Forum: Sport
Leichtathletikstar Semenya: Sie will nur laufen
imago/ Xinhua

Caster Semenya ist ein Weltstar im Laufsport - und gleichzeitig begleitet sie der Argwohn von Verband und Konkurrenz, Fragen nach ihrem Geschlecht. Über den unwürdigen Streit um ihre hohen Testosteronwerte.

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ohminus 01.05.2019, 12:14
10.

Zitat von jsavdf
Wenn man eine DNA Analyse machen ließe, dann kann zweifelsfrei das Geschlecht festgestellt werden. Also machen und dann ist Ruhe.
Nein, so einfach ist das eben gerade nicht. Und es hilft der Debatte absolut nicht, mal wieder so zu tun, als gäbe es das Thema "Intersex" nicht.

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ohminus 01.05.2019, 12:18
11. Am Thema vorbei

Das Problem auf Testosteronwerte zu reduzieren ist leider ein Zeichen für mangelnde Beschäftigung mit dem Fall. Der ist deutlich komplexer und es geht um deutlich weitreichendere Fragen als nur den einzelnen Fall Caster Semenya. Sport wird in den meisten Sportarten getrennt nach Männern und Frauen durchgeführt und bewertet. Nun ist dieser historisch gewachsene Dualismus aber nach Stand der Wissenschaft grob simplifzierend. Man muss sich daher mit der Frage befassen, was man mit Menschen macht, die physiologisch nicht so leicht in die eine oder andere Schublade zu stecken sind - und an was für Kriterien man das ggf. festmacht.

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supergrobi123 01.05.2019, 12:19
12. So einfach ist es leider nicht.

Zitat von jsavdf
Wenn man eine DNA Analyse machen ließe, dann kann zweifelsfrei das Geschlecht festgestellt werden. Also machen und dann ist Ruhe. Dass die IAAF dann Testosterongrenzen einführt ist Schwachsinn. Wenn ein weiblicher Körper eben in dem Maß Testosteron produziert, dann ist das eben so. Es ist ihr in die Wiege gelegt worden. Dafür kann sie nichts. Sie scheint unter den Vorraussetzungen eben die Beste zu sein.
Wenn ich das richtig verstehe, hat Frau Semenya das Androgen-Insensitivitäts-Syndrom.
Das bedeutet: Genetisch ist sie eigenltich ein Mann, weil sie Y-Chromosomen ihr eigen nennt.
Körperlich ist sie aber eine Frau, weil sie die entsprechenden Geschelchtsorgane ausgebildet hat.
Sie ist also irgendwie sowohl Mann als auch Frau, je nachdem, wie man es definieren will.

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Wathammerjelacht 01.05.2019, 12:24
13. Wenn das so einfach wäre..

Zitat von jsavdf
Wenn man eine DNA Analyse machen ließe, dann kann zweifelsfrei das Geschlecht festgestellt werden. Also machen und dann ist Ruhe. Dass die IAAF dann Testosterongrenzen einführt ist Schwachsinn. Wenn ein weiblicher Körper eben in dem Maß Testosteron produziert, dann ist das eben so. Es ist ihr in die Wiege gelegt worden. Dafür kann sie nichts. Sie scheint unter den Vorraussetzungen eben die Beste zu sein.
Es hilft durchaus sich sachkundig zu machen. Das hat mir auch geholfen, nachdem ich gestern in einem anderen Forum
(https://www.spiegel.de/forum/sport/weltklasselaeuferin-vor-sportgerichtshof-die-langstrecke-der-caster-semenya-thread-897079-1.html)
zu (Frau/ Herr?) Caster Semenya etwas voreilig kommentiert hatte.
Was meinen Sie mit "DNA-Analyse"?
Schauen Sie mal hier nach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Intersexualität#Ursachen
Es gibt also keine Möglichkeit, jeden einzelnen Menschen eindeutig den Kategorien männlich/ weiblich zuzuordnen.
Daher das Problem im Leistungssport.
Die Idee Testosteronklassen einzuführen, analog den Gewichtsklassen im Boxen, wäre ein Behelf, aber immer noch sehr unzureichend.
Wer hat eine wirklich bessere Lösung?

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search_for_truth 01.05.2019, 12:55
14. Chromosomen-Analyse sollte entscheiden

Ich plädiere dafür, dass bei chromosomaler Ursache der Hyperandrogenität (Y-Chromosom) Caster Semanya vom Damensport ausgeschlossen werden sollte. Bei rein hormoneller/gonadaler Hyperandrogenität hingegen sollte ihre Teilnahme weiterhin erlaubt sein. Den Zwang Testosteronsenker anwenden zu müssen halte ich für falsch.
Über den Chromosomen-Status von Caster Semanya ist übrigens (meines Wissens) öffentlich nichts bekannt.
Ohne dessen Kenntnis ist eine sachgerechte Diskussion nicht möglich.

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ray05 01.05.2019, 13:07
15.

Die Unterscheidung, ob jemand bei den Männer- oder bei den Frauenbewerben starten darf, wurde doch immer nach Maßgabe primärer Geschlechtsmerkmale getroffen, oder? Warum diese Hormonschlacht? Da Leichtathletik Profisport ist (also dem Entertainmentzirkus zuzurechnen ist), werden die Konkurrentinnen der inkriminierten Läuferin wohl oder übel geeignete (und möglichst koschere) Maßnahmen zur Erhöhung ihrer eigenen Testosteronwerte ergreifen müssen, wenn sie denn den professionellen Ehrgeiz haben, um die großen Titel und Preisgelder mitzurennen. Wenn nicht, so blieben ja für die von Natur aus körperlich Unterlegenen immerhin noch inoffizielle Auszeichnungen mehr informeller Art, wie zum Beispiel: Weltmeisterin der (Männer)herzen. Oder man blickt der Realität vollends ins Auge und sagt, OK, auch das härteste Training reicht nicht, um meinen natürlichen Testosteronnachteil auszugleichen - dann bin ich halt nicht geeignet für die Spitze und mach' notfalls einen anderen Job. Totalprofessionalisierung bedeutet extreme Ausdifferenzierung und Selbstoptimierung und führt immer dazu, dass am Ende diejenigen vorne stehen, die genau so aussehen, wie es die Erfordernisse der Disziplin im Bereich des High-end-Segments verlangt. OK, man könnte vielleicht einen dritten Bewerb etablieren, in dem testosteronschwache Männer und testosteronstarke Frauen gegeneinander antreten, dazu bräuchte es dann aber tatsächlich Grenzwerte nach oben und nach unten. Läuferinnen, die ihren oberen Grenzwert überschreiten, rückten dann automatisch auf in diese höhere Testosteron-Klasse. Das wäre dann wie beim Boxen, wo man ja auch automatisch in die nächsthöhere Klasse aufrückt, wenn man sein Gewicht nicht halten kann. Oder nicht? :)

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lektra 01.05.2019, 13:20
16. Geht am eigentlichen Sinn vorbei

Ein Artikel, der sich nicht ansatzweise damit beschäftigt, warum es im Leistungssport überhaupt gesonderte Frauenwettbewerbe gibt, geht am Thema vorbei. Man kann die Auseinandersetzung nicht darauf reduzieren, dass Semenya hier nur ein Objekt im Kampf der Funktionäre sei und es dem Verband nur darum ginge, "sein Regelwerk zu retten". Hier geht es generell um die Rechte von sporttreibenden Frauen und darum, ob Frauenleistungssport in bestimmten Bereichen überhaupt noch möglich sein wird. Dass Frauen in einer gesonderten Kategorie starten, hat einen einzigen Zweck: Frauen den Wettkampfsport zu ermöglichen. Diese Unterteilung ist nicht notwendig, weil Frauen ein XX-Chromosomen-Paar haben, und auch nicht, weil sie andere äußere Geschlechtsorgane haben als Männer. Sie ist ausschließlich deshalb notwendig, weil Frauen durch ihre Anatomie und ihren Hormonstatus einen uneinholbaren körperlichen Nachteil gegenüber Männern haben. Wenn Athlet*innen mit männlichem Hormonstatus in Frauenwettbewerben starten dürfen, ist der Leistungssport für Frauen in diesen Bereichen tot. Wenn man den Vergleich zu Sportlern wie Michael Phelps oder Usain Bolt zieht, die beide "auch durch ihre Anatomie Vorteile" hätten, dann könnte man direkt fragen: Weshalb sollten Menschen mit weniger geeigneter Anatomie (auch "Frauen" genannt) die gleichen Ehren erhalten wie Phelps oder Bolt (WM-Titel, Olympia-Siege), obwohl sehr viel langsamer sind? Wenn man getrennte Kategorien einrichtet, um einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen, dann sollte man deren Sinn auch ernst nehmen. Der Hälfte der Menschheit zu ermöglichen, unter fairen Bedingungen Leistungssport zu betreiben, hat letztlich den Zweck, auch Frauen und Mädchen sportliche Vorbilder zu geben.

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exxilist 01.05.2019, 14:13
17. Schwierig

Naja, man braucht nur einen blick auf die Fotos der Frau zu werfen und man weiß warum Zweifel herrschen. Gesichtsszüge, Körperbau. Das sieht nicht aus wie bei einer Frau. Selbst bei durchtrainierten Sportlerinnen, Bodybuilderinnen o.ä. (Welche die nicht nachhelfen natürlich) sieht man mehr Fraulichkeit.
Wenn der Testosteronspiegel wirklich natürlichen Ursprung ist, mag es für die Sportlerin selber natürlich unangenehm sein, die diversen fragen und Prozeduren über sich ergehen lassen zu müssen. Jeodch kann niemand so blauäugig sein und bei den Voraussetzungen nicht damit rechnen. Und wenn nicht selbst, dann sicher Trainer, Umfeld, etc.
Die Entscheidung, den testosterongehalt medizinisch auf ein normales und gängiges Niveau ist richtig. Man sollte sich davor hüten, wegen solcher einzelnen, besonderen Fälle das Rad neu erfinden zu wollen. Es war letztendlich die Entscheidung der Sportlerin selber, dem SPot mit dieen Voraussetzungen auszuüben. Dann muss man auch mit den folgen leben. Und das tut sie ja anscheinend. Eines muss man aber unterscheiden: Ein natürlich vorkommender hoher Testosteronspiegel ist weder eine Gabe noch Talent, die dadurch resultierenden Ergebnisse sind sodem nicht fair den anderen Sportlerinnen gegenüber.

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MtSchiara 01.05.2019, 16:59
18. Es gibt einen Wettbewerb, wo jeder laufen kann wie die Natur ihn ...

.../sie geschaffen hat, ohne irgendwelche Fragen beantworten zu müssen (mit Ausnahme vielleicht von Claudia Pechstein). Dies ist der sogenannte "Wettbewerb der Männer", der aber tatsächlich nicht ganz korrekt bezeichnet wird, da er für alle offen ist - auch für Caster Semenya. Wenn sie sich bei den Männern qualifizieren kann, dann kann sie dort mitlaufen.

Und dann gibt es den privilegierten Wettbewerb, der auch nicht ganz korrekt als "Wettbewerb der Frauen" bezeichnet wird. Die Regeln, nach denen hier zugelassen wird, sind willkürlich, und somit gibt es auch keinen Grund, beleidigt zu sein. Ursprünglich galt der Eintrag im Personalausweis "W", aber da dies ja heute frei gewählt werden kann, reichte dies nicht mehr aus. Daher kam das Y/X-Chromosom als zweites Kriterium dazu. Aber da dieses Chromosom nicht immer im Körper aktiviert wird, reichte dies dann auch nicht. Somit jetzt das dritte Kriterium: Testoteronspiegel. Regeln sind willkürlich und können zu jeder Zeit angepaßt werden. Daran ist nichts ehrenrühriges. Entscheidend ist nur, daß sie nicht nachträglich geändert werden. Caster Semenya hat somit zurecht ihre bisherigen Medallien erhalten. In Zukunft muß sie aber auch die dritte Regel erfüllen, oder bei dem "Wettkampf, wie die Natur dich geschaffen hat", also den Männern, mitlaufen.

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