Forum: Sport
Doping in Russland: "Sie leugnen, leugnen, leugnen"
AP

Am Dienstag entscheidet das IOC, ob Russland von den Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen wird. Für den ehemaligen Chefermittler der Staatsdoping-Affäre, Richard McLaren, gibt es nur eine Lösung.

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pavel1100 03.12.2017, 13:34
90. Ist mir noch nicht aufgefallen

Zitat von etischler
jedenfalls in Deutschland. Hier darf man nicht einfach glauben oder denken was man will, man muss der offiziellen Darstellung folgen, sonst macht man sich strafbar.
Wahrscheinlich hätten sich dann viele Foristen hier strafbar gemacht, wenn es so wäre. Mir ist noch nicht aufgefallen dass jemand da belangt wurde. Was mir aber aufgefallen ist, und sicher auch vielen anderen, dass in Russland seit Putins Amtsantritt über 200 kritische Journalisten umgebracht wurden, viele sitzen im Gefängnis oder wurden angegriffen. Wer in Russland nicht der offiziellen Staatsmeinung folgt, lebt gefählich. Wenn die russischen Medien gegen alle Beweise behaupten, dass es kein Staatsdoping gibt, muss dort jeder, der das anders sieht mit Putins Repressionen rechnen.

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beobachter68 03.12.2017, 13:38
91. Es wird au die Zeit gespielt!

Sochi 2014 war das Putins Prestige Objekt par excellence. Laut Medienberichten etwa $ 50 Mlrd sind für die Bau- und Infrastrukturprojekten ausgegeben worden. Es wäre eine totale Blamage für Putin persönlich aber auch für das Land wenn die Ergebnisse nicht Erwartungen entsprochen hätten. So gesehen, sind die Ausführungen von Herrn Rodchenko, der Hauptakteur der Doping Drama durchaus glaubwürdig. Nach der Spielen, wurde der damalige Sportminister Mutko noch zum Vizepremier befördert worden, ein weiterer Beweis, dass das stattliche Dopingsystem hervorragend funktioniert hat. Ohne Putin läuft auf diese Ebene gar nichts, so gesehen ist der McLarren Report sehr zu begrüßen. Offensichtlich, spielt die Russische Seite auf Zeit und auf Nachsicht von IOC, insbesondere von Herrn Bach. Das darf nicht durchgehen.

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yossariania 03.12.2017, 13:40
92. Wenn

Zitat von and777
Es kann doch nur einen Grund geben, dass nach McLeareens Report wieder "gefahndet" wird: sein Ergebnis ist so unpopulär, dass es das IOC so nicht stehen lassen kann. Es spielt also auf Zeit und versucht durch Nebelbomben und Details verschiedener "unahängiger" weiterer Reports das Ergebnis zu verwässern, so dass am Ende Russland (und deren Geld) mit einem blauen Auge aus der Sache heraus kommt. Ob IOC, UEFA oder FIFA: das sind mafiöse Strukturen.
wir uns schon auf das Gebiet der Mutmaßungen begeben: ich sehe das etwas anders.
In den letzten Wochen hat man reihenweise russischen Sportlern die Olympiamedaillien aberkannt und sie lebenslang gesperrt. In vielen Fällen, wie beispielsweise Alexander Tretjakow, beruhte die Sperre aber nicht auf dem Nachweis individuellen Vergehens, sondern auf dem Mclaren-Report.

So weit, so gut. Allerdings steht nun den Sportlern der Rechtsweg offen: sie können vor den Sprotgerichten in Berufung gehen, sie können gegen ihre Suspendierung vor ordentlichen Gerichten klagen, und sie können zuguterletzt die Verbände und das IOC wegen entgangener Einnahmen auf Schadenersatz verklagen und das muss nicht so ausgehen wie im Fall Pechstein. Aber schon die Sportgerichte müssten nach den Statuten der Verbände von einer individuellen Schuld der Athleten überzeugt sein, ordentliche Gerichte müssen das sowieso. Das Oberlandesgericht München hat im Fall Pechstein beispielsweise erklärt, das deutsche Gerichte an Entscheidungen des CAS nicht gebunden seien.
Man tut also gut daran, die Suspendierungen möglichst wasserdicht zu machen. Da man aber offensichtlich das individuelle Verschulden nicht beweisen kann - sonst hätte man es im Falle Tretjakow sicherlich gemacht, versucht man nu, die Glaubwürdigkeit des McLaren-Reports anzuheben.

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yossariania 03.12.2017, 13:43
93. Ich

Zitat von hei-nun
was haben zwei geständige Ärzte (Lothar Heinrich und Andreas Schmid haben zugegeben, seit Mitte der 90er Jahre bis 2007 am Doping einzelner Radsportler innerhalb des Team Telekom beteiligt gewesen zu sein) mit dem Staatsdoping in Russland zu tun ? Nichts ! Meine Aussagen stimmen also und deshalb: Whataboutism !
darf Sie zitieren. Sie schrieben wörtlich:
"Freiburg war in den 70-er Jahren".

Darauf, und nur darauf haben ich Ihnen geantwortet. Ihr Argument war also eindeutig falsch. Die Beurteilung, ob eine auf falschen Argumenten aufgebaute Schlussfolgerung richtig sein kann, habe ich dem geneigten Leser überlassen.

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Knippi2006 03.12.2017, 13:51
94. Aber nicht doch

Zitat: "In der Finanzwelt würden die Verantwortlichen Haftstrafen bekommen."

Bei der Masse an Verfahren gegen die Deutsche Bank ist mir hier in D kein einziger Manager des Instituts in Erinnerung, der auch nur in die Nähe einer Haftstrafe geraten ist ....

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mickr 03.12.2017, 14:05
95. Halten wir doch einmal fest

Bisher gibt es keine einzige positive Dopingprobe bei den beschuldigten russischen Sportlern. Inzwischen wurden diese mehrfach bei diversen Veranstaltungen von westlichen Labors geprüft.

Ich bin mir sicher, dass in Russland wie in vielen anderen Ländern gedopt wird. Ich fordere aber stichfeste Beweise durch positive Dopingtests in jedem einzelnen Fall bevor es zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommt.

Das nennt man Rechtssystem, das im Umgang mit russischen Sportlern offensichtlich völlig mißachtet wird und einigen Postern hier offenbar auch fremd ist.

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pavel1100 03.12.2017, 14:38
96. Ja, kennen wir zur Genüge

Zitat von Namal
Solche "eindeutige Beweise" kennen wir zur Genüge: Iraks mobile Chemiwaffenlabors, Gaddafis Viagrasöldner, Saddams Giftgasangriffe, MH17 Abschuss. Interessant ist es, dass die sogenannten "unabhängigen" Experten nicht mal vor Ort waren um die Vorwürfe Rodchenkos, der sich aktuell selbst zerlegt, zu überprüfen.
Das Problem ist, Putin und seine Propagandisten können keinen einzigen Beweis anerkennen ohne sich selbst zu zerlegen. Zu sehr hat sich das System Putin in Machenschaften und Lügen verstrickt. Da hilft nur eins: weiterlügen bis zum bitteren Ende. Was den Giftgasmord angeht, es haben genug Menschen glaubwürdig vor Ort berichtet, die Fotos und Proben sind eindeutig.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-die-indizien-die-verschwoerungstheorien-die-fakten-zum-giftgasangriff-a-1143009.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/sarinangriff-in-syrien-baschar-al-assad-ist-ueberfuehrt-a-1175208.html

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yossariania 03.12.2017, 14:44
97. Grigori

Zitat von etseel
Bei youtube kann man sehen, wie Rodschenkow sich selbst als Verräter bezeichnet und schwört russischen Sport kaputt zu machen. Für seine"Beweise" hat er in Amerika eine Wohnung und ein teures Auto Infiniti als Geschenk bekommen. Job hat er keinen und das Geld geht aus. Es wird nicht lange dauern bis die Wahrheit über die Löchern in der Wand ans Licht rückt. Lüge hat kurze Beine.
Rodtschenko ist aber auch eine arme Socke.
Nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe der WADA - die im Prinzip nur gegen ihn persönlich gerichtet waren - wurde er im November 2015 um den Rücktritt von seinem Posten als Leiter des Antidopinglabors in Moskau "gebeten". Im Juni 2016 wurde dann i9n Russland ein förmliches Strafverfahren gegen ihn eröffnet, vorgeworfen wird ihm u. a. Amtsmissbrauch.
Aber auch in den USA war Rodtschenko keineswegs sicher. Das er nach Angaben der WADA tausende Dopingproben vernichtet hat - geschenkt. Aber die WADA sagte damals noch, das Rodtschenko Teiol eines Systems gewesen sei, bei dem gegen Zahlungen von Sportlern positive Dopingbefunde verschleiert wurden. Damit leigt hier wohl eine Bereicherungsabsicht vor, und damit gehts um Bestechlichkeit und Betrug. Und das amerikanische Gerichte ihre Zuständigkeit gerne auch mal etwas weiter auslegen, dürfte ja spätestens sei der Verhaftung der FIFA-Funktionäre in der Schweiz auf amerikanisches Ansinnen bekannt sein (das war übrigens im Mai 2015).

Rodtschenko dürfte wohl klar gewesen sein, das er sich weder bei den Amerikanern, noch bei den Russen sonderlich großer Beliebtheit erfreut.
In einer solchen Situation sind natürlich diejenigen Angeklagten fein raus, die einen anderen Hauptschuldigen benennen können...

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yossariania 03.12.2017, 15:01
98. Ich

Zitat von pavel1100
Das Problem ist, Putin und seine Propagandisten können keinen einzigen Beweis anerkennen ohne sich selbst zu zerlegen. Zu sehr hat sich das System Putin in Machenschaften und Lügen verstrickt. Da hilft nur eins: weiterlügen bis zum bitteren Ende. Was den Giftgasmord angeht, es haben genug Menschen glaubwürdig vor Ort berichtet, die Fotos und Proben sind eindeutig. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-die-indizien-die-verschwoerungstheorien-die-fakten-zum-giftgasangriff-a-1143009.html http://www.spiegel.de/politik/ausland/sarinangriff-in-syrien-baschar-al-assad-ist-ueberfuehrt-a-1175208.html
finde etwas anderes viel faszinierender: in dieser Diskussion (und auch in vielen anderen, ähnlich verlaufenden) wurde bislang kein einziges Sachargument aus dem McLaren-Report zitiert, das für die Schuld Russlands spricht. Es wird immer nur darauf verwiesen, das McLaren es ja "bewiesen" habe, auch in diversen Artikeln. Aber schon die Aufzählung oder Wiederholung der von McLaren angeführten Beweise oder Behauptungen sucht man meits vergeblich.

Dafür kann es imho nun verschiedene Gründe gegeben:
1. Diejenigen, die so argumentieren, haben den Report gar nicht gelesen.
2. Oder sie haben ihn nicht verstanden.
3. Oder es gibt tatsächlich keine Beweise im Report.
4. Oder man kann und will nicht mehr selber denken, abwägen, argumentieren und Schlüsse ziehen.

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horstenporst 03.12.2017, 15:07
99.

Zitat von neue_mitte
Kein Strohhalm ist zu dünn (oder zu alt), um sich nicht doch an ihn zu klammern. Was genau haben die Uni Freiburg und das Team Telekom mit dem russischen Staatsdoping der 2010er Jahre zu tun? Üüüberhaupt nichts. Genau. "Whataboutism". Wenn demnächst ein US-Sportler erwischt wird und es publik gemacht wird, stellen Sie sich in diesem Artikel da ebenfalls hin und sagen: Aaaaaber, die Russen... ? Oder geht es dann ausnahmsweise doch mal um den Artikel selbst und darum, wie man es schon immer gewusst hat? Sehen Sie. Mein Eindruck von US-kritischen Artikeln vor der Trump-Zeit ist nämlich der, dass dort artikelbezogen kommentiert und diskutiert wird, gerne auch generell antiamerikanisch. In diesen Artikeln verweist keine auffällig große Gruppe reflexartig auf anderen Missestände, die nichts mit dem Artikek zu tun haben. Dieses "Whataboutism" findet sich massenhaft bloß in Artikeln mit Russland-Bezug. Darüber darf offenbar gar nicht erst geschrieben werden, so lange Andere auch noch irgendwas ähnliches vor 20+ Jahren getan haben.
Ich schreibe gerne meine Meinung zum Inhalt des Artikels: In Russland wird systemtisch gedopt, und der Staat unterstützt und vertuscht das. Wer das nicht glaubt, sollte seinen Aluhut absetzen. ABER: Für die Einschätzung, was das bedeutet und welche Folgen es haben sollte, finde ich es durchaus relevant zu schauen was im Bereich Doping weltweit so läuft. Wenn darauf hingewiesen wird, das Deutschland systematisches Doping jahrelang vertuscht hat (zu dieser Einschätzung kommt eine Studie der Humboldt Uni Berlin) und es in anderen Ländern ähnlich zuging (z.B. der Fall Fuentes in Spanien) ist das kein whataboutism. Im internationalen Spitzensport wird flächendeckend gedopt. Russland ist hier nur besonders, da der Staat das System nicht nur duldet und vertuscht sondern selbst betreibt.

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