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Klopp zu Özil und Gündogan: "Wir sollten nicht vergessen, dass die beiden nun mal tür
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Nun äußert sich auch Jürgen Klopp zur Erdogan-Affäre: Der Coach des FC Liverpool hat Mesut Özil und Ilkay Gündogan in Schutz genommen. Zu Bundestrainer Joachim Löw hat er ebenfalls eine Meinung.

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Autsch! 18.07.2018, 14:17
1. Deutungshoheit...

Wer sich aber gar nicht rührt, wird auch nicht gehört und überlässt den falschen die Deutungshoheit.
Aus dem Verhalten der beiden Spieler eine Integrationsdebatte zu machen, ist tatsächlich lächerlich und ausschließlich populistisch. Trotzdem müssen sich erwachsene und zudem im öffentlichen Interesse stehende Menschen kritische Fragen gefallen lassen. Sie haben kein Recht darauf, bei Bedarf wie unmündige Kinder behandelt zu werden. In diesem speziellen Fall kann die Antwort auch nicht auf dem Platz erfolgen. Da lag der DFB nicht zum ersten Mal falsch. Özil hätte bestenfalls, unabhängig vom Sport, sein Handeln sachlich begründen sollen. Dabei hätte er sich auch nicht rechtfertigen müssen, sondern vieleicht sogar einen Beitrag für mehr Toleranz und Verständnis nachreichen können. In einer Gesellschaft, in der in Teilen wieder nach Aussehen, Herkunft und ob man die Hymne mitsingt über Menschen und deren Zugehörigkeit geurteilt wird, ist er tatsächlich falsch beraten, zu schweigen. Im Gegenteil zu Bierhoff und Grindel, die offenbar jegliche Moral und Ethik der eigenen Kritiklosigkeit geopfert haben.

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matijas 18.07.2018, 14:20
2. Wurzel-Argumentation

Was haben denn die familiären Wurzeln damit zu tun, dass man eine bestimmte Politik unterstützt? Und das auch noch publikumswirksam als Wahlkampfhilfe.
Amerikanische Wurzeln - also Selfie mit Trump?
Russische Wurzeln - Selfie mit Putin?

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Marut 18.07.2018, 14:22
3. Keine Frage der Herkunft

Da muß man Jürgen Klopp schon deutlich widersprechen. Die Frage, ob das Verhalten von Özil und Gündogan OK oder verständlich war hängt doch nicht davon ab, dass sie türkische Wurzeln haben.
Die Kritik beruht darauf, dass Erdogan sich ein Land zurechtgebaut hat, dass immer weiter von einer Demokratie und Rechtsstaat wegdriftet. Das ist als ganz grundsätzlich zu kritisieren und darf nicht durch medial wirksames Verhalten auch noch unterstützt werden.
Es ist unverständlich, warum jemand einen Diktator unterstützt, wenn er sich selber aber nicht mit einer diktatorischen Politik solidarisiert. Ob der Absolutist aus meinem Herkunftsland stammt, spielt doch bei der Frage, ob ich ihn kritisiere oder unterstütze keine Rolle, sondern wie ich politisch dazu stehe. Nur weil die beiden einen türkischen Herkunftshintergrund haben, hat doch nichts damit zu tun, sondern nur, wie ihre eigene politische Einstellung dazu ist.
Und deshalb müssen sie sich vorwerfen lassen, mit diesem Diktator Sympathien zu haben.

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Schindelaar 18.07.2018, 14:30
4. Staatsbürgerrechte

Solange es nicht gegen Versammlungsgesetze oder andere Gesetze verstößt, darf sich ein Deutscher Staatsbürger treffen mit wem er will, wann er will, zu welchem Zwecke er will, und zwar ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Özil und Gündogan sind Deutsche Staatsbürger und geniessen diese Rechte selbstverständlich auch. Ganz unabhängig davon, ob sie sich nun mit der Englischen Queen, mit dem Türkischen Präsidenten oder mit dem Dalai Lama treffen. Damit sollte man diese unsägliche Diskussion endlich beenden.

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charlybird 18.07.2018, 14:37
5. Ach, Herr Klopp,

hätten Sie doch geschwiegen. Das ist denn doch zu einfach, wenn man einen kompletten politischen Missgriff nur durch die Fußballerbrille sieht.
Vollkommen verständlich aber, dass nahezu jeder, der sich in diesem elitären Einkommenskartell bewegt, den Versuch unternimmt, die beiden Millionarios durch irgendwelche Floskeln zu entschuldigen.
Nur das ist so einfach eben nicht.
Und das Özil und Gündogan türkische Wurzeln haben ist dabei ein Witz.
Das haben bspw. Can, den Klopp kennen müsste, und tausende andere Türken auch, die sich nicht mit diesem Präsidenten ablichten ließen, aber u.U. dafür eine Oppositionshaltung mit Haft, Entlassung, Jobverbot, Sippenbestrafung und anderen erdoganschen Feinheiten der Macht bis hin zur Flucht genießen dürfen.
Aber hier geht es eben nicht nur um den Sch...ssfußball, sondern um Despotismus, Folter, Unterdrückung, Meinungsmanipulation, Wahlfälschung, Medienverbote, illegale Bereicherung und, und, und......
Klopp gibt hier nur noch den Bierhoff mit Bart.

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j66 18.07.2018, 14:44
6. Allez les bleus

Ganz grundsätzlich sollten Sport und Politik genauso wie Kirche und Politik fein getrennt bleiben, das hilft schon viel. Abgesehen davon hat das Thema für mich nichts mit Integrationsdebatten zu tun, völlig fehl am Platz hier. Einfach nur schön fand ich, mit welcher Selbstverständlichkeit die französischen Spieler nach den Finale mir der französischen Fahne über das Spielfeld liefen. Dieses „commitment“ zu Ihrem Land hat man förmlich auch in der Mannschaft gespürt. Andere Mannschaften waren offensichtlich nicht so fokussiert....

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markus_wienken 18.07.2018, 14:54
7.

Zitat von Schindelaar
Solange es nicht gegen Versammlungsgesetze oder andere Gesetze verstößt, darf sich ein Deutscher Staatsbürger treffen mit wem er will, wann er will, zu welchem Zwecke er will, und zwar ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Özil und Gündogan sind Deutsche Staatsbürger und geniessen diese Rechte selbstverständlich auch. Ganz unabhängig davon, ob sie sich nun mit der Englischen Queen, mit dem Türkischen Präsidenten oder mit dem Dalai Lama treffen. Damit sollte man diese unsägliche Diskussion endlich beenden.
Natürlich darf sich ein deutscher Staatsbürger mit jedem - auch (angehende) Diktatoren - treffen (und auch Werbung für sie machen), das wird auch nicht bezweifelt.
Das man sich im Nachgang ggf. mit Fragen konfrontiert sieht, damit muss man allerdings durchaus rechnen und ist auch legitim.
Bei Privatpersonen die kaum jemand kennt dürfte der Kreis der Fragenden ziemlich klein sein (Freunde/Familie), bei Personen des öffentlichen Lebens ist dieser Kreis halt ein wenig größer, das liegt nun einmal in der Natur der Sache.
Unsäglich ist nicht die in meinen Augen notwendige Diskussion sondern das feige Schweigen der Betroffenen.

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schwaebischehausfrau 18.07.2018, 14:59
8. Niemand hat je verlangt....

...dass Özil und Gündogan "ihre türkischen Wurzeln" verleugnen sollen. Aber nur weil man türkische Wurzeln hat, muss man nicht auf einem offiziellen Termin (die aufgebahrent türkischen Banner im Hintergrund belegen ja auch, dass das kein privates Treffen war) mit einem Despoten posieren, der zigtausende Oppositionelle eingesperrt hat, darunter auch deutsche Staatsbürger , und Deutschland und deutsche Politiker noch vor kurzem aufs übelste beleidigt und mit Nazi-Vergleichen belegt hat. Ein deutscher Nationalspieler mit "russischen Wurzeln" wäre auch hochkant aus der Nationalmannschaft geflogen, wenn er dem russischen Statthalter auf der Krim stolz ein Trikot überreicht hätte. Und was hat das mit "Toleranz" zu tun? Sollen wir jetzt "toleranter" sein, wenn Erdogan demnächst wieder ein paar tausend Oppositionelle einkerkert?

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Oihme 18.07.2018, 15:00
9. Wie lange ...

... soll man denn bei zwei deutschen Nationalspielern Verständnis für das Land aufbringen, in der ihre Wurzeln liegen?
Eine Generation, zwei Generationen, immer? Auch bei Länderspielen oder nur privat?
Man kann wirklich darüber streiten, was für die Integration von Migranten letztlich verheerender ist: die üblichen Ressentiments oder der Bonus, der, den ihnen manche Gutmeinenden dauernd einräumen.

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