Forum: Sport
Olympia-Referendum in Hamburg: Der Ringkampf
DPA

Soll sich Hamburg um die Olympischen Spiele 2024 bewerben? Diese Frage spaltet die Menschen in der Hansestadt seit Monaten in Olympia-Freunde, Gegner und Zweifler. Ende November wird darüber abgestimmt. Der Ausgang der Wahl? Völlig offen.

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lofi 20.11.2015, 13:17
50.

Zitat von hschmitter
Vielleicht wird keine Wohnung oder Kita mehr gebaut oder ein Schwimmbad für Normalsportler saniert - nichtsdestotrotz die Frage, warum man dem Wirtschaftsunternehmen IOC die Kosten für seine Leistungsschau abnehmen soll? Was hat die Vergreisung mit meist intellektuell eher einfach strukturierten Profisportlern zu tun, die mal 14 Tage in irgendeiner Stadt (ist denen ja egal welche, Hauptsache nicht Ulan Bator) ihre Dopingshow bestreiten? Halten die die Vergreisung auf? Sind das die Fachkräfte die gesucht werden und die man anstelle alter Herren, von Sportvereinigungen hofieren müßte? Falls es um Toursimuswerbung geht - die geplanten (und sicher nicht reichenden) 1,2 Mrd könnte man auch ohne Olympia dafür verwenden, wenn das eines der wichtigsten Argumente sein soll. Es gibt genügend andere Wege für Werbung.
Ihre intellektuell eher einfach strukturierten Profisportler sind z.B (häufig äußerst intelligente) Schwimmer, Ruderer oder Turner die sich für oft kleines Geld (Sporthilfe) im fußballlastigen Deutschland durchschlagen, um sich ihren Traum von Olympia zu erfüllen. Lassen Sie mal das geldgeile IOC außen vor, für Sportler ist es immer noch ein erstrebenswertes Ziel sich aller 4 Jahre mit gleichgesinnten treffen zu können.

Und diesen Sportler müssen Sie sagen: Olympia in Deutschland? nie mehr. Tolle Aussichten.

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johann.doov 20.11.2015, 13:31
51. Politische Meinungsbildung

Zitat von lofi
(...) Deutschland vergreist (ob die aktuellen Flüchtlinge daran etwas ändern können?) Und der gut saturierte Bürger möchte auf keinen Fall irgendwelche Veränderungen, dann wird er zum Wutbürger. Er hat ja alles und er hat Zeit. Und glaubt denn jemand ernsthaft, es wird eine Schule/Wohnung/Kindergarten mehr gebaut, wenn Hamburg sich nicht bewirbt??
Die Diskussion um die Spiele ist doch genau der richtige Platz, die wirklich wichtigen Fragen zu diskutieren. Ja, Hamburg braucht Wohnungen, braucht KiTas. Ja, die Flüchtlinge werden nur zu dauerhaften Einwohnern und zum Nutzen für die Gesellschaft, wenn man sie integriert und ihnen die Chance gibt, sich in Deutschland produktiv zu betätigen.
Allein schon das Geld, was in die Werbemaßnahmen für die Bewerbung gesteckt wird, wäre in Sprachkursen besser angelegt. Angelegt sogar wirklich, weil die Menschen, die zu uns kommen, die auch Kinder mitbringen (oder hier bekommen), werden in Zukunft für die Wirtschaft gebraucht.
Mit den Olympia-Kommerziaden werden wir auf keinen Fall das demografische Problem lösen. Und so weiter...

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Robert_Rostock 20.11.2015, 13:52
52.

Zitat von fortelkas
Die Bürgerinnen und Bürger von Garmisch-Partenkirchen haben es vorgemacht. Ablehnung! Und das war richtig. Unsere Welt braucht keine Geld- und Spritzenspiele, denn dazu sind diese Großveranstaltungen verkommen. Erwin Fortelka
Die Bürger von Garmisch-Partenkirchen haben aber die von Ihnen so genannten "Geld- und Spritzenspiele" überhaupt nicht verhindert.
Im Gegenteil: Sie haben erreicht, dass jetzt für sehr viel mehr Geld in China neue Schanzen, Bob- und Rennschlittenbahnen, Abfahrtspisten usw. in die Natur gefräst werden, anstatt in Bayern die vorhandenen Anlagen zu nutzen.

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johann.doov 20.11.2015, 14:13
53. Aus guten Gründen

Zitat von Robert_Rostock
Die Bürger von Garmisch-Partenkirchen haben aber die von Ihnen so genannten "Geld- und Spritzenspiele" überhaupt nicht verhindert. Im Gegenteil: Sie haben erreicht, dass jetzt für sehr viel mehr Geld in China neue Schanzen, Bob- und Rennschlittenbahnen, Abfahrtspisten usw. in die Natur gefräst werden, anstatt in Bayern die vorhandenen Anlagen zu nutzen.
Die Winterspiele hätten die Gegend endgültig verdorben. Die bayerischen Alpen, die Alpen insgesamt, brauchen nicht mehr, sondern weniger Wintersport
Klar, dass Kioskbetreiber, die in den bergen satt Kohle gemacht haben (auf Kosten der Natur) sich über eine solche Entwicklung nicht freuen. Aber seien wir mal ehrlich: die Almwirtschaft war noch nie eine Quelle des Reichtums, sondern immer karge Existenz im Grenzertragsbereich.
Oberbayern insgesamt muss sich wirtschaftlich noch etwas einfallen lassen. Der Ressourcenverbrauch durch immer mehr Tourismus geht so nicht mehr weiter. Milchwirtschaft auf Masse funktioniert auch schon lange nicht mehr - anderswo sind Großbetriebe günstiger. Die landwirtschaft hat dort nur dann noch eine Chance, wenn sie sich auf höchstwertige Bioprodukte einrichtet. Nicht Supermarkt-Bio sondern Spitzenqualität.

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Wicked 20.11.2015, 14:24
54. Argumente nicht überzeugend.

Ich höre immer "Chance für Hamburg".
Was für eine Chance soll das sein?

- Infrastruktur Verkehr – funktioniert nicht
- Flüchtlinge – funktioniert nicht
- Große Bauvorhaben – funktioniert nicht
- Wohnungsmarkt – funktioniert nicht

Jeder sollte sich mal fragen ob die Milliarden für diese Veranstaltung in Relation stehen zu dem was am Ende HH gewinnen könnte.

Definitiv NEIN zu Olympia!

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langsamfahrstelle 20.11.2015, 14:39
55.

Zitat von Mondaugen
Ich war letztens in Shanghai. Dort wurde massiv in in die Verkehrswege investiert, U-Bahnen und Schnellstraßen gebaut. Ohne diese Infrastruktur wäre die Stadt heute überhaupt nicht denkbar. Und wissen Sie, was das Erstaunliche ist? Shanghai hat das alles ohne Olympische Spiele getan. Es gibt wesentlich mehr Millionenstädte, die noch keine Ausrichter waren, und dennoch wird dort in die Infrastruktur investiert. Dieses "Hilfsargument" pro Olympia ist deshalb irrelevant
Völlig richtig. Mich wundert, dass die aus eigener Sicht sehr weltgewandten Hamburger dieses nicht fundierte Argument so locker schlucken.

Stichwort U-Bahn:
- Hamburg hat seit 1991 sein Netz in der Stadt um genau zwei Stationen erweitert. Eine dritte Station ist im Bau. Für diese drei Haltestellen ins Nobelviertel HafenCity in Gehentfernung zur Innenstadt sind insgesam etwa 500 Millionen € veranschlagt. Die eigens eingerichtete Linie U4 startete vor drei Jahren. Heute fährt sie im Berufsverkehr wegen niedriger Auslastung mit Kurzzügen im 10-Minuten-Takt. An anderen Stellen hat die Hamburger Politik ganzen Großwohnsiedlungen in der Peripherie bereits in den 1970ern einen Bahnanschluss versprochen, aber bis heute nicht realisiert. Ein Teil davon soll bis 2040 gebaut werden.

- Das Netz ist weitgehend nicht barrierefrei. Seit 2010 wird in deutlich höherem Tempo ausgebaut, was jahrzehntelang verschlafen wurde. Wichtige Umsteigeknoten wie Jungfernstieg, Sternschanze, Landungsbrücken oder Wandsbeker Chaussee sind ohne Aufzug und es gibt keine konkreten Pläne, wann genau sich das ändern soll.

- 50 Jahre alte Züge sind im täglichen Verstärkerbetrieb. Eine Linie (U3) wird überwiegend mit Zügen aus den frühen 1970er Jahren gefahren.

- Hamburgs Signaltechnik erlaubt keinen halbautomatischen Betrieb, der in München und Nürnberg bereits seit den 1970ern installiert ist und deutlich engere Taktungen ermöglicht. Hamburg will das jetzt ab 2020 nachholen.

- Hamburgs ÖPNV hat unter den deutschen Millionenmetropolen den niedrigsten Marktanteil. Stattdessen ist in Hamburgder Autoverkehr ungewöhnlich stark.

Fazit: Hamburg hat jahrelang schlechte Politik im Verkehrsbereich betrieben, die die heutige eher bescheidene Situation hervorrief.

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fördeanwohner 20.11.2015, 14:58
56. -

Zitat von Direwolf
Ich war letztens in Tokio. Dort wurde zur letzten Olympiade massiv in die Verkehrswege investiert. Ein ordentlicher Teil der U-Bahn linien und der Schnellstraßen wurde damalks gebaut. Ohne diese Infrastruktur wäre die Stadt heute überhaupt nicht denkbar. Also Preisfrage: Wie hoch war der ROI?
Nach Kiel gab es vor 1972 keine Autobahn. Die wurde anlässlich der Olympischen Spiele gebaut. Auch die Quartiere in Schilksee, die zugegebenermaßen nicht hübsch sind, werden bewohnt, bieten Wohnraum.

Aber eine solche Bewerbung und die Vorbereitung auf so ein Ereignis bringen zusätzlich etwas, das man nicht in Zahlen ausdrücken kann, wie ein anderer Forist bereits meinte. Lebensmut, Zusammengehörigkeitsgefühl, Vorfreude und das Gefühl etwas Besonderes zu leisten und auch zeigen zu können, sind Aspekte, die man nicht unterschätzen sollte.
Warum müssen viele Deutsche eigentlich so miesepetrig sein? Selbst wenn die Fußball-WM 2006 gekauft war, so hatte sie doch einen ganz besonderen Zauber.
Nicht vergessen, liebe Bedenkenträger: Es gibt eine Zeit zum Mülltrennen und eine Zeit zum Feiern.

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langsamfahrstelle 20.11.2015, 15:41
57.

Zitat von fördeanwohner
Nach Kiel gab es vor 1972 keine Autobahn. Die wurde anlässlich der Olympischen Spiele gebaut.
Die Autobahn nach Kiel - Landeshauptstadt! - wäre sonst 4-5 Jahre später gekommen.

Und, was hat es Kiel gebracht? Kennt irgendwer Kiel in der Welt (New York, Rio, Kiel?), ist es eine Weltmetropole geworden, haben die 4-5 Jahre in der Ölkrise der Stadt einen Vorteil geschaffen?
Nein.

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Zugezogener 20.11.2015, 16:04
58. Warum sollten mehr Touristen nach Hamburg kommen?

Hamburg. 8 Uhr 30. Wieder mal Regen.
Sorry, der musste sein ;)

Spaß beiseite.

"Sollte Hamburg den Zuschlag bekommen, würde das Ereignis viele Touristen in die Stadt locken, die Geld für Hotels und Gastronomie mitbringen und für höhere Steuereinnahmen sorgen." Mag sein.

Warum sollten Sie? Was hat Hamburg an Vergleichbarem zu bieten wie z.B. Paris, London und Rom, was dieses mehr an Touristen nach den Spielen anlocken sollte?
Das, was Hamburg ausmachte, ist doch fast abgeschafft.

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fördeanwohner 21.11.2015, 08:35
59. -

Zitat von langsamfahrstelle
Die Autobahn nach Kiel - Landeshauptstadt! - wäre sonst 4-5 Jahre später gekommen. Und, was hat es Kiel gebracht? Kennt irgendwer Kiel in der Welt (New York, Rio, Kiel?), ist es eine Weltmetropole geworden, haben die 4-5 Jahre in der Ölkrise der Stadt einen Vorteil geschaffen? Nein.
Ja, manchmal wundere ich mich, wenn in der deutschen Berichterstattung Schleswig-Holstein und Kiel vergessen werden, so als gehörten wir nicht zu Deutschland sondern zu Dänemark. Sei's drum.
Für Hamburg ist diese Aussicht auf den Weltmetropolstatus attraktiv, für Kiel nicht. Kiel will gar nicht Metropole werden. Um Großstadtluft zu schnuppern, fahren die gemeinen Kieler woandershin. Status "Landeshauptdorf" reicht völlig.
Es geht aber z.B. auch um die (Wieder)Aufwertung als Segelrevier im World Cup.
Kiel ist nun einmal untrennbar mit dem Segeln verbunden.

Aber Segeln ist eigentlich auch überflüssig und kostet nur Geld, das man besser für etwas anderes ausgeben könnte. Gilt ja für so viele Dinge. Am besten man schafft alles ab: WM, Olympische Spiele, EM, Bundesliga, Kino, Theater, Fernsehen usw.

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