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Rücktritt aus der Nationalmannschaft: Özil will nicht mehr für Deutschland spielen
DPA

Mesut Özil hat seinen Rücktritt aus der A-Nationalmannschaft des Deutschen Fußballbundes erklärt. In einem Statement begründete er diesen Schritt mit "Rassismus und Respektlosigkeit" ihm gegenüber.

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andreasbs75 22.07.2018, 22:55
340. Ach, ich dachte, das mit dem Erdogan-Foto wäre ein Versehen gewesen?

So wurde doch wohlwollend geschrieben, direkt nach dem Foto, oder nicht? Nur "eine Dummheit", ein schreckliches Versehen, man möge Özil doch verzeihen, der wusste ja gar nicht wer Erdogan ist, es ist ihm bestimmt ganz peinlich. Er wusste ganz genau, was er da tut. Und er hatte jetzt zwei Monate Zeit zum Nachdenken. Aber wahrscheinlich war das heute ja auch alles wieder nur ein Kurzschluss, eine Dummheit. Heute Abend tut es ihm bestimmt auch schon wieder ganz leid. Fehler machen ja immer nur die anderen.

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RioTokio 22.07.2018, 22:56
341.

Wieso das braune Deutschland?
Leben noch welche von den Tätern 1945?
Oder wird das vererbt?
Ist es quasi in den Deutschen drin und die sind anders als der Rest der Welt?

Die Leute haben ein Problem mit Erdogan - wie er die Pressefreiheit abschafft, Proteste gegen seine Regierung brutal unterdrückt, tausende in Gefängnisse schickt, sein Land in Richtung Islamismus wandelt. Özil macht für so einen Werbung.
Die Leute wollen das nicht - so einfach ist es.

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fogelgrei1805 22.07.2018, 22:57
342. Warum so dünnhäutig, Herr Özil?

Herr Özil trifft sich mit dem Präsidenten seines Heimatlandes. Einem Autokraten, der den Rassismus in seinem Land ganz offen praktiziert, toleriert und auch staatlich organisiert.

Man denke hier nur an dort lebende Griechen, Armenier und Juden, die in den Bevölkerungsregistern heimlich gekennzeichnet sind. Den Christen geht es dort nicht besser. Kirchen, Klöster und Friedhöfe werden in vielen Regionen des Landes staatlich enteignet. Homosexualität ist in der Türkei zwar „legal“, wer dich allerdings outet, spielt häufig mit seinem Leben und mit dem seiner Familie. Verfolgungen bis zum „Hassmord“ sind nicht selten. Ich könnte noch viele Beispiele aufzählen...

All dies und noch viel mehr rassistische Auswüchse geschehen unter den Augen des Präsidenten, mit dem sich unser ehemaliger Nationalspieler Özil hat voller Stolz ablichten lassen. Einem Präsidenten, der öffentlich und voller Inbrunst und Überzeugung auf Deutschland schimpft und unsere Regierungsmitglieder z. T. persönlich beleidigt.

Und nun stellt sich Herr Özil vor die Presse... Ach nee, das traut er sich ja nicht. Er bedient sich natürlich der „sozialen Medien“ und heult sich aus, wie schlecht und ungerecht er doch in Deutschland behandelt wird. Und dass er unter dem hier herrschenden Rassismus so sehr leidet.

Nichts weiter als verletze Eitelkeit und geknickter Stolz, den ich da zwischen den Zeilen lese. Es ist gut, dass er sich verabschiedet. Schade, dass es nicht schon gleich nach dem Fotoshooting mit seinem Hero geschah...

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Der Souverän 22.07.2018, 22:57
343. Na endlich!

Herr Özil kann so viele Floskeln und Allgemeinplätze vorschieben, wie er will. Trotzdem hat er einfach nicht begriffen, worum es geht. Ich bin einfach dankbar, daß er jetzt mal Platz macht und diese Diskussion jetzt beendet ist. Hoffentlich. Herr Gündogan, bitte nachziehen. Von mir aus könnten noch ein paar andere Personen gehen, Spieler und Funktionäre. Der deutsche Fußball braucht dringend frische Luft!

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citi2010 22.07.2018, 22:57
344.

Zitat von McManaman
Mit Mesut Özil verliert das deutsche Team den besten Spielgestalter ihrer Geschichte. Sein Rücktritt war voraussehbar und ist vor dem Hintergrund der Ereignisse konsequent und nachvollziehbar. Mich macht die ganze Geschichte wahnsinnig traurig, auch wenn ich sein Treffen mit Erdogan nicht gut fand. Für die Integrationsbestrebungen des DFB ist dies ein in seinen Dimensionen noch nicht absehbar herber Rückschlag. Leider haben die Rassisten hier einen Punktsieg erringen können. Grindel, der - ob wissentlich oder nicht - deren Spiel spielte, sollte sofort zurücktreten.
Es war die Absicht von Herrn Erdogan die Integrationsbemühungen in Deutschland zu torpedieren. Und das ist im mit Mesuts Hilfe gelungen. Denn nur Nichtintegrierte kann Erdogan vor seinen Karren spannen. Da wirtschaftlich und bildungspolitisch Deutschland uneinholbar ist für die Türkei oder Russland muss man es halt anders, also von innern heraus, spalten und zu Fall bringen.

Kann man aus Sicher der Despoten verstehen. Aber wir müssen das auch verstehen und uns wehren, falls wir das nicht wollen.

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brotfresser 22.07.2018, 22:59
345. Leider denken viele Deutsche,

dass es wieder ein Elf der Maiers, Müllers, Schreiners geben muss. Armes Deutschland. Aber wer AFD-Manieren (übrigens eine Partei der Finanzierungsskandale und Neonazis) als normal empfindet - und das tun viele Deutsche wieder - der erwartet so etwas. Nur noch blonde, blauäugige Spieler bitte. Und Grindel ist der erste, der das vielleicht nicht ungern sähe: sicher ja Werbeeinnahmen mit Mercedes und Co. Dafür kann man da auch mal die Hand von Putin schütteln.

Übrigens: danke Özil, für die vielen guten Spiele in der Nationalmannschaft.

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schlüsselkind 22.07.2018, 22:59
346.

Bin hin- umd hergerissen. Habe die Statements, zuletzt das zum Rücktritt, im Wortlaut gelesen. Wenn stimmt, was er dort über Grindel, dessen Verhalten als Abgeordneter im Bundestag vor vielen Jahren, und über dessen aktuelles Verhalten hinter den Kulissen sagt, dann bin ich auch schockiert. Und natürlich ist nicht Özil, der sich noch am meisten ins Zeug gelegt hat in Russland, Schuld am WM-Aus. Dennoch hat M. Özil völlig versäumt, irgendein Wort des Bedauerns oder der Distanzierung zum Erdogan-Foto zu äußern. Ein „Ich war aus Respekt vor dem Präsidenten des Landes meiner Eltern damals naiv, und sehe das Foto aber heute als Fehler, weil ich damals nicht darüber nachgedacht habe, wofür Erdogan steht“, wäre - wenn es aufrichtig wäre - eine geeignete Distanzierung gewesen. Stattdessen nur die Rassismuskarte zu spielen (die ohne Zweifel zwar auf einen Teil der öffentlichen Debatte zutrifft), finde ich dagegen zu billig. Warum haben denn Can (verweigerte den Termin mit Erdogan) oder Gündogan (hatte sich klar distanziert) die Probleme nicht? Es war doch M. Özil, bei dem auch Steinmeier nach dem Gespräch sinngemäß sagte, er wisse nicht, ob das Gespräch bei Özil etwas bewirkt habe. Ich bin stolz auf unsere kulturell bunte Mannschaft, die ein anderes Deutschland repräsentiert als Mannschaften früher. Fußballer müssen auch keine Politiker sein - aber mir fehlt bei M. Özil tatsächlich Distanzierung und Einsichtsfähigkeit. Und er muss akzeptieren, dass das debattiert wird. Das Gebashe auf seiner Person herum, und die üblen von ihm zitierten Anfeindungen und schlimmsten rassistischen Beleidigungen werden dadurch umgekehrt natürlich auch nicht relativiert. Keine Seite hat sich m.E. hier mit Ruhm bekleckert.

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ninita7 23.07.2018, 23:00
347.

Ich kann Mesut Özil sehr gut verstehen.
Wer über fast 10 Jahre als die Integrationsfigur schlechthin propagiert wird, inklusive Oben-ohne-Fotos mit Angela Merkel in der Kabine und einigen (insgesamt über 90!) wirklich guten Spielen in der Nationalmannschaft von der Presse hoch geschrieben wird... dann nach einer historisch schlechten Leistung der kompletten Mannschaft von der Presse allgemein, dem DFB-Chefidioten und dem Marketing-Experten Bierhoff als der alleinige Sündenbock dargestellt wird und nicht nur von den AFDlern sondern allen Nichtmal-Sympathisanten als Nicht-Deutscher (der deutschen Mannschaft nicht würdiger) Spieler der Nationalmannschaft dargestellt wird... wegen eines Fotos, nichtmal wegen seiner gar nicht so schlechten Leistung.

Mesut Özil hat türkische Wurzeln. Das wussten wir alle immer und es war kein Problem, solange er gut gespielt hat für uns. Er war bei diesem Treffen in England, weil ihn ein hochrangiger Mensch seines Ursprungslandes eingeladen hat. Vielleicht, sogar wahrscheinlich, war das naiv, aber ich finde es verständlich.

Aber:
1. hätte ich mir ähnlich kritische Stimmen der Presse zur Leistung von Müller und anderen Spielern gewünscht
2. hätte ich mir insbesondere von Müller den ersten Rücktritt gewünscht
3. hätte ich gerne eine ähnlich kritische Berichterstattung, wenn es darum geht, dass sich die Bayern problemlos mit einem Ministerpräsidenten ablichten lassen, der ein restriktives Polizeigesetz verabschiedet, welches aus Orbans Feder stammen könnte, von Asyltourismus redet und wegen jeder einzelnen Stimme einer AFD hinterher rennt.
4. ich hätte mir gewünscht, dass sich eine Mannschaft vor einen Mesut Özil stellt, wie es andere Mannschaften während dieser WM angesichts von offenem Rassismus getan haben

Mesut Özil wünsche ich alles erdenklich Gute für seine weitere Karriere. Ich danke ihm für seinen Einsatz und ich schäme mich dafür, dass er so abtreten muss.

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inmyop 23.07.2018, 23:01
348. Eigentlich ganz einfach "in dieser Welt", Herr Özil...

...ich bewundere Ihre Fußballkunst...das war und ist Ihr Job...Danke Ihnen für soviele schöne Momente...Sie haben sich aber als Vorbild für viele kleine Mädels und Jungs neben einen Despoten gestellt...das geht einfach nicht...vielleicht haben Sie ja auch noch nicht die menschliche Reife, das zu erkennen...macht nix...ich habe auch erst spät das eine oder andere gelernt im Leben...auch Horst Seehofer hat mit seiner 69-er Aussage keine Reife gezeigt - und der ist noch älter als ich...bitte, bitte: seien Sie einfach weiterhin - denn so habe ich Sie erleben dürfen - ein fairer Sportler...und treten Sie nicht nach...vielleicht sehen Sie ebenfalls einiges besser, wenn Sie so alt sind, wie ich (55). Lieben Gruß, and: no chance for racism !

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FMW 23.07.2018, 23:01
349. Von Kroatien lernen

Wir haben die KO-Runde der WM bei guten Freunden in Kroatien erleben dürfen. Vom positiven Stolz der Kroaten auf ihr Land, der in unzähligen Liedern und dem Lebensgefühl Ausdruck findet, können wir viel lernen. Dass es auch in Kroatien- insbesondere nach dem Krieg- Nationalisten gibt, möchte ich dabei nicht verschweigen. Zu sehen, dass ein Land mit nicht viel mehr Einwohnern als Berlin eine kroatische Mannschaft im engsten Sinn des Wortes aufstellen kann, in der ausnahmslos jedes Teammitglied (auch auf der Bank) mit der Hand auf dem Herzen die kroatische Hymne singt und zu erleben, wie ein Land friedlich feiert (ohne Plünderungen, wie es sie in Frankreich wohl gab) hat uns beeindruckt und nachdenklich gestimmt. Dass der Fußballer Özil diese Leidenschaft und Liebe zu dem Land für das er, sicher auch aus fiskalischen Erwägungen angetreten ist, offenbar nie hat empfinden können, wird nicht erst seit dieser WM diskutiert. Im internationalen Vereinsfußball mögen Söldner ihren Dienst tun. In der Natinalmannschft, auch wenn man diese künstlich als „Die Mannschaft“ bezeichnet, fehlte es dem Deutsch-Türken Özil, der schon lange in London lebt, offenbar an der nötigen Integrität und dem Verständnis für das Land, das ihm - auch unter Anerkennung seines fußballerischen Talents - sein heutiges Jetset-Leben erst ermöglicht hat. Für den Fußball wäre es sehr gut, wenn die unsägliche Verquickung mit der Politik ein Ende hätte, leider ist das Gegenteil der Fall. Korruption und Macht der Politik bestimmen im wahrsten Sinne, wo und letztlich ein Stück weit leider auch was gespielt wird. Frau Dr. Merkel hatte in der Kabine bei Özils erstem Länderspiel genauso wenig zu suchen, wie Özil - vor laufenden Kameras - bei „seinem“ despotischen Präsidenten. Wie nach dem WM Finale Herr Putin bei Einsatz der ersten Regentropfen von einem Schirm geschützt wurde, während die kroatische Präsidentin noch Minuten im strömenden Regen stand, sprach auch Bände, wobei auch dies nichts mit Fußball zu tun hat. Mir wird Herr Özil, der unsere Nationalhymne nie singen wollte, in der Natinalmannschaft nicht fehlen. Für ein Land zu dienen - und sei es nur in einer Fußballmannschaft- verlangt offenbar mehr Empathie (von Nationalstolz darf man hier wohl nicht sprechen), als Herr Özil bereit war aufzubringen. Auf die Zukunft der „Mannschaft“ bin ich, auch was dieses Thema angeht, sehr gespannt.

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