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Paralympics und Olympische Spiele: Miteinander statt nacheinander
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Die große Euphorie vorüber, viele Fans längst abgereist: In Pyeongchang werden die Paralympics eröffnet - zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Winterspiele. Dieses Modell sollte man abschaffen.

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RalfHenrichs 09.03.2018, 17:08
1. Blödsinn

Zum einen würden die Behinderten nicht gleichrangig sein sondern untergehen, weil sich die meisten Menschen eben eher weniger für sie interessieren. Andere Argumente nennt Ahrens selbst: die Organisationsprobleme (welche Teamwettbewerbe würde Ahrens denn konkret streichen wollen), die Platzprobleme (man braucht z.B. gleich zwei Eishallen für Eishockey oder wie sollte es sonst funktionieren? Nur halb so viele Mannschaften einladen?, man braucht auch z.B. deutlich mehr Unterkünfte, denn aktuell können die Behinderten ja die leeren Wohnungen der nicht-behinderten Sportler beziehen), das Veranstalterprobleme (wer ist z.B. für die Sicherheit zuständig: IPC oder IOC). Es gibt sicherlich noch deutlich mehr Gründe. Es ist halt einfach eine Schnapsidee.

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widower+2 09.03.2018, 17:14
2. Sehr gute Idee

Und sollte eine Zusammenlegung aus organisatorischen Gründen tatsächlich nicht möglich sein, kann man zumindest über eine Umstellung der Reihenfolge nachdenken. Nach zwei Wochen olympischer Spiele ist der geneigte Sportfan doch etwas sportmüde und möglicherweise nicht mehr uneingeschränkt bereit, sich auch noch die paralympischen Wettbewerbe anzuschauen.

Mit den kleineren Paralympics könnte man auch die Organisationsstrukturen testen und etwaige Defizite bei den "größeren, normalen" Olympischen Spielen dann behoben haben.

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lektra 09.03.2018, 17:29
3. Grau ist alle schöne inklusive Theorie

Sie geht aber völlig am Wesenskern des Interesse für Leistungssport vorbei. Das zeigt sich schon an der Forderung nach gleichzeitigen olympischen und paralympischen Wettkämpfen, um die Beachtung von Presse und Öffentlichkeit von Wettbewerben mit hohem Zuschauerinteresse (Olympische Spiele) auf Wettbewerbe, die nur wenige interessieren (Paralympische Spiele), zu lenken. Ein Beispiel für den Versuch, Zuschauerinteresse umzuleiten, ist das DFB-Pokal-Endspiel der Männer und Frauen. Man wollte die große Aufmerksamkeit für das Spiel der Männer nutzen, um dem Spiel der Frauen mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Vielleicht ein Versuch der Wiedergutmachung, nachdem der Frauenfußball durch das bis in die 1970er Jahre reichende Verbot durch den DFB stark behindert worden war. Der Effekt war aber gegenteilig: Das demonstrative Desinteresse eines Großteils des Publikums für das "Vorspiel der Frauen" vor dem "eigentlichen Spiel" entwertete dieses Spitzenspiel der Frauen vollkommen. Erst als das Frauen-Pokalfinale seinen eigenen Ort und Termin hatte, bekam es auch eine eigenständige Wertigkeit.

Die Verteilung des Interesses von Fans und Medien ist oft nicht gerecht. Viele tolle Sportarten und großartige Leistungen laufen unter dem Radar. Interesse kann man nicht erzwingen, man muss sie sich langsam erarbeiten. Vor einer großen Kulisse zu starten, die sich für den laufenden Wettbewerb nicht interessiert, kann deprimierend sein. Dann vielleicht doch besser Wettkämpfe mit weniger Presse und Zuschauern, die aber extra wegen der stattfindenden Wettkämpfe gekommen sind.

Der Hinweis, dass die olympischen Teilnehmer "gern" zugunsten der paralympischen Wettbewerbe auf "den einen oder anderen Teamwettbewerb aus ihrem aufgeblähten Programm verzichten" können, zeigt eine gewisse Unkenntnis. Gerade bei den Paralympischen Spielen gibt es eine Vielzahl an Wettbewerben, weil die verschiedensten Schadensklassen ihren eigenen Wettbewerbe brauchen. Bei den Paralympics 2016 gab es 528 Wettbewerbe, bei den Olympischen Spielen dagegen nur 306 Wettbewerbe - dafür, dass Olympia ein "aufgeblähtes" Programm habe, dass zugunsten der Paralympics gestutzt werden könne, gibt es nicht so viele Argumente. Bei den Paralympics 2016 gab es zum Beispiel allein 16 Wettbewerbe im 100-m-Lauf der Männer (Schadensklassen T11-13, T33-38, T42, T44, T47, T51-54). Wer glaubt allen Ernstes, dass die Aufmerksamkeit für alle diese 16 Wettbewerbe über 100 m gleich hoch sein wird wie für den olympischen Wettbewerb von Usain Bolt und Justin Gatlin? Ein wenig beachtet würde wohl bei den Paralympics allein die Wettbewerbe, bei denen die Behinderung optimal durch Prothesen oder Sportgeräte ausgeglichen werden können, weil das das schnittig anzusehen ist. Das geht aber vollkommen am Gedanken der Paralympischen Spiele vorbei.

Die angedachte Form des "Miteinander statt nacheinander" würde v.a. eine Auswirkung haben: Man würde wahrscheinlich noch mehr Schwierigkeiten haben, einen Austragungsort für die Spiele zu finden.

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widower+2 09.03.2018, 17:42
4. Ganz und gar nicht

Zitat von RalfHenrichs
Zum einen würden die Behinderten nicht gleichrangig sein sondern untergehen, weil sich die meisten Menschen eben eher weniger für sie interessieren.
Dann würde im Rahmen einer dieser Olympiadauersendungen zu einer Entscheidung in einer paralympischen Sportart geschaltet und die meisten Zuschauer, deren Glotze ja schon läuft, würden sich das ansehen und im besten Fall spannend und faszinierend finden.

Bei Paralympischen Spielen als "Standalone-Veranstaltung" muss man den Fernseher eben für diese erst extra einschalten. Die behinderten Sportler würden nicht untergehen, sondern enorm profitieren.

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BettyB. 09.03.2018, 18:26
5. Irgendwie bemerkenswert

Gemeinsam zur gleichen Zeit. Soll das die Abwesenheit der Sportjurnalisten von ihren Famileien verkürzen, was verständlich wäre, ober aber Berichte über die behinderten Sportler vermeiden? ber vielleicht ist Ahrens ja Optimierer und will zwei Ziele mit einem Artikel erreichen. Oder aber, nein, nachgedacht haben wird er wohl...

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manniw66 09.03.2018, 20:18
6. Inklusion

kommt von inklusive, d.h. wir "integrieren" Behinderte nicht mehr, sondern erkennen an, dass sie ein absolut gleichwertiger Teil der Gesellschaft sind, eben inklusiv. Vor diesem Hintergrund sollte sich die Frage ob oder ob nicht gar nicht stellen. Selbstverständlich gemeinsam oder eben nicht und dann den ganzen Inlusionsklamauk lassen und wieder den armen, bedauernswerten Behinderten aus der Mottenkiste holen. Wenn man sich die Paralympics und übrigens auch die Special Olympics, die Sportorganisation für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, einmal offenen Auges und offenen Herzens ansieht und einem klar wird, dass hinter all den dort gezeigten Leistungen ein nicht weniger anstrengender Weg steckt, wie bei den Leistungssportlern ohne Behinderung, dann kann die Antwort nur heißen "Gemeinsam"!

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swandue 10.03.2018, 04:05
7.

Zitat von manniw66
kommt von inklusive, d.h. wir "integrieren" Behinderte nicht mehr, sondern erkennen an, dass sie ein absolut gleichwertiger Teil der Gesellschaft sind, eben inklusiv. Vor diesem Hintergrund sollte sich die Frage ob oder ob nicht gar nicht stellen. Selbstverständlich gemeinsam oder eben nicht und dann den ganzen Inlusionsklamauk lassen und wieder den armen, bedauernswerten Behinderten aus der Mottenkiste holen. Wenn man sich die Paralympics und übrigens auch die Special Olympics, die Sportorganisation für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, einmal offenen Auges und offenen Herzens ansieht und einem klar wird, dass hinter all den dort gezeigten Leistungen ein nicht weniger anstrengender Weg steckt, wie bei den Leistungssportlern ohne Behinderung, dann kann die Antwort nur heißen "Gemeinsam"!
Naja, wer eine günstige Schadensklasse hat und dann noch aus einem reichen Land kommt, der kann in seiner Disziplin Jahrzehnte vorne mittun. Konkurrenz gibt es da bei weitem nicht so wie für Dahlmeier oder Frenzel.

Außerdem würde "alle gemeinsam" noch mehr Geld kosten.

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tuedelich 10.03.2018, 10:01
8. Olympia

Vorweg: für mich ist Olympia lediglich eine Gelddruckmaschine für das Olympische Komitee. Warum belässt man es nicht - meinetwegen alle 4 Jahre, wenn denn unbedingt gewollt - bei Weltmeisterschaften?
Und was die Paralympics angeht habe ich meine ganz persönliche Meinung (übrigens als selbst Körperbehinderter): Warum müssen Behinderte in ganz spezielle Kategorien eingeteilt werden, die fast nicht vergleichbar sind, um zu zeigen, dass beispielsweise der deutsche Behinderte "der Beste" der Welt ist? Was für ein sonderbares Überlegenheitsgefühl wird hier eigentlich befriedigt bzw. soll befriedigt werden?

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schueler79 10.03.2018, 19:25
9. Olympia?

Was für Olympia? Etwa dieses milliardenschwere politisch missbrauchte Prestigeprojekt?
Olympische Spiele gab es in der Antike und in diesen Zeiten durfte kein Krieg geführt werden. Solange wir nicht ein ähnlich hohes moralisches Maß an den Tag legen, sind das auch keine. Und was dieses Jahr abgelaufen ist war die Krönung.

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