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Nada vs. DEB: Was zählt der Anti-Doping-Code?

Wie viel Macht hat ein deutscher Sportverband? Im Streit zwischen dem Eishockey-Bund und der Nada im Fall Florian Busch zeigt sich, wie bindend der Doping-Code für urteilende Funktionäre wirklich ist. Der DEB wollte den Fall schnell vergessen und sprach ein mildes Urteil. Doch die Nada wehrt sich auf Basis des Welt-Antidoping-Codes - nun landet der Fall wohl vor dem Obersten Sportgrichtshof in Lausanne. Tut man dem Spieler unrecht, der sich der Doping-Kontrolle eventuell aus Naivität der Doping-Kontrolle verweigerte?

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Hador 22.04.2008, 18:52
1.

Der Fall Busch zeigt doch nur mal wieder, dass die ganzen Versprechen im Anti-Dopingkampf nur ein Witz sind. Die Verbände versprechen hoch und heilig nichts sei ihnen wichtiger als sauberer Sport. Ist dann aber wirklich mal ein Athlet aus dem eigenen Verband betroffen, dann ist das Geschrei groß.

Hat Busch gedopt? Keine Ahnung, aber die Regeln sind klar und ebenso klar ist sein Verstoß dagegen.

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Guderian 22.04.2008, 19:42
2. Die NADA macht sich lächerlich

Eishockey ist eine Mannschaftssportart, da kann man mit Doping nur sehr schwer betrügen. Kraft und Ausdauer sind im Eishockey nicht derart spielentscheidend wie in anderen Sportarten. Was wirklich zählt sind Teamfähigkeit und Geschicklichkeit. Sowas kann man nicht herbei spritzen. Wer sich im Eishockey einen Vorteil verschaffen will, der dopt nicht, sondern besticht einen Schiedsrichter.

Weil das auch der DEB weiss, hat er hier Gnade vor Recht ergehen lassen und den Spieler, der nur wenige Stunden nach dem Vorfall eine negative Dopingprobe abgegeben hat, verschont. Im Eishockey ist Doping nicht das große Thema wie im Radsport. Die Dopingkontrollen werden daher auch nicht so extrem ernst genommen. Dem Spieler war sicher nicht klar, dass er eine Zweijahressperre riskiert.

Es wäre in diesem Falle überhart, wenn man die NADA Regeln wörtlich anwenden würde. Denn diese unterscheiden nicht in problematische und weniger problematische Sportarten und sie berücksichtigen auch nicht, dass der Spieler den Test nur wenige Stunden später nachgeholt hat. Deswegen hat sich der DEB zu recht anders entschieden. Sollte die NADA weiter auf dem Thema rumreiten, beschädigt sie sich damit nur selbst.

Weder wird dadurch das Dopingproblem in den dafür problematischen Sportarten gelösst, noch hilft es gegen bestechliche Schiedsrichter in den Sportarten, die dafür anfälliger sind. Wenn sich die NADA hier durchsetzt, hat niemand etwas davon. Es wäre nur ein weiterer nutzloser Sieg des Rechts über die Gerechtigkeit.

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sam clemens 22.04.2008, 20:47
3. Wie bitte?

Dass Doping in Mannschaftssportarten wie Eishockey keine leistungssteigernde Rolle spielen kann, halte ich für fachlich falsch. Je besser die konditionellen Fähigkeiten ausgebildet sind (die man bekanntlich mit Doping entscheidend verbessern kann), desto mehr ist der Sportler in der Lage, konzentriert und genau zu handeln, auch und vor allem seine technischen Fähigkeiten einzusetzen. Jeder Sportler weiß doch genau, wie anstrengend es ist, unter Ermüdungsbedingungen technisch gut zu bleiben. Oder einfach: Ausdauer heißt gute Technik bei hoher Ermüdung (sagt der Sportwissenschaftler).
Außerdem sind bestimmte Dopingmittel durchaus geeignet, die in Spielsportarten so anstrengenden Intervallbelastungen besser verkraftbar zu machen.
Wenn man liest, dass ein (Profi?)-Spieler und A-Kader (?) die Doping-Kontrollen nicht so ernst nimmt und dass der verband das toleriert, kommt einem schon das große - Entschuldigung! - Kotzen, denn in anderen Sportarten, in denen beträchtlich weniger (wenn überhaupt)Geld an die Athleten fließt, wird erheblich härter durchgegriffen. Wie soll man denn Recht überhaupt umsetzen, wenn nicht buchstabengetreu? Abgesehen davon halte ich die gegenwärtige Kontrollpraxis, wie an anderer Stelle schon geschrieben, für würdelos und zudem uneffizient.

Nehmen Sie mir das nicht übel, Guderian, aber so ist die Lage im Hochleistungssport.

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Uli123 22.04.2008, 20:52
4.

Zitat von Guderian
Eishockey ist eine Mannschaftssportart, da kann man mit Doping nur sehr schwer betrügen. Kraft und Ausdauer sind im Eishockey nicht derart spielentscheidend wie in anderen Sportarten.
Also erlauben wir Doping beim Eishockey? Und in welchen Sportarten noch?

Es gibt eine glasklare Regel und einen sogenannten Sportler der dagegen verstoßen hat. Da gibt es nichts zu intepretieren, sondern die Strafe ist einfach zu verhängen. Wenn der deutsche Verbandssumpf hier anders urteilt, dann bestärkt mich das in meinem Urteil diese Sportarten auch nicht mehr anzusehen und somit leider auch die ehrlichen Sportler zu "bestrafen". Aber nur durch die macht der Zuschauer, sich und die Sponsorgelder auf "saubere" Sportarten zu fokussieren, kann hier was ändern.

Uli

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Guderian 22.04.2008, 22:04
5.

Weder hab ich gesagt, dass Doping garnichts bringt, noch hab ich eine Legalisierung gefordert. Aber Doping kann nur dabei helfen, die technischen Fähigkeiten einzusetzen, die man ohnehin schon hatte. Um aber erstmal technisch versiert zu werden, muss man viel trainieren. Dadurch bekommt man die Ausdauer quasi gratis mit dazu. Zusätzlich dopen bringt im Mannschaftsspiel so gut wie nichts. Deswegen hat die Wettmafia auch Robert Hoyzer bestochen, anstatt Steroide unter die Cornflakes von Energie Cottbus zu mischen. Man kann in einer Mannschaftssportart eine schlechte Mannschaft nicht zu einer guten Mannschaft zurecht dopen. Bei bestimmten Leistungs- und Ausdauersportarten geht das aber durchaus. Im 100-Meter-Lauf oder bei der Tour-de-France gewinnt garantiert derjenige, der am meisten gedopt hat. Nicht derjenige, der mit der besten Technik radelt oder sprintet. Deswegen dopen bei den Radfahrern auch so viele. Die Vorteile für die Doper sind in diesem Sport ungleich größer als beim Eishockey. Das weiss aber auch jeder.

Wenn die NADA nur die Sperre kennt und keine leichteren Strafen für leichtere Vergehen, dann muss sie damit rechnen, ignoriert zu werden. Der DEB braucht die NADA nicht, noch hat er irgendwelche Rechtfertigungsprobleme in Sachen Doping. Eigentlich interessiert sich doch auch sonst keiner fürs Deutsche Eishockey, weder von der Presse noch von irgendwelchen Sportfunktionären. Also weshalb soll der DEB seine Angelegenheiten nicht auch diesmal alleine regeln? Das ist einfach ein Problem, das die NADA mit dem DEB hat, nicht umgekehrt. Der DEB konnte selber urteilen und das hat er getan! Die NADA möchte sich einfach nur wichtig machen und ist furchtbar entsetzt darüber, dass sie keiner für voll nimmt.

P.S.: DEB-Präsident Hans-Ulrich Esken ist übrigens von Beruf Richter, er sagt dazu: „Wir wollen einem jungen Mann nicht sein ganzes Leben verbauen“. Was durchaus die Folge einer solchen Sperre hätte sein können. Also man kann auch anders urteilen. Recht ist auch Auslegungssache.

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DoktorMS 22.04.2008, 22:14
6. Doping ist Doping!

Die Athleten müssen mittlerweile ihre Unschuld beweisen. Und zwar völlig zu recht!!

Profi-Sportlern nehme ich mittlerweile keine "explosiven" Leistungssteigerungen mehr ab. Siehe die neuen Rekorde beim Schwimmen. Die neuen Anzüge sind vermutlich nur reine Ablenkung. Schwimmer mit Flossen-Füßen und Kreuzen so breit wie "Öltanker" sind nicht natürlich. BTW, in den 70er Jahren hatte diverse Fußballer auch Oberschenkel, die breiter waren als der Bauch mancher Burger-Esser!

Eine verweigerte Doping-Probe ist demnach ein Eingeständnis der Schuld! Funktionäre, die solche "Sportler" noch in Schutz nehmen, sind einfach nur erbärmlich. Sind aber genauso bezeichnend für die Doppelmoral im Sport, wie sie bei jedem Großereignis (Fest der Jugend, Treffen der Jugend, ...) ins Auge stechen. Für mich gehören Sportfunktionäre in den größeren Verbänden zu den widerlichsten Gesellen, die unter unserer Sonne leben. Ohne jede Ausnahme!!

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Hador 22.04.2008, 22:21
7.

Zitat von Guderian
Es wäre in diesem Falle überhart, wenn man die NADA Regeln wörtlich anwenden würde. Denn diese unterscheiden nicht in problematische und weniger problematische Sportarten und sie berücksichtigen auch nicht, dass der Spieler den Test nur wenige Stunden später nachgeholt hat.
Ihr Post zeugt, mit Verlaub, von völliger Unkenntniss der Materie.

1. Das Doping in Teamsportarten nichts hilft ist einfach nicht wahr. Für den einzelnen Spieler macht Doping auch in Teamsportarten durchaus Sinn, da es für ihn selbst durchaus auf seine eigenen Leistungswerte ankommt. Anders ausgedrückt, ein Fussballer, der dank Doping 90 Minuten rennen kann wie verrückt und mit den richtigen Mitteln auch noch seine Reflexe steigert, kann zwar immer noch im Verlierteam sein aber er selbst verschafft sich dennoch einen unfairen Vorteil. Ausserdem kann man sehr schön an diversen Fällen im Fussball und auch in der NHL sehen, dass Doping auch in solchen Sportarten inzwischen üblich ist.

2. Diese wenigen Stunden können ohne Probleme ausreichen um Tests zu verfälschen. Wie im Artikel ja schon geschrieben können innerhalb dieser Zeit Stoffe im Körper abgebaut werden, der Urin ausgetauscht oder diverse Medikamente zur Verschleierung eines Dopingmittels eingenommen werden.

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bestoff5 22.04.2008, 23:54
8. Doping

Ich lache mich schlapp über diese Diskussionen.
Glaubt denn jemand immer noch ernsthaft das Doping nur in bestimmten Sportarten stattfindet.
Doping ist überall,keiner wird heute mehr Weltmeister oder Olympiasieger ohne Doping.Wer das noch nicht begriffen hat dem fehlt es leider an Realitätssinn,zumindest neigt er zum einfachen Denken.

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eisbaer68 23.04.2008, 07:31
9.

Was haben wir nicht alles im Alter von 23 alles gemacht, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Das ist sicher keine Entschuldigung aber der nachgeholte Test hat auch im Ansatz keinen Zweifel aufkommen lassen. Jetzt versucht man einen Sportler zu demontieren wo uns doch von einer anderer Seite gezeigt wird, dass das Überwachungssystem nicht wirklich Funktioniert. J.U. kauft sich frei und entgeht so einer weiteren Bestrafung. Mir stellt sich da die Frage, ob die verantwortliche Untersuchungskommission (Fall Busch) ihr Mütchen kühlen will. Wenn wir als Bürger einen Rechtsverstoß begehen, gibt es schließlich auch immer mehrer Möglichkeiten dieses zu ahnden. Warum sollte das hier anders sein? 5000€ und gemeinnützige Arbeit sind sicherlich genug für einen Verstoß gegen einen Formalismus. Doping währe sicher etwas anderes.

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