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Debatte nach Stefan Henzes Tod: Woran das brasilianische Gesundheitssystem krankt
DPA

Der Tod des deutschen Kanutrainers Stefan Henze hat in Brasilien eine Debatte über die staatliche medizinische Versorgung entfacht. Ein Arzt erhebt nun schwere Vorwürfe.

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Grorm 17.08.2016, 13:54
60. Auch an deutschen Unikliniken...

Zitat von yehoudin
kann es dauern bis der Patient beim Neurochirug ist. Oder der Neurochirurg beim Patienten, was an meiner früheren Tätigkeitsstätte in 7 Jahren einmal vorkam. Ansonsten wurde der Patient mitunter in den ansonsten wirklich gut organisierten Schockraum gebracht, eine Schädelhirntrauma- Diagnose gestellt, aber 1. der Krankenwagen der ihn brachte musste weiter und durfte nicht warten, 2. der Transport zum Neurochirug am anderen Ende des Campus musste lange Zeit aus Kostengründen mit dem klinikeigenen Intensivtransport gemacht werden, da vergingen auch mehr oft viel mehr als 30 min.....bis der überhaupt am Schockraum vorfuhr um den Patienten abzuholen. (Ein Krankenwagen von Rettungsdienst hätte das in 10 min geschafft, selbst wenn der erst noch von der Wache hätte losfahren müssen) [...]
Klang ja zunächst wie Freiburg, aber dessen Uniklinik hat
erstens keinen wirklich gut organisierten Schockraum und
zweitens keinen klinikeigenen Intensivtransport - zumindest nicht zu meiner Zeit (1990er), da übernahm das nämlich der Rettungsdienst ...

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iris6000 17.08.2016, 14:04
61. Auch in Deutschland so üblich

Wie schon mehrere Vor-Redner richtig erwähnten, ist auch in Deutschland beileibe nicht jedes größere Akutkrankenhaus mit einer Neurochirurgie ausgestattet. Es ist auch in Deutschland eher die Regel, dass ein Verkehrsunfall erst ins nächste Akut-Krankenhaus mit Traumatologie gebracht wird, dort dann die Erstversorgung zur Stabilisierung des Patienten durchgeführt wird (inkl. Computertomographie als Polytraumaspirale) und dann ggf. über die Verlegung in eine Neurochirurgie entschieden wird. Bei entsprechenden Entfernungen dann natürlich auch mit Hubschrauber. Ist Standard in Deutschland, hat sich bewährt und es wäre unsinnig, jedes kleinere und mittlere Krankenhaus mit kleinen Abteilungen für HNO, Augen, Neuochirurgie, MKG-Chirurgie etc. auszustatten. Auch Deutschland bündelt solche Spezialabteilungen, und viele mittlere Häuser mit 500, 600 Betten haben keine Neurochirugie.

Diesbezüglich ist der Spiegel-Bericht schlecht recherchiert. Ganz offensichtlich ist aber, dass die (nichtgenannten) brasilianischen Ärzte für ihr Haus eine Neurochirurgie haben wollen. So macht man das: der Unfall von Henze wird hier unverschämt instrumentalisiert, um Vorteile herauszuschlagen.

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iris6000 17.08.2016, 14:15
62. Anschnallen!

Mit aller Deutlichkeit: Wenn Fahrer und der zweite Beifahrer nur leicht verletzt sind, weil sie nämlich angeschnallt waren, so zeigt das nur die Bedeutung des Sicherheitsgurtes. Das gilt in Brasilien wie in Deutschland. Aber manche wissen es eben immer besser. Die Presse sollte nicht auf das angeblich schlechte Gesundheitswesen Brasiliens als Schuldigen zeigen, sondern in erster Linie die Schuld am Tod des Herrn Henze bei Herrn Henze selbst suchen.
Vielleicht würde das zumindest anderen Mitmenschen helfen, sich zukünftig anzuschnallen. Niemand hat die Kraft, sich bei einem solchen Unfall im Sitz zu halten. Wenn andere aus dem Tod von Herrn Henze lernen, dann hat er nicht nur 4 Menschen durch seine Organspende gerettet, sondern sogar noch mehr durch sein schlechtes Beispiel.

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Grorm 17.08.2016, 15:51
63.

Zitat von iris6000
[...] Diesbezüglich ist der Spiegel-Bericht schlecht recherchiert. Ganz offensichtlich ist aber, dass die (nichtgenannten) brasilianischen Ärzte für ihr Haus eine Neurochirurgie haben wollen. So macht man das: der Unfall von Henze wird hier unverschämt instrumentalisiert, um Vorteile herauszuschlagen.
Nicht wirklich. Die erste Klinik hat eigentlich eine Neurochirurgie, die jedoch aus Geldmangel geschlossen wurde. Kenne ich aus Freiburg, die Uniklinik hatte eine komplett ausgerüstete Station für Schwerstverbrannte, die wegen geldbedingten Personalmangels eingemottet war. Schwerstverbrannte in Baden mussten in die BG-Klinik Ludwigshafen geflogen werden (off topic: Warum man Schäuble in die Freiburger Orthopädie flog und nicht in diese gleichweit entfernte BG-Klinik, kapiere ich bis heute nicht, vielleicht könnte er heute noch gehen, die Orthopädie Freiburg hatte damals nämlich nicht gerade den besten Ruf, den jedoch hatte eben Ludwigshafen)!

Dafür hatte damals (1990er) die Freiburger Neurochirurgie, als sie noch neben der guten alten Robert-Koch-Klinik (machte dort mein inneres [Onkologie] und chirurgisches [Lungenchirurgie] PJ-Drittel) lag, einen eigenen Hubschrauberlandeplatz extra für ZNS-Verletzte, solche Patienten kamen gar nicht erst in die chirurgische Notaufnahme. Und ja, ich weiss auch, dass das heute ganz anders funktioniert, zumindest in Freiburg ...

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Grorm 17.08.2016, 17:09
64. Da bin ich voll bei Ihnen!

Zitat von iris6000
Mit aller Deutlichkeit: Wenn Fahrer und der zweite Beifahrer nur leicht verletzt sind, weil sie nämlich angeschnallt waren, so zeigt das nur die Bedeutung des Sicherheitsgurtes [...] Vielleicht würde das zumindest anderen Mitmenschen helfen, sich zukünftig anzuschnallen. Niemand hat die Kraft, sich bei einem solchen Unfall im Sitz zu halten [...]
Aber mein Roadster aus dem Jahr 1970 nimmt mir die Entscheidung eh ab:
Wenn sich ein Beifahrer auf den rechten Sitz setzt, leuchtet mit auf dem Armaturenbrett ein rotes Signal auf, das sagt "Fasten Seatbelt!". Allerdings wird auf der Fahrerseite dieser Wagen dann beinahe militant. Schnallt man sich nicht an, erscheint nicht nur das "Fasten Seatbelt!", nein, er blockiert zudem noch die Zündung.
60er Jahre Hightech ... ;-)

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