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Deutsche Tennis-Krise: Warten auf den neuen Boris Becker
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Seit 20 Jahren warten die deutschen Tennisfans auf einen Grand-Slam-Sieger im Herrentennis. Der ehemaligen Tennisnation gelingt es nicht, Nachwuchstalente zu fördern. Warum?

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Grumpy-critic 24.03.2015, 10:54
20. System-Problem

Das deutsche Tennis war bis auf die wenigen goldenen Jahre mit Boris Becker und Steffi Graf eigentlich nie dauerhaft in der Weltspitze vertreten und wie bereits angemerkt wurde stammten auch diese nicht aus der Verbandsförderung, sondern wurden im privaten Umfeld entsprechend gefördert. Eine ähnliche Situation war es auch bei Tommy Haas und auch jetzt bei Alexander Zverev ist es so, dass er hauptsächlich von der eigenen Familie trainiert und gefördert wird (was mich hoffen lässt). Ihn jetzt aber schon zur alleinigen Hoffnung für das deutsche Tennis zu erheben, ist in meinen Augen fatal. Der Junge hat jetzt schon genug Stress, um sich auf der Profitour zu etablieren, da muss er nicht auch noch als Messias für den DTB herhalten. Ich arbeite selbst ehrenamtlich als Jugendwart in meinem Heimatverein und als Trainer und dabei stelle ich regelmäßig mehrere Dinge fest. Tennis wird immer noch als eine Art "Elitensport" angesehen. NAhezu alle Mitglieder in unserem Verein stammen mindestens aus der "Mittelschicht", Arbeiterkinder stoßen kaum dazu, obwohl ich sehr aktiv in die Grundschulen und Kindergärten gehe und versuche dort neue Spieler für den Sport zu begeistern. Und wenn ich dann an diese Kinder komme, ist es enorm schwer sie dabeizubehalten. Tennis ist am Anfang für viele Kinder ein sehr mühsamer Sport im Vergleich zu anderen Sportarten wie Fußball. Da zieht man dem 6-jährigen Kind am Wochenende nach dem ersten Training ein Trikot an un er rennt gemeinsam mit 13 anderen Kids dem Ball nach und jeder glaubt er ist der nächste Messi. Beim Tennis muss ich erst einmal die Technik erlernen und es dauert ziemlich lange, bis ich erste Ballwechsel spielen kann trotz vernünftiger neuer Konzepte wie Play+Stay, die den Einstieg im Vergleich zu meiner Anfängerzeit erheblich spaßiger und einfacher gestalten. Dass die Kinder über diese erste Phase dabeibleiben hängt auch stark von dem Elternhaus ab, das dahintersteht, aber wenn ich mir von denen dann nach der 5. Trainingsstunde die Frage anhören muss, warum die Kinder immer noch nicht richtig Tennis spielen können und dass andere Sportarten wohl doch besser geeignet wären, ist es schwer die Kinder bei der Stange zu halten.

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dr.ideen 24.03.2015, 11:05
21. Bildungsauftrag

Wie sollte sich denn ein durchschnittliches Kind für eine Sportart begeistern lassen, wenn z.B. im Fernsehen nicht mal Übertragungen von den in Deutschland stattfindenden Tennis-Turnieren zu finden sind?!
Generell wird die Vielfalt des Sports in den öffentlichen kaum beleuchtet - dafür aber für Übertragungsrechte von Fußball Millionen ausgegeben...so ist es mit dem Bildungsauftrag!
Den Auftrag des Schulsportlehrers diese Vielfalt zu beleuchten kann jeder aus eigener Erfahrung bewerten.

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mein_standpunkt 24.03.2015, 11:18
22. Überall nur Hasenfüße

Vorab: Der Artikel ist total miserabel recherchiert, teilweise falsch und oberflächlich. Dann bitte lieber nichts schreiben oder Content von anderen Medien zukaufen.
Wieso liegt es am Geld? Der französische Tennisverband macht es seit Jahrzehnten vor. Talentförderung nach Leistung - ohne Ausnahmen. Weniger Tennisspieler in der Masse, aber gut 10 Spieler (Herren) in den Top 300 der Welt.
Das geht im DTB nicht. Hier herrscht Vetternwirtschaft, "regionale Fürsten" bei Trainern und Funktionären bestimmen nach Gutsherrenart und Nasenfaktor, wer wie und ob jemand gefördet wird. Bei den meisten Trainern geht es um die eigene Existenzsicherung, um genügend bezahlte Trainerstunden zu bekommen.
Grundsätzlich stinkt der Fisch vom Kopf. Und das seit Jahrzehnten. Die DTB Führung hat nie genug Sebstbewußtsein (und wohl auch Macht), um eine Umstrukturierung vorzunehmen.
Jüngstes Beispiel: Davis Cup Team Deutschland

Der neue DTB Vorstand setzt nach dem konstruierten Rausschmiss von Ariens auf Senioren wie Pilic, Thränhardt und unerfahrene Trainer. Anm.: Welche Qualifikationen oder gar Referenzen hat eigentlich Thränhardt für modernes Tennis-Fitnesstraining?
Herrn Ariens fiel der DTB in den Rücken, indem man ihm in der unleidlichen Diskussion mit dem Egomanen und Taktiker Kohlschreiber (inkl. Manager) nicht den Rücken stärkte. Kohlschreiber wollte nun gegen Frankreich unbedingt spielen, obwohl nach Krankheit körperlich stark geschwächt und weit unter Form. Die Gründe liegen auf der Hand: neben dem eigenen Ego, sind da auch die Erwartungen des neuen Ausrüsters und Sponsoren. Kohlschreiber brauchte unbedingt TV-Zeiten, egal wie das Ergebnis für Deutschland ist. Ihm sind die Davis Cup Ergebnisse egal, wie ja auch der Nichtantritt mit Haas im Davics Cup zeigten. Mut zu Neuem und zu Neuen fehlt dem DTB seit jeher, momentan geprägt durch den Rückfall in, zum Glück, eigentlich vergessene Zeiten.
Ariens dürfte sich nach 2 Spieltagen bestätigt fühlen - mit Recht! Ohne einen 100% fitten Kohlschreiber hat Deutschland keine Chance gegen Frankreich. Diese Einsicht bzw. dieses Wissen fehlt, oder wird aus falsch verstandener Loyalität zur deutschen Nummer 1 bewußt ignoriert, zum Nachteil des deutschen Tennisnachwuchses. Hier hätten junge Spieler rechtzeitig rangeführt werden und erste Erfahrungen holen können.
Leider ist zu befürchten, dass der DTB aus der Aufstellung und der mehr als gerechten Niederlage nichts lernt - auch das hat in diesem konservativen Verband schlechte Tradition.

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Peter Eckes 24.03.2015, 11:35
23. .

Zitat von Lankoron
Wann hat eine zuletzt ein grösseres Turnier gewonnen?
15. Februar 2015 - Andrea Petkovic - WTA Premier - Antwerpen. Soviel dazu.

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derkunkel 24.03.2015, 12:10
24. Willste Leistungssport brauchste Breitensport

@Grumpy-critic:
Bis jetzt der erste kompetente Kommentar, man merkt einfach, wenn jemand die Materie kennt.

Als Breitensportwart und Trainer hier mal so ein paar Sachen von mir:

Becker und Steffi sind Produkte eines ersten Booms in den 70er Jahren in dem ca. 5000 Vereine entstanden sind, weil die Mittelschicht erstmals das Geld und auch die Zeit hatte, Tennis zu spielen. Leider war das Pack in den Traditionsklubs nicht willkommen und musste daher eigene Vereine gründen.

Wie Grumpy-Critic schon andeutete waren unsere bisherigen Topten-Spieler kein Produkt der Verbände, sondern von durchgeknallten Vätern und Mamas, hoch engagierten Trainern, Vereinsfunktionären und auch Sponsoren. Um in die Topten zu gelangen muss viel zusammenkommen. Spielerisches Talent, ein stabiler, widerstandfähiger Körper, gute Psyche und eben Kohle, Kohle und nochmals Kohle. Fußballprofi oder Topten-tennis? Fußballprofi, da verdient man mehr. Als Fußballprofi musst du kein Training bezahlen. Selbst das Verbandstraining im Tennis kostet die Eltern Geld. Ausstatterverträge gibt es auch nicht mal eben so.
Die Aussage der Dame es läge am Geld, verstehe ich eigentlich nicht, denn das Geld zahlen oft die Eltern.

Ich kann eben nur eine so tolle Mannschaft spielen lassen, wenn ich genug Geld einnehme. Und jetzt sind wir beim Thema Breitensport. Die Breitensportler bringen Beiträge und kosten so gut wie nichts. Je mehr Breitensportler ich habe, desto mehr Talente kann ich fördern. Je mehr Breitensportler ich habe, desto größer ist die Chance Talente zu entdecken.

Die Verbände sehen ihre Ursprünge nicht mehr. Nordwest hat vor 2 Jahren auf einer Sportwarteversammlung festgestellt, dass der Breitensport wichtig sei, nur, geändert haben sie nichts.

Es gäbe hier vieles zu diskutieren.
@mein_standpunkt:
Einfach mal in den eigenen Verein gucken und gaaaanz wichtig: Selbst was machen. Dieses Konspirations- und der ist Schuld-geblubber führt zu nichts.
Das ist Couchgeflüster, wie bei den 80 Mio. Fußballtrainern.
In Südfrankreich kann ich das ganze Jahr auf Sand spielen, in Ostfriesland, HH, HB und SH eben nicht.

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widower+2 24.03.2015, 12:35
25. Es lag schon immer am Geld

Ich hätte als sehr sportliches Kind unglaublich gerne Tennis gespielt, nur war das als Kind einer alleinerziehenden Mutter völlig ausgeschlossen. Die Vereine in meiner Heimatstadt verlangten teilweise Aufnahmegebühren, die das Jahreseinkommen meiner Mutter in den Schatten stellten.

Später sah ich dann in den USA und Kanada Tennisplätze, die man einfach so und kostenlos benutzen konnte wie bei uns die Wippe auf dem Spielplatz. In Spanien sah ich dann Plätze, die man für umgerechnet 2 DM pro Stunde mieten konnte. Dort spielte ich mit 20 Jahren erstmals Tennis mit meinen Kumpels. Und das für ca. 4 Monate bis zu vierimal die Woche.

Danach schlug ich einige meiner reichen Schulfreunde mühelos, die seit 8 oder mehr Jahren im Verein spielten.

Die spielten oft aber auch nur, weil die Eltern es so wollten und es einfach zum guten Ton gehörte. Dass da keine Wimbledonsieger herauskommen, ist wohl klar.

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Grumpy-critic 24.03.2015, 12:56
26. Geld

Die Antwort, dass es zu viel kostet, habe ich häufig bekommen. Bei uns im Verein habe ich dafür einen Hilfsfond eingerichtet, der von Spenden lebt und finanziell Schwächere bei den Beiträgen unterstützt, wenn die Abteilungsleitung der Meinung ist, dass dies gerechtfertigt ist. In vielen Fällen ist es nämlich viel mehr so gewesen, dass es gar nicht darum ging, dass es objektiv zu teuer war, sondern von den Eltern, die monatlich 40 € fürs Fitnessstudio zahlen, zu viel für die erhaltene Leistung (Plätze durchgängig nutzbar, 15 Trainerstunden in 3er Gruppen für 150€) Trotzdem müssen sich die Vereine mit Unterstützung der Verbände mit diesem Thema befassen, aber das ist nur umsetzbar, wenn das durch starkes ehrenamtliches Engagement getragen wird, was aber gefühlt zurückgeht.

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widower+2 24.03.2015, 13:15
27. Schon besser

Zitat von Grumpy-critic
Die Antwort, dass es zu viel kostet, habe ich häufig bekommen. Bei uns im Verein habe ich dafür einen Hilfsfond eingerichtet, der von Spenden lebt und finanziell Schwächere bei den Beiträgen unterstützt, wenn die Abteilungsleitung der Meinung ist, dass dies gerechtfertigt ist. In vielen Fällen ist es nämlich viel mehr so gewesen, dass es gar nicht darum ging, dass es objektiv zu teuer war, sondern von den Eltern, die monatlich 40 € fürs Fitnessstudio zahlen, zu viel für die erhaltene Leistung (Plätze durchgängig nutzbar, 15 Trainerstunden in 3er Gruppen für 150€) Trotzdem müssen sich die Vereine mit Unterstützung der Verbände mit diesem Thema befassen, aber das ist nur umsetzbar, wenn das durch starkes ehrenamtliches Engagement getragen wird, was aber gefühlt zurückgeht.
Heutzutage ist Tennis gerade auf dem Land oder in Kleinstädten auch nicht mehr so exorbitant teuer wie früher. Kostspielig ist aber immer noch.

Die von Ihnen genannten 150 Euro sind immer noch das 25-Fache des Monatsbeitrags für einen Fußballverein, in dem die Kinder heutzutage zudem die Wettkampfbekleidung und zuweilen auch die Trainingsbekleidung gestellt bekommen.

Das geht aber nur mit viel ehrenamtlichem Engagement, an dem es in den Tennisvereinen augenscheinlich fehlt, sowie mit der Hilfe diverser Sponsoren.

Letzteres dürfte schon daran scheitern, dass Trikotwerbung im Tennis wohl noch verboten ist und die meisten Tenniseltern wohl Schreikrämpfe bekämen, wenn ihre Sprösslinge mit "Lidl" oder "KIK" auf der Brust dem Ball nachjagen würden.

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derkunkel 24.03.2015, 13:17
28.

Zitat von widower+2
Ich hätte als sehr sportliches Kind unglaublich gerne Tennis gespielt, nur war das als Kind einer alleinerziehenden Mutter völlig ausgeschlossen. Die Vereine in meiner Heimatstadt verlangten teilweise Aufnahmegebühren, die das Jahreseinkommen meiner Mutter in den Schatten stellten.
So was kenne ich von früher auch, aber es hat sich da schon einiges getan. Ja, es gibt Vereine, die viele Geld verlangen, aber es gibt noch mehr kleine Vereine oder Sparten großer Vereine, die es Kinder und Jugendlich für wenig Geld Sport zu machen. Bei uns im Norden liegt der Beitrag bis 18 zwischen 65 und 120 Euro, zzgl. Training.

Training mit einer Einheit in der Woche liegt zwischen 15 und 25 € im Monat.

Wir haben aber festgestellt, dass die Kinder die größten Fortschritte machen, die am häufigsten nebenher spielen. Mit dem Wissen um den Nachwuchsmangel dürfen die Kinder bei uns zu jeder Zeit auf jeden Platz (Revolution!!!)

Wir sind in einem sogenannten Problem-Stadtteil, da muss man schon sehen, wie man die Kinder unterstützt. In Bremen gibt es auch die blaue Karte, nur die wenigsten Eltern können sich vorstellen, dass Tennisvereine diese auch akzeptieren. Dann gibt es noch Zuschüsse von den Sportbünden. Dafür müssen sich die Eltern aber ganz schön nackig machen. Aber es gibt die Möglichkeiten.

Fußball kann auch teuer sein, Gruppenzwang mit den richtigen Fußballschuhen etc.
Im Vergleich zu früher (30 Jahre) ist Tennis billig geworden. Die Schläger sind deutlich billiger, halten länger. Die Bälle halten länger. Man muss nicht in weiss auf den Platz. Die Vereine müssen nur mal die Wahrnehmung der Menschen verändern.

Für Erwachsene möchte ich hier noch mal das Konzept TennisXpress ins Rennen werfen. Es ist eine Weiterentwicklung vom Play&Stay für Kinder. Vlt. sollte der DTB sich mal Gedanken machen, ob deutsche Namen nicht sinnvoller wären

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derkunkel 24.03.2015, 13:26
29.

Zitat von derkunkel
Bei uns im Norden liegt der Beitrag bis 18 zwischen 65 und 120 Euro, zzgl. Training. Training mit einer Einheit in der Woche liegt zwischen 15 und 25 € im Monat.
Jahresbeitrag, konnte ich nicht ändern.
Und einige Turnvereine mit Fußball und Tennis unterscheiden sich im Beitrag nur marginal. Beim Tennis kommt aber auch das Training noch dazu. Es ist aber auch ein Unterschied, ob ein engagierter Papa ohne Ausbildung 20 Kinder kicken lässt oder aber ein Lizenztrainer 3-6 Kinder unterrichtet.

Es fehlt das Wissen, oft ist tricking oder Inlinern teurer als Tennis. Fitnessstudios, der derzeitige Burner unter den Jugendlichen und echte Konkurrenz zum Tennis bis 40, sind oft deutlich teurer. Vor allem, wenn man nicht hingeht.

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