die Korruption überall wird toleriert, ob bei der Fifa oder dem IOC, von Wirtschaft und Staaten ganz zu schweigen. Trotz allem kaufen die Fans ihre Tickets und sorgen für Einschaltquoten und halten dadurch dieses System mit am Laufen.

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Rudinik 16.08.2016, 18:33
8. Leider Normalität

Leider ist das Drama, das nun Henze passierte Alltag in Brasilien, nicht nur in Rio. Wehe dem, der in dem schönen Land krank oder verletzt wird. Man hätte ihn vermutlich besser direkt in eine der guten und teuren Privatkliniken bringen sollen, dort fehlt es an nichts, wenn man das nötige Kleingeld besitzt. Ich habe lange in Rio gelebt. Einer der vielen Gründe, warum ich dem Land den Rücken gekehrt habe, war die Sorge vor der Abhängigkeit der medizinischen Versorgung. Und was den Sicherheitsgurt im Taxi angeht: Die Gurte hinten werden meist unter der Rückbank verstaut, weil die meisten brasilianischen Fahrgäste sie eh nicht anlegen. Was direkt zum nächsten Thema führt, den Verkehrstoten: pro Kopf und Jahr etwa zehnmal so viel wie in Deutschland.

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m.m.s. 16.08.2016, 18:47
9. Neurochirurgie zumeist ausgelagert

Auch in Deutschland ist die Neurochirurgie in der Mehrzahl der Krankenhäuser woanders. Auch hier wird zumeist erst eine Bildgebung gemacht, dauert im CT wenige Minuten. Das Bild wird online verschickt, beurteilt und ggf. eine Operation veranlasst. Je nachdem kommen die Operateure oder der Kranke wird transportiert. Überfüllt ist das System aber nicht.

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