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Doping im Nachwuchssport: "Trainerschein ist keine Lizenz zum Ausbeuten"
DPA

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sind ein junger, talentierter, ehrgeiziger Leichtathlet. Plötzlich sagt Ihr Trainer: "Ohne Doping wirst du nichts." Wie reagieren Sie?

klaus64 03.03.2018, 11:44
1. Dopingfreier Sport

Man bekommt Gänsehaut wenn man den Beitrag liest. Wenn sich schon 55 Nachwuchssportler melden, die ja z.T. ihre Trainer für Götter halten, wie viele Sportler im Spitzensport sind dann charakterlich nicht so gefestigt ? Dopingregeln sind ja inzwischen durchaus schwammig. Der Arzt verschreibt ein durchaus leistungssteigerndes Mittel - eine passende Krankheit findet sich auch noch. Außerdem gibt es immer neue Mittel, die noch nicht als Dopingmittel erfasst sind. Den Sportler, der ohne Medikament Spitzenleistung vollbringt gibt es anscheinend doch nicht mehr. Eine schon traurige Entwicklung, da eine Differenzierung der Leistungen kaum noch möglich ist. Ich erinnere mich an Jan Ulrich - "Ich habe niemanden betrogen " - seine Konkurrenten sicherlich nicht.

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Tavlaret 03.03.2018, 12:31
2. Das ist wohl überall so ...

Es war Mitte der 90er, ich befand mich an einem Samstagabend in einer Gaststätte, wo eine Gruppe Leichtathleten eines hochrangigen Vereins im Rhein-Neckar-Raum feuchtfröhlich feierte. Spät kam ich zufällig in eine Gespräch mit einer jungen Hürdenläuferin, die mir irgendwann, die Zunge vom Alkohol etwas gelöst, ihr Leid klagte. Sie wäre hochtalentiert, ihr Trainer sagte ihr, sie könne Olympiatielnhmerin werden. Nur, um bei den deutschen Meisterschaften in den Endlauf zu kommen, würde nur Training und gesundes Essen nicht reichen - sie hatte Angst davor, Mittel zu nehmen.
Ich weiß nicht was sie dann gemacht hat und was aus ihr geworden ist, ich sah sie nur an diesem einen Abend. In den Monaten danach habe ich ihren Namen bei Sportereignissen in der Zeitung gesucht, fand sie im Regionalbereich, nicht aber bei deutschen Meistechaften.

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dibbi 03.03.2018, 12:39
3. Verlockungen sind überall...

Es ist wie bei Star Wars: der Einfache Weg führt zur dunklen Seite der Macht. Epo ist einfacher als Höhentraining...

Wenn ma erstmal drinhängt, dann kommt man nicht so schnell wieder raus. In meinem Sportverband wurden wir in der Trainerausbildung sensibilisiert. Schwarze Schafe gibt es überall, in manchen Sportarten mehr, in anderen weniger.
Wenn irgendwer (Trainer/Betreuer) jetzt also ein mutmaßliches Dopingmittel auf den Tisch stellt und es sich dabei um ein Medikament handelt, dann dürften eine Reihe von Straftatbeständen erfüllt sein.
Arzneimittelrecht, Dopinggesetze bis hin zu schwerer Körperverletzung und bei Minderjährigen Sportlern auch Mißhandlung von Schutzbefohlenen wären zu prüfen.

Also Mund halten und erst bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft aufmachen und Anzeige erstatten. Am Ende steht dann ja vielleicht die öffentlichkeitswirksame Durchsuchung eines Leistungszentrums und beteiligter Arztpraxen.
Wir würden feststellen: Nicht nur die Russen dopen...

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sparrenburger 03.03.2018, 13:03
4. Konkurenz im Ausland

Das Problem, auch oder gerade, ist doch dass die Konkurenz im Ausland ist. Und ich hab da so meine Zweifel ob es da überhaupt solch Einrichtungen wie die im Beitrag gibt. Gegen diese Konkurenz müssen die jungen Sportler dann irgendwann bestehen. Das hat bei den Winterspielen funktioniert, aber auf Dauer habe ich meine Zweifel.

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Madagon 03.03.2018, 15:58
5. "Ohne Doping wirst du nichts."

Super zynisch was der Trainer da gesagt hat, aber auch heute noch zu 100% korrekt. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 1986 war Lepping noch auf einem Level mit Katrin Krabbe. Wo die Reise der beiden im Sport hingegangen ist weiß man ja.

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BSC 03.03.2018, 16:39
6. Doping

Es gibt doch schon Doping bei Volksläufen oder beim Jedermann Triathlon,. Wer glaubt, irgendeine Sportart sei sauber, kennt keine Spitzensportler. Jeder hat eine natürliche Grenze. Diese mit ein paar Pillen oder Spritzen zu überlisten ist ein Muss, wenn man stagniert, nicht ganz oben ankommt, schneller oder besser sein will. Bitte keine Illusionen machen.

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rjsedv 03.03.2018, 18:55
7. Alle wollen Erfolge sehen

Gegen Doping zu wettern ist einfach nur scheinheilig. Denn gerade die Medien ziehen gnadenlos über Sportler her, wenn die nicht die erwarteten Leistungen bringen. Diese Trainer haben schlicht und einfach recht. Ob es moralisch ist, ist eine andere Frage. Letztendlich wird man nicht umhin kommen Doping irgendwann zu akzeptieren. Wobei es eine reine Frage der Definition ist, ab wann man von Doping spricht. Ich wäre dafür alles zu erlauben, wenn nachweislich den Sportlern keine Schäden zufügt. Dann haben wir weitgehend Waffengleichheit und es zählt wieder der Sportler. Oder aber man schaut sich keinen Leistungssport mehr an und bleibt bei Kinderspielchen wie Fussball (obgleich da vermutlich auch gedopt wird wie bei richtigem Sport).

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quark2@mailinator.com 03.03.2018, 19:50
8.

"Wie reagieren Sie?" ... Entweder ich bin so überlegen, daß ich weiß, daß es nicht stimmt, oder ich setze mir ein anderes Lebensziel. Wenn letzteres absolut nicht möglich ist, wird es dann verdammt ungemütlich. Aber ganz ehrlich - Leistungssportler zu sein macht doch eh keinen Spaß mehr bei dem Niveau an Überwachung, Mißtrauen und seeehr unsymetrischer Bezahlung und Respekt (winner takes it all). Am Ende frage ich persönlich mich immer, was man nach 20 Jahren ggf. an Lebensleistung hat. "Ich bin 27mal weiter als 6,50m gesprungen" bringt die Menschheit irgendwie nicht wirklich weiter. Aber da haben andere wohl eine andere Sicht auf die Welt.

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