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Özils Rücktritt und das Versagen des DFB: Nicht genug integriert
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Mesut Özil lässt Selbstkritik vermissen. Aber seine Attacke auf DFB-Präsident Reinhard Grindel enthält viel Wahres: Der Deutsche Fußball-Bund ist an einer seiner wichtigsten Aufgaben gescheitert.

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ATomba 23.07.2018, 07:01
140.

Es wird viel zu wenig über die fußballerische Leistung von Özil diskutiert. Mit dieser Leistung wäre ein Verbleiben in der Nationalelf eh nicht gerechtfertigt.

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anja-boettcher1 23.07.2018, 07:02
141. Das Problem reicht tiefer als Özil und der DFB

Nein, das Problem sind nicht Mehmud Özil und nicht der DFB, sondern die analytisch den eigenen Referenzrahmen nicht erkennenden selbsterklärten Sachwalter der Meinungshoheit. Einer sozial, ethnisch und kulturell die eigene identitäre Grundlage absolut setzende Minderheit in der Gesellschaft, die pausenlos Divide und Impera betreibt und sich dann über Zersplitterung wundert. Keinem Nachkommen von Migranten wird je ein anderer normativer Bezugsrahmen gegenüber kommuniziert als das Grundgesetz. Und jeder von ihnen sagt mit Recht, dass er dem doch genüge. Denn das Grundgesetz ist ein GESETZ, ein Regelwerk. Auf Vorwürfe 'mangelnder Integration' wird jeder von ihnen antworten: Gegen welches Gesetz verstoße ich denn? Welche Regel halte ich den nicht ein? Ich bewege mich auf der Grundlage der hier geltenden Gesetze und Regeln. Und ansonsten bin ich eben von meinem Selbstverständnis Türke.

So lebt die Basis der Gesellschaft: als Türken, Deutsche, Balkanesen, Kaukasier, was auch immer. Der neoliberale Tüchtigkeitsimperativ verlangt ihnen Arbeit ab, Betonung des Rechtsstaats Regeleinhaltung und Demokratie heißt doch, dass man so sein darf, wie man ist, oder? "Multikulturalismus" meint hier, dass von ihrem Selbstverständnis äußerst unterschiedliche Menschen irgendwie miteinander klarkommen.

In der Realität der Latte-Machiato-Gesellschaftsschicht hält man aber "Multikulturalität" für ein postmodernes identitäres Label und sich selbst für die Avantgarde, den Orientierungspunkt. Das sind sie aber nicht. Sie sind eine sozial und politisch eng gefasste Gruppe und ihr ideologisches Fundament ist keineswegs unstrittig.

Dass sie, überpräsent in Medien und Politik, nicht gesamtgesellschaftlich integrativ wirken, zeigte das Fremdeln der Ostdeutschen, dann die Entstehung von AfD und Pegida, aber auch die Distanz sozialer und ethnisch definierter Parallelgesellschaften.

Mit viel Selbstlob meint diese Gruppe, sie sei, weil sie alle internen Widersprüche eliminiert hat (etwa zwischen Grünen und CDU), die Verkörperung ultimativer libertärer Auffeklärtheit. Und was für sie "NO GO"s sind, verlautbart sie in täglichen Dämonisierungskampagnen: wie Putin, Erdogan, Trump, Russlanddeutsche, Machos, Friedensaktivisten, unbotmäßige Gewerkschafter, Schützenkönige, Rechtspopulisten, Altlinke, Gestrige, Linkspopulisten, Rechtspopulisten und jeden, der nicht in jedem Satz einmal das Mantra von libertären "Werten" ausstößt...

Die von diesen Meinungshoheitlern angeführte Gesellschaft ist sozial, politisch und kulturell eng. Sie ist nicht mehr im Stande, kontrovers zu streiten und hält sich für "alternativlos". Sie ist weniger integrationsfähig als die alte Bundesrepublik, obwohl sie viel diversere Leute integrieren müsste. Sie ist so programmiert, dass die Wohlstandsmaschinerie ewig brummen muss, weil ihr sonst die totgeschwiegenen inneren Widersprüche um die Ohren fliegen. Und sie wird von ANGST regiert.

Das Problem sitzt in Regierungsämtern und Chefredaktionen. Wir brauchen aber eine OFFENE GRUNDSATZDEBATTE. Denn das Mantra der "Alternativlosigkeit", das die Ära Merkel verkörpterte, ist am Ende. Wir brauchen MUT ZUR WAHRHAFTIGKEIT, keine weitere Werterhetorik.

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kleinsteminderheit 23.07.2018, 07:03
142. Nein

Herrn Özils spezielles Verhältnis zu Erdogan ist nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Es ist mit Sicherheit auch keine vom DFB zu schützende oder zu integrierende kulturelle Facette. Nach unseren Maßstäben macht Herr Erdogan eine chauvinistische Politik und geht gegen Kritiker und Minderheiten mit äußerster Härte vor. Würde ein deutscher Politiker nur die Absicht äußern, sich in Erdogans Weise zu verhalten, wäre er zurecht als Gewaltbereiter Extremist zu bezeichnen. Von solchen Typen lässt man sich als Nationalspieler nicht als Wahlkampfhelfer einspannen. Der DFB hat natürlich die Aufgabe zu integrieren. Aber er muss in unser Wertesystem integrieren. Toleriert er die Nähe und Verbundenheit eines Nationalspielers zu Erdogan, erweist er der Integration einen Bärendienst. Denn er hat auch Kurden, Syrer und Verwandte jener Türken, die von Erdogan eingeknastet werden, in seinen Mannschaften. Integration kann und darf nicht bedeuten, dass Konflikte und unkritische Bindungen an Politiker aus den Herkunftsländern nach Deutschland importiert werden. Wenn der DFB dies zulässt, leidet das Mannschaftsspiel. Wenn unsere Gesellschaft das zulässt, leidet ihr Zusammenhalt.

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tomymind 23.07.2018, 07:03
143.

Die einzige Person, die sich nicht integriert hat, ist Özil. Klar, Türken, Muslim(auf einmal!), Ausländer, böse Deutsche-Karte spielen. Steigerung von am "peinlichsten"? ÖZIL!
Bevor Türken und Gutmenschen mich angreifen, ich bin Ausländer.

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ecsumma 23.07.2018, 07:04
144. Özil hat in Teilen recht (und in Teilen nicht)

Wir gewinnen gemeinsam und wir verlieren genauso. Die WM haben wir nicht wegen Özil alleine verloren; aber eben auch.
Dass der DFB und Bierhoff sich nicht mit Ruhm bekleckert haben, steht für mich außer Frage.
Jedoch Özil muss sich vorhalten lassen, dass sich freudestrahlend mit einem türkischen Despoten ablichten zu lassen (und dies kurz vor der WM) grenzenlos naiv bis dämlich ist (ähnlich übrigens wie Lothar M. mit Putin!). Welche Reaktion hatte er denn erwartet?!
Und nein, es macht einen Unterschied, ob er als deutscher Nationalspieler dies tut oder wie er begründet dies die Queen doch genauso macht. Bei ihr gehört es zu ihrer Rolle dazu (und sie zeigt auch ihren Widerspruch; siehe bei Trump); bei Özil nun mal nicht. Dieses unreflektierte Vorgehen und die nicht vorhandene Selbstkritik ist genauso mangelhaft, wie das peinliche Vorgehen des DFB.
Danke an Özil für seine fußballerischen Glanztaten für Deutschland! Ich hätte ihm und uns allen einen schöneren Abgang gewünscht.
Hoffentlich lernen alle daraus; allen voran der DFB!

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mullex 23.07.2018, 07:04
145. Wer für Deutschland spielen will,

muss sich als erstes mit Frau Merkel in der Kabine halbnackt fotografieren lassen. Wenn Frau Merkel damit zufrieden ist, und das Foto veröffentlicht wird, gehörst Du dazu. Ansonsten musst Du raus aus der Nationalmannschaft.

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bongkowsky 23.07.2018, 07:04
146. Richtig oder falsch

Aber das was er getan hatte war falsch ,
Aber gut der Zustand beschreibt gut das restliche unsozial Deutschland
Bis nur was wert wenn du was leistet.
Ja so ist es.

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jaaber 23.07.2018, 07:04
147. Zuwanderung

Nicht der DfB ist gescheitert sondern die Einwanderungspolitik! Die Integration der türkischen Gastarbeiter ist nur zu einem kleinen Teil gelungen, viele haben sich abgeschottet und leben in einer Parallelwelt zur einheimischen Bevölkerung. Da haben wir alle aber vor allem die Politik total versagt!

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ohnesorge 23.07.2018, 07:05
148. Ich sehe in dem Fall aber auch ein großes Problem der Medien

Jede Aussage, jedes Fotos einer bekannten Person wird medial ausgeschlachtet. Das muss man wahrscheinlich inzwischen als "normal" akzeptieren. Aber es wird auch genau vorgegeben, was/wer gut und was schlecht ist. Trump, Putin, Erdogan, May, AfD, ....alle sind böse. Obama, Merkel, Junker, EU... sind alle gut. Wahrscheinlich wäre der Aufschrei ählich groß (oder noch größer?) gewesen, wenn ein Spieler sich mit Gauland abgelichtet hätte. Dann hätte man zwar nicht an seinem Deutschtum gezweifelt, aber sein ethische Voraussetzung weiter für die Nationalmannschaft zu spielen in Frage gestellt.

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HH-Hamburger-HH 23.07.2018, 07:05
149. Verantwortlich ist Özil selbst

Nicht die Foristen, Fans oder gar die DfB-Spitze sprechen Herrn Özil (und auch Herrn Gündogan) das "Deutschseins" ab. Es waren vielmehr die Spieler selbst, die Erdogan (nicht Steinmeier) als ihren Präsidenten bezeichnet und sich damit deutlich ihre Identifikation mit der Türkei bekundet haben. Das ist ihr gutes Recht. Für die deutsche Nationalmannschaft sind sie damit aber nicht mehr tragbar. Bei Özil kommt hinzu, dass er seine Geringschätzung gegenüber Deutschland noch dadurch zum Ausdruck gebracht hat, dass er seine unsäglichen Rassismus Vorwürfe auf englisch und nicht in seiner angeblichen Muttersprache geäußert hat

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