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Mesut Özil: Integrationsmaskottchen wider Willen
DPA

Mesut Özil war einst das Gesicht eines modernen, weltoffenen Deutschlands. Nun hat er einen Fehler gemacht, wird rassistisch beschimpft und tritt zurück. Was ist da nur schiefgelaufen?

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bafibo 23.07.2018, 15:12
90. Mal ein Vergleich

So ziemlich jeder jüdische Deutsche würde sich energisch dagegen verwahren, wenn man ihn für die Politik Israels haftbar machen wollte (was schon oft genug passiert ist). Dabei ist Israel, egal was man von seiner Politik halten mag, eindeutig ein Rechtsstaat, achtet sowohl Frauenrechte wie Pressefreiheit und weder Staatschef noch Premier zeigen irgendwelche Tendenzen, ihren Staat in eine Autokratie umwandeln zu wollen. Das alles trifft auf die Türkei derzeit nicht zu. Nachdem dies in Presse und TV seit Monaten herauf- und herunterdekliniert wird - wie naiv kann man sein, davon nichts zu wissen? Und davon, daß Erdogan sich zum Zeitpunkt des Fototermins noch mitten im Wahlkampf befand, so daß jedes gemeinsame Foto als Unterstützung gelten mußte? Ich kann verstehen, daß Özil sich geehrt fühlte, daß der türkische Präsident ihn sehen wollte. Ein Versuch auszuweichen ist ihm möglicherweise - rein aus Höflichkeit - zu schwierig vorgekommen (wenn er das überhaupt in Erwägung gezogen hat). Aber mußte es dann eine Widmung "für meinen Präsidenten" sein?

Andererseits haben sich Bierhoff und Grindel bis auf die Knochen blamiert, als sie Mesut Özil die Schuld für das schlechte Abschneiden bei der WM in die Schuhe schieben wollten. Auch wenn Özil daran Anteil hat, war er beileibe nicht der einzige, der das Ganze verbockt hat (und auch Bierhoff und Grindel waren daran beteiligt). Kurz, Özil hat völlig recht, wenn er sich wegen eines solchen Mißgriffs (auch wenn er ihn derzeit nicht als solchen wahrnimmt) nicht weiter anpinkeln lassen will. Es war ja nicht der erste derartige Vorfall - als er vor einigen Jahren ein Foto von sich als Mekkapilger veröffentlichte, gab es auch schon reichlich Kritik, mit noch viel weniger Berechtigung.

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Besserwisser1970 23.07.2018, 15:13
91. Sie

Zitat von thormueller
Um ehrlich zu sein: Ich hätte mir gewünscht, dass das Problem mal beim Namen genannt wird. Kicker mit Migrationshintergrund scheinen in vielen Fällen für den DFB zu spielen, weil die Sterne auf dem Trikot funkeln. Es geht um einen Schub der eigenen Marke. Wer sich dazu entschließt einer NATIONalmannschaft beizutreten und für diese auf der Weltbühne zu agieren, sollte das Wertesystem der jeweiligen Nation auch repräsentieren wollen. Allein dieses Theater um das Mitsingen der Hymne ist eine Farce. Wer die Franzosen und Engländer bei der WM gesehen hat wird wissen was ich meine. Özil war stets ein Türke im deutschen Trikot, weshalb ich nie verstanden habe, warum er überhaupt für Deutschland kicken durfte. Sein Rassismus-Gejammer ist lediglich ein Manöver zur Begrenzung des Schadens an der Marke Mesut Özil.
haben schon ein gewaltiges Problem.
Genau solche Menschen, die solche Kommentare abgeben, sind das Problem. Nicht ein Özil, der ein besch.... Foto und besch.... Kommentare abgegeben hat.
Die von Ihnen genannten und Özil sind Deutsche, hier geboren und hier aufgewachsen und mit Deutscher Staatsangehörigkeit.
Ihre Meinung ist peinlich und grenzt an Rassismus, weil Sie sich "Deutscher" als andere fühlen. Alles Übel des letzten Jahrhunderts is aus genau dieser Haltung entstanden.
Özil ist mir egal, aber nicht solche Menschen wie Sie.

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lektra 23.07.2018, 15:13
92. Bei Özil kommt viel zusammen

Dass Özil doch anders beurteilt wird als z.B. Klose, Podolski oder Khedira, ist wahr. Dazu tragen verschiedene Ursachen bei:
1.) Das genannte Beispiel mit dem Spiel am 8.10.2010, EM-Qualifikation gegen die Türkei: "Die Mehrzahl der 76.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion drückte der Türkei die Daumen. Sie pfiffen Mesut Özil bei jeder Ballberührung gnadenlos aus". Aber sie pfiffen damals auch die deutsche Nationalhymne gnadenlos aus. Das waren nicht zehntausende Touristen aus der Türkei, sondern Menschen, die hier langjährig lebten, die teils in Deutschland geboren waren, deutsche Staatsangehörige. Man wäre naiv zu glauben, dass solche Ereignisse nichts machen mit der Mehrheitsgesellschaft: wenn zehntausende Bürger dieses Landes so konzertiert ihre Verachtung demonstrieren. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Wahrnehmung von türkischstämmigen Mitbürgern.
2.) Mesut Özil fehlt etwas, was z.B. Klose, Podolski oder Khedira haben: Merkmale regionaler Verbundenheit. Podolski ist in Sprache und Mentalität kölscher Jung. Khedira war lange seinem Heimatverein verbunden und kann den leichten schwäbischen Tonfall nicht verbergen. Wenn in Kloses Hochdeutsch früher noch grammatikalische Fehler waren, waren sie typisch für Menschen, die mit der pfälzischen Sprache großgeworden sind. Bei Özil ist Deutsch immer noch merkbar eine Fremdsprache, eine Sprache, die er erst spät gelernt hat und wohl als Kind dann auch nur selten gesprochen hat. Er hat keinen Ruhrgebiets-Akzent, sondern einen türkischen. Das kann man ihm natürlich nicht vorwerfen, aber beim Fan wächst nicht diese unwillkürliche Verbundenheit, wie sie exemplarisch bei Podolski zu sehen ist. So passt es ins Bild, dass Özil sein Schreiben in Englisch veröffentlicht hat.
3.) Am Spieler Özil scheiden sich, ganz unabhängig von der Nationalitätsfrage, die Geister - wie bei allen derart veranlagten Spielern: Spieler, die enormes Potential haben, die den Unterschied machen können, aber in vielen Spielen einfach untertauchen. Fans sehen da oft einen Mangel an Mentalität, und so etwas macht angreifbar. Wenn es für Arsenal nicht lief, konzentrierten sich Arsenal-Fans und die englischen Medien in der Diskussion v.a. auf Özil. Die Höchstbegabten (und Höchstbezahlten) sind halt auch immer in der größten Verantwortung.
Zudem: Özil hat sich mit der Erdogan-Aktion politisch eigentlich überall in die Nesseln gesetzt. Diejenigen, die Deutschtürken generelle Integrationsunfähigkeit unterstellten, sahen sich hier bestätigt. Dass der Spielertyp Özil so kontrovers gesehen wird, machte ihn zum idealen Angriffspunkt nach der desaströsen Leistung der Nationalmannschaft. Für diejenigen, die für die Integration werben, war Özils Auftreten mit diesem Autokraten natürlich ein Schlag. Gerade die Demokraten Mitte-Links propagieren das Funktionieren der multikulturellen Gesellschaft, und da war Özils Werbung für Erdogan pures Gift. Er hat es sich also mit jeder Seite verdorben.

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joomee 23.07.2018, 15:13
93. Gewinner ist Erdogan samt Anhänger

Es gibt nur einen Gewinner und der heisst Erdogan. Wenn morgen Präsidentschaftswahlen wären, würden seine Zustimmungswerte in Deutschland sicherlich nochmals steigen.

Er kann dies jetzt geschickt nutzen und den Deutsch-Türken suggerieren, dass sie nicht willkommen wären. Und viele würden das mit Sicherheit dankbar aufsaugen, nach dem Motto "wir haben es schon immer gewusst" und "Erdogan hat schon immer gesagt, dass Assimilation nicht gut ist".

Ähnlich wie der Putsch in der Türkei spielt imh Özil's Rücktritt in die Hände und er kann seine Anhänger noch mehr hinter sich scharen und sogar noch verstärkt niedrige Instinkte ansprechen. Jetzt haben sie einen "Märtyrer" und solche Leute sind in der orientalischen angehauchten Kultur ja bekanntlich ganz wichtig. Und in der Konsequenz brauchen sie einen starken "Beschützer".

Wenn man böse ist und an Verschwörungstheorien glaubt, kann man auch vermuten, dass Özil's Rücktritt und seine Reaktionen aus der Propaganda-Abteilung in Ankara inszeniert und gemanaget wurden. Wenn es so war, wurde es perfekt gemacht und erfolgreich durchgezogen. Chapeau!

Das Thema Rassismus und Türke oder nicht wird mir hier sowieso missbraucht. Wenn Thomas Müller sich mit dem falschen - oder was die Mehrheit als Falschen sieht - ablichtet und seine Bewunderung ihm aufs Trikot schreibt ist er geliefert. Das würde mit jedem amerkanischen Baskebal-Star so sein, egal ob er weiß ist oder nicht. Man kann das gut oder schlecht finden, aber das ist der Preis dafür dass man eine öffentliche Person ist.

Hätte Özil sich mit Herrn Gülem oder einem führenden PKK-Politiker gezeigt und ihm eine Widmung geschrieben, bräuchte er heute Personenschutz - und zwar von den fanatischen Erdogan-Anängern. Es kommt halt immer drauf an...

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klauswinkler 23.07.2018, 15:14
94. Schlecht gespielt

Auf allen Seiten wird hier schlecht gespielt und gehandelt. Gelbe Karte! Geht man jetzt ins Detail und in die Fehleranalyse würde es schmutzig werden und dass hat der Deutsche Fußball und seine Verantwortlichen und auch alle seine Spieler nicht verdient.

Schlussstrich setzen und das nächste Mal passiert das nicht mehr, weil wir alle aus diesem Casus gelernt haben und uns an die Nase fassen.

Wer den Verlauf der WM betrachtet und noch die Mannschaften vor Augen hat, die beherzt und gut gespielt haben, weiß genau was die Grundbedingungen für einen künftigen Nationalspieler sein müssen.

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petrapanther 23.07.2018, 15:14
95.

Zitat von gerald246
"Mit der AfD haben inzwischen jene Teile der deutschen Gesellschaft ein Sprachrohr im Bundestag gefunden, die der Ansicht sind, dass Deutsche mit türkischen Wurzeln wie Özil grundsätzlich nichts in der Nationalmannschaft verloren haben. " Aha, Herr Sydow, und wer hat sowas denn gesagt? Ich glaube dass diese Meinung eher der Fantasie des Autors entspringt. Was die AfDler aber bestimmt wollen, ist dass ein Nationalspieler sich zu seinem Land bekennt, und nicht zu einem anderen, so wie Özil es gemacht hat. Darum geht es.
Klar, das Problem liegt ausschliesslich bei Özil. Alle anderen Nationalspieler mit Migrationshintergrund werden von der AfD ja explizit unterstützt, insbesondere Jerome Boateng.

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mahmoudbajbouj 23.07.2018, 15:14
96. "Özil hat einen Fehler gemacht"

Die Autorin vertritt die Auffassung, wie wohl die meisten Menschen in Deutschland,"Özil hat einen Fehler gemacht". Özil erklärt in seiner Stellungsnahme, dass er alles richtig gemacht habe und es wieder so tun würde. Genau das ist der Aspekt, der zeigt was schiefgelaufen ist, um die Frage der Autorin zu beantworten.

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kfp 23.07.2018, 15:17
97. Fehler???

Zitat von leidernein
Völlig korrekt, Özil habe einen Fehler gemacht. Ich stimme dem zu. Meiner Ansicht nach hat Özil selbst dies bis heute nicht begriffen; er sucht wild um sich schlagend den Fehler bei allen anderen. Das ist vor allem für ihn selber sehr schade.
Er hat ein Foto gemacht? Wo ist das ein Fehler? Und wer von uns hätte in der Situation, mit irgendeinem (muss noch nicht mal der eigene Landespräsident sein, auch niemand, mit dem man sich in der Vergangenheit - als er noch als salonfähiger galt - schon ein paarmal im Smalltalk ausgetausch hat) prominenten Politiker fotografiert zu werden, diesem eiskalt gesagt "nein danke, ich halte Ihre Politik für untragbar und will daher nicht mit Ihnen gemeinsam abgelichtet werden"?

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Little_Nemo 23.07.2018, 15:19
98. Viel Lärm um wenig

Die Sache mit dem Foto war nicht gut, vermutlich unüberlegt. Das hat mir auch nicht gefallen. Aber die Schlammschlacht, die danach kam, war würdelos und überzogen. Wir wissen natürlich mittlerweile alle, dass die Internet-Foren voll von Leuten sind, die nur auf solche Bröckchen warten, um darauf anzuspringen und ihr unappetitliches Süppchen daraus zu kochen. Von den Verantwortlichen einer Organisation wie dem DFB erwarte ich aber mehr Verantwortungsbewusstsein. Özil wird hier nun in eine Rolle gedrängt, die er nicht verdient hat. Insbesondere Herr Hoeneß sollte sich mit Kommentaren tunlichst zurückhalten. Wenn es darum geht, dass Fußballer Vorbildcharakter haben sollen, traue ich Özil allemal mehr zu als dem selbstverliebten Bratwurstkönig. Und dass er sich weigert zu singen sollte man ihm eher zugute halten. Wenn andere Fußballer auch so verantwortungsvoll wären, wären uns Marter-Hymnen wie "Fußball ist unser Leben" und "Gute Freunde kann niemand trennen" erspart geblieben.

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hackman36 23.07.2018, 15:19
99. Wär Deutschland Weltmeister geworden

wäre das dann auch so abgelaufen?
Hätte Erdogan sich dann auch als Weltmeister gefühlt.
Nein, wer für die Nationalmanschaft eines Landes antritt, sollte dann auch nur dieses Land vertreten. Özils hätte also eigentlich gar nicht für Deutschland zur WM fahrne sollen, es gab ja bis kurz vor Beginn noch andere Spieler die bereits in der engeren Auswahl waren. Bruno Jonas hat das dann sehr schön ausgedrückt " unsere Nationalmannschaft mit den beiden Gastspielern".
Gut, dass wir nicht gewonnen haben, die Diskussion wäre noch viel größer!

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