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Debatte nach Stefan Henzes Tod: Woran das brasilianische Gesundheitssystem krankt
DPA

Der Tod des deutschen Kanutrainers Stefan Henze hat in Brasilien eine Debatte über die staatliche medizinische Versorgung entfacht. Ein Arzt erhebt nun schwere Vorwürfe.

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ratxi 16.08.2016, 18:54
10. Wenn man...

Wenn man ein desaströses Entwicklungsland besucht, sollte man der Gleichberechtigung zuliebe nicht erwarten, in einem Notfall, nur weil man Ausländer ist, bevorzugt behandelt zu werden.
Wenn man dazu den Wahnsinn Olympia noch mitmacht und sich im Auto nicht einmal anschnallt, ist das Passierte zwar trotzdem schlimm, aber doch dem Opfer zum großen Teil selbst zuzuschreiben.

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anmeldung.tm 16.08.2016, 19:02
11. Schlimm

Es ist eine Schande, die armen Menschen

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Eu1ropa 16.08.2016, 19:17
12. Das ist Brasilien

Wer Brasilien nicht nur aus dem Urlaub kennt, der weiß um die Probleme in der Gesundheitsfürsorge aber auch der Toten in der Straße. In Brasilien sterben 45.000 Menschen pro Jahr auf den Straßen. In Deutschland 3475. Auf 100.000 Einwohner bezogen sind das in Brasilien 22.5 in Deutschland 4,67. Quelle WHO. Zusätzlich wird in D jeder gezählt, auch derjenige, der nach Wochen an den Folgen stirbt. in Brasilien wirklich nur der, der noch am Unfallort verstirbt. Noch Fragen????

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allessuper 16.08.2016, 19:18
13. So bekommen wir leider mit,

wie es in Brasilien zugeht. Das Land wurde ausgeblutet und ist (weiterhin? wieder?) tief in der Krise. Die Hintergründe können wir vielleicht nachforschen. So furchtbar es für Stefan Henzes Familie und alle ihm nahe stehenden Menschen ist, so macht uns das hierzulande klar, wie die tägliche Realität dort aussieht. Möge dieser Gedanke eines Tages Linderung auf seine Lieben bringen. Mein Beileid.

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carahyba 16.08.2016, 19:31
14. Brasilien ist ein

Zitat von gumbofroehn
Meine Anteilnahme zunächst den Angehörigen. Leider kauft man typische Probleme eines Schwellenlandes, wie ein nicht nach den Maßstäben eines entwickelten Landes funktionierendes Gesundheitswesen, mit ein, wenn man ein sportliches Großereignis dorthin vergibt. ...
Brasilien ist ein von Korruption und Neoliberalismus zerfressenes Land.
Eine öffentliche Gesundheitsversorgung ist so gut wie inexistent, noch viel schlimmer auf dem Lande.

Die private Gesundheitsversorgung ist mittlerweile so teuer, dass auch die Mittelschicht sie sich nicht mehr leisten kann. Die akreditierten Krankenhäuser sind trotzdem schlecht.

Um in einem der wenigen Spitzen-Luxus-Krankenhäuser behandelt werden zu können, muss man Millionär sein.

Überall im Lande werden die vom Staat für die Gesundheitsversorgung zur Verfügung gestellten Gelder unterschlagen, wie auch im Bildungssystem.

Gegen die Verantwortlichen werden zwar Verfahren geführt, niemand wird verurteilt, oft werden die Verfahren wegen Verjährung eingestellt.

Brasilien ist ein neoliberaler "failed state", das hat nix mit Schwelle zu tun.

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Grorm 16.08.2016, 19:52
15. Ja natürlich

Zitat von m.m.s.
Auch in Deutschland ist die Neurochirurgie in der Mehrzahl der Krankenhäuser woanders. Auch hier wird zumeist erst eine Bildgebung gemacht, dauert im CT wenige Minuten. Das Bild wird online verschickt, beurteilt und ggf. eine Operation veranlasst. Je nachdem kommen die Operateure oder der Kranke wird transportiert. Überfüllt ist das System aber nicht.
Was mich eher wundert, ist die Tatsache, dass man einen Schädelverletzten mit dem Sanka spazierenfuhr - und das noch im Verkehrsgewühl von Rio - und keinen Hubschrauber benutzte, die ja alleine durch die Olympischen Spiele dort ubiquitär vorhanden sein müssten. Muss ja für eine simple Verlegung nicht mal ein Rettungshubschrauber sein für die paar Minuten Flugzeit von Klinik zu Klinik. Wir vom Kantonsspital Fribourg verlegten für uns zu komplizierte Patienten ja auch grundsätzlich mit dem Chopper zum Inselspital in Bern, Luftlinie keine 30 km.

Ich fiel bei der Notarztprüfung am von der Feuerwehr sehr realistisch nachgestellten Busunfall fast durch, weil ich meinte, den Schädelverletzten nur mit dem RTW und nicht mit dem Hubschrauber zur Neurochirurgie schicken zu wollen (vorgegeben war nämlich, dass der Unfall direkt vor der Freiburger Feuerwache passiert sei, das hiess, die Neurochirurgie der Uniklinik war damals keine 500 m weit entfernt) ...

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snickerman 16.08.2016, 19:52
16. Widerlich

Zitat von ratxi
Wenn man ein desaströses Entwicklungsland besucht, sollte man der Gleichberechtigung zuliebe nicht erwarten, in einem Notfall, nur weil man Ausländer ist, bevorzugt behandelt zu werden. Wenn man dazu den Wahnsinn Olympia noch mitmacht und sich im Auto nicht einmal anschnallt, ist das Passierte zwar trotzdem schlimm, aber doch dem Opfer zum großen Teil selbst zuzuschreiben.
Ihr Kommentar ist widerlich und menschenverachtend. Schämen Sie Sich!

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jawollja2014 16.08.2016, 19:57
17. Die Brasilianer...

... sind zwar medizinisch völlig unterversorgt, dafür können sie sich aber demnächst die Wartezeit auf ihre Operationen in Super-Sportstätten vertreiben. Wie aus gewohnt unterbelichteten Kreisen zu erfahren ist, begrüßt das IOC diesen Umstand auf das Ausdrücklichste, da Sporttreiben einen wertvollen Beitrag zur Gesunderhaltung darstellt.

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gigi76 16.08.2016, 20:00
18. Unfallhergang und so weiter

Henze wurde aus dem Auto geschleudert, weil er nicht angeschnallt war. Das war die Hauptursache für seine erheblichen Verletzungen. Die Schuld am Tod nun indirekt der Behandlung im Krankenhaus zu geben ist etwas "billig". Auch in Deutschland hätte er mit diesen Verletzungen kaum oder auch nicht überlebt.
Die Gesundheitsversorgung in staatlichen Krankenhäusern ist in Brasilien kostenlos. Leblon ist eines der gehobensten Stadtteile in ganz Brasilien, das staatliche Krankenhaus, in dem er behandelt wurde ist sehr gut. Natürlich ist das Gesundheitssystem in Brasilien insgesamt nicht auf dem Stand eines westeuropäischen Landes, aber das ist bekannt und das kann man auch nicht erwarten. Im Gegensatz zu Deutschland herrscht im Gesundheitswesen eben auch ein gewisses Wirtschaftlichkeitsdenken vor. Wenn kein Geld da ist, dann muss eben die Versorgung eingeschränkt werden.

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gigi76 16.08.2016, 20:06
19.

Zitat von Rudinik
Leider ist das Drama, das nun Henze passierte Alltag in Brasilien, nicht nur in Rio. Wehe dem, der in dem schönen Land krank oder verletzt wird. Man hätte ihn vermutlich besser direkt in eine der guten und teuren Privatkliniken bringen sollen, dort fehlt es an nichts, wenn man das nötige Kleingeld besitzt. Ich habe lange in Rio gelebt. Einer der vielen Gründe, warum ich dem Land den Rücken gekehrt habe, war die Sorge vor der Abhängigkeit der medizinischen Versorgung. Und was den Sicherheitsgurt im Taxi angeht: Die Gurte hinten werden meist unter der Rückbank verstaut, weil die meisten brasilianischen Fahrgäste sie eh nicht anlegen. Was direkt zum nächsten Thema führt, den Verkehrstoten: pro Kopf und Jahr etwa zehnmal so viel wie in Deutschland.
Wenn sie in Rio gelebt haben, dann wüssten sie, dass ein Krankenhaus in Leblon definitiv nicht schlecht sondern sehr gut ist. Privatkliniken sind außerdem nicht unbedingt besser, es sei denn es geht um SchönheitsOPs, da ist Brasilien relativ weit vorn.
Auch ist ihr Wissen nicht mehr ganz up to date. Sicherheitsgurte sind in Taxis Vorschrift, auch hinten. Es gibt sogar ein Gesetz, dass dem Taxifahrer vorschreibt, den Fahrgast auf Sicherheitsgurte hinzuweisen, Fehlverhalten steht unter Strafe.

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