Forum: Sport
Debatte um die 50+1-Regel: Spiel mit verdeckten Karten
DPA

Der deutsche Profifußball diskutiert am Donnerstag über eine weitere Öffnung der Vereine für Investoren. Aber wer genau debattiert da? Nicht alle Parteien legen ihre Ziele offen. Zeit für ein paar Nachfragen.

Seite 1 von 3
okav 22.03.2018, 06:47
1. Es geht darum mehr Geld zu bekommen

Kippt die 50 plus 1 Regel, ist der Fan nicht mehr Fan sondern Kunde des Investors, der den Kunden Missbraucht indem er ihm versucht noch das Gefühl zu geben Fan zu sein, damit er weiterhin im Stadion die Klatschpappe schwingt für Stimmung sorgt und Merchandising Produkte kauft. Die Fans sollten in diesem Fall die Stadien vermeiden, die Bratwurst schmeckt auch in der Regional- und Kreisliga und der Rest findet sowieso nur im Kopf statt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
J. Hotzenplotz 22.03.2018, 07:13
2. Freier Kick für freie Investoren!

Alle alten Zöpfe abschneiden und nur das Geld bestimmen lassen...dann wird alles besser und wir bekommen endlich BL an jedem Tag der Woche...Und endlich bekommen die Balltreter dann auch mal vernünftige Gagen, Balltretervermittler und Funktionäre natürlich auch! Goldene Zeiten werden abbrechen, oder etwa doch nicht?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
C. V. Neuves 22.03.2018, 07:14
3. Sinnvoll?

In Schottland gibt es auch keine Beschränkungen und auch dort dominiert nur eine Mannschaft. In Italien ist Juventus seit sechs Jahren Meister. In Frankreich hat PSG ein Quasimonopol. In Spanien gibt es ein Duopol von zwei Mitgliedergeführten Vereinen. In Österreich sin die beiden beliebtesten und Mitgliederstärksten Vereine (Austria, Rapid) derzeit eher unter ferner liefen während neben RB Salzburg weitere, relativ wenig populäre Provinzvereine relativ erfolgreich sind. Da sieht man also, dass ein Wegfall von 50+1 ausser neuen Ungleichgewichten nichts bringt.

England ist ein ganz anderer Fall wegen der dort unvergleichbaren internationalen Vermarktung die für andere Ligen nicht möglich ist. Da laufen einige Vereine nur zur Schaffung von Gewinnen für Eigentümer wie die Glazers und Kroenke, die als solches Titel und Pokale als unnötiges Beiwerk ansehen. Die Qatar Dynastie und Abramovich haben Prestige im Sinn.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ludna 22.03.2018, 08:03
4. Es geht beim Profifussball nur noch um Geld,

und nicht um Demokratie oder Mitbestimmung der Klubmitglieder. Ich finde das nicht schlimm, wer mitbestimnen will soll in eine Partei oder seinen Gartenverein eintreten.
Man sollte sich aber seitens der DFL und der Klubs endlich eindeutig positionieren. Wenn man eine Profiliga sein will, dann mit allen Konsequenzen, wie in den USA. Das würde ich ehrlicher und besser finden. Und guten und spannenden Sport gibt es auch in den US-Profiligen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
H. Krämer 22.03.2018, 08:16
5. Fußball - Show oder Sport ?

Verkommt der Fußball zu einer TV-Show, weil man das TV-Geld unverzichtbar zwingend braucht, dann gerät der Sport zur Nebensache.
Fußballvereine als Investment auf Füßen für Milliardäre, denen ihre millionenschwere Bilder oder Yachten nicht mehr genug sind. Die wollen ihr Geld laufen sehen.

TV-Geldgeber bestimmen zusätzlich den Spielplan, damit die Spiele in ein wirtschaftlich optimiertes Gesamt-Event eingebaut werden können; dabei kommt Fußball noch vor, der Fußballanteil wird jedoch austauschbar.
Richtigen Fußball mit allem was dazu gehört erleben wir dann noch in den Ligen unterhalb der Profiebene.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
crazy_swayze 22.03.2018, 08:44
6.

Welches 50+1 denn?
Leipzig hat es ausgehebelt, Wolfsburg und Leverkusen sowieso, Hannover hat es vor, und dann gibt es noch mit Hoffenheim und Hamburg 2 Mannschaften bei denen de facto auch 2 Mäzene das Sagen haben.
D.h. 6 von 18 Klubs umgehen diese Regelung mehr oder weniger direkt, schon heute, wo sie doch noch eigentlich gelten sollte. D.h. 33% der Liga sind heute schon quasi eigentümergeführt.

Im Ausland gibt es diese Regel auch nicht, sie ist also ein Wettbewerbsnachteil. England hat Eigentümer-Vereine schon seit Ewigkeiten, der Untergang des englischen Fußballs steht noch bis heute aus - im Gegenteil.
50+1 ist eine Farce.
Dann lieber Waffengleichheit herstellen und allen Vereinen ihren Mäzen erlauben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Spinnennetz 22.03.2018, 09:19
7. Abschaffung fordern und Exzesse geißeln ist verlogen

Die Gleichen, die jetzt die Abschaffung der 50+1 - Regel fordern, sind wahrscheinlich auch die, die sich mit Krokodilstränen über 222 Mio - Transfers von Neymar nach Paris (und ggf. für 400 Mio im Sommer nach Madrid) beklagen und feststellen, dass das ja keiner mehr verstehe und sich der Fußball ja immer mehr von der Basis entferne. Wenn der moderne Fußball eines nicht braucht, dann ist es noch mehr Geld im System. Das zusätzliche Geld dient nur dazu, einen bereits jetzt mit aberwitzigen Summen geführten Wettbewerb weiter aufzupumpen.
Selbst wenn Menschen wie ich, seit 30 Jahren Stadiongänger, sich kopfschüttelnd abwenden von diesem Zirkus - noch ist zu erwarten, dass die freiwerdenden Plätze von zahlungskräftigen Unterhaltungssuchenden eingenommen werden. Hat in England ja auch funktioniert. Solange geschrieben wird, was für tolle Stimmung im Stadion ist, interessiert auch keinen, was wirklich los ist. Siehe England.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tomaraya 22.03.2018, 09:26
8.

Zitat von crazy_swayze
...Im Ausland gibt es diese Regel auch nicht, sie ist also ein Wettbewerbsnachteil...
Wieso Wettbewerbsnachteil?
Bayern München kann mithalten, der BVB konnte es zumindest für eine gewisse Zeit ebenfalls, und war sogar in der Lage Real Madrid vor zu führen.
Dass dies aktuell nicht der Fall ist und die Bundesliga hinten an steht, liegt meiner Meinung am Unvermögen der Vereine entsprechend zu arbeiten und zu wirtschaften.
Gucken Sie sich doch den HSV an, mehr als genug Geld vorhanden und Tabellen letzter.
Und England hat international auch lange nichts mehr geholt (und wer weiss ob sich das dieses Jahr ändert...), trotz der Milliarden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
carinanavis 22.03.2018, 09:46
9. Völlig unzutreffende

Zitat von C. V. Neuves
In Schottland gibt es auch keine Beschränkungen und auch dort dominiert nur eine Mannschaft. In Italien ist Juventus seit sechs Jahren Meister. In Frankreich hat PSG ein Quasimonopol. In Spanien gibt es ein Duopol von zwei Mitgliedergeführten Vereinen. In Österreich sin die beiden beliebtesten und Mitgliederstärksten Vereine (Austria, Rapid) derzeit eher unter ferner liefen während neben RB Salzburg weitere, relativ wenig populäre Provinzvereine relativ erfolgreich sind. Da sieht man also, dass ein Wegfall von 50+1 ausser neuen Ungleichgewichten nichts bringt. England ist ein ganz anderer Fall wegen der dort unvergleichbaren internationalen Vermarktung die für andere Ligen nicht möglich ist. Da laufen einige Vereine nur zur Schaffung von Gewinnen für Eigentümer wie die Glazers und Kroenke, die als solches Titel und Pokale als unnötiges Beiwerk ansehen. Die Qatar Dynastie und Abramovich haben Prestige im Sinn.
Vergleiche. Länder mit 5 - 8 Millionen Einwohner und 12 bzw. 10 Vereinen kann man schon gar nicht zum Maßstab machen. Tatsächlich dominierten Celtic und Rangers (vor dem Zwangsabstieg) die Schottische Liga seit mehr als 30 Jahren. Bei Red Bull Salzburg dürfte eher das moderne Fussballkonzept mit Fussballakademie guter Nachwuchsarbeit etc. den momentanen Vorteil bringen. Doch wie gesagt, diese Ligen sind klein in einem kleinen Markt. Gerade in Frankreich wurde AS Monaco Meister, sodass das Monopol nicht so ganz hält. Ebenso hat sich in Spanien wenig geändert, schon zu Francos Zeiten dominierten Madrid und Barcelona, ab und zu gewinnt ein anderer Verein, wie jüngst Atletico.

Die Bundesliga würde von neuen Investoren aufgrund der Marktgröße sicher profitieren. Schon die Stärkung von ein zwei Konkurrenten brächte mehr Spannung in den Betrieb, mehr Topspieler könnten gehalten werden. So verkommt die Bundesliga immer mehr zur Ausbildungsliga für die Premier Ligue und La Liga. Der Erfolg in CL und EL ist doch arg bescheiden seit den frühen 2000er Jahren. Ein weiterer Schritt wäre die Aufstockung der Bundesliga auf 20 Mannschaften wie in den 4 anderen großen europäischen Ligen. Mit dem Brexit und dem wahrscheinlichen wirtschaftlichen Niedergang Englands ergibt sich auch hier eine Chance für die Bundesliga, außerdem muss das UEFA Financial Fair Play strenger werden und konsequent umgesetzt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3