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Pfiffe gegen Gündogan: Es geht nicht um Politik
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Ilkay Gündogan wird ausgepfiffen, Mesut Özil macht sich rar. Doch die Vorwürfe gegen die beiden Spieler sind scheinheilig. Der Kern des würdelosen Spektakels ist Rassismus.

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fthoe 09.06.2018, 17:43
40.

Es mag eine Menge Menschen geben, die rassistisch denken und deshalb pfeifen. Es gibt aber auch genug Menschen, die nicht wegen des Fotos pfeifen sondern wegen des Trikots auf dem "für meinen ehrenwerten Präsidenten" gestanden haben soll. Was das bedeuten soll ist bis heute nicht geklärt. Da nützen auch alle seidenweiche Erklärungen nichts, die diese Aufschrift einfach nicht erwähnen. In der Presse wurde auch noch berichtet, dass Herr Gündogan und seine Familie über bedeutende wirtschaftliche Interessen in der Türkei verfügen sollen. Insgesamt ist für mich bei Herrn Gündogan der Eindruck entstanden, dass es sich hier mehr als um einen Fehler handelt. Da hilft es nicht die Sache unter den teppich zu kehren. Gefragt ist eine nachvollziehbare und glaubwürdige Erklärung was es insbesondere mit der Trikotaufschrift zu bewenden hat.
BTW völlig zu Recht wird der laxe Umgang mit einer Menge an Verfehlungen im Fußball moniert. Nur es gibt keine Gleichbehandlung im Unrecht. Nur weil der eine ungeschoren davon kommt darf der nächste nicht gleiches für sich reklamieren.

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ProbeersEinfach 09.06.2018, 17:46
41.

Özil wird nicht gemocht, weil er türkischer Abstammung ist, sondern weil er ein furchtbar pomadiger Spieler ist, der mit seiner Art einfach unsympathisch ist. Sportlich kommt auch schon seit vielen Jahren nichts mehr von ihm. Bei nem Spitzenclub spielt er auch nicht. Viele Leute fragen sich: Warum ist der gesetzt?

Bei Gündogan passt es zumindest sportlich und er ist ein Stück sympathischer, wenn gleich viele ihn auch nicht mögen, wegen dem Theater in Dortmund.

Der Skandal mit Erdogan hilft dabei natürlich nicht, es ist aber kein Rassismus. Nen Timo Werner wurde auch jahrelang ausgepfiffen, obwohl keiner mehr an die Schwalbe dachte, sondern nur noch an den "ekligen" Werner. Lassen Sie die Finger vom Fußball, wenn Sie das nicht einordnen können, bevor Sie hier Rassimus unterstellen. Dieses hyperaktive Gegeifere ist nur Mühlen auf die rechte Fraktion.

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stollenreiter 09.06.2018, 17:56
42. Sie machen es sich etwas zu leicht Herr Rilke

Draxler hat einen Brief geschrieben indem er wohl kaum Putin als seinen verehrten Präsidenten bezeichnet hat. Es ging um die Organisation und die Stadien, denn selbst im Land Putins sind nicht alle Menschen auch Putin Anhänger. Wer die Werte des DFB vertritt und Nationalspieler Deutschlands ist kann sich nicht so einen Lapsus erlauben. Es wäre viel zu einfach das Pfeifkonzert als Rassismus abzustempeln, zu einfach für den DFB, zu einfach für die Mannschaft und viel zu einfach für die beiden Spieler. Sie haben sich von einem Diktator einspannen lassen zu dessen Wahlkampfzwecken, ihre eigenen Wurzeln spielen dabei gar keine Rolle, das würde man auch Neuer, Müller oder Kroos übel nehmen. Natürlich springen immer auch Rassisten und Populisten auf den Zug auf, das lässt sich nicht vermeiden, aber das hätten Personen des öffentlichen Lebens, Nationalspieler vor DEM großen Turnier durchaus wissen müssen und können...dazu haben sie Manager, Berater etc.

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il_phenomeno 09.06.2018, 17:58
43. Ich muss ihnen Recht geben

bei anderen Nationen interessiert mich das tatsächlich nicht. Ich denke aber das Verhältnis ist zur Türkei ein anderes, da aus der Richtung Türkei ja schon einige spitzen von Erdogan nach Deutschland kamen. zudem gibt es das Thema, dass sehr viele Türken in Deutschland leben aber in.der Türkei wählen. d.h. das Deutsche System mit all seinen Freiheiten (aber auch schwächen) haben aber in der Türkei einen despoten wählen. deshalb ist es aus meiner Sicht bei Özil und gündogan etwas anderes. war übrigens von beiden ein sehr großer Anhänger, weil ich beide für überragende fussballer halte. gerne gegenkommentare zur Diskussion.

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joshuaschneebaum 09.06.2018, 18:06
44. Die Rassismuskeule

Es ist wenig sinnvoll, hier gleich die Rassismus (AFD-Nazi)-Keule zu schwingen. Auch kann es nicht um all die bösen Regime der Welt gehen, das ist unnötiger Unsinn. Eine Konzentration auf das Wesentliche täte gut.

Natürlich ist eine National-Mannschaft etwas Deutschtümelndes, doch gerade nach dem "Sommermärchen" (das in vieler Hinsicht ein Märchen ist) schien es möglich, dass "Die Mannschaft" eine gesellschahftsübergreifende Symbolkraft hätte. Und ja, es ist peinlich Özil beim Abspielen der Nationalhymne zuzusehen, wie er ostentativ die Lippen zusammenpresst.

Alle freuen sich über Boateng, Kedhiera und all die anderen, die die Integrationskraft des Sports begriffen, und sei es nur symbolisch.

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, Draxler da mit hineinzumengen, weil er sich auf die WM in Russland (nicht seine Entscheidung) freut.

Wenn jemand jedoch so offensichtlich (Erdolf = "Mein Präsident") demonstriert, zu wem er steht, dann ist das ein mehrfacher Skandal. Denn die beiden haben sich in keiner Weise ihrer Verantwortung gestellt, den türkischstämmigen Jungs klar zu machen, "Hey wir sind Deutsche, egal, wo unsere Eltern herkommen!"

Damit haben sie den zu überwindenden Graben tiefer ausgehoben. Die paar Pfiffe müssen sie halt hinnehmen. Mit Rassismus hat das nichts zu tun, sondern mit Enttäuschung.

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cerberus66 09.06.2018, 18:08
45.

Was soll denn jetzt wieder die (dämliche) Rassismuskeule? Zumindest Özil ist für mich ganz klar ein weißer Mann. Und was soll das jetzt Erdogan und Hoeneß im einem Topf zu werfen? Der eine hat Menschenleben auf dem Gewissen, der andere nicht. Der eine initiiert Schauprozesse gegen seine Gegner, der andere wurde Opfer eines Schauprozesses. Und was Özil angeht: der ist sogar Wiederholungstäter. Der hatte dich bereits zu seinen Madrider Zeiten mit Erdogan und Real Madrid Trikot ablichten lassen.

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chlorid 09.06.2018, 18:13
46. Zustimmung

Ich sehe das genauso wie der Kommentator. Die "Proteste" sind aus meiner Sicht rassistisch geprägt. Man muss sie vor allem auch vor dem Hintergrund der derzeitigen Stimmung in Deutschland interpretieren. Im Moment ruft alles, was mit Ausländern zu tun hat, stärkere - und oft leider unangemessene - Reaktionen hervor. Für mich ist das auch einen Zeichen davon, dass die Saat der AfD aufgeht und mir gefällt das gar nicht.

Dabei möchte ich eins für mich klar stellen: Das was Özil und Gündogan getan haben, halte ich für eine unsensible große Dummheit. Wohlwollend gesagt. Ich fand das gar nicht gut. Von Nationalspielern erwarte ich deutlich mehr geistige Reife. Aber sie haben sich entschuldigt und ich finde, man sollte die Aktionen von Fußballspielern dann auch nicht allzu hoch bewerten. Es sind keine Politiker. Wie viele dämliche Kommentare und Aktionen sind aufgezeichnet von diversen Fußballspielern und Trainern? Da kann man doch Bücher mit füllen. Je besser sie spielen, desto größer ist doch der Blödsinn, den sie von sich geben. Das kann man doch wirklich so sagen.

Klar, dieser Fall hatte auch noch eine politische Dimension, die will ich wahrlich nicht wegreden. Aber der Schaden ist gering (wenn es denn einen gibt) und man muss es dann auch irgendwann mal gut sein und die Jungs wieder Fußball spielen lassen.

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leylalejaby 09.06.2018, 18:19
47.

Zitat von joshuaschneebaum
Es ist wenig sinnvoll, hier gleich die Rassismus (AFD-Nazi)-Keule zu schwingen. Auch kann es nicht um all die bösen Regime der Welt gehen, das ist unnötiger Unsinn. Eine Konzentration auf das Wesentliche täte gut. Natürlich ist eine National-Mannschaft etwas Deutschtümelndes, doch gerade nach dem "Sommermärchen" (das in vieler Hinsicht ein Märchen ist) schien es möglich, dass "Die Mannschaft" eine gesellschahftsübergreifende Symbolkraft hätte. Und ja, es ist peinlich Özil beim Abspielen der Nationalhymne zuzusehen, wie er ostentativ die Lippen zusammenpresst. .
Boateng singt die Hymne übrigens auch nicht mit. Bei ihm wird das offenbar toleriert. Wobei ich eh der Meinung bin, dass man den Spielern die Entscheidung überlassen sollte, ob sie mitsingen oder nicht. Das Thema Nationalhymne sollte man nicht auch noch zum Politikum aufblasen.

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quacochicherichi 09.06.2018, 18:30
48. Stimme zu

Zitat von levy_izhak
Rassisten sollten als solche erkenntlich gemacht werden. Wenn man ihnen erlaubt, ihren Hass unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung zu verbreiten, ist Rassismus immer mehr Salonfähig. Bei meinem Besuchen im Fußball Stadion, gab es immer wieder Situationen wo Affenlaute bei Afrikanischen Spielern gemacht wurden oder beim Tempoklatschen "Sieg .... Sieg ..... " Eine große Anzahl "Sieg... Heil" geschrieben haben. Als wir darüber diskutiert haben, haben viele relativiert nach dem Motto "die wissen nicht was sie sagen", oder "das ist jugendliches Protestverhalten". Mir war das zuwider und hat mir Angst gemacht, seitdem bleibe ich den Stadien fern.
das Tempoklatschen mit den "Sieg" rufen gibt es schon lange, und war mir schon immer unangenehm aufgefallen. Das es unter "Fussballfans" jede Menge Rassisten gibt (nicht nur in Deutschland), ist für mich auch keine Überraschung. Die ganze Szene wird von den Verantwortlichen der Clubs und Nationalmannschaften noch immer mit Samthandschuhen angefasst. Ich stimme dem Kommentar zu, jetzt können die Rassisten unter dem Deckmäntelchen des Protest gegen den bösen Erdogan, ihrem Hass freien lauf lassen. Im Schutze der "Teilrassisten" (diejenigen die gerne mal erwähnen, dass sie keine Rassisten sind, aber....) werden sie ihre braunen Gedanken weiterverfolgen.

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waldi22 09.06.2018, 18:49
49. Ich bin kein Rassist und tolerant - aber gegen Diktatoren!

Zitat von dukeofwellington
Da liegen Sie falsch, Herr Rilke. Nicht alle, die das Verhalten von Gündogan verurteilen und ihn lieber nicht in der Nationalmannschaft sehen, sind doofe Ausländerfeinde. Wer sich mit dem Diktator vom Bosporus solidarisiert, kann Deutschland, das für Demokratie und Menschenrechte steht, nicht repräsentieren. Dass auf dem Zug dann auch Idiotien aufspringen, kann man nicht verhindern. Das gleiche Problem hätte ich auch, wenn zB Mats Hummels mit Erdogan posiert hätte.
Dem stimme ich voll und ganz zu. Einem gebildeten Menschen wie Gündogan sollte auch eine Abschätzung der Folgen seines Tuns zugemutet werden können. Naivität kann bei Alter, Ausbildung und Erfahrung nicht mehr als Entschuldigung dienen. Da sind schon einige Nationalspieler auch unter Löw wegen viel geringerer „Vergehen“ aussortiert worden. Hier passt es nur gerade nicht, weil sie so kurz vor dem Turnier spielsystembedingt nicht einfach ersetzt werden können. Wetten, wäre dies ein Jahr früher vorgekommen, dann hätte der DFB ein Exempel statuiert!

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