Forum: Sport
Football Leaks: Wie der FC Chelsea einen Jugendlichen bei Viktoria Köln parkte
DPA

Warum wechselte das 14 Jahre alte Fußballtalent Thierno Ballo von Bayer Leverkusen zum Amateurverein Viktoria Köln? Offenbar nur, damit der Junge einen Vertrag mit dem FC Chelsea unterschreiben konnte.

Seite 1 von 2
Anna156464641156 12.09.2019, 11:58
1.

Das Geschäft mit minderjährigen Talenten im Fußball ist skrupellos und gehört unbedingt Angeprangert. Allerdings finde ich das sich dieser konkrete Fall nicht sonderlich dafür eignet. Da gibt es deutlich Verwerfliches. Wenn ich das richtig verstehe ist Ballo von Österreich nach Leverkusen wegen seinem Trainer und Förderer gezogen. Warum das passiert ist erschließt sich mir nicht aus dem Artikel. Das aber Chelsea viel mehr Druck auf einen 3 Ligisten als auf einen Top Bundesliga Club, der selbst Interesse an dem Talent hat, ausüben kann sollte klar sein. Allerdings sehe ich keinen Schaden der deshalb dem Jungen entsteht. Viktoria selbst spielt erste Bundesliga in den Jugendabteilungen und ist auch DFB Leistungszentrum. Sprich an Qualität mangelt es dort gegenüber Bayer nicht. Auch musste er nicht aus seinem sozialen Umfeld weg ziehen sondern kann einfach in die S6 steigen und ist in 10 Minuten in Höhenberg. Das der Weg dann über den Kanal in die Premier League geht ist bei ausreichendem Talent nur eine Frage der Zeit da dort schlicht und ergreifend das meiste Geld im Fußball ist. Einzig sehe ich Probleme bei diesem Fall in den Summen und das vielleicht Regularien verletzt worden sind. Das ist aber etwas für Juristen und kann ich nicht beurteilen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Nonvaio01 12.09.2019, 12:18
2. ist doch super

ein junges talent von der Elfenbeinkueste hat es in die PL geschafft. Fuer den Jungen ist bestimmt ein Traum in erfuellung gegangen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zeisig 12.09.2019, 12:30
3. Mit dem gerne tauschen.

Ich weiß jetzt nicht, was an diesem Fall anrüchig sein soll. Es ist vom "Geschäft mit minderjährigen Talenten" die Rede. Man kann das aber auch andersherum sehen. Dieser junge Kerl wird gefördert und behutsam aufgebaut, in einer behüteten Umgebung, damit er dann bei Zeiten seine Millionen scheffeln kann. Was glauben Sie, wieviele Jugendliche viel dafür geben würden, mit diesem Jungen tauschen zu können ?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Shismar 12.09.2019, 13:30
4. Moralisch und rechtlich fraglich

Der FC Chelsea umgeht verbindliche Regeln der PL und das soll in Ordnung sein? Zudem werden die Eltern mit Knebelverträgen verpflichtet dafür zu sorgen, dass ihr Kind es sich nicht nochmal anders überlegt? Und um den Schmu zu kaschieren, wird der Junge zwei Jahre bei einem Drittligisten geparkt anstatt einfach weiter in Leverkusen trainieren zu können.

Die rechtliche Seite ist Sache der PL. Gutheißen kann ich die Methode aber nicht, Jugendliche sind keine Schachfiguren, die von Eltern und ihren Geschäftspartnern hin und hergeschoben werden sollten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lektra 12.09.2019, 13:31
5. Handel mit Talenten

Interessant wird es, wenn man diesen Fall des Transfers eines Jugendlichen mit dem Fall Ödegaard vergleicht; vor 3 Tagen in SPON: "Wie Martin Ødegaards Vater vom Transfer zu Real Madrid profitierte",
https://www.spiegel.de/sport/fussball/football-leaks-wie-martin-odegaards-vater-vom-transfer-zu-real-madrid-profitierte-a-1285860.html
Im Fall Ballo wird ein Jugendtrainer, der das Talent eines afrikanischen Kindes entdeckt, dessen Vormund und unterschreibt in der Folge Verträge in dessen Namen. Und das in einer Situation, in der Eltern hochbegabter Jugendfußballer ganz "zufällig" gute Jobs ausgerechnet dort angeboten bekommen, wo ihr Kind von einem Fußballclub stark umworben wird. Vater Ødegaard erhält einen Trainervertrag für die Real-Jugend, millionenschwer, ein Vielfaches von dem, was andere, renommiertere Trainer dort bekommen. Bayern München holt z.B. drei Toptalente im Alter von 13 und 14 Jahren (Torben Rhein, Nemanja Motika, Nikola Motika) von Hertha BSC; die Eltern ziehen von Berlin nach München, weil sie - "natürlich" vollkommen unabhängig von den Bayern - dort Arbeit bekommen. Wenn Bayer Leverkusen ein Toptalent will, ist die Verbindung zum Bayer-Konzern sicher nicht hinderlich dabei, einen beruflichen Anlass zu finden, damit der Vormund von Österreich ins Rheinland zieht.
Es ist schwierig genug, wenn man sieht, wie Eltern aus einer Unterschrift im Namen ihrer Kinder finanziell profitieren. Richtig bedenklich wird es, wenn Vormundschaften für Kinder, die sich in einer schwierigen Situation befinden, übernommen werden und die Vormünder davon wirtschaftlich profitieren können. Hertha hat eine ausgezeichnete Jugendabteilung. Da muss kein 13-/14-Jähriger wechseln, damit sein Talent weiterentwickelt wird. Ein 14-Jähriger hat in Leverkusen auch beste Entwicklungsmöglichkeiten. Chelsea ist nicht bekannt dafür, dass es Jugendliche besonders gut fördert. Dort wird auch im jungen Alter halt viel mehr Geld bezahlt. Wenn sich der Junge doch nicht so entwickeln sollte, hat man dieses Geld schon mal sicher. Zudem: ob man noch Geld von einem 18-Jährigen abbekommt, steht in den Sternen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zeisig 12.09.2019, 13:47
6. Eines sollte man nicht vergessen.

Was glauben Sie, wie viele junge Männer auf dem afrikanischen Kontinent - und nicht nur Fußballer - liebend gerne mit diesem jungen Mann tauschen würden ?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zeisig 12.09.2019, 13:55
7. Sehr pessimistische Sichtweise.

Zitat von Shismar
Der FC Chelsea umgeht verbindliche Regeln der PL und das soll in Ordnung sein? Zudem werden die Eltern mit Knebelverträgen verpflichtet dafür zu sorgen, dass ihr Kind es sich nicht nochmal anders überlegt? Und um den Schmu zu kaschieren, wird der Junge zwei Jahre bei einem Drittligisten geparkt anstatt einfach weiter in Leverkusen trainieren zu können. Die rechtliche Seite ist Sache der PL. Gutheißen kann ich die Methode aber nicht, Jugendliche sind keine Schachfiguren, die von Eltern und ihren Geschäftspartnern hin und hergeschoben werden sollten.
Entscheidend ist doch am Ende, wie es dem Jungen geht. Psychisch, seelich, fühlt er sich geborgen, fördert man sein Talent.
Ist dies der Fall, verstehe ich nicht was es zu meckern gibt. Besser am Ende einen Profi Vertrag in Deutschland oder England, als auf einem Bolzplatz in einem Dorf an der Elfenbeinküste.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lektra 12.09.2019, 14:01
8. "behutsam aufgebaut, in einer behüteten Umgebung"?

Zitat von zeisig
Ich weiß jetzt nicht, was an diesem Fall anrüchig sein soll. Es ist vom "Geschäft mit minderjährigen Talenten" die Rede. Man kann das aber auch andersherum sehen. Dieser junge Kerl wird gefördert und behutsam aufgebaut, in einer behüteten Umgebung, damit er dann bei Zeiten seine Millionen scheffeln kann. Was glauben Sie, wieviele Jugendliche viel dafür geben würden, mit diesem Jungen tauschen zu können ?
"Dieser junge Kerl wird gefördert und behutsam aufgebaut, in einer behüteten Umgebung" - glauben Sie wirklich, was Sie da sagen?

Der Junge ist mit vier Jahren von der Elfenbeinküste nach Linz in Österreich gekommen. Ein Trainer, der dessen Talent entdeckt, übernimmt die Vormundschaft und damit das Recht, über Aufenthaltsort des Jungen zu bestimmen, ihn in einen bestimmten Verein/ein bestimmtes Nachwuchsleistungszentrum zu geben und im Namen des Kindes Verträge zu unterschreiben. Der Junge, der sich einige Jahre in Österreich eingelebt hat, wird mit 11 Jahren wieder aus seiner Umgebung rausgerissen: Der Vormund zieht in ein anderes Land und der Junge muss sich in eine völlig neue Umgebung einfinden. Mit 14 Jahren wird der Junge aus einer Top-Ausbildungsstätten in Deutschland herausgenommen, um in der Jugend eines Regionalligisten aufzulaufen. Victoria hat natürlich nicht die Mittel zur Talentförderung die das Leverkusener NLZ hat. Alles nur, um zwei Jahre später einen Vertrag schließen zu können, der richtig Geld bringt.
So etwas bezeichnen Sie als "behutsam aufgebaut"? Das ist für Sie eine "behütete Umgebung"? Dass Chelsea eine wirklich gute Jugendförderung bietet, ist nicht bekannt. Der einzige Unterschied: In Chelsea kann man schon sehr viel Geld machen, solange der Nachwuchsspieler noch minderjährig ist. Das heißt: solange Eltern oder (wie hier im Fall) Vormünder noch das Bestimmungsrecht über den Aufenthalt haben und selber noch vom Geld profitieren können. Üblicher Weg: Wer die Unterschrift unter den Vertrag setzt, bekommt zufällig ein außergewöhnlich gut bezahltes Jobangebot vor Ort (ob direkt als Trainer o.Ä. beim Verein oder über den Sponsor vermittelt).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lektra 12.09.2019, 14:40
9. Verdrehung der Tatsachen

Zitat von zeisig
Entscheidend ist doch am Ende, wie es dem Jungen geht. Psychisch, seelich, fühlt er sich geborgen, fördert man sein Talent. Ist dies der Fall, verstehe ich nicht was es zu meckern gibt. Besser am Ende einen Profi Vertrag in Deutschland oder England, als auf einem Bolzplatz in einem Dorf an der Elfenbeinküste.
Sie verdrehen das aber ganz gewaltig: Der Junge lebt, seitdem er 4 Jahren ist, in Österreich. Hier geht es also nicht um die Alternative: Profivertrag in Deutschland bzw. England oder Bolzplatz in der Elfenbeinküste. Hier geht es darum: Förderung im Nachwuchszentrum eines österreichischen Bundesligisten des Ortes, in dem er seit seinem 4. Geburtstag lebt, oder: Förderung im Nachwuchszentrum eines deutschen Bundesligisten (deshalb Umzug in ein anderes Land mit 11 Jahren), oder: Wechsel aus diesem Top-Nachwuchsleistungszentrum in die Jugendabteilung eines deutschen Regionalligisten* (mit 14 Jahren), nur um einen Wechsel 2 Jahre später ins (fremdsprachige) Ausland zu ermöglichen und bereits vertraglich festzulegen.
Wenn es um die Förderung für eine späteren Profivertrag gegangen wäre, wären diese Wechsel im Alter von 11, 14 und 16 Jahren nicht nötig gewesen. Ein 11-Jähriger kann auch im Linzer LASK gut gefördert werden, ein 14-Jähriger hat in Leverkusen ein Top-Umfeld für die spätere Entwicklung, Viktoria war fußballerisch ein Rückschritt, um einen richtig fetten Deal abschließen zu können. Dass es einem Talent wirklich gut getan hätte, schon mit 16 nach England gewechselt zu haben, hat man noch in keinem Fall gesehen.
Keiner der Wechsel war zu diesem Zeitpunkt nötig (ob er für die fußballerische Entwicklung überhaupt sinnvoll war, steht auch in Zweifel). Wenn man die langfristige Entwicklung eines Jugendlichen im Blick hat, mit dem Ziel, dass er als Erwachsener die besten Voraussetzungen hat, sind diese Wechsel (in so jungem Alter) unnötig, vielleicht sogar schädlich. Der einzige Vorteil, den diese Wechsel bieten: Geld fließt sehr viel früher, nämlich solange der Spieler noch minderjährig ist und solange die Erziehungsberechtigten (über allerlei Konstrukte) noch persönlich finanziell profitieren können.

*Victoria war damals noch Regionalligist, ist erst später in die 3. Liga aufgestiegen

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2