Forum: Sport
Doping in der DDR: "Einige haben probiert, sich den Arm zu brechen"
laif/ Aurora

28 Jahre nach Ende der DDR kämpfen viele ehemalige Sportler immer noch gegen die Nachwirkungen des Dopings - und für ihr Recht. Und immer noch haben viele Angst, gegen die damaligen Trainer und Ärzte auszusagen.

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maximovie 03.05.2017, 18:15
1.

Ihr wollt doch nur unsere schöne DDR kaputtmachen". Also sorry, das klingt sowas von naiv und klischeeartig, so redet doch heute kein Mensch. Ich kenne selbst zwei Exleistungsportlerinnen, habe auch von Trainingsmethoden jenseits einer Anerkennung der Persönlichkeit des jungen Sportlers gehört. Trotzdem sollte man die Berichterstattung auf einem sachlichen Niveua halten. Klar schweigen die Leute, aber die reden doch deswegen nicht wie kleine Kinder oder senile Rentner.

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ladozs 03.05.2017, 18:41
2. Leben und Sterben mit der Lüge

Auch so ein Thema, bei dem man leicht die Wände hoch gehen kann.

Es gab sicherlich Fälle, bei denen der oder die Betroffene die Zusammenhänge der staatlich verordneten Leistungssteigerung nicht erkennen konnten,.Hier vor allem natürlich die Kinder und Jugendlichen.

Wo aber waren die Eltern? Haben die Mädchen und Jungen niemals Zuhause von den Einnahmen der Pillen und den Qualen des Trainings berichtet. Welcher Erziehungsberechtigte lässt den von Trainern sein Kind über einen längeren Zeitraum mit Medikamenten vollstopfen? Oder waren die betroffenen Eltern alle vom Sieg des Sozialismus überzeugt und nahmen Kollateralschäden am eigenen Nachwuchs in Kauf?Oder waren es die Privilegien, die mit der Kaderzugehörigkeit in Verbindung standen? Ein zusätzlicher Broiler in der Woche, eine verkürzte Wartezeit auf einen Trabi oder eine Dreiraumwohnung in Kyritz an der Knatter?

Auch bei den älteren Sportlern will niemand etwas von diesen Mitteln bemerkt haben? Die ungeheure Leistungssteigerung, die Veränderungen am eigenen Körper? Wir haben alle noch in Erinnerung, wie die Damen der Schwimmerriege aussahen, hat ja nur noch der Oberlippenbart gefehlt.

Ein Höhepunkt ist sicherlich die tragische Geschichte des Herrn Bonk, ein Sportler, der Opfer und Täter in einer Person war. Er zahlte für seine unwidersprochene Akzeptanz des Ungeheuerlichen mit seinem Leben, betrog aber auch eine ganze Generation von Gewichthebern um die Früchte ihres Einsatzes.

Es mögen unglückliche Existenzen unter den den dopenden Sportlern gewesen sein, aber der gern verbreitete Glauben von der Unschuld und vom Nichtwissen gehört sicherlich in die Märchenrubrik.

Verquer auch das Weigern der damals Betroffenen im Jahre 2017 die Namen der Verantwortlichen zu nennen! Das sagt doch eigentlich alles!

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dajafung 03.05.2017, 18:43
3. Mentalitätsfrage

Also ich lebe seit 1994 in Sachsen-Anhalt und das gerne. Aber die Sprüche wie toll vom Brötchen bis zum Teamgeist alles gewesen ist und das es Defizite nicht gab bekomme ich jeden Tag xmal zu hören. Auch von 20jährigen. Eine sachliche Diskussion ist unmöglich - ehrliche Reflexion undenkbar. Meine Oma die 97 Jahre alt war hat bis zum Schluss den Holocaust verdrängt - "der Adolf hat die ganzen Arbeitsplätze geschafft und von KZ's hat sie nichts gewusst."
Aber wenn man sich die TeamTelekom Story und die Freiburger Ärzte im Bereich Sportmedizin anschaut - viel ehrlicher ging es da auch nicht zu.

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Hombremoya 03.05.2017, 18:48
4. Wer ist hier naiv?

Sehr geehrter Herr oder Frau maximovie,
Ich befürchte Sie sind - leider - selbst naiv. Ich kenne auch persönlich drei (eine davon sehr gut) ehemalige Hochleistungssportler, und würde man ihre Bemühungen um Anerkennung des Dopingopferstatus verfolgen (googlen reicht da), findet man genügen Interviews und Artikel die diese Haltung wiedergeben. inklusive ein DDR-Verteidungsreflex der irgendwie bekannt vorkommt: "Es war ja nicht alles schlecht damals..."
Ich kenne den Kampf dieser Menschen und Ihr Leiden, und den Inhalt des Artikels gleich wieder mangels "Nievua" (sic!) abzuwerten ist traurig.
Hochachtungsvoll

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ergo-oetken 03.05.2017, 19:06
5. Übergriffigkeit ist - auch - ein Erfolgsprinzip

Bürgerschaftlich Engagierte wie Frau Geipel und Frau Scheller beweisen ein Höchstmaß an Zivilcourage. Ihr Kampf erinnert nicht von ungefähr an den, wie ihn die Opfer des Pharmariesen Bayer-Schering wegen eines Mittels, das im „Westen“ als Duogynon bekannt war und in der DDR für illegale Medikamentenversuche verwendet wurde führen http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-980143.html Es wäre ein glattes Wunder, wenn die jeweiligen Sportfunktionäre der BRD und der DDR nicht genauso klammheimlich koopertiert hätten, wie ihre KollegInnen aus der Politik. Der eiserne Vorhang war für eine Gruppe besonders skrupelloser Geschäftemacher von großem Vorteil. Gehandelt wurde mit allen Arten von Waren http://www.dw.com/de/ddr-als-billigl...ten/a-15931955 und eben auch mit Menschen. Die Widerstände, auf die die Opfer des Leistungssports treffen, sind nachvollziehbar, wenn man sich klar macht, was es da für die Profiteure menschlichen Leids alles zu verlieren gäbe.

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hansaeuropa 03.05.2017, 19:09
6. es ging auch ohne Doping

ich war auch Leistungssportler in der DDR. Das Training war hart mit 9 Trainingseinheiten plus Wettkampf pro Woche, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Gedopt habe ich auch nicht, auch nicht gegen meinen Willen! Vielleicht sollte die Geschichte des DDR-Leistungssports etwas differenzierter erzählt werden. Irgendwie ließt man über die DDR und insbesondere den Leistungssport nur Horrormeldungen. Damit werden auch die hart erarbeiteten Spitzenleistungen der Menschen aus der ehemaligen DDR diffamiert.

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aufmerksamer Leser 03.05.2017, 19:20
7.

ist mir doch auch das gleich eingefallen:
http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/sport/doping_gefaehrliche_mittel/studie-humboldt-universitaet-100.html

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ergo-oetken 03.05.2017, 19:33
8. Die große Inszenierung

Zitat von
Und sie kennt auch die Geschichten von Trainern, die ihre jungen Athletinnen mit dem Kopf gegen die Wand der Turnhallen geknallt haben, wenn sie unzufrieden mit ihnen waren, "wir stellen immer wieder den Hang zum Sadismus fest, der bei Trainern da war". Doping und Missbrauch sind Geschwister.
Die meisten Trainer im Jugendsport waren selbst einmal Leistungssportler. Synthetische Sexualhormone waren in den Jahrzehnten nach dem WKII bis in die jüngere Zeit üblich, um das, was als „Leistung“ definiert wird zu steigern. Hier etwas zu den Wirkungen und Folgen http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2795 Öffentlich berichtet wurde darüber schon zeitig. Ein Beispiel http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13494878.html

Kurzum: die geschilderten sexualisierten sadistischen Übergriffe der Trainerinnen und Trainer auf die Kinder und Jugendlichen in den Trainingsanstalten können auch einer schweren Verhaltensstörung in Folge eines Medikamentenschadens geschuldet sein. Bei TrainerInnen, die schon vorher von ihrer Persönlichkeit her einen Schaden hatten, würden sich durch die synthetischen Geschlechtshormone die Symptome buchstäblich potenzieren. Es liegt doch nahe, dass die Sportfunktionäre in Ost und West genau diesen Effekt für ihre Zwecke genutzt haben. Äußert sich in so einer menschenverachtenden, eiskalten Haltung etwa der wahre Geist des Sports?
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer von schwerem sexuellen Missbrauch wurden

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alaba27 03.05.2017, 20:32
9. Und die einzige

die von nichts wusste und weiß und schneller schwimmen konnte als ein Delphin war Frau Otto vom ZDF. Aber der Westen war auch nicht besser, halt nur nicht in dem Ausmaß verstaatlicht. Aber gedopt wurde hier auch - und nicht zu knapp.

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