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Provokation oder Prävention?

Halten Sie das Vorgehen der Bayern-Verantwortlichen gegen potenzielle Gewalttäter für angemessen? Oder können Sie die friedlichen Fans verstehen, die aufgrund von Stadionverboten und Dauerkartenkündigungen von "Sippenhaft" sprechen und im Stadion gegen die Club-Bosse protestieren wollen?

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Carsten31 09.08.2007, 11:41
1.

Zitat von sysop
Halten Sie das Vorgehen der Bayern-Verantwortlichen gegen potenzielle Gewalttäter für angemessen? Oder können Sie die friedlichen Fans verstehen, die aufgrund von Stadionverboten und Dauerkartenkündigungen von "Sippenhaft" sprechen und im Stadion gegen die Club-Bosse protestieren wollen?
Wenn einem friedlichem Fan die Dauerkarte entzogen und Stadionverbot erteilt wird, sollte sich doch keiner wundern, daß die sauer sind, oder?

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chefstratege 09.08.2007, 13:05
2. FC Bayern will kritische und mündige Fans loswerden

Die Diskussion um die Ultragruppierungen (ich nehme an um die geht es insbesondere) beim FC Bayern geht ja schon viel länger. Schon vor mehreren Jahren, als es noch keine Vorfälle um diese Gruppierungen gab, standen diese Fans der Kommerzialisierung des FC Bayern sehr kritisch gegenüber und äußerten ihre Meinung - wie ich finde zu Recht - deutlich, z.B. die Fangruppierung "Schickeria München" bereits in 2003 wörtlich so: "Spätestens seit der Ära Rummenigge regiert hier der Turbokapitalismus in ungebremster Reinkultur. Alles was ideellen Wert hatte, wurde ohne Rücksicht auf Verluste verkauft. Von den Vereinsfarben über die Trikots bis hin zum Umfeld im Stadion. Als jüngstes erschreckendes Beispiel wurde aus kommerziellen Erwägungen heraus der „harte Kern“ der Fans vor die Tür gesetzt. Die Leute, die sich der „Linie Rummenigge“ widersetzen oder von denen zu erwarten war, dass sie dies in Zukunft machen würden, musste man loswerden."
Diesen Hintergrund sollte man schon wissen, wenn man die jetzige Diskussion des FC Bayern gegen vermeintliche Gewalttäter führen will.

Ich will mögliche Gewalttäter unter den Ultras ganz gar nicht in Schutz nehmen, die müssen natürlich bekämpft werden. Aber die Reaktion des FC Bayern halte ich für überzogen und für falsch. Der FC Bayern glaubt doch nicht wirklich, dass es sich bei den sog. Ultras und den ihnen nahen Bayernfans (also hunderte, wenn nicht gar tausende) ausschließlich um Gewalttäter handelt!?

Man muss inzwischen den Eindruck bekommen, dass der FC Bayern nun endlich seine Chance sieht die letzten kritischen Fans (im Hinblick auf die totale Kommerzialisierung des FC Bayern) aus dem Stadion zu verbannen. Denn eins ist klar: Die Ultras sind zum Großteil nicht nur kreative und lautstarke - wenn man so will: klassische - Fans, sondern im Hinblick auf die totale Kommerzialisierung des Profi-Fußballs auch sehr kritische und mündige Stadionbesucher und Konsumverweigerer.

Es sieht ganz danach aus, dass der FC Bayern jetzt die große Chance sieht diese mündigen und kritischen Fans komplett loszuwerden mit dem Pauschalverdacht und der Pauschalverurteilung der kritischen Ultragruppierungen, nach dem Motto "Das sind alles Gewalttäter".
Unabhängig von der Ungerechtigkeit, die den einzelnen friedlichen Ultras in München mit Stadionverboten widerfährt, diese klassischen Fans passen halt nicht mehr in die neue Zielgruppe des FC Bayern, also in die Zielgruppe der kauf- und zahlungskräftigen und völlig unkritischen Kunden.
Dem FC Bayern geht es leider schon lange nicht mehr darum treue Fans zu begeistern, ihm geht es nur noch darum unkritische kaufkräftige Kunden in den Vergnügungspark Allianz-Arena zu holen.
Kurzum: Dem FC Bayern geht auch hier hauptsächlich um Profitmaximierung!

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erlachma 09.08.2007, 13:34
3. Rummenigge hat recht

Zitat von chefstratege
Dem FC Bayern geht es leider schon lange nicht mehr darum treue Fans zu begeistern, ihm geht es nur noch darum unkritische kaufkräftige Kunden in den Vergnügungspark Allianz-Arena zu holen. Kurzum: Dem FC Bayern geht auch hier hauptsächlich um Profitmaximierung!
Und ich als eingefleischter Bayern-Fan muss sagen: ich finds gut. Ich brauche weder die besoffenen noch die gröhlenden Fans, ich brauche niemanden, der bei jedem gegnerischen Ballkontakt "Arschloch" ruft, und verletze Spieler verhöhnt. Das alles machen die Fans, die sich leider oft auch noch als die "echten" Fans ansehen. Ich gehe ins Stadion, um guten Fussball zu sehen, und wenn der Gegner ein schönes Tor macht, klatsche ich auch. Und will dafür nicht vom Proll hinter mir sein Bier drübergekippt bekommen.

Wenn also die Rummeniggesche Profitmaximierung dazu führt, dass solche Leute nicht mehr ins Stadion gehen, dann ist mir das nur Recht.

Ein "echter" Fan zeichnet sich für mich nicht dadurch aus, dass er Jacken mit "Scheiss 60", "Scheiss Schalke" etc. trägt, mit Schals zugehängt ist oder in einem Fanclub ist. Ein echter Fan geht aus Freude am Spiel zum Spiel, und nicht aus Hass auf andere Vereine. Und jetzt kann man ja mal nachschauen, wieviele der Schickeria-Mitglieder (oder anderer Fanclubs) solche Hass-Embleme auf ihren Jacken tragen...

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effem25 09.08.2007, 13:41
4.

Ich find's vom Ansatz okay, die Praxis wird aber Fehler nicht vermeiden können. Von daher ist die Frage, ob eine gezielte 'Kanalisierung' im Stile Rummenigges/Hoeneß' wirklich sinnvoll sein kann.....ich bin da eher skeptisch. Zwar kann ich auf vollgelaufene 'Fans', die hemmungslos alles und jeden volldröhnen, auch verzichten - aber die Grenze zu ziehen, wird schwer.

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Mike_D 09.08.2007, 13:47
5.

Zitat von chefstratege
..., z.B. die Fangruppierung "Schickeria München" bereits in 2003 ....
und genau DIE sollten nämiich ihren Rand halten und nachdenken inwiefern ihre Ationen dem Ruf des FCB schädigen (sie sind übrigens nicht mehr offizieller FC soweit ich weiss). Erst im Frühjahr fielen sie nicht zum ersten Mal negativ auf, als sie einen Bus FCN-Fans 'überfielen' und eine Frau dabei auf einem Auge blind wurde.

Solche Arschlöcher will niemand im Stadion oder sonstwo haben.
Erst sollten die Fanclubs ihre Mitglieder in den Griff bekommen bevor sie zum jammern anfangen.

Der Vorstand hat mit dieser Aktion mit Sicherheit auch nicht die Fans im Auge, die noch nicht negativ aufgefallen sind.

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Blackraven 09.08.2007, 13:53
6.

Zitat von chefstratege
Kurzum: Dem FC Bayern geht auch hier hauptsächlich um Profitmaximierung!
naja, ich tue mich sehr schwer damit dem fc bayern profitmaximierung vorzuwerfen, wenn der gleiche fc bayern mit der verpflichtung der neuen top-spieler die ganze bundesliga aufwertet. mal davon abgesehen, dass profitmaximierung eines jeden unternehmer ziel sein sollte.

profi-fussball IST zu einem grossen teil auch geschaeft und genau davon verstehen die herren beim fc bayern nachweislich eine menge. dieses nachtrauern laengst vergangener 11-freunde-muesst-ihr-sein-zeiten finde ich auch etwas naiv.
dazu bin ich felsenfest davon ueberzeugt, dass die verantwortlichen beim fc durch den vorfall wirklich schwer getroffen wurden und echtes mitleid mit dem/den opfer(n) haben.

ich finde das konsequente durchgreifen grundsaetzlich richtig, immerhin ist dem eine schwere, gemeinschaftlich veruebte koerperverletzung vorausgegangen. das nun auch ein paar "unschuldige" (aber auch organisierte) unter rummenigges fliegenklatsche geraten sind ist bedauerlich, laesst sich aber sicherlich auch noch im nachhinein korrigieren.

vielleicht sollte man in diesem zusammenhang auch mal erwaehnen, dass nichts-tun auch dazu fuehren kann, dass organisierte fangruppierungen einen verein auch schnell erpressen koennen. so wie es bereits in verschiedenen ligen an der tagesordnung ist.

blackraven

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UdoL 09.08.2007, 13:55
7. Re.

Zitat von chefstratege
Es sieht ganz danach aus, dass der FC Bayern jetzt die große Chance sieht diese mündigen und kritischen Fans komplett loszuwerden (...) diese klassischen Fans passen halt nicht mehr in die neue Zielgruppe des FC Bayern, also in die Zielgruppe der kauf- und zahlungskräftigen und völlig unkritischen Kunden. Dem FC Bayern geht es leider schon lange nicht mehr darum treue Fans zu begeistern, ihm geht es nur noch darum unkritische kaufkräftige Kunden in den Vergnügungspark Allianz-Arena zu holen.
Sehr gut beschrieben, chefstratege - vielleicht ein bißchen zu bayernlastig, denn bei vielen anderen Bundesligisten ist es vom Prinzip her doch das gleiche.

Allerdings: Wenn mich jemand in seinem Laden nicht mehr haben will, gehe ich eben nicht mehr hin. Das würde auch gelten, wenn ich noch einer von denen wäre, die immer dabei sind. Im Moment dürfte kein BL-Verein Schwierigkeiten mit zu niedrigen Zuschauerzahlen haben. Aber so eine Phase verflacht auch mal wieder. Wenn man dann genug von den aktiven Fans rausgeekelt hat, wird es eng. Dann werden die Vereine auf ihrem Konto sehen, was das Drumherum wert war, das von diesen Fans entscheidend geprägt wurde.

Ein bißchen Schadenfreude kann ich mir trotzdem nicht verkneifen. Etliche Ultras nehmen sich gegenüber anderen Fans nämlich eindeutig zu wichtig und bilden sich auch dem Verein gegenüber zuviel auf ihr Engagement ein. Die wissen nun einmal mehr, wie entbehrlich sie sind. Viel Spaß vor der Glotze mit Arena - oder wie das jetzt heißt.

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ageltixx 09.08.2007, 14:05
8.

Zitat von erlachma
...Ich brauche weder die besoffenen noch die gröhlenden Fans, ich brauche niemanden, der bei jedem gegnerischen Ballkontakt "Arschloch" ruft, und verletze Spieler verhöhnt. ... Und will dafür nicht vom Proll hinter mir sein Bier drübergekippt bekommen. ... Ein "echter" Fan zeichnet sich für mich nicht dadurch aus, dass er Jacken mit "Scheiss 60", "Scheiss Schalke" etc. trägt, mit Schals zugehängt ist oder in einem Fanclub ist
Ich weiss nicht, was für Leute in der Allianz-Arena rumlaufen, aber ich denke nicht, dass es beim FC Bayern mehr oben beschriebene Leute gibt als in anderen Stadien. Von daher kann ich den obigen Text nicht nachvollziehen.

So wie erlachma sein "Erlebnis Stadion" beschreibt, wird er sich wohl kaum im Stehplatzbereich aufhalten. Ich bin mir also sicher, dass ihm noch nie "vom Proll hinter mir sein Bier drübergekippt" wurde. Auch der Rest der Beschimpfungen der Stehplatzfans strotzt nur so vor polemischem Schubladendenken. So stellt sich Otto Normalverbraucher den bösen grölenden besoffenen Schlägerfan vor. Realitätsnähe ist da nicht zu erwarten.

Aber es sind zwei andere Fragen, die sich mir stellen:
1. Was haben Schals und Aufnäher mit Gewalttätern zu tun? Glaubt wirklich jemand, die sogenannten Kutten mit 20 Schals und 100 Aufnähern auf der Jeansweste sind die Gewalttäter beim Fussball?
2. Warum geht jemand, der "aus Freude am Spiel zum Spiel" geht ins Stadion und freut sich nicht, das Spiel vor dem Fernseher (am Ende sogar noch preiswerter und bequemer) zu erleben? Vielleicht wegen der ganz besonderen Atmosphäre im Stadion? Und wer sorgt mit lautstarken Gesängen und Klatschen, aber auch mit Choreographien für diese besondere Atmosphäre? Richtig: Die aktiven Fans auf den Stehtribünen.

Mir geht es nicht um die Schickeria oder wirkliche Gewalttäter im Umfeld anderer Vereine. Die will niemand im Stadion haben. Eine Pauschalverurteilung von Stehplatzbesuchern oder singenden Fans ist aber alles andere als angebracht und überdies auch vor dem Kommerz-Gedanken gefährlich. Denn wenn niemand mehr für Stimmung im Stadion sorgt, ist das Erlebnis Stadionbesuch keines mehr. Dann können alle die Spiele im TV verfolgen. Vorteil: Der FC Bayern erhält wahrscheinlich mehr TV-Gelder. Und das ist doch das, was die Herren Hoeness und Rummmenigge so gern hätten.

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The Godfather 09.08.2007, 14:07
9.

Nun gut, ich bin ausgesprochener Bayern-Hasser, und ganz besonders die Selbbstherrlichkeit des Managers find ich zum K ...
In diesem Fall hat der FußballClub aber 100% Recht, meine ich.

Einerseits "haftet" der Club, wenn seine Fans randalieren (Punktabzug, Neuansetzung etc). Anderseits darf er nicht wirksam von seinem (!) Hausrecht Gebrauch machen?

Es it schade für die "friedlichen" Fans der "Schickeria"-Gruppierung. Allein, was hätte Bayern München tun sollen?
Ein Vergleich: Wenn ich eine Kneipe hätte, und da schlägt eine kleine Gruppe "Die Schickeria" einen Gast zusammen, dann bekommen kurzerhand ALLE dieser Gruppe Hausverbot, friedlich oder nicht.
Das ist doch wohl eine absolut menschliche und verständliche Reaktion.

Kommen wir zum Manager: Nein, das ist Stoff für eine dunkle Trilogie und nicht das Thema.

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