Forum: Sport
Deutsche Fechter in Rio: Mit stumpfer Klinge
DPA

Noch nie in den vergangenen 50 Jahren ging es dem deutschen Fechtsport bei Olympischen Spielen so schlecht wie jetzt. Die desaströse Bilanz: null Medaillen.

Seite 1 von 3
schwester arno 11.08.2016, 13:50
1. Schade

Bei der geringen Anzahl an Qualifizierten war sicher nicht mit grossen Sprüngen zu rechnen. Tragisch ist eigentlich, dass es überhaupt keine Mannschaft nach Rio geschafft hat. Schade eigentlich, früher waren die olympischen Fechtwettbewerbe (ausser Säbel :-)) immer ein Highlight für den Westdeutschen Zuschauer. Andere können das halt auch, und Emil Beck ist halt nicht mehr. Man kann ja von ihm halten was man will, v.a wegen der Vorwürfe gegen ihn am Ende seines Lebens, aber sehr guter Trainerfuchs war er allemal

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Direwolf 11.08.2016, 14:01
2. Man muss sich auch mal die Rahmenbedingungen ansehen:

Die Spiteznförderung im DFeB ist eher schlecht, keine Frage. Aber die Probleme liegen doch viel tiefer.

1. Die globale Konkurrenz wird immer größer. Gerade in den ost-asiatischen Ländern bekommt Sport mit dem wachsenden Wohlstand einen höheren Stellenwert.
2. Der Talentpool in Deutschland schrumpft. Zum einen weniger Kinder, dann weniger Sichtung und Förderung und nicht zuletzt auch weniger Bewegungstalent. Ich war selber bestimmt nie eine Sportskanone, aber wenn ich mir die Kinder ansehe, die bei uns zu Anfängerkursen kommen, kriege selbst ich des öfteren das kalte Grausen - Bewegungslegastheniker, die von den Eltern dazu gezwungen werden müssen, das Smartphone wegzulegen sind leider häufiger als Talente.
3. Leistungsfeindlichkeit in Deutschland. Topleistungen werden hierzulande deutlich weniger gewürdigt, als in anderen Ländern und in vielen Sportarten ist Anerkennung das einzige was man gewinnen kann. Bei uns ist eher die "Abbrecherquote" top.
4. Das Nörgelgen. Man schaue sich mal die gesammelten Threats in diesem Forum und sage mir, was sich ein juner Sportler denken soll, wenn der Hauptgegenstand der Kommentierung genörgel ist. So motiviert man keinen zu sportlichen Leistungen.
5. Monokultur Fußball. Im Prinzip werden alle Ressourcen und Talente im Fußball gebündelt. Für die anderen Sportarten bleibt da wenig Raum übrig.

Das Resultat sieht man nicht erst bei Olympia. Bei uns im Fechten ist der Abwärtstrend seit Jahren klar zu sehen, wobei das eher schlechte Fördersystem durch den DfeB auch eine große Rolle spielt

Beitrag melden Antworten / Zitieren
syssifus 11.08.2016, 14:21
3. Sonnenklar,

dass unter einem Volk von ca 1,3 Milliarden Menschen mehr Ausnahmetalente zu finden sind,als unter 81 Millionen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jschm 11.08.2016, 14:24
4. ist eigentlich typisch

"paradiesische Zustände, die man sich in Deutschland einfach nicht leisten könne." Ich würde eher sagen, nicht leisten will. Es wird kein Geld investiert und mit dem Idealismus alleine kann man heute nichts mehr erreichen. Es ist eben wichtiger zu sparen und "sachlich-pragmatisch-emotionslos" zu funktionieren, als Geld und Zeit in so unproduktive Sachen wie Sport zu investieren. Amateure können heute nicht mehr mithalten!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Pusteblume68 11.08.2016, 14:34
5. In ein paar Tagen dann folgen...

die gleichen Artikel zu Schwimmen, Rudern und watweißich. Mal sehen, ob dann jemand der Verantwortlichen merkt, dass nicht einzelne Sportarten das Problem sind, sondern das gesamte Sportfördersystem im Eimer ist.

Wenn man sich mit Sportlern und ihren Erfolgen schmücken will, muss man nun mal Geld und Köpfchen investieren, von beidem nicht zu wenig. Andere Länder haben das begriffen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
karend 11.08.2016, 14:40
6. .

(…) wenn ich mir die Kinder ansehe, die bei uns zu Anfängerkursen kommen, kriege selbst ich des öfteren das kalte Grausen - Bewegungslegastheniker (…)."

Vor Jahren gab es eine Spiegel TV-Reportage über die Kölner Sporthochschule. Was sich einige Anwärter bei der Bewerbung gedacht hatten, ist mir bis heute ein Rätsel. Selbst eine Rolle vorwärts brachten etliche nicht hin. Unglaublich, aber (tragisch) unterhaltsam.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
widower+2 11.08.2016, 15:07
7. Olympische Spiele

Um wieder erfolgreicher zu werden, müsste Deutschland mal wieder Olympische Spiele veranstalten. Vielleicht würde das die Förderung auf Trab bringen. Und zwar dauerhaft. Man sehe sich nur mal die Spanier an, die bis zu den Spielen in Barcelona als große Sportnation quasi nicht existent waren, seitdem aber bei allen Olympischen Spielen ein Vielfaches der Medaillen holten, die es vorher gab.

Die Entwicklung bei den Briten ist (von einem höheren Niveau ausgehend) ähnlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wunsiedel 11.08.2016, 15:09
8. Zum ersten Mal seit 36 Jahren ohne jede Medaille

Diesen Unsinn habe ich auch schon im Videotext von ARD und ZDF gelesen.
Schreiben Sie doch auch mal zum Vergleich, wieviele Medaillen die anderen Sportarten der BRD bei der Olympiade vor 36 Jahren in Moskau erzielt haben. Meines Wissens nach null, da die Bundesrepublik die Spiele 1980 boykottiert hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Knack5401 11.08.2016, 15:12
9. Natürlich wünschte ich mir

auch bessere Ergebnisse unserer Sportler bei Olympia. Man sollte auch die nicht vergessen, die mit einem 4. oder 5. Platz aus dem Wettbewerb gehen. Das ist allemal eine große Leistung. Wenn es jedoch um die Ressource Geld geht, ist das Geld bei der Förderung unserer Kinder z.B mit ausreichend Sportstätten oder Schwimmkursen viel besser investiert. Auch die Sportler selbst sollten über ihre Position im System nachdenken. Im Grunde genommen sind sie die Bauern im Schachspiel ums große Geld (IOC), zum Opfern vorbestimmt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3