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Schach-Giganten Kasparow und Carlsen: Meine Duelle mit dem Feuerkopf und der Boa Cons
Rasmus Kongsøre / DER SPIEGEL

Garry Kasparow war der Temperamentvolle, sein Schüler Magnus Carlsen ist der Kühle: Stimmen diese Vorurteile? SPIEGEL-Autor beschreibt seine Partien gegen den früheren und den heutigen Weltmeister. Er kam einmal immerhin in "Strafraumnähe".

Rumo75 05.03.2014, 17:31
1.

Der Artikel enthält folgende Fehler und Fehlschlüsse:
1. Kasparovs höchste Elozahl belief sich auf 2851.
2. Nummer 1 der Weltrangliste war er von Januar 1984 bis März 2005. Nur 1996 zog Kramnik einmal kurzzeitig mit ihm gleich. Das ist ein bisschen mehr als ein Jahrzehnt.
3. Daraus dass 2880 mehr sind als 2851 geht keineswegs hervor, dass Carlsen das Schachspiel "tiefer durchdrungen" habe. Erstens weil die FIDE Elozahlen einer ständigen Inflation unterliegen. Aussagekraft hat die Differenz zwischen der Nr.1 und beispielsweise der Nr.2, der Nr.10 und der Nummer 100. In dieser Hinsicht dürften Fischers 2780 und Kasparovs 2851 Carlsens Bestmarke kaum nachstehen. Zweitens ist dieses "Durchdringen" (der Fachausdruck lautet "Positionsverständnis") nur eine von vielen Fähigkeiten, die ein guter Schachspieler benötigt. Und davon hat vermutlich ein Kramnik oder ein Ivanchuk noch ein bisschen mehr als Magnus Carlsen. Carlsen verfügt allerdings auch über viele andere Stärken, die bei anderen weniger ausgeprägt sind: Er hat zum Beispiel starke Nerven, eine gute Physis, und ihm unterlaufen nur ganz selten dumme und unnötige Fehler.

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dröhnbüdel 05.03.2014, 19:25
2. Glückwunsch!

Alle Achtung, Herr Follath! Gerade wenn Kasparow Ihre Elo mit 1900 sogar noch schmeichelhaft überschätzt haben sollte, haben Sie mit beiden Partien eine beachtliche Leistung abgeliefert. Bezirksliga-Matador gegen Weltmeister, da ist die Stellung normalerweise doch schon in der Eröffnung total im Eimer. Ich würde mich in einem solchen Fall glücklich schätzen, wenigstens bis zum zehnten oder zwölften Zug noch mithalten können.

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blogvormkopf 05.03.2014, 20:16
3.

Zitat von dröhnbüdel
Alle Achtung, Herr Follath! Gerade wenn Kasparow Ihre Elo mit 1900 sogar noch schmeichelhaft überschätzt haben sollte, haben Sie mit beiden Partien eine beachtliche Leistung abgeliefert. Bezirksliga-Matador gegen Weltmeister, da ist die Stellung normalerweise doch schon in der Eröffnung total im Eimer. Ich würde mich in einem solchen Fall glücklich schätzen, wenigstens bis zum zehnten oder zwölften Zug noch mithalten können.
Tatsächlich WAR Follaths Stellung gegen Carlsen praktisch in der Eröffnung völlig im Eimer. Ich muss sagen, ich beneide ihn. Die Partie wurde ja auch mehr oder weniger im gedruckten Spiegel dokumentiert. Damit dürfte Follath zumindest in die Schachgeschichte eingehen, als der Spieler, der mit einer wirklich unterirdischen Leistung das größte Publikum erreicht hat. Warum der SPIEGEL das druckt und hier publiziert ist mir allerdings rätselhaft. Der einzige Unterschied zwischen Follath und jedem anderen Amateur, der gegen Carlsen hoffnungslos untergeht, ist, dass Follath beim SPIEGEL ist und daher sein hoffnungsloses Untergehen in die Recherche für einen Artikel umdeuten kann. Das Ergebnis ist dann, dass in dem Artikel praktisch nichts neues über Carlsen steht (außer ein bisschen Trivia, geschenkt). Abgesehen von seinem Sieg über Follath natürlich.

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leiboldson 05.03.2014, 21:06
4.

Zitat von blogvormkopf
Tatsächlich WAR Follaths Stellung gegen Carlsen praktisch in der Eröffnung völlig im Eimer. Ich muss sagen, ich beneide ihn. Die Partie wurde ja auch mehr oder weniger im gedruckten Spiegel dokumentiert. Damit dürfte Follath zumindest in die Schachgeschichte eingehen, als der Spieler, der mit einer wirklich unterirdischen Leistung das größte Publikum erreicht hat. Warum der SPIEGEL das druckt und hier publiziert ist mir allerdings rätselhaft. Der einzige Unterschied zwischen Follath und jedem anderen Amateur, der gegen Carlsen hoffnungslos untergeht, ist, dass Follath beim SPIEGEL ist und daher sein hoffnungsloses Untergehen in die Recherche für einen Artikel umdeuten kann. Das Ergebnis ist dann, dass in dem Artikel praktisch nichts neues über Carlsen steht (außer ein bisschen Trivia, geschenkt). Abgesehen von seinem Sieg über Follath natürlich.
Naja, die Latte für "hoffnungslos" und "völlig unterlegen" wurde durch Bill Gates sehr niedrig gelegt:

http://de.chessbase.com/post/carlsen...in-12-sekunden

Weiterhin sollte uns Schachspieler jeder Artikel in auflagestarken Magazinen freuen, auch wenn er elo 600 nicht übersteigt und für Insider keinen Mehrwert hat, denn Schach bleibt eine Randsportart und ist nicht so cool wie Dschungelcampvoting, wo auch grenzdebile mitmachen können.

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dark_energy 06.03.2014, 08:41
5. schön

Ein sehr schöner, unterhaltsamer, und für mich als absoluter Schach-Amateur, informativer Artikel.

Interessant, dass die Profis in diesen Partien, wo es doch um nichts außer Spaß geht, nicht riskanter oder experimenteller gespielt haben. Bei einem Tennisspiel Laie gegen Profi kann ich mir schon vorstellen, dass der Profi allerlei Tricks und Schabernack macht, und nicht mit vollkommenem Ernst sein normales Spiel durchzieht.

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nietzscheaner66 06.03.2014, 16:48
6. @Rumo75:

Der Autor macht an der höheren Elo-Zahl Carlsens nicht fest, dass er das Spiel tiefer durchdrungen habe, sondern behauptet das unabhängig davon. Und auch wenn sie natürlich Recht haben, dass Fischers höchste Zahl (sie lag übrigens bei 2785!) und Kasparovs 2851 ebenso große Leistungen darstellen, muss man festhalten, dass Carlsen unter absoluten Kriterien Schach auf dem höchsten Niveau aller Zeiten spielt - was nicht bedeuten soll, dass er jetzt schon der beste Spieler der Geschichte genannt werden kann.
Dass allerdings Kramnik und Ivanchuk ein tieferes Positionsverständnis als Carlsen hätten, muss man allerdings bezweifeln. Für Ivanchuk gilt dies auf keinen Fall, bei Kramnik könnte man diskutieren, ob er zu seinen besten Zeiten ein ähnliches Verständnis hatte. Insgesamt ist Carlsen vom reinen schachlichen Talent her allenfalls mit Capablanca und Fischer zu vergleichen, mit einzigartigen Giganten der Geschichte, und nicht mit zeitgenössischen Spielern. Seine Physis mag ihm helfen, aber der beste Schachspieler ist eindeutig derjenige, der die wenigsten Fehler macht. Insofern ist auch Weizäckers Kritk ("seelenloses Computerschach") eigentlich ein verdecktes Kompliment - analog zu dem, was man über Capablanca sagte, als man ihn "Schachmaschine" nannte.

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rational_bleiben 06.03.2014, 16:51
7.

Nun, Kasparov wusste wohl nicht, dass er hier einen ambitionierten Hobbyspieler vor sich hat. Ansonsten wäre Follath wohl auch nicht "in Straufraumnähe" gekommen. Das Spielen gegen Amateure ist für Profis vermutlich sehr nervig, man tut es wegen der nötigen PR halt doch. Dann vielleicht ein wenig "riskant", um schnell zum Ende zu kommen. Ist der Gegner ein guter Hobbyspieler, kann das dann dazu führen, dass es länger gehen muss als geplant, und ein Kasparov sich kurz mal stirnrunzelnd über das Brett beugen muss.

Übrigens hinken die Vergleiche mit Tennis und Rennfahren. Dass ein Amateurspieler vom Range eines Follath Carlsen oder Kasparov ein Remis abringt oder sagen wir gar gewinnt (in einer Partie, die der Großmeister ernst nimmt), ist so wahrscheinlich wie eine Niederlage Federers gegen einen Menschen mit Gehbehinderung oder eine Niederlage Vettels gegen jemanden, der noch nie ein Gaspedal betätigt hat.

Alle Topspieler der Weltklasse sind hochbegabte Genies, die in unvorstellbaren Sphären spielen und schon als Wunderkinder Aufsehen erregten. Carlssen kannte mit 2 Jahren alle gängigen Automarken, nach dem Durchblättern eines Atlas konnte er alle Länder der Welt mit Hauptstadt nennen. Dass Schach reine Trainingssache sei ist Humbug. Angeborene Hochbegabung + jahrelanges zeitintensives Training, da bleiben dann am Ende weltweit nur eine Hand voll übrig. In Simultan-Partien gegen 20 Gegner an 20 Brettern gleichzeitig akzeptiert ein Shirov noch ELO 2300 (!), was schon meisterlich ist und am Ende ringt ihm vielleicht einer ein Remis ab, ja vielleicht verliert er sogar mal eine Partie. Ein Spieler mit ELO 2300 könnte wiederum gegen 20 Follaths an 20 Brettern spielen und das Ergebnis wäre wieder entsprechend.

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StefanXX 08.03.2014, 13:06
8.

Zitat von rational_bleiben
Nun, Kasparov wusste wohl nicht, dass er hier einen ambitionierten Hobbyspieler vor sich hat. Ansonsten wäre Follath wohl auch nicht "in Straufraumnähe" gekommen. Das Spielen gegen Amateure ist für Profis vermutlich sehr nervig, man tut es wegen der nötigen PR halt doch. Dann vielleicht ein wenig "riskant", um schnell zum Ende zu kommen. Ist der Gegner ein guter Hobbyspieler, kann das dann dazu führen, dass es länger gehen muss als geplant, und ein Kasparov sich kurz mal stirnrunzelnd über das Brett beugen muss. Übrigens hinken die Vergleiche mit Tennis und Rennfahren. Dass ein Amateurspieler vom Range eines Follath Carlsen oder Kasparov ein Remis abringt oder sagen wir gar gewinnt (in einer Partie, die der Großmeister ernst nimmt), ist so wahrscheinlich wie eine Niederlage Federers gegen einen Menschen mit Gehbehinderung oder eine Niederlage Vettels gegen jemanden, der noch nie ein Gaspedal betätigt hat. Alle Topspieler der Weltklasse sind hochbegabte Genies, die in unvorstellbaren Sphären spielen und schon als Wunderkinder Aufsehen erregten. Carlssen kannte mit 2 Jahren alle gängigen Automarken, nach dem Durchblättern eines Atlas konnte er alle Länder der Welt mit Hauptstadt nennen. Dass Schach reine Trainingssache sei ist Humbug. Angeborene Hochbegabung + jahrelanges zeitintensives Training, da bleiben dann am Ende weltweit nur eine Hand voll übrig. In Simultan-Partien gegen 20 Gegner an 20 Brettern gleichzeitig akzeptiert ein Shirov noch ELO 2300 (!), was schon meisterlich ist und am Ende ringt ihm vielleicht einer ein Remis ab, ja vielleicht verliert er sogar mal eine Partie. Ein Spieler mit ELO 2300 könnte wiederum gegen 20 Follaths an 20 Brettern spielen und das Ergebnis wäre wieder entsprechend.
Das sehe ich ganz genau so. Ich bin ein durchschnittlicher Hobbypsieler mit einer ELO von ca. 1.400 und mich fasziniert dieses Spiel wahnsinnig. Ich hab 2013 jede WM-Partie zwischen Anand und Carlsen gesehen. Grade die Eröffnungen sehen immer SO einfach aus wenn man denen zusieht, da hat man als Laie teilweise das Gefühl "Naja viel kann man da ja auch nicht falsch machen". Aber wenn man dann mal den Schachcomputer auf ELO 2.500 stellt, dann stellt man fest dass man von 10 Partien 9 schon nach den ersten 7 bis 8 Eröffnungszügen so vergeigt dass man überhaupt keine Chance mehr hat.

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