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Doping in Russland: "Sie leugnen, leugnen, leugnen"
AP

Am Dienstag entscheidet das IOC, ob Russland von den Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen wird. Für den ehemaligen Chefermittler der Staatsdoping-Affäre, Richard McLaren, gibt es nur eine Lösung.

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steingärtner 03.12.2017, 11:13
60. Der Unterschied zu früher

Zitat von egoneiermann
Jaja die Russen können nicht böse sein. Niemand bezweifelt, dass überall versucht wird zu dopen und es kommt ja auch oft genug raus. Hier steht aber ein ganz anderer Vorwurf im Raum, dass in Russland bewusst vom Verband/Staat das Dopen gesteuert wird. Dass das in Sowjetzeiten so war, wissen wir heute genau. Scheinbar erinnert man sich in Russland auch hier an die einstige Größe.
Sie haben früher gedoped, sie dopen sicher auch heute. Aber früher hat man ein Ergebnis des Dopings in Form von Siegen und Medaillen bekommen. Warum heute nicht ? Wo ist der Sinn von staatlichem russischen Doping, wenn alle anderen trotzdem besser sind ? Wo doch alle anderen per Definition sauber sind.
Und für die ganz originellen hier, ich schreibe aus Deutschland.

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yossariania 03.12.2017, 11:19
61. Ganz

Zitat von RalfHenrichs
Dies ist einfach zu erklären: Russland hat sich für staatliches Doping entschieden, weil sie glaubten, dies sei einfacher zu vertuschen. Man hat sich halt nicht die Mühe machen wollen, erst irgendwelche Krankheiten zu erfinden. Im Westen, in dem es staatliches Doping nur insofern gibt, als dass privates Doping vom Staat vertuscht wird, musste man einen anderen Weg gehen. Ich bin mir sicher, dass jetzt auch viele russischen Sportler plötzlich krank sind. Aber dagegen kann der Westen ja nichts machen, weil er dann sein eigenes System diskreditiert. Ob Fourcarde dopt oder nicht, weiß ich nicht. Aber ein deutsches Beispiel: Jeder weiß, dass keniatische Läufer viel dopen. Unsere Läuferin Gesa Krause hat in Kenia viel trainiert und plötzlich wurden ihre Leistungen deutlich besser. Natürlich nur wegen der Höhenluft, natürlich ist sie in Kenia nie mit Dopingmitteln in Berührung gekommen. Natürlich nicht.
so einfach ist das ja mit den Attesten nun auch nicht:
die ärztliche Bescheinigung ist ja nur der erste Schritt, aber diese muss Bescheinigung muss von der zuständigen Doping-Agentur anerkannt werden. In Deutschland macht das für Athleten, die auf nationaler Ebene starten, die NADA, und für Athleten, die an internationalen Wettkämpfen teilnehmen, der jeweils zuständige Sportverband. Wenn sie nun aber dort keine Person haben, die das Spiel mitspielt und das Attest anerkennt, nützt ihnen das Attest herzlich wenig. Oder, um ihren Gedanken zu Ende zu führen: die Russen kannten wohl in den internationalen Sportverbänden keine Personen, die bereit, willens und in der Lage waren, russischen Sportlern entsprechende Erlaubnisscheine auszustellen.
Stimmt aber auch nicht so ganz: es gibt auch russische Sportler, die mit ärztlicher Erlaubnis dopen. Und die Russen haben die IAAF auf ganz andere Art und Weise eingespannt: gegen Zahlung eines prozentualen Beitrages vom Jahreseinkommen des Sportlers hat sich die IAAF bereit erklärt, die Sportler nicht zu sperren, auch wenn sie positiv auf Doping getestet wurden. Das war nun aber auch keine Spezialität der Russen, zumindest haben es die Kenianer genauso gemacht . (Und der Lancelot der Anti-Dopingkämpfer, Sebastian Coe hat eine email, die ihn über den Sachverhalt informieren sollte, ungelesen in den Papierkorb verschoben).
Leider reichen offensichtlich die Kapazitäten der Sportbehörden und der Medien nicht aus, die Vorgänge in Kenia oder in der IAAF zu untersuchen, und offensichtlich hat sich auch noch niemand gefunden, der Hajo Seppelt die Spesen für eine Reise nach Kenia oder Paris zahlt. So werden wir in diesen Fällen wohl noch etwas auf Details warten müssen ...

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neue_mitte 03.12.2017, 11:23
62.

Zitat von jens.kramer
Das Lustige am Leistungssport ist ja, dass man, sofern man eine passende Krankheit hat, Mittel einnehmen darf, die auf der Dopingliste stehen. Ich habe gelesen, dass viele Radsportprofis Rheuma (?) haben und deshalb irgendwelche leistungssteigernde Mittelchen einnehmen dürfen, die auf der Dopingliste stehen.
Das was Sie und Ihre Kollegen hier betreiben, nennt man "Whataboutism". In jedem, ausnahmslos jedem, Artikel zur Russland taucht ihr auf, um euer "ABER, die anderen" loszuwerden. Kein Kommentar zur Sache selbst, keine Meinung zum Vergehen - nur der gebetsmühlenartige Verweis auf irgendwelche anderen Zustände.

Nach der zu beobachtenden Logik dieser Internet-Söldner hier, ist es definitiv wahr und bewiesen, was über das Staatsdoping in Russland geschrieben wird. In der Stufe des "Whataboutism" geht es nur noch darum, von den Missetaten ihres geliebten Landes abzulenken. Wenn etwas wahr ist, aber nicht ganz einwandfrei bewiesen werden kann, wird nämlich noch auf Biegen und Brechen geleugnet. So wie die russischen Soldaten, diese grünen Männchen, nur angeblich sog. Selbsrverteidigungsmilizen der örtliche Bevölkerung waren, bis es der Chef selbst zugegeben hat, dass es sich dabei um reguläre russische Truppen gehandelt hat.

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fördeanwohner 03.12.2017, 11:24
63.

Zitat von yossariania
seien wir mal ehrlich: McLaren hat es vermasselt, und zwar gewaltig. Er hatte mit Rodschenko und einer geständigen russischen weitspringerin (die nach eigenen Angaben in mehreren Fällen von russischen Funktionären nicht die von ihr geforderten Dopingmittel bekommen hatte) zwei geständige Täter in der Hand. Er hätte sogar mit der Anklage gegen den ehemaligen IAAF-Präsidenten Diack, der ein System installiert hatte, in dem er positive Dopingbefunde gegen Bezahlung verschwinden ließ, sogar einigermaßen gerichtsfeste Beweise in der Hand - in den Skandal waren ja sowohl russische, als auch keniatische Sportler u8nd Funktionäre verwickelt, und auch am Nimbus von Sebastian Coe wurde gekratzt, der wohl von den Vorgängen Kenntnis hatte. Das hätte dicke für dutzendespektakuläre Verfahren und Sperren gelangt. Wollte man aber nicht. Stattdessen macht McLarn seinen bisherigen "Hauptangeklagten", dem er bislang notorische Lügen und Unglaubwürdigkeit unte4rstellt hatte, zum Kronzeugen der Anzeige - und fortan gibt es keinen Zweifel mehr an Rodschenkows Aussagen. Flankiert von eben jener Weitspringerin. Damit hat McLaren aber nun zwei Probleme: nicht nur die Glaubwürdigkeit seines Hauptzeugen, auch seine eigne ist ob seines plötzlichen Sinneswandels angkratzt. Und er hat nun keine Namen mehr, die er auf dem Silbertablett servieren kann, denn seine beiden ausermittelten Fälle sind ja nun Kronzeugen und damit sakrosant (gegen Kenia und die IAAF ermittelt sowieso keiner mehr). Damit muss er nun alles auf das System, den Staat, den KGB und Putin persönlich schieben. Er weiß zwar in den Fällen der Manipulation von Dopingproben nicht, wer es gemacht hat, und wie es gemacht wurde, aber gerade dieses Nichtwissen ist für ihn der schlagende Beweis, das es der FSB war, denn sonst hätte man es ja beweisen können.
Wirrwarr veranstalten und alles in Frage stellen haben leider immer schon gut geklappt. Also kann Russland so weiter machen wie bisher. Jo, hab ich gecheckt.

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neue_mitte 03.12.2017, 11:32
64.

Zitat von ex_Kamikaze
[...] Und wofür? Um Rußland auszugrenzen oder gar einen Konflikt zu provozieren? Das wird nicht funktionieren.
Ja, schon klar, wir hier im Westen, mit unserer relativ florierenden Wirtschaft, mit unserem relativ guten Gesundsheitssystem und der guten Infrastruktur, wir iPhone- und Galaxy-Süchtigen... wir wollen den ganzen Tag lang nichts anderes tun, als Russland auszugrenzen und einen Konflikt zu provozieren. Uns ist so verdammt langweilig, dass wir uns nur noch mit Russland beschäftigen wollen.

Ich glaube, dieser Staat aus der sog. 2. Welt, der es im Gegensatz zu Polen, Tschechien, dem Baltikum... nicht in die sog. 1. Welt geschafft hat, leidet unter massiven Minderwertigkeitskomplexen. Man bekommt nix auf die Reihe und die anderen sind dran schuld. Einen Konflikt wollen sie auch noch provozieren, wobei man gerne jeden Strohhalm nimmt, der irgendwie nach Provokation aussehen könnte.

Trump's America möchte übrigens den selben Weg gehen. Deswegen verstehen sich die Trump- und Putin-Freunde hier so gut. Evtl. wird das ja auch in Personalunion betrieben.

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yossariania 03.12.2017, 11:32
65. Wir

Zitat von Zaunsfeld
Sie betreiben hier genau das gleiche wie das, was McLaren den Russen ettastiert ... Erbsenzählerei und Herumreiten auf einzelnen Wörtern und Sätzen. An der Grundaussage von McLarens Report, nämlich DASS er zweifelsfrei nachgewiesen hat, dass es russisches Staatsdoping gab und dass davon über 1.000 russische Sportler betroffen sind, ändert Ihr Hermreiten auf einzelnen Wörtern nichts.
sind irgendwann mal in unserer mehr als zweitausendjährigen Geschichte der Zivilisation darin übereingekommen, das es nicht gut ist, pauschal alle rothaarigen Frauen als Hexen zu verbrennen. Und das wir stattdessen die individuelle Schuld des Einzelnen nachweisen. Und dann haben wir auf diesem Prinzip unser ganzes Rechts- und Staatsverständnis aufgebaut.

Aber gut, verbrennen wir halt wieder alle rothaarigen Frauen - was scheren uns Beweise - rothaarige Frauen sind zweifelsfrei Hexen!

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morkvamork 03.12.2017, 11:34
66. egal was der Bericht sagt

ich sag schon seit Jahren: Der gesammte Russenverband gehört für 10 Jahre komplett von allen Veranstaltungen gesperrt. Sommer oder Winter, solange die systematisch dopen haben die im Sport nix verloren. War ja schon vor dem Fall des "Eisernen Vorhang" so. Oder glaubt jemand, die DDR und der Ostblock ansich wäre ohne Spritzen so "erfolgreich" gewesen ?

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yossariania 03.12.2017, 11:39
67. Nein,

Zitat von fördeanwohner
Wirrwarr veranstalten und alles in Frage stellen haben leider immer schon gut geklappt. Also kann Russland so weiter machen wie bisher. Jo, hab ich gecheckt.
das habe ich nicht gesagt. Dopingsünder, egal ob es nun Sportler, Trainer, Ärzte oder Funktionäre sind, gehören drastisch bestraft. Und deshalb gehört für mich Rodschenko eindeutig zur Verantwortung gezogen, und alle anderen namentlich bekannten Personen, denen entsprechende Verfehlungen nachgewiesen werden können auch. Und im Falle Rodschenko heißt das für mich nicht nur Sperre, sondern auch strafrechtliche Verantwortung (was nicht passieren wird, da Rodschenko in den USA unter Zeugenschutz steht und ein Auslieferungsantrag abgelehnt wurde).
Das Wirrwar habe im Übrigen nicht ich angerichtet, sondern diverse Sprotler aus diversen Ländern, sowie diverse Sportverbände, so unter anderem die IAAF unter Diack und Coe. Die WADA und Herr McLaren haben leider nur recht wenig getan, um dieses Wirrwar zu entwirren, und stattdessen sich einige Teile rausgegriffen (die erstaunlicherweise aus Sicht der Medien wohl politisch opportun sind) und das mit den dubiosen Aussagen eines Hauptbelastungszeugen, den man eben selbst noch als notorischen Lügner und unglaubwürdig bezeichnet hatte, zu einem neuen Wirrwar verrührt.

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cave68 03.12.2017, 11:39
68.

Zitat von werder11
generell und global, ebenso wir drogen, damit sind im sport alle gleich gestellt - den sportlern und verbänden klarmachen, daß sie für alle folgenden gesundheitsschäden selbst aufkommen und kein staat oder krankenversicherung - im anderen fall würde endlich die drogenkriminalität, die wahrscheinlich die größte einnahmequelle der organisierten kriminalität darstellt, zusammenbrechen - beide laster sind ohnehin - egal mit welchen mitteln - nicht zu verhindern, dann also legalisieren auf kosten der betroffenen - nicht nur ioc oder fifa wollen ihre spiele und turniere, weil sie viel geld bringen (das ja auch zu nicht unerheblichen teilen dann weltweit guten projekten zugeteilt wird zb kinder in afrika usw) sondern auch die sportler und vor allem die menschen, die da hingehen oder sich das im tv ansehen - und die steuerzahler haben auch was davon!
das Problem ist wo fangen sie an und wo hören sie auf?Es ist ein Irrdenken dass Doping sich nur auf den Spitzensport konzentriert...selbst Hobbysportler dopen sich und das teilweise nicht zu knapp.
Also wen wollen wir jetzt seine Krankheiten selbst bezahlen lassen?Und wie soll man dann herausfinden ob eine Krankheit durch jahrelanges Doping hervorgerufen wurde oder eben nicht?Oder soll nach ihrer Meinung jetzt jeder Sportler nichts mehr von der Krankenkasse bezahlt bekommen?
So etwas wird nie zu trennen und auch nicht nachzuweisen sein...daher darf es keine Dopingfreigabe geben.

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neue_mitte 03.12.2017, 11:39
69.

Zitat von steingärtner
Sie haben früher gedoped, sie dopen sicher auch heute. Aber früher hat man ein Ergebnis des Dopings in Form von Siegen und Medaillen bekommen. Warum heute nicht ? Wo ist der Sinn von staatlichem russischen Doping, wenn alle anderen trotzdem besser sind ? Wo doch alle anderen per Definition sauber sind. Und für die ganz originellen hier, ich schreibe aus Deutschland.
Es gibt auch viele Russland-Deutsche hier, die pro-Putin sind. Viele AfD-Wähler sind auch ganz dolle pro-Putin. Aus Deutschland zu schreiben, heißt noch lange nichts. Das zu betonen hingegen heißt, man hat ein schlechtes Gewissen - oder getroffene Hunde bellen.

Sie tun Doping als Allheilmittel darstellen. Aber auch ein spitzenmäßig gedopter Wasserbüffel zum Beispiel wird niemals schneller als ein Gepard sein. Der russische Sport ist ineffizient und schlecht gemanaged, gefördert und betrieben. Früher zu Sowjetzeiten war das anders. Da hat das massive Doping die massive Sportförderung unterstützt und Spitzenleistungen hervorgebracht. Heute bleibt nur noch das massive Doping übrig, aber ohne Spitzensportler.

Sie meinen also, weil russische Athleten nicht mehr Spitze sind, wäre das Doping in Ordnung? Es gibt aber auch noch die Plätze hinter der Spitze, die damit korrumpiert werden.

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