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DFB-Elf vor Schweden-Spiel: Das Herz fehlt
DPA

Die deutsche Nationalmannschaft könnte schon am Samstag bei der WM ausscheiden. In Deutschland arbeitet man sich vor allem negativ an der Mannschaft ab. Wie kommt das?

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drmedmabuse 22.06.2018, 11:10
10. Stimmt

Schöner Artikel, der auch genau meine Empfindungen widerspiegelt. Seit Bierhoff für das "Marketing" und die Aussenwirkung zuständig ist, ist aus der Nationalmannschaft ein Unternehmen geworden. Natürlich war sie das auch schon zuvor, aber nun verströmt das Ganze einen aalglatten McKinsey-Charme. Keine Identifikationsfiguren mehr, vielleicht noch Müller, Boateng und auch Hummels. Vor zwei Jahren war ich mit meinem kleinen Sohn beim EM-Vorbereitungsspiel gegen die Slowakei in Augsburg. Dafür dass dann da eine B-Mannschaft gespielt hat, waren die Karten unverschämt teuer und man wurde vor dem und im Stadion von den Sponsorenhorden penetriert. Beim FCA kommt da deutlich mehr Fussballfreude auf.
Zudem spielt bei dieser WM natürlich auch die Posse um Özil und Gündogan eine Rolle. Und nein, es hat nichts mit Rassismus zu tun, wenn man das Vorgehen der beiden negativ kommentiert und auch die Pfiffe kann ich verstehen. Wenn man dann sieht, wie Sandro Wagner seine Nichtnominierung zu Herzen geht, findet man das Vorgehen der beiden noch unverständlicher und einfach nur dreist. Der Auftritt im (deutschen) Nationaldress bringt aber natürlich Sponsorenkohle und erhöht den Marktwert. In einer Nationalmannschaft spielt man für und repräsentiert sein Land, auch wenn sich das etwas geschwurbelt anhört. Und auch wenn man das bei SPON anders sieht, aber gerade diese Identifikation mit dem Team unter dem grossen Schirm der Nationalelf macht doch eine EM und WM so schön und hat in der Vergangenheit für wahnsinnig spannende und große Momente gesorgt. Was das dann wieder mit Nationalismus zu tun haben soll, ist mir völlig unverständlich. Jede andere Fussballnation ist stolz auf ihre Nationalmannschaft. Aber diese derzeitige deutsche Elf und ihr Umfeld inkl. Trainer macht es einem sehr schwer, mit ihr mitzufiebern...

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Haarfoen 22.06.2018, 11:11
11. Der Manager und der Charme einer Unternehmensberatung

Wirklich gut getroffen, musste herzhaft lachen. Diese Worthülsen und das Marketing- Gelaber sind gähnend langweilig, steril und die Spieler führen auch nur aus, was ihnen in irgendwelchen Rhetorik- Kursen beigebracht wurde. Das will man als Hobby- Kicker nicht sehen und nicht hören. Das riecht nicht nach Rasen und Leidenschaft, es bereitet einfach keine Freude dem Treiben zuzuschauen. Dabei ist es eigentlich völlig egal, ob "Die Mannschaft" verliert oder nicht, man kann auch als schlechte oder unglückliche Mannschaft sympathisch aus einem Turnier ausscheiden. Das ganze Geld und Typen wie Manager Herr B. und Trainer Herr L. ersticken jegliche Empathie und lassen ein Spiel zu einem Verwaltungsakt verkommen. Wie in einem Konzern werden Querdenker und nicht kompatible Querulanten ausgemustert, ein Sané musste daheim bleiben und wir sehen nur gut frisierte "Mega- Profis" auf dem Platz. Da schlafen einem wirklich die Füße ein.

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anselmi 22.06.2018, 11:12
12.

Jungs, Ihr habt es in der Hand Historisches zu schaffen. Dass beide Finalisten bei der Folge-WM in der Vorrunde scheitern, hat es noch nie gegeben. Aber wie sagte der Jogi auf der PK nach dem Mexiko-Spiel: "Wir werden es schaffen!"

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Howard Brubaker 22.06.2018, 11:13
13. Viele richtige Gedanken

Der Autor bringt viele richtige Gedanken in seinen Artikel. Es ist ja wirklich komisch. Man ärgert sich über die Niederlage gegen Mexiko aber viele denken innerlich "Siehste!". Da ist doch vorher schon viel passiert bei den Fans. Vielleicht ödet es viele an, dass bei der Nationalmannschaft viel zuviele andere Dinge die Schlagzeilen bestimmen: Das modische Outfit von Jogi Löw (mit oder ohne Schal), der Super-Business-Stil von Bierhoff, die gestelzten unendlich langweiligen Presse-Statements der Spieler, die absolute Unfähigkeit Pleiten wie gegen Österreich oder Saudi-Arabien deftig aufzuarbeiten (der Franz oder der Uli wären seinerzeit total ausgerastet), die politische Korrektheit aller Jogi-Statements, die selbst die Super-Leerformeln von Merkel ("die Welt wartet nicht auf uns") locker toppen, das Haarstyling der Spieler und die totale Profillosigkeit in den Äußerungen des Einzelnen. Ach ja, und dann noch die tolle Botschaft am Bus ("die Mannschaft"), die Endlos-Debatte ob man von einem Nationalspieler nicht erwarten kann/muss die Hymne mitzusingen oder den Fans zu zuwinken. Dazu der Eindruck, dass 10-Millionen-Euro-Kicker es immer noch nötig haben für Kartoffelchips Reklame zu machen und die langweiligen Sammelbilder in diesem langweiligen Sammelheft. Und auf die Fanmeile gehen doch die meisten auch nur, weil man ihnen sagt, dass das "in" ist. Die deutsche Mannschaft ist politisch/moralisch super-korrekt, geschäftlich super-tüchtig und auf dem Feld und außerhalb super-langweilig. Trotzdem drücke ich ihnen gegen Schweden die Daumen. Komisch.

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bayerns_bester 22.06.2018, 11:14
14.

Sicherlich zum Teil richtig. Generell muss man aber auch sehen, dass es einfach auch Teile in der Bevölkerung gibt, die sich an der Mannschaft abarbeiten, weil eben inzwischen zahlreiche "Passdeutsche" im Team sind, die in den Augen dieser Bürger "gar keine echten Deutschen" sind. Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass nach einem durchweg schlechten Spiel aller Spieler dennoch diese Spieler dann im Fokus dieser Leute stehen, was Kritik angeht. Und warum würde ein anderer Teil der Bevölkerung (dazu gehöre ich) im Fall des Vorrundenausscheidens nicht trauern? Wer das Spiel SWE gegen KOR gesehen hat dürfte mitbekommen haben, auf was für einem niedrigen Niveau diese Teams gespielt haben. Sollte die NM nicht in der Lage sein, diese beiden Gegner trotz ihrer hervorragenden Einzelspieler zu schlagen, hätte sie das Weiterkommen auch nicht verdient. Das wäre dann kein Grund zur Trauer, sondern vielmehr ein Anlass, alles kritisch zu hinterfragen. Etwa, ob die Kadernominierung richtig war oder gewisse taktischen Entscheidungen des Trainers. Aber das ist ein anderes Thema...

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Vin1Vega 22.06.2018, 11:16
15. Jetzt mal langsam

Wir haben gerade mal ein Spiel verloren und noch alle Möglichkeiten. Klar, hat das Thema eine gewisse Relevanz in Deutschland, aber auch Nationalspielern darf man mal erlauben als Kollektiv zu versagen. Ist mir echt auch schon passiert, nicht nur im Kollektiv! Ich denke auch anderen. Jetzt macht sie doch bitte nicht alle so radikal fertig. Finde übrigens krass, dass es manch einer nun so darstellt, dass man gar nicht anders könne als schadenfroh zu sein, als wäre es eine natürliche Reaktion weil die Mannschaft ja kein Herz hat. So ein Quatsch. Ist ja jeder noch selbst verantwortlich für eine respektvolle Reaktion. Wer das kann der kann, wer nicht, nicht. Und zum Thema Charme einer Unternehmensberatung: Ja, das ist absolut richtig. Heutzutage durchlaufen 17jährige Profis Medientrainings, um bloß keine Ecken und Kanten mehr zu zeigen. Aber, dass dies hier kritisiert wird ist doch absurd. Die Presse hängt doch an jeder Silbe der Spieler - und wehe da wird im Eifer des Gefechts etwas gesagt, was nicht konform ist wird das über Wochen hinweg von allen Journalisten und "Experten" zerrissen und der Spieler trägt die Rechnung. Selbst Schuld, fällt mir da nur ein!

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Taugur 22.06.2018, 11:16
16. Die Mannschaft ist ein Spiegel

"Die Mannschaft" ist ein Spiegel von "Das Land".

Zitat:
"Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger waren vermutlich die Letzten, die mit ihrer Art in der Nationalelf die Anhänger noch mitnehmen konnten. Jetzt gibt es höchstens noch Thomas Müller, bei dem man sich vorstellen kann, dass die Fans in Strömen kommen, wenn der DFB dereinst mal sein Abschiedsspiel organisieren sollte."

Schon das Wort "Nationalelf" ist völlig überkommen.
Moderne Mannschaften aus England, Deutschland oder Frankreich sind völlig austauschbar. Genauso wie erfolgreiche Championsleague Mannschaften. Das sind reine Marketingvehikel.

Da gibt es emotionale Bindungen nur noch an einzelne Spielerstars. Und evtl. noch in verschiedenen Gruppen - also in Bayern findet man tendenziell Müller cool, in Kreuzberg eher Özil.
Aber für großes Gemeinschaftskino taugt das nicht mehr.
Aber das ist ja auch erklärtes Ziel, sowohl in der Politik als auch im DfB, oder?

Solche "National"mannschaften im alten Stil kommen noch aus Island, Kroatien oder Mexico :-)

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majorfabs 22.06.2018, 11:18
17. Danke!

Zitat von jeze
Können vielleicht alle mal auf dem Boden bleiben? Was ist denn passiert? Nach einer gewonnenen WM, einer erstklassigen WM-Qualifikation, dem Gewinn des Confed-Cups hat die Mannschaft mal ein paar schlechte Spiele gezeigt. Warum soll denn jetzt auf einmal alles falsch sein, was vorher richtig war? Vielleicht muss man einfach auch mal anerkennen, dass Dinge richtig gemacht werden und die Protagonisten trotzdem nicht immer in der lage sind bestleistungen zu erbringen, weil es eben auch nur Menschen sind.
Genau so ist es. Es ist (noch) überhaupt nichts passiert. Sie waren schlecht, ja, ok, und? Wäre es gegen Mexiko ein 1:1 geworden, hätte jeder gesagt: ja, das ist ok, ist ja auch der stärkste Gegner und man hätte weiterwursteln können. Das geht jetzt eben nicht mehr und es war ein ordentlicher Wachrüttler. Ab jetzt zählt es. Bei jedem Spiel, egal wie der Gegner heißt.

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VincentA 22.06.2018, 11:21
18. Die Entfremdung...

...zwischen einem immer irrwitzigen Fussball-Business, in dem die Marktwerte von Spielern dreistellige (!) Millionenhöhe erreicht haben und in dem teure Übertragungsrechte die TV-Berichterstattung zur Marketingshow werden lassen, wird noch weiter zunehmen. Die Vereine haben noch den Vorteil der historisch gewachsenen Bindung an die Clubs, da macht der Fan - noch - jede Narretei bei Ablösesummen und Vermarktung mit. Die Nationalmannschaft eignet sich als Identifikationsstifter schon heute immer weniger, wenn aus ihr groteskerweise die "Mannschaft" wird, weil offensichtlich das Wort National im vergifteten politischen Klima in Deutschland nicht mehr wertfrei ausgesprochen werden darf.

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yoda56 22.06.2018, 11:23
19. Das "Herz" der Mannschaft von 2014 bestand aus...

...Klose, Lahm, Mertesacker und Schweinsteiger. Keiner der aktuellen Akteure hat nur ansatzweise den Charakter dieser Spieler. Das Ergebnis können wir seit 4 Jahren sehen, daran ändert auch eine problemlose Qualifikation gegen biedere Gegner überhaupt nichts - wer wundert sich darüber eigentlich.

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